Ein bisschen Schwing muss sein? Roberto Blanco in New York

IMGHeute hab‘ ich mich getraut. Ich hab‘ sie eingelegt – in den CD-Player, bzw. das Laufwerk des Computers, denn mich hat zugegebenermaßen seit Wochen das Cover abgeschreckt. Roberto, der alte Schlagerkönig, sieht da genauso aus wie vor 30 Jahren, als er mir in der Hitparade androhte: „Ein bisschen Spaß muss sein“. Fast scheint er aus der quietschbunten New Yorker Kulisse herausspringen und mich abbusseln zu wollen… NEIN! Ich bin doch nicht mehr jung und blond schon gar nicht mehr… (Innen im Booklet ist er übrigens mit seiner frisch angetrauten 70 Jahre jüngeren Frau, ähm nein, natürlich ist sie nur 40 Jahre jünger, tschuldigung, abgebildet…)

Aber bleiben wir mal sachlich, wenden wir uns der Musik auf dieser Scheibe zu. Sie ist… mmh, wie soll frau das beschreiben? – ein buntes Knallbonbon? Retrounschick? „Die Post geht ab, wenn ich dich seh, du bist wie Zucker im Kaffee, immer wieder, immer wieder (…) Du bis so wie der Sommerwind, mal Donnersturm, mal Wonnekind, an dir kann selbst der Teufel nicht vorübergehen. Und wenn du auch nicht treu sein kannst, das Leben wird durch dich erst schön, immer wieder, immer wieder“ (Komposition: Christian Bruhn) schallt es da in meinen Kopfhörer hinein, und unter dem Schreibtisch zieht’s mir gleich die Schuhe aus. Im Hintergrund groovt eine veritable Bigband (José Gallardo, arr, trombone; Michael Mossmann, tr, arr, conductor u.v.m.), trotzdem krieg‘ ich Gänsehaut, und keine angenehme. Aber es kommt noch dicker: „Georgia On My Mind“ – und Roberto klingt wie ein Kätzchen mit Dauerlächeln im Schnurregesicht. Hui, naja, muss, beziehungsweise kann, ja nicht jeder interpretieren wie Ray Charles. Weiter: „You Are The Sunshine Of My Life“, oh leck, das ist ja wieder eine Strahlemann-Nummer für ihn, oder? Oh Gott, jetzt kann ich mir vorstellen, wie er das Blondchen erobert hat… Brrrhhh…


„Blueberry Hill“ passt dann wieder super ins Konzept, man fühlt sich sofort in eine Teenager-Faschingsparty versetzt, bei der leider eine Alt-Herren-Band spielte und auf der man sich meisten in der Bar aufgehalten hat, erst nach fünf Wodka-Lemons ging’s dann.

Aber jetzt Spaß beiseite: man weiß ja nie, was man der Oma zu Weihnachten schenken soll. Sie wird sich freuen! Die Wolle in die Ecke schmeißen, die Tanzschuhe vom Speicher holen und das ganze Fest über mit den Enkeln tanzen wollen. Garantiert…

(Roberto Blanco- the Entertainer: Swinging New York, Connector/Universal 4034677406458)

Advertisements

3 Kommentare

  1. Die Kritik ist sehr unfair und herablassend, das hat die CD nicht verdient. Natürlich soll das kein Jazz sein, sondern klassisches, gut gemachtes Entertainment. Aber so ist das in Deutschland leider – wehe, Du verläßt die angestammte Schublade, wirst Du von ebenso ahnungslosen wie überheblichen Musikkritikern niedergemacht, die selbst vermutlich nicht mal ein Instrument halten können.

  2. Sehr geehrter Herr Bierling, erstens spiele ich drei Instrumente und singe selber, zweitens – Vorsicht Ironie – das war durchaus lustig gemeinter Blog-Beitrag…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.