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Jazzzeitung

2010/03  ::: seite 16

rezensionen

 

Inhalt 2010/03

Inhaltsverzeichnis

STANDARDS

Editorial / break / Nachrichten aus der Jazzszene / kurz, aber wichtig Jazzlexikon: Naomi Susan Isaacs Farewell: Herb Ellis / Lena Horne


TITEL -
Stimm-Recht
Bobby McFerrin, Michael Schiefel, Theo Bleckmann & Co


DOSSIER -
Der Spaziergänger von Hollywood
Der Komponist Harold Arlen


Berichte

Jazz ECHO-Verleihung in Bochum // Internationale Jazzwoche Burghausen 2010 // Jazzahead 2010 // Tim Allhoff Trio erhält Neuen Deutschen Jazzpreis // Sylvie Courvoisier und Mark Feldman im Théatre Vidy in Lausanne // Schweizer Trio Rusconi nähert sich dem wilden Punk-Rock von Sonic Youth


Portraits

Martin Kälberer // Jacques Loussier // Charlie Parker // Lisa Wahlandt


Jazz heute und Education
Das Groove Research Institute Berlin // In Münchens Jazzszene etablieren sich neue Spielorte // Festivals in Frankreich: Blick ins Paradies? // Abgehört: Kurt Ellings Verse über ein Solo von Dexter Gordon

Rezensionen und mehr im Inhaltsverzeichnis

Noten

The Gig Book Jazz – 100 Classic Songs: Perfect for Guitarists, Keyboard Players and all other Musicians, Wise Publications, DIN A5, 240 Seiten, 22,99 €, englisch

Die Herausgeber haben 100 Jazz-Standards als Melody Line mit Text, Akkordsymbolen und Gitarren-Griffbildern notiert. Sporadisch unterbricht ein s/w-Foto oder eine Kurz-Information zu einem Titel die Noten. Diese Sammlung umspannt den Jazz des frühen Ragtime (Fats Waller) über den New Orleans Dixieland ([Oh] When the Saints), von Ellington (Take the A-Train) über die Swing Bands der 1930er bis Latin Jazz, Brazilian Jazz, Bossa Nova, also die Klassiker von João Gilberto und Antônio Carlos Jobim, „Desafinado“ oder „The Girl from Ipanema“. Alles schon dagewesen, alles bekannt, alles in den verschiedensten Arrangements erhältlich oder selbst angefertigt. Allerdings hat dieses kleine Büchlein ein praktisches Format mit – so fühlt es sich an – wasserfestem, daher multifunktionalem Umschlag. Auf dem Notenständer hält es auch nach einigen Knickungen – dem Einsatz in Clubs und Übungskellern steht nichts im Wege, um sich dabei von A wie „Adios“ bis Y wie „Yes indeed“ durchzuspielen.

Pam Wedgwood: Piano for Fun, 36 jazzy and fun original Piano Pieces, Faber Music, 48 Seiten, 8,99€

36 Stücke der britischen Komponistin und Pädagogin Pam Wedgwood für leicht fortgeschrittene Anfänger am Klavier, in ansteigendem Schwierigkeitsgrad gesammelt, maximal zwei Seiten lang. Ein vergnügliches, textfreies Tableau, das frischen Wind in jedes Repertoire bringen dürfte, egal ob im stillen Kämmerlein oder für die Bühne. Sehr sprechende Titel locken geradezu in die Stücke hinein. Diese sind stilistisch, spieltechnisch, in Artikulation, Rhythmik und Ausdruck vielfältig und anregend, ohne Angaben zum Fingersatz. Und nicht ohne augenzwinkernde Anspielungen wie z.B. beim „Half-a Minute Waltz“.
Außerdem erhältlich: „Easy Jazzin’ about Standards“ und „Jazzin’ about Standards“.

Axel Kühn: Flute Duets from Classic to Pop. Ein stilistischer Überblick, Edition Dux, 40 Seiten, 13,80€

Klare Sammlung, klare Sache: In erster Linie komponierte oder arrangierte der Flötist und Saxophonist Axel Kühn die Stücke für fortgeschrittene Anfänger mit Lehrerunterstützung. Diese Sammlung bietet Flötisten die Möglichkeit, sich innerhalb eines Heftes mit unterschiedlichen Rhythmen, Melodien und Harmonieschemata vertraut zu machen, die bestimmten musikalischen Stilrichtungen zuzuordnen sind: von Klassik über Pop bis Jazz. Bei jedem Stück wird ein Thema herausgepickt (Phrasierung, Form, Interpretation) und auf etwa einer Seite näher erläutert, ohne extrem in die Tiefe zu gehen. Ein besonderer Reiz kann darin bestehen, die Stimmen zu tauschen und damit die Spieler-Perspektive zu wechseln. So tummeln sich in dieser Ausgabe u.a. Titel wie der Calypso „Caribbean Moonlight“, der Swing „Don’t get around much anymore“, der Samba „Mas que nada“ oder das Klezmer-Stück „Freilach“.

