Bundesverband Musikindustrie wird „ambitioniert“ und „zeitgenössisch“

Wer noch vor wenigen Wochen „Bundesverband Musikindustrie“ und „Jazz“ in eine Suchmaschine tippte, fand alles – außer sinnvolle Treffer. Doch plötzlich sieht das anders aus.


In den letzten Jahren fiel der Verband mit seinem Vorstandsvorsitzenden Dieter Gorny eher durch unzählige Versuche auf, ilegale Downloads mit allen Mitteln verhindern zu wollen. Doch anlässlich des Echo Jazz, seit dessen Ankündigung sich schon viele Jazzer die Augen reiben, setzt sich der höchste Pop-Funktionär unserer Republik in der Welt nicht nur selbst als „alter Freejazzer“ in Szene, sondern zeigt – sich vom Pop abwendend – höchstes Interesse am Jazz.

Dieter Gorny: „Sie finden beim Jazz zur Zeit etwas sehr Spannendes, was Sie bei den Popkomms und den Debatten drumherum verloren haben: Sie haben die Musik pur, während Sie auf den Pop-Umschlagplätzen mehr über die Digitalisierung reden und weniger über die Musik. Beim Jazz geht es um echte Erlebbarkeit, um Konzerttourneen, um Clubs. Das ist etwas, was der technisch abhängigere Pop in den Augen vieler Leute verloren hat.“

Hört sich so eine berufliche Midlife Crisis an? Ist Jazz der neue Pop? Soll sich die Jazzszene angesichts dieser ungewohnten Charmoffensive freuen oder Angst haben?

Fragen über Fragen. Wer hat die Antworten?

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2 Kommentare

  1. Gorny polarisiert. Der Pop ist auch nicht so tot, wie er tut. Im Gegenteil, er ist sogar diskursiver, wenn man das so sagen darf. Das zeigt der Zeitschriftenmarkt. Natürlich nicht alles in der gleichen Breite und Tiefe.

    Wohingegen gefühlt weitaus mehr Jazz-CDs auf den Markt kommen als in jedem anderen Genre und die Indie-Szene noch aktiver ist.

    Und Gorny ist nicht dumm, sondern sehr geschickt; wenn der irgendwo eine Lücke findet, um sein Kulturding durchzuziehen, dann tut er es auch. Seine Beziehungen reichen tief in die Medienkanäle hinein. Und wenn alles nichts war, geht er mit Sicherheit mit einer schwarzen Null heraus.

    War Gorny eigentlich auf der Jazzahead zugegen? Respektive sein Verband der Musikindustrie?

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