Die Übersicht zum Download als PDF. Alle Angaben ohne Gewähr. Ergänzt mit den tollen Sendungen zur Neuen Musik von BR-KLASSIK und Ö1. Aktuell bekommen wir Informationen von SWR Kultur, Ö1 und in Sachen Neue Musik von BR-KLASSIK und ebenfalls Ö1.
Senderliste:
- ORF – Ö1
- Deutschlandfunk – „Fakten und mehr“
- Deutschlandfunk-Kultur – „Das Feuilleton im Radio“
- ndr Kultur – Hören und genießen
- ndr blue – Meet The Music
- radio bremen – Neugier lohnt sich.
- Radio 3 –
- mdr-kultur – Das Radio.
- WDR3 – Das Kulturradio
- hr2-kultur – Das Kulturradio für Hessen.
- SR2 Kulturradio – … gut zu hören.
- SWR kultur – Kultur neu entdecken
- BR-KLASSIK – Klassikstars geben auf BR-KLASSIK den Ton an. Attraktive Magazine bringen Interviews und Neuigkeiten aus dem Musikleben.
- Bayern 2 – Preisgekröntes Radio für Hörer, die mehr wissen wollen
Internet:
- Schweden: P2 sendet immer Dienstags von 21:00 bis 22:00 und Sonntags von 18:40 bis 20:00 ein Jazzkonzert
- Ungarn: Bartok Radio sendet täglich von 23:00 bis 23:55 eine Jazzsendung
mo – 05.01.2026
19:30:00 +++ Ö1
Jazzpianist Sullivan Fortner mit seinem Trio im Oktober 2025 im Porgy & Bess in Wien
Mit Sullivan Fortner gastierte am 20. Oktober letzten Jahres einer der gefragtesten Pianisten seiner Generation im Wiener Jazzclub Porgy & Bess. Fortner, 1986 in New Orleans geboren, ist u. a. durch seine Mitwirkung in der Band des früh verstorbenen Trompeters Roy Hargrove wie auch als Begleiter von Sängerin Cécile McLorin Salvant bekannt geworden, aber auch mit eigenen Einspielungen hervorgetreten.
Im Porgy & Bess überzeugte Fortner durch wohldosierte Virtuosität und präsentierte im sehr gut eingespielten Trio mit Bassist Tyrone Allen und Schlagzeuger Kayvon Gordon Musik, in der Klavier, Bass und Schlagzeug in eng verklammerten, reduzierten Strukturen eigenwillige, überraschungsreiche Einheiten bildeten. Neben Eigenkompositionen stand ein kontrastreiches Programm auf dem Speiseplan, eine Bearbeitung von Musik aus Georges Bizets „Carmen“ ebenso wie Stücke von Ornette Coleman und Duke Ellington sowie – beim Publikum auf besonderen Anklang stoßend – die Komposition „Fairytale Countryside“ des verstorbenen Wiener Pianisten Fritz Pauer. Das stupende musikalische Ideenfeuerwerk Sullivan Fortners, Tyrone Allens und Kayvon Gordons wurde mit viel Applaus aufgenommen.
22:03 – 23:00 UHR +++ SWR KULTUR
ARD Jazz. Spotlight: Stop Over 4 – Eine internationale Affäre
Von Wolf Kampmann. Das Jazz-Jahr 2026 startet im Konzerthaus Berlin mit „Stop Over 4“. Neue Perspektiven für den Berliner Jazz und den internationalen Jazz in Berlin sollen entstehen. Drei Kurator*innen, die New Yorker Saxofonistin Ingrid Laubrock, die Berliner Pianistin Julia Hülsmann und der Berliner Schlagzeuger Christian Lillinger haben dazu Musiker*innen aus Berlin, New York und anderen Städten eingeladen. Über auftretende Künstlerinnen und Künstler, Konzepte und Standpunkte informiert Sie im Gespräch mit dem Kurations-Team und mit viel Musik Wolf Kampmann.
23:03:00 +++ Ö1
Thomas Wally analysiert ein Konzert für Orchester – 2025 revisited. Neue Musik auf der Couch. „Concerto for Orchestra“ (2019) von Nina Šenk
Beim seit dem frühen 20. Jahrhundert immer wieder auftauchenden Titel „Konzert für Orchester“ denkt man zunächst wohl an Bartók, möglicherweise auch an Lutosławski, Kodály oder Hindemith. Seit 2019 darf man ein weiteres Werk zu dieser Reihe zählen, und zwar das „Concerto for Orchestra“ der slowenischen Komponistin Nina Šenk.
