Rolling Stone. Foto: Hufner

Rolling Stoned? Die Tippitoppi 100-Jazz-Alben

Der Rolling Stone hat es wieder getan. Seit der letzten Liste mit den angeblich 100 besten Jazz-Alben stehen diejenigen für 2017 fest. Eine „Expertenjury“ hat gewählt. Die Abweichungen zum Jahr 2013 sind irgendwie marginal. Und dann stellt man fest: Es gibt gar keine. Hat sich in den letzten vier Jahren also nichts getan? Oder sind die Experten erstaunlicherweise zu genau dem gleichen Ergebnis gekommen wie vor vier Jahren?


Nö! Der Rolling Stone wärmt die alte Suppe von 2013 nur als den neuesten heißen Scheiß wieder auf. Angeblich waren die Top 1000 am 10. Oktober dieses Jahres eine besondere Meldung wert …

screenshot: www.rollingstone.de-2017-10-12-11-36-20
screenshot: www.rollingstone.de-2017-10-12-11-36-20

… aber dann verlinkt man auf die Erklärbärfotostrecke, so landet man schließlich auf dem Eintrag der Website vom 19. November 2013.

screenshot: www.rollingstone.de-2017-10-12-11-37-31
screenshot: www.rollingstone.de-2017-10-12-11-37-31

Neues von Vorgestern wird hier hochgekocht. Denn man weiß ja, solche Listen kommen gut und gerne an, zumal weil man mit abweichenden Ergebnissen der Leserinnenschaft zu rechnen hat. Im Jazz gilt das gleiche, was auch für den Fussball gilt: Jede ist Expertin, alle wissen immer alles besser.

Noch immer nicht dahinter gekommen bin ich, wie sich denn nun die Expertenjury zusammensetzt. Bleibt wohl geheim und ist auch nicht so dolle wichtig. Geht man die Liste fällt der die Hochzeit des Jazz einfach in die Jahre 1955 bis 1972 (gefühlte 90 Prozent aller Einträge) und ist im wesentlichen amerikanisch geprägt.

Ausnahmen (Kommentare dazu stammen von der Rolling-Stone-Website):

  • Peter Brötzmann – Machine Gun (1968). Als wahrlich transnationale Kollaboration ist „Machine Gun“ nicht nur ein Monument des europäischen Free Jazz aus der Frühphase seiner Emanzipation vom afroamerikanischen Vorbild. Aufgenommen im Mai 1968, steigert die Platte vor allem die Gewalt in den Strukturen, Kämpfen und Aktionen jener Zeit ins Unermessliche. Jeder Ton schreit: Vietnam! Polizeigewalt!! Aufstand!!! OK
  • Jan Johansson – Jazz PÅ Svenska (1964). Schwedische Folksongs im Jazz-Arrangement.
  • OM – OM With Dom Um Romao (1978). Die Schweizer Jazzrocker mit dem brasilianischen Perkussionisten Romao.
  • Nils Petter Molvær – Khmer (1998). Jazz trifft House und Drum’n’Bass.

Das wars auch schon. Davon unabhängig: Selbst ein Art Ensemble Of Chicago, nicht mal Charlie Parker oder Count Basie, kein Ulrich Gumpert, kein John Harriot oder irgendein arabischer Musiker, kein Abdullah Ibrahim, all das findet nirgends seinen Platz. Spiegelt das irgendwas wirklich wieder, lässt sich überhaupt außerhalb des historischen Kontextes so etwas wie eine Top100 erstellen. Das Jazz-Gen mutiert doch schließlich an- und ausdauernd. Und es gilt immer wieder als tot. Dazu mehr im nächsten Beitrag.

Was wollte ich eigentlich sagen? Achja: Ziemlich durchtriebene Aktion vom Rolling Stone – dislike.

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