Audience Development (13) – Fazit und Ausblick

In den vergangenen Wochen und Monaten habe ich das Thema Audience Development aus verschiedenen Blickwinkeln untersucht, einige Fragen beantwortet und viele neue gestellt, Probleme benannt und Lösungsansätze vorgeschlagen. Hierbei war es mir wichtig, nah an der Lebensrealität der Akteure zu bleiben und ein hohes Maß an individueller praktischer Umsetzbarkeit meiner Vorschläge zu ermöglichen.


Zu den Akteuren zähle ich drei große Gruppen: die Musiker, das Publikum und die Infrastruktur (aus Vereinfachungsgründen stecke ich Veranstalter, Journalisten, Labels, PR-Agenten, Booker etc. hier in die gleiche Schublade).
Diese Gruppen haben sich gegenseitig viel beschimpft und die „Schuld“ bei den jeweils anderen gesucht. Musiker beklagen sich über schlechte Deals oder mangelhafte Leistungen seitens der Vertreter der Infrastruktur. Diese wiederum werfen den Musikern unzureichendes Sendungsbewusstsein und die massenweise Produktion „unverkaufbarer“ Musik vor. Beide Gruppen leiden darunter, dass die dritte Gruppe – das Publikum – fernbleibt und keine Anstalten macht, das Klischee, Jazz sei kompliziertes, dissonantes Gedudel für einen kleinen, elitären Kreis ausreichend Vorgebildeter, auf seinen Realitätsgehalt zu überprüfen.

Für jeden der oben genannten Standpunkte lassen sich gute Argumente vorbringen. Aber: So wenig wir einer bestimmten Gruppe aus diesem Kreis die Schuld an der Verschlechterung der Situation geben können, so wenig vermögen wir auch, als einzelne Gruppe die Situation zu verbessern. Wir können und müssen alle den uns jeweils möglichen Teil zum Gelingen beitragen.

Wie in Folge 3 beschrieben, ist Vermittlung der zentrale Faktor. Dieser Begriff lässt sich gleichsetzen mit „Kommunikation“. Egal, ob mündlich, schriftlich, durch Körpersprache oder durch die Musik kommuniziert wird, egal ob im Konzertsaal, auf der Straße oder in der Schule: wir dürfen bei jeglichen Bemühungen um Audience Development nicht aufhören, miteinander zu reden und zusammenzuarbeiten. Wie Stephan A. Dudek in einem seiner wertvollen Kommentarbeiträge schreibt:

„Positive Betroffenheit entsteht erst dann, wenn man sich eine Sache zu eigen macht. Und das geschieht nicht durch Konsum, sondern durch Verständnis.“

Was wünscht sich „der Musiker“ von „dem Veranstalter“ und umgekehrt? Was wünscht sich „das Publikum“ von einem Jazzkonzert? Die Chancen stehen gut, dass wir auf diese und viele verwandte Fragen ganz unterschiedliche Antworten erhalten. Vielleicht muss der Hut, unter den wir all diese Antworten bekommen können, erst noch erfunden werden. Aber bevor wir es uns mit einem resignierenden „Wir können die Tür nur aufstoßen, durchgehen müssen sie selbst“ gemütlich machen, sollten wir uns vergewissern, ob die Tür wirklich offen steht – und die Person auf der anderen Seite der Tür auch verstanden hat, dass sie eintreten darf. Wayne Shorter sagt in Interviews gerne, dass das Publikum genauso mutig sein muss wie die Musiker – ermutigen wir also unser Publikum!

An dieser Stelle möchte ich mich bedanken für die zahlreichen engagierten Leserkommentare, die diese Blogreihe begleitet und bereichert haben. Auch wenn mir das Schreiben Spaß gemacht hat und ich viel daraus lernen konnte, wird es von mir vorerst keine weitere Blogreihe geben, allerdings lade ich alle Leser herzlich ein, meine Homepage www.benjaminschaefer.com zu besuchen. Dort wird es auch in Zukunft in loser Folge einzelne Blogeinträge geben. Ich freue mich nun darauf, in nächster Zeit wieder zusätzliche Kapazitäten für das Musikmachen zu haben.
Wünschen würde ich mir, dass niemand in zwanzig Jahren mit der gleichen Menge an Aufwand und Idealismus die gleichen Texte noch einmal schreiben muss, weil sich wieder nichts geändert hat. In diesem Sinne – gehen wir es gemeinsam an!

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