Wie bei einem Konzert für Orchester nicht unüblich, wird die Rolle des konzertierenden Solisten von den einzelnen Mitgliedern des Orchesters übernommen bzw. auf Gruppen oder auch aufs gesamte Orchester übertragen. „Allen gemeinsam ist eine agile und schnell wechselnde Funktion im musikalischen Moment“, so die Komponistin, und zieht einen Vergleich zum Alltag, „wo wir mühelos von einer Rolle zur nächsten wechseln und stets Verbündete finden, während wir zwischen Gruppen- und Individualinteressen wählen können.“ Dieses Werk, das eine hohe Flexibilität des orchestralen Apparats erfordert, habe sie „als Geschenk für die Orchestermusiker:innen“ komponiert.
Thomas Wally, neben seiner Tätigkeit als freischaffender Komponist und Violinist auch an der Wiener Musikuniversität als Senior Lecturer in musiktheoretischen Fächern aktiv, betrachtet das Concerto for Orchestra von Nina Šenk im Gespräch mit Rainer Elstner aus (hör)analytischer Perspektive: Was hören wir, wenn wir dieses Werk hören? Worauf können wir achten? Was sind Besonderheiten, denen wir Aufmerksamkeit schenken sollten? Den Hörer/innen werden analytische Tools bereitgestellt, mit deren Hilfe diese Musik mit einem geschärften Fokus wahrgenommen werden kann. (Wiederholung vom 8. September 2025) Gestaltung: Thomas Wally
di – 06.01.2026
17:10:00 +++ Ö1
Vom Anfangen
„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“ schreibt Hermann Hesse in seinem Gedicht „Stufen“. Das lässt sich auch ganz wunderbar auf das neue Jahr anwenden; und das ist am Dreikönigstag so frisch, dass sogar die meisten Neujahrsvorsätze noch halten.
Als kleine Motivation, vielleicht ein paar Tage länger dranzubleiben, soll diese Sendung dienen, mit einer Sammlung von Musiken, die um das Thema Neuanfang kreisen.
Bei Nina Simone, der Hohepriesterin des Soul, ist es der neue Tag, das neue Leben, das ihr hörbar gute Gefühle beschert – und die neue Dämmerung, die auch die koreanische Songwriterin Youn Sun Nah besingt, bevor George Harrison gemeinsam mit seinen drei Kollegen die Sonne aufgehen lässt. Duke Ellington sieht durch einen Kuss plötzlich Licht am Ende des Tunnels und die Alternative Country-Ikone Gillian Welch lässt sich ab jetzt einfach nicht mehr von schweren Zeiten diktieren.
Aber auch die jüngere Jazzgeneration, von der britischen Saxophonistin Jasmine Myra über den norwegischen Pianisten Kjetil Muledid bis zur österreichischen Formation Eledone, erliegt ihm mit Freuden – dem Zauber des Neuanfangs.
21:00 – 22:00 UHR +++ SWR KULTUR
JetztMusik: Das Prinzip – Claus Boesser-Ferrari, Joss Turnbull & Mia Ferrari beim Festival Enjoy Jazz
Von Julia Neupert. Der Roman „Das Prinzip“ von Jérôme Ferrari über den Physiker Werner Heisenberg war Inspiration für dieses Projekt von Gitarrist Claus Boesser-Ferrari, Perkussionist Joss Turnball und Filmerin Mia Ferrari. . In ihrer musikalisch-visuellen Versuchsanordnung verarbeiten sie konkrete Textpassagen, nehmen aber bei ihrer Performance in der Alten Feuerwache Mannheim auch die berühmte Heisenbergsche Unschärferelation zum Ausgangspunkt für eine gemeinsame Reflektion über unseren Umgang mit dem Unbestimmten und Ungewissen.
22:05:00 +++ Ö1
Ein Blick in den Himmel mit Autor Raoul Schrott
Raoul Schrott spricht über sein Buch „Atlas der Sternenhimmel und Schöpfungsmythen der Menschheit“, Verlag Carl Hanser. Ein Mitschnitt von den ARD Hörspieltagen vom 6. November 2025 im ZKM Karlsruhe. Redaktion: Rainer Elstner
23:03:00 +++ Ö1
Was uns die Sterne erzählen – Ein Blick in den Himmel mit Autor Raoul Schrott
Raoul Schrott spricht über sein Buch “Atlas der Sternenhimmel und Schöpfungsmythen der Menschheit”, Verlag Carl Hanser. Ein Mitschnitt von den ARD Hörspieltagen vom 6. November 2025 im ZKM Karlsruhe. Redaktion: Rainer Elstner
mi – 07.01.2026
17:30:00 +++ Ö1
Musik aus allen Richtungen mit Ulla Pilz und Michael Neuhauser.
