Velvet Revolution & Jelena im Bergson – samtene Verführung

(Von Robert Fischer) Man wüsste ja gerne, wie Daniel Erdmann das macht: dass man seinem Ton am Saxophon sofort erliegt. Seit rund drei Jahrzehnten ist der 1973 in Wuppertal geborene Musiker jetzt schon in der europäischen und internationalen Szene aktiv. Und in welcher Bandkonstellation auch immer er zu hören ist – stets kann man sich darauf verlassen, dass sein verführerischer Ton das Ganze zum Erlebnis macht. Was er auch bei seinem BR-Clubkonzert am Mittwoch, dem 11. März 2026, im Münchner Bergson Kunstkraftwerk erneut eindrucksvoll bewies.

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Kein Wunder also, dass auch Beate Sampson, die für den das Konzert aufzeichnenden (und am 20. März ab 23.03 in der Sendung Jazztime auf BR Klassik sendenden) Bayerischen Rundfunk moderierend durch den Abend führte, ins Schwärmen kam. Über einen Musiker, den sie nun schon seit rund drei Jahrzehnten kennt und der nicht zuletzt auch über einen hintergründigen Humor verfügt, der ihn zum Beispiel dazu brachte, seine vor der Jahrtausendwende „Erdmann 2000“ genannte Formation nach eben dieser durchaus folgerichtig in „Erdmann 3000“ umzubenennen.

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Eine Kombination aus Feuer und Zartheit

„Velvet Revolution“, so bekundete der Tenorsaxofonist anschließend selbst auf der Bühne im gut gefüllten Club, sei entstanden, als er mit (s)einer ganz eigenen „samtenen Revolution“ beschäftigt war. Was genau er damit meinte, überließ er der Phantasie des Publikums – immerhin lässt sich die Zeit exakt bestimmen, wann das gewesen sein muss: Velevet Revolution“ wurde im Jahr 2015 als Trio gegründet, zu dem neben Erdmann selbst der Violinist Théo Ceccaldi und der Vibrafonist Jim Hart gehören.

In all den Jahren seit der Gründung, so erzählte Daniel Erdmann weiter, sei das Trio immer mal als „Velvet Underground“ bezeichnet worden, statt als Velvet Revolution. Was ihn irgendwann dazu geführte habe, seine heimische Plattensammlung noch einmal durchzugehen und seine alte Vinylkopie des legendären Albums der New Yorker Formation um Lou Reed, John Cage  und der deutschen Sängerin Nico mit dem nicht minder legendären „Bananen-Cover“ von Andy Warhol hervorzuholen. Die Verwechslung des Namens führte also zu einem Wiederhören der Songs, in dem Erdmann dann auch „eine Nähe in der Absicht, eine Suche nach einem samtigen Klang mit einer festen Textur, leichtgängigen Melodien, einer Kombination aus Feuer und Zartheit“ erahnte – so formuliert er das auf seiner Website.

Die unvergleichliche Jelena

Die richtige Partnerin für das Projekt, das so vor seinem inneren Auge entstand, erzählte Erdmann weiter im Bergson Kunstkraftwerk, habe er auch sofort im Kopf gehabt. Und glücklicherweise sagte sie sofort zu: Jelena Kuljić ist eine seit rund 20 Jahren in Deutschland lebende, zum Ensemble der Münchner Kammerspiele gehörende serbische Sängerin und Schauspielerin. Ja – man könnte sich keine bessere Interpretin für dieses neue Projekt vorstellen, für das Daniel Erdmann einige Stücke von Velvet Underground arrangiert sowie einige neue zu Texten von Jelena geschrieben hat. Das liegt zum einen an der herzerweichenden Nonchalance, mit der Jelena Stücke wie „I’ll Be Your Mirror“, „All Tomorrow’s Parties“, „Sunday Morning“ zu neuem Leben erweckt, dann auch an ihren sehr persönlich inspirierten, etwa ihre Eindrücke während Fahrt mit der Straßenbahn zu den Kammerspielen beschreibenden Texte – und sicher nicht zuletzt an ihrer Bühnenpräsenz, die im verbalen Ping-Pong zwischen ihr und Erdmann dem Abend eine ganz besondere Note verlieh.

Malen mit Noten

Begonnen hatte das Clubkonzert im Münchner Bergson Kunstkraftwerk vor und nach der Pause zunächst als das Trio, als das Velvet Revolution einst ins Leben gerufen wurde. Violine, Vibraphon und Saxophon zaubern eine ganz eigene, wie leicht schwebend wirkende Stimmung, getragen von drei exzellenten, auf Augenhöhe miteinander kommunizierenden Instrumentalisten. Und man könnte sich Daniel Erdmann auch gut als musizierenden Maler vorstellen, wie er mit leicht kritischem Blick vor einer Leinwand steht, um hier und da sein Arrangement noch mit ein paar spontan gesetzten Pinselstrichen zu verzieren. Jelenas in der Tat ihrerseits über genauso viel Zartheit wie Feuer verfügende Stimme verlieh dem Ganzen dann noch zusätzlich einen ganz besonderen Charme, dem wohl nicht nur an diesem rundum gelungenen Abend kaum jemand im Publikum widerstehen konnte oder kann.

Fotos: Simon Haseneder/Bergson

 

 

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