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Jazzzeitung

2011/04  ::: seite 10-11

Festivals 2011

 

Inhalt 2011/04

Inhaltsverzeichnis

STANDARDS

Editorial / break / Nachrichten aus der Jazzszene / kurz, aber wichtig Jazzlexikon: Edward „Kid“ Ory Farewell: Kurt Maas / Ray Bryant Geschichte: Vor zwanzig Jahren verstarb der Trompeter Miles Davis no chaser: Jazz schlägt Shakespeare


TITEL -
Ein bisschen leise...
Scofield & Metheny und ihre neuen Alben


Berichte

German Jazz Trophy 2011 für Dave Holland // 40. Moers Festival für Improvisierte Musik // Die dritte Auflage von „Sounds No Walls“ // 29. Südtirol Jazz Festival Alto Adige // 30. Bayerischen Jazzweekend 2011 // Sonny Simmons – in Dankbarkeit // George Gruntz Concert Jazz Band in Neuburg


Portraits

Mo’ Blow // Sabine Müller // Der Schlagzeuger Jochen Rückert // Caroline Thon


Jazz heute und Education
Bert Noglik übernimmt künstlerische Leitung des Jazzfestes Berlin // Das neue Jazz-Label Egolaut in Leipzig // Abgehört: Weite dynamische Sprünge
Ein Live-Solo des Posaunisten Eddie Bert

Rezensionen und mehr im Inhaltsverzeichnis

 

Frühjahrs-Jazz-Wanderung

Festivals: Von Paris bis nach Berlin mit kleinen Umwegen

Paris ist für deutsche Urlauber gerade im Frühjahr sehr beliebt. Zu Ostern durch die Seine-Metropole zu streifen durch Museen, alte bekannten Stadtviertel, versorgt mit gutem Essen, mit den Kurzurlaubern an den Ufern der Seine shoppen usw. usw., das hat was.

Beginnen wir im März in Paris, wo in diesem Jahr zum 28. Mal das Banlieue Bleue Festival vom 11. März bis 8. April stattfand.
Der Name deutet darauf hin, dass das Festival in über einem Dutzend ganz unterschiedlicher Spielorte der nördlichen und östlichen Vororte von Paris, ausgehend vom Dynamo in Pantin (gleich hinter der Porte de Pantin und dem Pariser Konservatorium) stattfindet. Das ist deshalb besonders zu bemerken, weil dies eine sozial schwierige Region ist, die in den letzten Jahren oft negative Schlagzeilen gemacht hat.

Das Programm ist meist stark an der europäisch-amerikanischen Begegnung orientiert, die auch Süd- und Mittelamerika sowie Afrika einbezieht.

Namen wie Spanish Harlem Orchestra, Napoleon Maddox, Vijay Ijer, Antony Coleman, Taylor Ho Bynum, Esperanza Spalding sagen schon alles. Natürlich waren auch bekannte Franzosen dabei, wie Michel Portal, Vincent Courtois, die jungen Bands Radiation 10 oder das Émile Parisien Quartet.

Ein ganz besonderer Schwerpunkt war aber Mittelamerika, vor allem Haiti. So eröffnete am Freitag, den 11. März im Theater in Saint Ouen (nördlich vom Place Clichy) der in den USA lebende und aus Guadeloupe kommende französische Saxophonist Jacques Schwarz-Bart mit seinem Haiti Programm („Jacques Schwarz-Bart‘s ‚Jazz-racines Haiti‘“) das Festival nach dem Auftakt durch das New Yorker Septet Gato Loco mit dem Saxophonisten Stefan Zeniuk.

Und wie sollte es anders sein: Das Theater in Saint Ouen war ausverkauft, wie meist bei den französischen Festivals. Der Rundfunk war anwesend und die 14tägige Vorort-Rallye konnte beginnen.

Zehn Tage später öffnete dann das Europa Festival seine Pforten, das vom 22. März bis 15. Mai in den Departements südöstlich von Paris stattfand. Sechs Wochen bot es in circa 20 Orten zwischen Le Mans und Nantes, auch entlang der Loire, über 50 Konzerten mit vielen französischen Musikern, aber auch dem prominenten Amerikaner Lee Konitz.