22:03 – 23:00 UHR +++ SWR KULTUR
ARD Jazz. Magazin
Von Anja Buchmann. Das wöchentliche Jazz-Update, präsentiert von Eurer ARD: außergewöhnliche Veröffentlichungen, relevante Ereignisse und aktuelle Debatten. Wir diskutieren Jazz in allen seinen Facetten und suchen auch deutschlandweit die Orte auf, an denen er zu Hause ist. Nicht verpassen!

do – 08.01.2026
17:30:00 +++ Ö1
Musik aus allen Richtungen mit Andreas Felber.
22:03 – 23:00 UHR +++ SWR KULTUR
Jazz and More
Von Karmen Mikovic. Ja was haben wir denn da?! Neue Alben aus dem Jazz und seinen Randgebieten. Ob Blues, Neo-Klassik, Global-Pop oder freie Improvisation – hier darf alles mitmischen. (Übernahme von hr2-kultur).
23:03 bis 00:00 Uhr +++ BR-KLASSIK
Horizonte: Die Phantasie, das sind so viele Dinge. Ein Porträt der New York School
„Wir waren die geborenen Komplizen.“ – Wenn der Komponist John Cage seiner Verschworenheit mit dem Maler Robert Rauschenberg Ausdruck verlieh, ging es um ein grundsätzliches ästhetisches Bekenntnis. Vertreten die beiden doch eine einzigartige Verbindung zwischen Malern und Komponisten, die im New York der 50er Jahre die amerikanische Moderne aus dem Schatten der europäischen Tradition befreien wollte. Bei den Komponisten gehörten dazu auch Earle Brown, Christian Wolff – und Morton Feldman, der am 12. Januar 100 Jahre alt geworden wäre. Beide Gruppen sollten in wechselseitiger Befruchtung die Kunst ganz neu definieren. Jede von ihnen wurde später als New York School bezeichnet, auch, um dem Geist der Stadt zu huldigen. BR-KLASSIK zeichnet ein Porträt dieser Beziehung und geht dabei den darin angeregten musikalischen Neuerungen nach. Eine Sendung von Ferdinand Zehentreiter (Wiederholung vom 10. Januar 2017)
fr – 09.01.2026
14:05:00 +++ Ö1
Gitarrist John Scofield und sein Trio beim Cully Jazz Festival 2025
John Scofield ist ein wahrer Meister des Gitarrentrios. Mit Schlagzeuger Bill Stewart musiziert er mittlerweile seit Jahrzehnten, und auch Bassist Vicente Archer ist ein treuer musikalischer Wegbegleiter. Diese Kontinuität ist wohl ein wichtiger Grund dafür, dass nur wenige Saitenkünstler das Zusammenspiel von Gitarre, Bass und Schlagzeug so souverän beherrschen wie der Mann aus Dayton, Ohio.
John Scofield lässt seinen Mitspielern viel Raum, er weiß aber immer, wann der Zeitpunkt gekommen ist, das Ruder zu übernehmen. Diese Balance aus Zurückhaltung und Sich-ins Rampenlicht-Spielen ist im Trioformat sehr delikat, Scofield erweist sich dabei als gleichermaßen perfekter Leader wie als Teamplayer. Im Zuge des Konzerts am 4. April 2025 im schweizerischen Dorf Cully am Genfersee spielte das John Scofield Trio einen Mix aus Eigenkompositionen und gut abgehangenen Jazzstandards wie die John-Coltrane-Ballade „Naima“.
17:30:00 +++ Ö1
Musik aus allen Richtungen mit Johann Kneihs.
23:03:00 +++ Ö1
Ein Hotspot für außereuropäische Musiken – 2025 revisited. Globale Sounds jetzt: Die Plattform Norient und Thomas Burkhalter im Zeit-Ton Porträt.
Norient wurde unlängst mit dem Spezialpreis Musik des Schweizer Bundesamts für Kultur ausgezeichnet. 2002 vom Musikethnologen Thomas Burkhalter in Bern gegründet, ist Norient eine Recherche-Homepage, ein Filmfestival, eine audiovisuelle Galerie und ein Podcast mit Außenstellen in Neu-Delhi, Bogotá, Berlin und Beirut. Norient liefert ebenso kompetente wie spannende Einblicke in globale Musik, Kunst und Gesellschaft. Im „Zeit-Ton Porträt“ erzählt Thomas Burkhalter darüber und über sein Musikprojekt Melodies In My Head.
