Anregung für alle Rezeptoren: Zur vierten Ausgabe des wunderbaren „Sparks & Visions“-Festivals in Regensburg

Die vierte Ausgabe des „Sparks & Visions“-Festivals im Theater Regensburg ist soeben äußerst erfolgreich zu Ende gegangen. Alles lief wie am Schnürchen, die Teams von Festival und Theater arbeiteten reibungslos zusammen, Pressevertreter aus nah und fern waren da, und einen Zuschauerrekord gab es auch. Man darf also mit Fug und Recht sagen, dass sich das von der Agenturchefin Anastasia Wolkenstein erfundene, programmierte und geleitete junge Festival etabliert hat. Was ja zunächst noch nichts über den künstlerischen Wert aussagt, nicht wenige Festivals verdanken ihren Zuspruch auch modischem Populismus. Doch „Sparks & Visions“ überzeugte auch inhaltlich wieder auf ganzer Linie. Natürlich ist es in letzter Konsequenz ein Jazz-Festival, doch wie der Titel schon andeutet, kümmert sich Wolkenstein nicht allzu sehr um Genre-Definitionen oder -abgrenzungen. Es geht schlicht um Musik, die berührt oder mitreißt. Bei drei Konzerten pro Abend beziehungsweise zwei am Sonntagvormittag will das auch dramaturgisch sorgsam aufgebaut sein – was ebenfalls mustergültig gelang. Werbung So eröffnete das Duo Fil der Stimmartistin Leila Martial und des Cello-Klangforschers Valentin Ceccaldi den Reigen mit schillernden, mal kontemplativen, mal dynamischen Experimenten. Musik, die den Kopf frei machte für Kommendes. In …

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Moers – (k)ein Jazzfestival? Ein Bericht von der 52. Festivalausgabe

„This is not a jazz festival“ lautete im letzten Jahr das Motto. Aber ist das wirklich so? Vielleicht entsteht Jazz, verstanden als universelle Haltung von Improvisation und kultureller Toleranz, gerade dann, wenn das Wort mit den vier Buchstaben als einengende Schablone wegfällt. Weil sich dann die Dinge wieder aneinander reiben können. Da gab vor allem der feierfreudige soziale Kosmos einer Open-Air-Bühne zur blauen Stunde der Musik ganz viel Luft zum Atmen. Günter „Baby“ Sommers „Brother- and Sisterhood“ klang genau so, wie dieses neue Projekt heißt. Der aus Dresden stammende Schlagzeuger ist mit fast 80 Jahren ein unermüdlicher Ideengeber und Menschenfänger. Hier skandierte er, als wenn es ein Rap wäre, die Lautpoesie des Dadaisten Hugo Ball, die einem seiner aktuellen Stücke mit dem Titel „Karawane“ zu Grunde liegt. Das gute Dutzend Musikerinnen und Musiker, die einen Querschnitt der deutschen Jazzszene ausmachten, und ebenso ihr Publikum stiegen in all dies und noch viel mehr dankbar ein. Werbung Drei Bühnen – drei Aspekte von Livekultur Seit letztem Jahr gibt sich das Moers-Festival mit unterschiedlichen Bühnen an ganz verschiedenen Orten „dreigeteilt“: Die Festivalhalle bietet konzentriertes Zuhören und auch visuelle …

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Samtene Revolution: “Velvet Revolution” auf der münsterländischen Burg Vischering

Die Livekonzertsaison beginnt wieder – und alles fühlt sich neu und ursprünglich an. Vor allem, wenn mit dem Trio Velvet Revolution eine der herausragenden Bands im europäischen Jazz den alten Rittersaal in der münsterländischen Burg Vischering in poetische Klangfarben tauchte. Schon im letzten Jahr hatte die von Christine Sörries kuratierte Sommerkonzertreihe auf westfälischen Burgen und Wasserschlössern starke Eindrücke hinterlassen. Über 100 Menschen zeigen beim langen, dem Ausnahmezustand in der Pandemie geschuldeten Einlass-Procedere, was sie wollen:  Live-Musik. Menschen auf einer Bühne. Im Backstageraum reden Daniel Erdmann, Saxofon, Theo Ceccaldi, Violine sowie Jim Hart über denselben Wunsch, welcher Publikum und Musiker eint: “Wenn dort keine Leute sitzen, gibt es unglaublich viel zu kompensieren“ beschreibt Daniel Erdmann, wie die Energieströme ohne Publikum doch gestört sind. Werbung Kurz danach hat das echte Leben wieder begonnen. Von der farbenfroh ausgeleuchteten Bühne flutet echter, physischer, haptischer Klang. Gerade das Titelstück der aktuellen Platte “Won`t put my flags on me” gibt mit seiner minimalistischen Struktur genug Futter dafür, einen Sound zu entfalten, der jeder guten progressiven Rockband zur Ehre gereichen würde. Aber der hier – im Gegensatz dazu – keine Lautstärke und …

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