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Jazzzeitung
2013/02 ::: seite 16
rezensionen
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Erhellendes
Der Saxophonist Peter Brötzmann im Gespräch
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Brötzmann – Gespräche, von Christoph J. Bauer, Posth Verlag, Berlin 2012, 182 Seiten, (ISBN 978-3-944298-
00-9)
So offen und freimütig hat man Peter Brötzmann selten gehört. In ausführlichen Gesprächen mit dem Bochumer Philosophen Christoph J. Bauer, deren Protokolle jetzt in Buchform vorliegen, erschließen sich Person und Musik des Wuppertaler Saxophonisten schlüssig. Den „Ausdruck seiner Musik durch den Abdruck des Wortes zu begleiten“, daran war Bauer gelegen, wie er einleitend ausführt.
Das Thema der vier längeren Gespräche, die zwischen Dezember 2011 und Juli 2012 stattfanden, kreiste um das „Verhältnis von Kunst und Gesellschaft“ im weitesten Sinn. Brötzmanns jüngst aufgelöstes Tentett steht im Mittelpunkt künstlerischer Arbeit. Dessen kollektives Improvisieren könnte Vorbild für das gesellschaftliche Zusammenleben sein. Denn für Brötzmann darf sich Musik, wie er erklärt, nicht „auf ästhetische und formalistische Gedanken“ beschränken. So sieht der Saxophonist Jazz als „abenteuerliche Angelegenheit“, die mit einem gewissen Risiko verbunden ist, da die gesellschaftliche Anerkennung nach wie vor zu wünschen übrig lässt. Liebe und Leidenschaft haben ihn und andere zur Musik gebracht, keineswegs Geld und Ehre.
Dass die Jazz-Szene „völlig darniederliegt“, das kann, so Brötzmann, auch die akademische Bildung nicht verhindern. Als Musiker muss man sich selbst erfinden, seinen eigenen Weg gehen. „Beweg ich mich oder will ich mich nur bewegen im Bereich der Reproduktion.“ Dass Brötzmann dabei ein Alleinstellungsmerkmal freier Spielweisen für sich in Anspruch nimmt, verkennt die Tatsache, dass die junge Szene überaus rege ist. Sie zum aufrechten Gang zu ermutigen, dazu taugen Brötzmanns Einsichten, auch wenn sie nicht immer neu sind, allemal.
Insgesamt ein sehr lesenswertes Buch mit erhellenden Erkenntnissen. Auch wenn sein Vor- und Nachwort in ihrer akademischen Gespreiztheit abschrecken, so schafft Philosoph Bauer den Blick über den Tellerrand des Jazz. Ein aufmerksameres Lektorat hätte verhindert, dass stets von Bernd, statt von Bert Noglik die Rede ist, dass das Total Music Meeting nicht schon 1998 gestorben ist, Archie Shepps Besetzung bei den Donaueschinger Musiktagen 1967 eine andere war und Ulrich Kurth längst weg vom WDR ist.
Reiner Kobe |