Norient ist ein Hotspot für außereuropäische Musiken und deren Kulturen. Schon in den 2010er Jahren hatte Thomas Burkhalter eine „Weltmusik 2.0“ konzipiert, die Kunstproduktionen in Ländern des Globalen Südens ins Zentrum der Auseinandersetzung stellt.
Nachdem er für Schweizer Medien über sogenannte Weltmusik geschrieben, in seiner Dissertation die Improvisations- und Elektronikmusik Beiruts erforscht und eine Dokumentation über die indische Musikszene in Großbritannien gedreht hatte, bündelte Burkhalter seine Erfahrungen in einem Musik-Blog. Schon bald kam ein jährliches Filmfestival hinzu.
Im Lauf der Jahre wurde Norient zu einer Einrichtung, die von einem rund zehnköpfigen Team getragen wird. Es entstehen Artikel für das Online-Portal, Video-Blogs, Podcast-Reihen und Buch-Editionen.
Elektroakustik aus Uganda, ägyptischer Heavy Metal, elektronische Grooves aus Bogotá, Alphorn-Klangkunst aus der Schweiz, Arbeitsbedingungen queerer Künstler:innen in Indonesien: Hier wird die (Musik-)Welt in ihrer ganzen Vielfalt abgebildet. Norient arbeitet mit Journalisten, Kuratorinnen und Wissenschaftlern vor Ort, geleitet von ausgeprägten Netzwerk-Strukturen.
So heißt es in der Begründung für den Musikpreis: „Norient vermittelt einem breiten Publikum künstlerische weltweite Lebenswelten. Ein Seismograf, der die aktuellsten Musikströmungen dokumentiert und reflektiert.“
Anfang 2025 ist auch mit „Joy Anger Doubt“ das Debüt-Album von Melodies In My Head erschienen. In diesem Audiovisionsprojekt präsentieren Thomas Burkhalter und der Schweizer Dub-Produzent Daniel Jakob globale Klangwelten mit Stimmen von Musiker:innen aus dem Norient-Umfeld.
Für diesen Zeit-Ton hat Thomas Burkhalter Musik aus Kaschmir, dem Libanon, Nairobi und der Schweiz zusammengestellt, dazu gibt es Stücke von Melodies In My Head. Gestaltung: Heinrich Deisl
sa – 10.01.2026
18:20 – 19:00 UHR +++ SWR KULTUR
Jazz: Shuteen Erdenebaatar Quartett beim Akut-Festival Mainz
Von Konrad Bott. Normalerweise kracht und knistert es beim traditionsreichen Akut-Festival in Mainz. Improvisierte Musik, die aneckt, findet dort seit Jahrzehnten ein Publikum. Am 6. September 2025, bei der 24. Ausgabe des Festivals, stand eine Band auf der Bühne, die jünger als alle anderen war und gleichzeitig die eingängigste Musik abgeliefert hat. Shuteen Erdenebaatar ist mit ihren samtig silbrigen Kompositionen längst kein Geheimtipp mehr unter den Jazzfans und hatte sich für den Abend in Mainz den Saxofonisten Jakob Manz als Gastvirtuosen eingeladen. Freuen Sie sich auf zauberhafte Töne in brillanter Fülle!
22:45:00 +++ Ö1
Neuigkeiten aus der Welt des Jazz
Konzertempfehlungen für die kommende Woche, Buchbesprechungen, Kurznachrufe und aktuelle Meldungen.
23:03:30 +++ Ö1
Tenorsaxofonist Gregor Storf im Interview und mit seinem Quintett Partners in Time im ORF RadioKulturhaus
Der 28-jährige Vorarlberger Gregor Storf gilt als große, multitalentierte Nachwuchshoffnung des österreichischen Jazz. Als Tenorsaxofonist überzeugte er – nominiert von der Ö1-Jazzredaktion – im Mai 2025 als Teil des Euroradio Jazz Orchestra der European Broadcasting Union (EBU) in Ljubljana und Zagreb. Ebenso geschätzt ist indessen sein Können als Schlagzeuger, und auch als Pianist verfügt Storf über weit entwickelte Kenntnisse.
