Erroll Garner und Victor Venegas im Mai 1970 in der Berliner Philharmonie. Foto: Bayerisches Jazzinstitut/Ludwig Binder
Erroll Garner und Victor Venegas im Mai 1970 in der Berliner Philharmonie. © Foto: Bayerisches Jazzinstitut/Ludwig Binder

Verkörperte Improvisation – Zum 100. Geburtstag des Pianisten Erroll Garner

Die materialreichen, luxuriös ausgestatteten Bände des Münchener Pianisten und Autors Ernst Burger über Franz Liszt, Frederic Chopin und Robert Schumann genießen unter Musikfreunden und Liebhabern guter Bücher beinahe schon Kultstatus. In einem ähnlich aufwändigen Band, „Erroll Garner – Leben und Kunst eines genialen Pianisten“ hat Burger dem Jazzpianisten Erroll Garner, ein Denkmal gesetzt. Das Buch erschien 2006 beim ConBrio Verlag und es war naheliegend, den Autor anlässlich des 100. Geburtstags seines Idols am 15. Juni 2021 um eine Würdigung in der neuen musikzeitung zu bitten.


Der Artikel „Gottes Geschenk an die Klaviertasten“ enthält auch zwei Notenbeispiele, „S‘ Wonderful“ (1953) und „Just One of those things“ (1964), an denen sich wunderbar illustrieren lässt, wie weit Jazzinterpretation und Notentext auseinanderklaffen können.

Notenbeispiel 1: „Just one of those things“ (1964)
Notenbeispiel 1: „Just one of those things“ (1964)
Notenbeispiel 2: „’S Wonderful“ (1953)
Notenbeispiel 2: „’S Wonderful“ (1953)

Ein wunderbar unterhaltsames Exempel für transkribierende Jazzer und vergleichende Jazzwissenschaftler. Da Garner keine Noten schreiben konnte, spielte er auf Tonband und andere schrieben es auf. Garner hinterließ mehr als 200 Kompositionen, darunter „Misty“, einer der am meistgespielten Jazzsongs des 20. Jahrhunderts. Garner ist verkörperte Improvisation: „Just sit down and play“ war die unter seinen Bandmitgliedern gefürchtete Einleitung zu ungeprobten Plattenaufnahmen oder Konzerten.

In einem Interview mit der neuen musikzeitung im Jahr 2006 sprach Ernst Burger über seine Motivation, ein Buch über Garner zu schreiben.

„Mein erstes Buch galt Franz Liszt und da waren die Beweggründe eigentlich die gleichen wie bei Erroll Garner. Liszt wird immer ungerecht behandelt, wird verurteilt und wird falsch eingeschätzt, von Leuten, die sich eigentlich kaum mit ihm befassen. Das war die Motivation, das Liszt-Buch zu machen. Eigentlich trifft das auch auf Erroll Garner zu. Garner war ein unglaublich begabter Musiker, er wurde auch von seinen Kollegen und sogar von seinen Konkurrenten wie Peterson, Monk, Shearing, Brubeck hoch geschätzt, und heute ist er fast vergessen. Die ältere Generation kennt ihn natürlich noch, die jungen Leute aber kennen seinen Namen nicht mehr, und dies, obwohl Garner zum Beispiel von Dan Morgenstern als der erfolgreichste Jazzmusiker seiner Generation bezeichnet wird.“

Heute am 15. Juni wäre Erroll Garner 100 Jahre alt geworden.

Erroll Garner und Victor Venegas im Mai 1970 in der Berliner Philharmonie. Foto: Bayerisches Jazzinstitut/Ludwig Binder
Erroll Garner und Victor Venegas im Mai 1970 in der Berliner Philharmonie. Foto: Bayerisches Jazzinstitut/Ludwig Binder

Weitere Hörbeispiele:

Erroll Garner plays „Laura“

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Erroll Garner plays „What is this thing called love“

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Links zu Erroll Garner

Art Tatum und Erroll Garner
Anlässlich des 50. Todestags von Art Tatum · Auszug aus Ernst Burgers Garner-Buch

Bei diesem Klavierspieler war alles von Anfang an da
Ernst Burger im Gespräch mit der neuen musikzeitung über seine Erroll-Garner-Biografie

 

 

 

 

 

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