Der Trompeter Joo Kraus gastierte mit seinem Quartett im Regensburger Jazzclub Leerer Beutel. Mit seinem prächtig groovenden, sogar clubtauglichen Sound spricht der Trompeter, Sänger, Keyboarder und Komponist schon immer eine generationenübergreifende hellauf begeisterte Zuhörerschaft an. Seine Songs wie „Surfin` at Night“ oder schlicht „Chaka Boom (Tic Toc)“ interpretiert er meist in einem Sprechgesang, der am Rap-Idiom andockt. Das hat er bereits vor Jahrzehnten im Duo mit dem Kraan-Bassisten Helmut Hattler gemacht. Tab Two nannten sie ihr Jazz-Rap-Duo, mit dem sie auch in Regensburg gastierten und das lange als das erfolgreichste Duo des deutschen Jazz galt.
Seit der Auflösung von Tab Two und einer kurzen Reunion für ein Releasekonzert eines weiteren Albums ist Kraus vor allem mit eigenem Quartett unterwegs. In der Besetzung mit den beiden Stuttgartern Veit Hübner am Kontrabass – gelegentlich auch Keyboards – und Torsten Krill am knackig wummernden Schlagzeug und dem elektrisierenden Gitarristen Jo Ambros hat er vor zwei Jahren das Album „No Excuse“ veröffentlicht. Aus dieser „musikalisch bunten Tüte, dem Briefmarken-Sammelalbum“, wie es zu recht auf Online-Plattformen beworben wird, stellte er Songs wie das poppige „Hope“, das mystisch-dunkle Titelstück und „Crying in Your Sleep“ vor.
Stilistisch geht es dabei zu wie auf dem Basar, dem Kraus`schen Basar wohlgemerkt. Funky Nummern werden abgelöst von leicht Reggae-Rhythmen, dann kracht es mal wieder ordentlich rockig, Souliges mischt sich mit sanftem Latinfeeling, ein kurzes Neobop-Intermezzo paart sich prächtig mit einer melodiösen Ballade. Dass eine derartige Querbeet-Wilderei nicht zu einem beliebigem Mischmasch führt, ist dem Mastermind und seinem fantastischen Spiel und Gesang zu verdanken. Es bleibt immer ein nachvollziehbarer Joo-Kraus-Sound.
Der kann durchaus auch mal populistisch sein oder „einfach leicht und nicht so kompliziert“, wie eine sichtlich zufriedene Zuhörerin in der Pause beglückt kommentiert. „Es macht einfach Spaß“ beschreibt sie ihre Eindrücke und den haben auch die Musiker selbst. Bandleader Kraus ist nahezu ständig in sich gekehrt, singt, trompetet und spitzt vergnügt die Lippen, um einen Song zu pfeifen. Es ist offensichtlich, dass den vielseitigen Komponisten Genregrenzen nicht jucken und er in seiner Musik, dem zusammenspiel mit seinen Bandmitgliedern aufgeht.
Mit viel Hall und Echo auf seinem Instrument klingt er mal entfernt wie Nils-Petter Molvaer oder Jon Hassell. Vokal fühlt man sich in einem Moment wie in einem Karussell, das gleichzeitig Stücke von Kurt Weill und dem englischen Improvisationssänger Phil Minton abspielt, dann interpretiert er auf eigene Weise eine Nummer der britischen Sängerin Sade. Was die Musik zusammenhält ist ein mal weicher, dann knackiger Groove und feine Melodien, die von den Musikern voller Energie, Lust und Herzblut in eine mitreißende musikalische Performance umgesetzt werden.
Text und Fotos: Michael Scheiner