Tastend, fast zerbrechlich beginnt das Tenor sich einen Weg zur imaginären „Planetentochter“ zu bahnen, einem mythologischen Wesen, schön und versponnen. Genauso will es vom Pata-Trio des Saxofonisten und Komponisten Norbert Stein wahrgenommen und mit poetischem Eigensinn erspürt werden. Umgarnt von Beckengeraschel (Jörg Fischer) und flüchtig mäandernden Klaviersprüngen (Uwe Oberg) zieht es schließlich, begleitet von einem warmen Basston, fein flackernd seine Bahn im Universum des Pata-Masters.

Vom Trio bis zum Orchester
Seit Jahrzehnten erforscht und erweitert der Kölner mit unterschiedlichsten Besetzungen vom Trio bis zur orchestralen Formation ein Universum aus freier Improvisation, Komposition und Lust am Schönen. Es sind die Klänge und ihre kommunikativen Beziehungen, die er nicht müde wird zu ergründen. Die „Planetentochter“, mit einem skurrilen, in Urzeiten einmal futuristischen Fluggerät auf dem Cover, nimmt die Nummer 27 in dieser Albumdiskothek ein und damit schon die dritte Zehnerstaffel ins Visier.

The Raven Speaks
Mit sechs Titeln und knapp vierzig Minuten ist es ein eher kurzes Album, nach dem üppigen letzten, mit zwölfköpfiger Besetzung eingespielten „Pata Kandinsky“. „The Raven Speaks“ ist ein Paradestück für die einerseits melodisch eigensinnige, sehr bildhaft wirkende musikalische Gewichtung Stein`scher Kompositionen und einem immer rauher und borstiger werdenden Geraufe. Das Sax sitzt einem fast im Nacken, während Schlagzeug und Klavier herumlaufen und aus sicherer Entfernung mitkeckern. Überblas-Gequietsche und harte Pianostöße befördern Hörende „Into the Open“, ins Freie, Offene, wo sie nach einem wilden Tanz am Lagerfeuer Platz nehmen, Erinnerungen austauschen und sich kleine Geschichten erzählen.
Recall
Mit dem feinen, dunklen „Recall“, dem innig-schönen balladesken „Life in the Fireplace“ und dem beredten „The Speech“ bereichert das an sich schon vielfältige Pata-Universum um weitere Facetten und Fragen. Die ergeben sich für Musiekr wie für Zuhörende aus der Beschäftigung mit dem Gehörten, das selten einlädt zum Kuscheln, aber dafür umso häufiger und intensiver zum genau Zuhören, Überlegen, Nachdenken und Mit(einander)reden.

Info:
Norbert Stein – tenor saxophone, composition / Uwe Oberg – piano / Jörg Fischer – drums