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 2001/02

 seite 12
 portrait

 

Inhaltsverzeichnis Jazzzeitung 02/2001


Inhalt 02/2001

Standards
Editorial
News
Farewell
Fortbildung
Glossar: Progressive Jazz

titel / jubilee
Hans Koller zum achtzigsten Geburtstag

jazz heute
Johannes Faber und die Jazzreihe am Gärtnerplatz
Break (von Joe Viera)

berichte
Gil Evans Orchestra led by Miles Evans in der Unterfahrt
18. Internationale Jazzfestival Münster

interview
Johannes Herrlich & Trombone Fire

education
Der Wettbewerb „Jugend jazzt“ an der Musikakademie Marktoberdorf

portrait
Die talentierte Jane Monheit
Alfred Mangolds Label Jazz4Ever
Bandchef Andrej Hermlin-Leder

play back
Zwei CD-Editionen würdigen die Musik von Don Ellis
Zu den Extended Resolution Compact Discs von JVC

dossier
Schauspieler und Filmemacher Clint Eastwood und seine
heimliche Leidenschaft

medien/service
Link-Tipps
Charts
Rezensionen 2001/02
Service-Pack 2001/02 als pdf-Datei ( Kurz aber wichtig, Clubadressen, Kalender, Jazz in Radio & TV Jazz in Bayern und anderswo (520 kb) )

 

Zeitreise

Bandchef Andrej Hermlin-Leder

Andrej Hermlin-Leder, Jahrgang 65, Sohn des ostdeutschen Dichters Stephan Hermlin und seiner russischen Frau Irina, sucht nicht mehr. Er hat längst gefunden. Bereits mit vier Jahren tapste er freudig zur Musik der Jazzplatten aus den 30er-Jahren, die der Papa – eigentlich Klassikliehaber – hin und wieder auflegte. Im Laufe der Jahre klaute sich der Sohn aus der väterlichen Sammlung die seltenen Dokumente aus der Hochzeit des Swing.

Ohne jegliche Note, nur nach dem Gehör, spielte er diese Musik auf dem Klavier nach. „Und das extrem dilettantisch“, gibt er zu und ergänzt stolz: „Von dem, was ich heute spiele, habe ich mir zu zwei Dritteln selbst beigebracht.“ In der Familie gab es keinen, von dem er die Liebe zum Jazz erbte. Warum gerade er sich dieser Musik verschrieb, ist ihm bis heute ein Rätsel.
Der Sohn ist wie sein Vater aber nicht nur ein künstlerischer, sondern auch ein politisch denkender Mensch. Wenn ihre künstlerischen Neigungen auch auseinander gingen, so verband sie doch eine Gesinnung. Nach der Wende engagierte sich Andrej in der PDS – wie sein Vater in den 30er-Jahren in der KPD, der Zeit der politischen und künstlerischen Wurzeln des Schriftstellers. Eingetreten ist Andrej mit 25 wegen Gysi, Gorbatschow – und seinem Vater. „In einer Zeit, wo alle ausgetreten sind“, sagt Hermlin in leicht rebellisch-trotzigem Ton. Er wurde in den Landesvorstand der Berliner PDS gewählt und für die Wahl zum Abgeordnetenhaus nominiert. Bei seinen politischen Auftritten auf PDS-Versammlungen wirkte der Sohn mitunter wie ein Zwilling des Vaters. Letztendlich gab auch er, wie einst Stephan Hermlin, der Kunst den Vorrang.

Foto: BMG

Andrej Hermlins Musik schlägt den Bogen zurück zu jener Epoche, in der der Stern des Schriftstellers Hermlin aufging. Er war damals nicht viel jünger als sein Sohn heute. Andrej Hermlin will nicht jene Zeit verklären, in der er sich musikalisch zu Hause fühlt. „Dass ich die Unterhaltungsmusik der 30er-Jahre für niveauvoller halte als die heutige, ist ein offenes Geheimnis. Aber es war eine Zeit der Depression für die Masse der Menschen.“ Er würde gern mal für zwei, drei Tage im New York jener Zeit sein. Im heutigen New York war er inzwischen zweimal mit seiner Band. Als erstes deutsches Swingorchester nach Jahrzehnten. Noch dazu mit riesigem Erfolg. „Die amerikanische Szene setzt auf Neo-Swing. Authentischen Swing wie wir aber bieten nur wenige Bands“, sagt der Pianist und Chef des Swing Dance Orchestras stolz. Den Beifall in den USA empfindet er als späten Triumph. „Jahrelang bin ich als Außenseiter in der Musik belächelt worden – und nun so viel Erfolg. Und das während des Swingrevivals in den USA!“

Der Swing-Freund Andrej Hermlin ist einer der vielen Künstler, die die 30er-Jahre zurück in die Berliner Cafés und Clubs bringen. So, als wolle die schnelle Hauptstadt an ihre letzten verrückten gesamtdeutschen Zeiten anknüpfen und den Krieg vergessen machen. „Ich bin satt, bin zu zufrieden“, sagt Andrej Hermlin. Anders als der Vater in seinen Jugendjahren.

Christine Wagner

 

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