Im Rahmen der Reihe „5 Millionen Pesos“ für jungen Jazz in und aus Österreich stellte sich Gregor Storf am 10. Dezember 2025 im Studio 3 des ORF RadioKulturhauses als Bandleader vor: Partners in Time heißt sein Quintett, in dem er als Tenorsaxofonist in Erscheinung tritt, gemeinsam mit Daniel Nösig (Trompete), Urs Hager (Klavier), Philipp Zarfl (Kontrabass) und Joris Dudli (Schlagzeug). Die Band präsentierte Eigenkompositionen, die tief in der Jazztradition verwurzelt sind. Auf diesem Fundament – so heißt es im Pressetext – „entwickelt das Ensemble eine eigenständige musikalische Sprache – geprägt von langjähriger Zusammenarbeit und einem unverwechselbaren, organisch gewachsenen Bandsound.“ Katharina Osztovics präsentiert das Konzert und bittet Gregor Storf zum Interview.
so – 11.01.2026
00:05:00 +++ Ö1
(Fortsetzung); Tenorsaxofonist Gregor Storf im Interview und mit seinem Quintett Partners in Time im ORF RadioKulturhaus
17:10:00 +++ Ö1
Wiederbegegnung mit einem 50-jährigen Rock-Klassiker
Vier Studio-Alben brachte Peter Frampton als Solokünstler heraus, nachdem er sich 1971 aus seiner mit Steve Marriott gegründeten Band Humble Pie verabschiedet hatte. Doch der Erfolg blieb moderat. Der wahre „Wind of Change“ (so hatte er sein Solodebüt genannt), der große Durchbruch kam ausgerechnet mit einem Livealbum, erschienen im Jänner 1976, zusammengestellt aus Mitschnitten von vier Konzerten in den Bundesstaaten Kalifornien und New York zwischen Juni und November 1975, mit Peter Frampton als Sänger und Leadgitarrist, Bob Mayo, Rhythmusgitarre und Keyboards, Stanley Sheldon, Bass, und John Siomos, Schlagzeug.
Zehn Wochen lang stand das Doppelalbum an der Spitze der US-Albumcharts, wurde in den Vereinigten Staaten zum meistverkauften Album des Jahres und ging allein dort mehr als acht Millionen Mal über den Ladentisch. An den Songs allein konnte das nicht liegen, die waren bereits auf den vier Studioalben zu hören gewesen. Auch die Lieder „Show Me the Way“, „Baby, I Love Your Way“ und „Do You Feel Like We Do“ wurden erst zum Hit, als sie in der Liveversion als Singleauskoppelungen erschienen.
19:05:00 +++ Ö1
Kammermusikalischer Trio-Jazz: Haezz im Studio 2 des ORF RadioKulturhauses in Wien
Haezz, das ist ein Vorarlberger Dialektausdruck für Kleidung. Haezz ist auch ein Trio, bestehend aus zwei gebürtigen Vorarlbergern, dem Trompeter Martin Eberle und dem Bassisten Tobias Vedovelli. Der dritte im Bunde ist der aus Tschechien stammende und in Wien lebende Saxofonist Stepán Flagar, in diesem Kontext also eine Art „Beutevorarlberger“. Sein ausgezeichnetes Deutsch spricht er mittlerweile sogar mit einer leichten Färbung des im westlichsten Bundesland Österreichs gesprochenen Dialekts. Eberle, Vedovelli und Flagar haben sich beim großorchestralen OnQ Ensemble kennengelernt. Aus spontanen Jamsessions entwickelte sich ein kammermusikalisches Programm, welches souverän durch verschiedene Jazzepochen surft. Ensembles ohne Akkordinstrumente waren jazzhistorisch so etwas wie eine „Erfindung“ des Cool Jazz der 1950er Jahre, der tiefe Spuren bei Haezz hinterlassen hat. Ein lineares Konzept ermöglicht einen luftigen und lockeren Sound, wobei jedes Instrument rasch von der Haupt- in die Nebenrolle wechseln kann, die Trompete auf einmal Klänge erzeugt, die nach elektronischen Drumloops klingen und der Bass die Hauptmelodie intoniert.
19:15 – 20:00 UHR +++ SWR KULTUR
Big time Jazz. Jazz-Orchester, Big Band, Oktett – hier kommt Musik mit Vielen!
Im Big Time Jazz stellen wir für Sie interessante und schöne Klänge zusammen – von großen Ensembles aus dem Jazz und der improvisierten Musik. Wir bergen Archivaufnahmen und durchforsten Neuveröffentlichungen für eine Zeit, die ganz den großen Klängen gehört.
