Regensburger Drummer Johannes Koch legt mit Trio Future Backup ein chillig-verträumtes Debütalbum vor
Kommt mit dem Vorstoß der Sozis zu Social-Media-Beschränkungen jetzt die Post-Tiktok-Generation? Den Soundtrack dafür gibt es schon. Die Band Future Backup praktiziert damit ein gelassenes Anschwimmen gegen den Zeitgeist. Auf ihrem Album „Golden“, das eben beim österreichischen Indielabel Boomslang Records erschienen ist, schalten die drei Musiker in einer Welt des höher-schneller-weiter zwei oder gar drei Gänge runter.
Sie dehnen den Moment und bleiben, bildlich gesprochen, im musikalisch-yogischem Om, in dem sich Töne, Rhythmen und Sounds ausgesprochen chillig und dennoch höchst präzise entfalten können. Der gebürtige Regensburger Johannes Koch, der erst vor zwei Jahren mit seinem Quartett „Life is Great“ ein gefeiertes Debüt erlebte, spielt schon lange mit Vibraphonist Volker Heukens und Lukas Grossmann an der Orgel (auch Synthie) im Trio. Nach x Konzerten und Festivalauftritten vom Jazzfest Berlin bis zu den wichtigen Szenefestivals Hurricane & Southside folgt endlich ihr Debüt mit dem konzeptlosen Album.
Konzeptlos, weil weniger eine ausgereifte Idee, als vielmehr ein Gefühl Auslöser für die elf Titel war. Die Skizzen dazu hat Heuken, der in Nürnberg bei Roland Neffe Jazz-Mallets studierte, eingespeist. Entwickelt und in Form gebracht wurden die Stücke dann von den drei gemeinsam. Herausgekommen ist ein radikal softer Indie-Jazz mit einem coolen elektronischen Twist – reduziert, aber reich an Wärme, Reife und Tiefe. Es ist ein gewisses Wagnis dabei, gehören doch Energie, Tempo und damit auch Loudness gewissermaßen zu diesem Lebensabschnitt.
Und jetzt das: „Homecoming“ mit einem sanften melodischen Touch am Vibraphon, atmosphärischen Synthie-Klängen und gleichzeitig hingetupften, jedoch präzisen Drumgrooves. Manches erinnert dabei entfernt an frühe Krautrockexperimente, als Bands wie Tangerine Dreams, Popol Vuh oder Cluster diverse Synthesizer und Keyboards, darunter dem legendären Minimoog einzusetzen begannen. Auf einer einfachen Ebene, kann der eingängige und harmonische Sound von Future Backup als optimal zum Chillen empfunden und genutzt werden.
Letztlich aber gehen die ausgereiften Melodien und instrumentalen Exkursionen tiefer. Selbst wenn „Golden Part II“ und „Netherworld“ verträumt wirken, die Band meint es ernst, worauf auch die Zusammenarbeit mit dem Produzenten von Milkey Chance, Jonas Holle, hinweist. Der subtile Popeinfluss gibt dem Sound, gemastert von Joe Joaquin (Annenmaykantereit, Judith Holofernes), eine universelle Anziehungskraft, der man sich kaum entziehen kann. Mit ihrem Gefühl für Pop, Indie und Jazz schafft Future Backup das, wonach eigentlich alle suchen: einen starken Vibe.
Von Michael Scheiner
(Future Backup sind Volker Heuken (von links), der Regensburger Johannes Koch und Lukas Grossmann (Foto: Lukas Diller)

Info: Future Backup, Golden, digital über Bandcamp, Vinyl-Vertrieb: Galileo Music