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Jung, europäisch und immer wieder mit Aufsehen erregend durch Premieren musikalischer Eigengewächse – so kann man das Südtirol Jazzfestival Alto Adige kurz und prägnant beschreiben. Auch auf den 31. Jahrgang trifft dieses Motto zu: Wieder einmal liegt das Durchschnittsalter der Musiker bei etwa 30 Jahren und wieder hat Festivalchef Klaus Widmann die Täler Südtirols verlassen und von seinen Reisen nach Berlin, Zürich, Paris und Amsterdam Neues mitgebracht. Klaus Widmanns Konzerteinführungen sind kurzweilig, aber benötigen ihre Zeit, da sie meist auf italienisch und deutsch gehalten werden. Foto: Südtirol Jazzfestival Klaus Widmann führt ein Doppelleben – als Arzt und als Musikenthusiast. Er ist ein regional und international gut vernetzter Kulturmanager, der das Südtiroler Festival als Kulturmarke des nördlichsten Bundeslandes Italiens etabliert hat und es fit gemacht hat für die Konkurrenz in Europa. Und ganz nebenbei ist er ein Musikvermittler und -lehrer, denn er öffnet mit seinen Programmen, die oft außerhalb des Konzertsaals, mitten im Leben auf Plätzen, in Weinkellern, auf Bauernhöfen und Berghütten stattfinden, auch den Menschen der Region immer wieder die Ohren für Neues aus der ganzen Welt. Eine Community hat sich gebildet, die von weither, aber auch aus der nächsten Nachbarschaft, zu den Jazzereignissen in Bozen, Meran, Brixen und Sterzing pilgert: des Live-Erlebnisses wegen. Ein Jazzfestival als „Hörschule der Nation“ – Widmann kennt das aus eigener Anschauung: Wurde ihm doch selbst durch das 1982 von Nicola Ciardi initiierte Südtirol Jazzfestival Alto Adige die Ohren für den aktuellen Jazz geöffnet, bis er im Jahr 2004 selbst die Leitung des Südtirol Jazz Festivals Alto Adige übernahm und es seither in die Moderne führt. „Jazz ist fast eine Sucht für mich“, sagt er heute. „Je intensiver man sich mit ihm beschäftigt, desto eher riskiert man, dass man sich entfernt vom konservativen Publikum, ja sogar vom gemäßigten Gefolge unter den Förderern und Sponsoren.“ Widmann fragt sich immer wieder selbstkritisch, ob der mit seinem Festivalkonzept den richtigen Weg eingeschlagen hat: „Mit einem Produkt wie meinem bewegt man sich in einem Spannungsfeld zwischen Anerkennung und Unverständnis. Gerade auch vor dem Hintergrund, dass Italien im Bereich Jazz sehr konservativ geworden ist: Nur noch große amerikanische Namen sorgen für Interesse – und das modernste, was an italienischem Jazz goutiert wird, sind „Klassiker“ wie Paolo Fresu und Enrico Rava.“ Montis RasenmäherDie Haushaltskürzungen durch den ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten Mario Monti nach dem Prinzip Rasenmäher machten sich auch im Budget des Südtirol Jazzfestival bemerkbar. Dennoch ist es ihm gelungen auch für 2013 über 30 Bands und Ensembles einzuladen – große amerikanische Namen sucht man da vergebens. „Junge Jazzmusiker“, so Klaus Widmann, „die noch nicht so präsent sind, vereinigen sich heute in Kollektiven, schaffen sich damit Plattformen, Synergien und ganz einfach auch Aufträge.“ Drei solcher Kollektivisten sind diesen Sommer in Bozen zu Gast: das Quartett Iréne, das Mitglied des französischen Colectif Coax ist. Und aus dem Amsterdamer Musikerkollektiv Tumult Music die beiden Bands das Sextett Naked Wolf und das Quartett The Job. KompositionsaufträgeAuch das Abschlusskonzert auf der Hauptbühne am 6. Juli ist ein Eigengewächs: Im Rahmen eines Kompositionsauftrags schlug Angelika Nescier (D) eine Formation vor mit dem Schlagzeuger Jim Black (GB), dem Posaunisten Gianlucca Petrella (I), dem Kontrabassisten Chris Tordini (I) und dem Pianisten Florian Weber (D). Zum Engagement-Paket für dieses Dreamteam gehört nicht nur die Gage, sondern auch drei Probentage für diese erstmalige europäische Jazzbegegnung. Nicht speziell für Bozen aus der Taufe gehoben ist Pascal Schumachers Blind Date: Das Trio mit Hennig Sieverts (b) und Sylvain Rifflet (sax) wagt aber in Südtirol die Premiere. Die Liste junger Bands wäre fortzusetzen: Hildegard lernt fliegen, Monika Roscher Bigband, Schmittmenge Meier, Yuri Honing Wired Paradise oder Matthias Schriefl – Musikkapelle Schabs feat. Wiggerl Himpsl & Simon Rummel (mehr unter http://www.suedtiroljazzfestival.com/). Zum Schluss noch ein paar Worte zum Eröffnungskonzert: Wie schon 2007 und 2008 findet es an einem auratischen Ort statt, nämlich im Messner Mountain Museum auf Schloss Sigmundskron unter freiem Himmel. Kräftig, schräg, stark, das sind die Attribute, die die Klänge des Schweizer Fischermann Orchestras, der Monika Roscher Big Band aus Deutschland oder des amerikanischen Quartetts Mostly Other People do the Killing gut charakterisieren. Andreas Kolb
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