Das Finale gab es dann vom 11. bis 17. Mai in Le Mans, wie immer mittags in der Collegiale Saint-Pierre-La Cour, am Fuße der Ville Plantagenet, gekrönt von der berühmten Kathedrale. Schwerpunkte waren hier wieder kleine freie Projekte der besonderen Art, zum Beispiel mit Joelle Léandre oder Barre Philipps. Nachmittags ging es auf das andere Ufer der Sarthe in „La Fonderie“ mit dem Schwerpunkt junge Bands mit Sidony Box oder Metal O Phone, beides ausgesuchte Projekte des „Migration-Programms“. Mit diesem fördert der Festivalverband Afijma ausgesuchte junge Projekte, die dann in den 31 Festivals in Frankreich ihren Platz finden. Projekte wie Retroviseur oder das Quartet von Émile Parisien, die in Deutschland mittlerweile oft zu hören waren, gehörten in den letzten Jahren dazu. Und fand abends in der schönen und romantischen Abbaye de l’Èpau, dem von der Witwe von König Richard Löwenherz im Mittelalter gegründeten Kloster, die Höhepunkte des Festivals statt. Dieses Mal gab es das Duo Archie Shepp/Joachim Kühn, das Double Trio des Caruínettes u.a. mit Gebhard Ullmann und Jean-Marc Foltz, das Enrico Rava New Quintet, das außergewöhnliche Projekt „Vivaldi Universel“ von und mit dem Saxophonisten Christophe Monniot, das Francois Carneloup Trio mit der Bassistin Hélène Labbarière, die Jack de Johnette Group, „Das Kapital“ und „Luc Ex & Veryan Weston SOL 12“.
Anspruchsvolle Projekte, für manche deutsche Ohren vielleicht zu modern, die aber in Frankreich bei allen 31 Afijma-Festivals immer vorkommen und auch die Säle regelmäßig füllen. Ihre ganz besondere Qualität und die Akzeptanz durch das Publikum zeigen immer wieder, wie sehr der Jazz, die aktuelle improvisierte Musik in der kulturellen französischen Gesellschaft verankert sind.

Natürlich gibt es auch in Frankreich, wie in allen europäischen Ländern, gelegentlich unangenehme öffentlich Kürzungsaktionen für die Etats. Aber insgesamt wird auch diese Branche der Kultur auf gleiche Weise wie alle anderen unterstützt. Und es fällt immer wieder auf, dass zum Beispiel die französische GEMA, SACEM, ganz selbstverständlich zu den Sponsoren gehört. Das heißt, die Inanspruchnahme von Urheberrechtsgebühren ist in Frankreich verbunden mit der Förderung dieser Musik.

Bevor man dann die besondere Reise zu dem französischen Festival JAZZDOR in Berlin antritt noch ein kleiner Umweg an die Kanalküste, nach Coutance nicht weit von Mont Saint-Michel entfernt: Dort gab es dieses Jahr vom 28. Mai bis 4. Juni die 30. Ausgabe des Festivals „Jazz Sous Les Pommiers“, ein Name der daran erinnert, dass der Cidre aus dieser Gegend, der Normandie kommt. Auch hier ein erlauchtes Programm internationaler und nationaler Größen, verbunden mit einer wunderbaren Stimmung, nicht weit vom Kanalufer, und Ausblick auf den Atlantik. Besucher aus Coutances schwärmen unentwegt von der Gegend, der Musik, dem Cidre…

Nun auf nach Berlin, dessen reichhaltige Kulturszene seit fünf Jahren auch im Bereich des Jazz Einblick in das französische Jazz-Geschehen erhält. Nach unterschiedlichen Versuchen an schönen Orten ist das Festival nun seit dem vergangenen Jahr in der Kulturbrauerei am Prenzlauer Berg fest verankert. Mit dem viertägigen Programm vom 2. bis 5. Juni stellte der Impresario Philippe Ochem aus Strassburg insgesamt zwölf aktuelle französische Projekte vor. Eine solch geballte und anspruchsvolle Qualität erlebt man selten auf Festivals in Deutschland. Und trotz der feiertagsbedingten Ferienzeit war der Saal immer gut gefüllt.

Hans-Jürgen von Osterhausen

 

 

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