André Bellmont: Komponieren und Arrangieren in Jazz und Pop. Theorie und Praxis, Lugert Verlag, DIN A5, 244 Seiten, 22,90€

Drei Herzen schlagen, ach, … Ein schwieriger Fall, diese Veröffentlichung des Schweizers Bellmont (Jahrgang 1962), die „… für den Composing-Arranging-Unterricht …(Jazz und Pop) an der Zürcher Hochschule der Künste entwickelt“ wurde. Dazu versammeln sich in dieser Besprechung die rezensierenden Anmerkungen aus verschiedenen Blickwinkeln, viele „Ja abers“ aus musikwissenschaftlicher, editorischer und Musiker-Sicht. Optisch unheimlich dicht gefüllt, fleißig erarbeitet, aber: sprachlich und inhaltlich eine Herausforderung für echte Freaks. Sicher mühevoll zusammengetragen, aber: nicht leicht zu konsumieren. Prall gefüllt, aber: wer ist die gedachte Zielgruppe außerhalb der Zürcher Hochschule? In jedem Fall fortgeschrittene, auf der Suche nach Anleitung durchaus wissenschaftlich orientierte Leser mit Durchhaltevermögen. Aber: das erfordert unbedingt Wissen, praktisches Ergänzen oder Ausprobieren.

Überquellend, aber: hier fehlt – wirtschaftliche Druckplanung hin oder her – dringendst ein Stichwortverzeichnis, um das von Anfang an sehr spezielle Vokabular (Dramatic Contour, Free Areas, Ellision, Appoggiatura Chord, Compound Rhythms, Unprepared Approach Note) des wohlgemerkt deutschen Textes jederzeit gezielt nachschlagen zu können; dafür würden sich ein paar Seiten zusätzlich wirklich lohnen, um dem selbst gestellten Anspruch gerecht zu werden: es wird als Kompendium, Nachschlagewerk, Lehrgang und Standardwerk beworben – das Zeug dazu hat es, man benötigte aber eben einige Optimierung, um sich darin im Detail zurechtzufinden. Einige Seiten könnten dafür genutzt werden, ließe man die Zeittafeln innerhalb des Kapitels „Jazz- und Popgeschichte“ weg (sie beginnen im Jahr 1492 und ordnen im weiteren Verlauf Ereignisse ein wie das Klonschaf Dolly oder Lady Dis Tod).

Wer sich als Frischling an das Thema bzw. an das Buch wagt, läuft Gefahr, fürs Erste abgeschreckt zu werden ob der Komplexität der Formulierungen und Inhalte. Und bei einigen vielstimmig gestapelten Akkorden mit Alterationen, Doppelkreuz oder Auflösungszeichen sagen wir mal: da gerät die Lesbarkeit leider in den Hintergrund. Tabellarische Übersichten musikalischer Inhalte sind gut gemeint, aber: sie verdichten das volle Layout und die gedrängten Inhalte nochmals mathematisch-distanziert. Das ist hier und da wohl nur von geduldigen Experten identifizier- und entzifferbar. Hier ist der Verlag mitsamt Lektorat gefordert, für mehr nutzerfreundliche Transparenz zu sorgen, ohne das Buch unnötig aufzublähen. Zur inhaltlichen Orientierung hier wertungsfrei die Gewichtung der einzelnen Kapitel in Seiten: Rhythmus 20, Melodie 30, Harmonie 97, Form 27, Orchestration 37, Stil 4, Jazz- und Pop-Geschichte 19, Motivation als stilbildendes Element ½, Bibliografie 2. Letztere ließe sich als Anhang eines „Kompendiums“ u.a. um zahlreiche, auch deutschsprachige Titel aus dem Bereich Komponieren/Arrangieren/Harmonielehre im Jazz und Pop erweitern. Warum das Ganze trotzdem besprochen wird? Weil sich da jemand viel Mühe gemacht und Sachkenntnis komprimiert hat. Über Musik schreiben ist eben noch schwerer als Musik machen.

Monika Krämer

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