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Ahmed Abdul-Malik habe ich ja bereits vor einigen Monaten an dieser Stelle vorgestellt, allerdings mit einer LP, die eher eine vom Jazz beeinflusste arabische Prägung hatte (Eastern Moods Prestige 16003). Hier nun die andere Seite diese Musikers, der in so unterschiedlichen Bands spielte wie denen von Randy Weston, Thelonious Monk, John Coltrane, Art Blakey, Herbie Mann, aber auch Coleman Hawkins und Bob Wilbur, Earl Hines oder der Sängerin Odetta. In seinen eigenen Formationen kam er meist auf seine (echten) arabischen Wurzel zurück. Status 8303 Spellbound Die hier besprochene LP ist aber eher dem modernen Swing und Mainstream zuzurechnen, und das liegt sicher an seinen Co-Leadern Ray Nance und Seldon Powell. Beide sind ausgesprochene Bigband-Musiker und haben nur wenige Platten unter eigenem Namen eingespielt, aber auf Hunderten von Sessions mitgewirkt. Der Trompeter, Geiger und Sänger Ray Nance war die überwiegende Zeit seiner musikalischen Laufbahn eine wichtige Stimme des Duke Ellington Orchesters und dort für die humorvolle Seite der Musik zuständig. Seldon Powell, diverse Saxophone und Flöten, kam von R&B über den Swing zum Mainstream und spielte in vielen wichtigen Bands und Orchestern seiner Zeit. Auch begleitete er diverse Sängerinnen und Sänger, wie zum Beispiel Pearl Bailey, Rose Murphy, Big Joe Turner und Jimmy Witherspoon. Sein elegantes Saxophon ist aber auch in diversen Gruppen des Modern Jazz zu hören, sogar bei Albert Ayler. Dies ist also eine LP mit drei Bandleadern: An den Titeln fällt sofort auf, dass vier (von fünf) mit Film zu tun haben. Es sind „Theme-Songs“ von bekannten Filmen oder eine Homage an das Kino, wie der von Abdul-Malik geschriebene Cinema Blues. Nur Body And Soul, eine der schönsten Balladen des Jazz und ein glänzendes Beispiel für die elegante Spielweise von Seldon Powell, fällt aus diesem Rahmen. Die Platte beginnt mit dem Stück, das ihr den Titel gab: Spellbound, von Miklós Rózsa. Hier sind Ray Nance, Geige, und Paul Neves, Piano, die Solisten. Bass und Schlagzeug bleiben äußerst zurückhaltend, und Ray Nance beendet den Titel mit einer fast klassisch anmutenden Kadenz. Never on Sunday, aus dem gleichnamigen Film mit Melina Mercouri, beginnt wie das Original. Die arabische Oud klingt hier sehr griechisch, aber bald übernehmen die „Jazzer“ und es wird eine swingende Nummer daraus. Body And Soul wurde bereits entsprechend gewürdigt. Nachdem Coleman Hawkins dieses Stück zu einer Parade-Nummer für das Tenor Saxophon gemacht hatte, gibt es kaum einen Saxophonisten, der sich nicht daran messen möchte. Song Of Delilah, aus dem Film Samson und Delilah, ist ein von vielen Bands verwendeter Titel und kann schon fast als Standard gelten. Flöte und Violine stellen sehr orientalisch das Thema vor, was vom Solo der Oud noch unterstützt wird. Die Solisten bringen das Stück aber wieder in den swingenden Mainstream. Der Cinema Blues ist ein klassischer, relaxter Jazz-Titel. Ray Nance, Cornet, und Seldon Powell, Tenorsax, tragen die erste Hälfte des Stückes, bis Ahmed Abdul-Malik mit einem fulminanten Bass-Solo übernimmt. Hier zeigt sich, welch ein hervorragender Musiker er war und erklärt auch, warum er in so unterschiedlichen Formationen mit zum harmonischen Gerüst beigetragen hat. Paul Neves lässt den Titel dann im wahrsten Sinne des Wortes ausklingen. Spellbound ist eine der wenigen LPs aus dem Prestige-Katalog, die es trotz der umfangreichen Aktivitäten der Firma ZYX nicht zur CD geschafft hat. Obwohl dieser Vertrieb die meisten Titel des Fantasy Kataloges auf dem Label Original Jazz Classics (OJC) wiederveröffentlicht hat. Das war, bevor Universal den kompletten Katalog übernommen und eingemottet hat. Deshalb ist diese Platte auch schwer zu finden. Manfred Scheffner |
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