22:03 – 23:00 UHR +++ SWR KULTUR
NOWJazz: Macrotones – Der Posaunist Jacob Garchik
Von Niklas Wandt. Jacob Garchik kam Mitte der 1990er-Jahre zum Jazzstudium von San Fransico nach New York, wo er seitdem ein wichtiger Mitgestalter der Avantgardeszene ist: als Arrangeur des Kronos Quartet, als Sideman etwa der Gitarristin Mary Halvorson, aber auch mit einer Fülle eigener Projekte quer durch die Genres und Musiktraditionen – darunter Neue Musik, Free Jazz, Gospel, Balkanfolklore, mexikanischer Mariachi, Postrock und Heavy Metal. Und er unterhält den Blog „Macrotones“ – Gedanken eines Musikliebhabers. Garchiks Interessen und Kenntnissen scheinen kaum Grenzen gesetzt.
23:03:00 +++ Ö1
Tote Wespen, Schönberg und mehr mit den Ardittis – Das legendäre Streichquartett feiert verspätet sein Goldenes Jubiläum bei Wien Modern 2025 (3).
Diesmal: Chaya Czernowin und Clara Iannotta neben Iannis Xenakis und Arnold Schönberg
50 Jahre Arditti Quartet wollten das singuläre Kammermusikensemble und das Festival Wien Modern schon 2024 gemeinsam feiern – auf standesgemäße Weise an vier Abenden, zwei im Wiener Konzerthaus, zwei im Musikverein, mit vier Uraufführungen, kombiniert mit den vier nummerierten Streichquartetten Arnold Schönbergs. Doch dann kam leider kurzfristig ein gebrochener Arm des Cellisten dazwischen. Desto erfreulicher, dass sich das Projekt nun ein Jahr später in vollem Umfang nachholen ließ.
Am dritten und vierten Abend gab es dabei auch musikalische Retrospektiven in die Zeit zwischen der klassischen Moderne und der Gegenwart. Etwa zu „Tetras“, dem zweiten Streichquartett von Iannis Xenakis etwa, 1983 für das Arditti Quartet geschrieben und von diesem Ensemble auch uraufgeführt: ein die Gehörgänge umkrempelnder Meilenstein in der Geschichte der Gattung. Nicht ganz so weit in die Vergangenheit zurück, nämlich bis 2017/18, führt Claria Iannottas „dead wasps in the jam-jar (iii)“ für präpariertes Streichquartett und Sinustöne. Der Titel bezieht sich auf eine Gedichtzeile bei Dorothy Molloy, doch dachte Iannotta bei der Komposition dieser Werkserie eher an die Tiefsee, an die untersten Schichten des Weltmeers, wo der „konstante Druck und die unaufhörliche Bewegung eine Art Stillstand der Zeit erzeugen“.
Direkt aus Anlass des Goldenen Jubiläums des Arditti Quartet entstanden ist hingegen Chaya Czernowins Streichquartett „Ezov“, benannt nach dem biblischen Begriff für jenes Kraut, mit dem die Israeliten vor dem Auszug aus Ägypten das Lammblut auf ihre Türpfosten gestrichen haben, damit der Engel des Herrn an ihrem Hause vorübergehe. „Der Ysop“, sagt die Komponistin, „ist eng mit Vorstellungen von Erneuerung, Resilienz, Zähigkeit und Heilung durch Verbundenheit verbunden. Komponiert in dieser schicksalhaften Zeit unserer Welt, voll von Schmerz und Leiden, ist ‚Ezov (Ysop)‘ ein Stück, das sich dem Versuch, Hoffnung zu finden, öffnet.“
An jedem der vier Abende des Arditti Quartet bei Wien Modern 2025 gab es ein Streichquartett von Arnold Schönberg zu hören – diesmal das Opus 30, die offizielle Nummer drei der Werkreihe, entstanden 1927. „Vergangenen Sonntag dein III. Quartett durch Kolisch!“, schrieb Anton Webern dem einstigen Lehrer voller Bewunderung im November dieses Jahres, zwei Monate nach der Uraufführung. „Ich suche nach Worten, dir meinen Eindruck zu beschreiben; vielleicht sage ich es am besten so: dass mit jedem neuen Werke von dir das gesamte Weltbild für mich ein neues wird.“
(Mitschnitt aus dem Brahms-Saal des Wiener Musikvereins vom 2. November 2025) Gestaltung: Walter Weidringer
