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Berliner Familienbande
Berliner Konzertreihe „Naked Jazz pres. The Extended Family“ |
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Die Berliner Konzertreihe „Naked Jazz pres. The Extended Family“ lässt den Fusion-Jazz aufleben. Wöchentlich lädt der amerikanische Schlagzeuger Eric Vaughn Musiker verschiedener Genres in die Werkstatt der Kulturen ein.
JazzZeitung: Herr Vaughn, wer gehört Ihrer „erweiterten Familie“ an?
Eric Vaughn: Die Verwandtschaft wächst ständig. In Berlin sind schon 50 Musiker bei „Naked Jazz“ aufgetreten. Wobei es mir bei den Gastmusikern nicht nur um die Qualität der Spieltechnik, sondern auch um die Ausstrahlung geht. Sie sollten einen gewissen Spirit haben, denn für mich ist Jazz eine Musik voller Hoffnung.
JazzZeitung: Warum das Attribut „nackt“?
Vaughn: Für mich verbindet sich mit „Naked Jazz“ eine bestimmte Einstellung zur Musik. Nackt bedeutet: ehrlich, roh und unverfälscht.
JazzZeitung: Wie laufen die Abende ab?
Vaughn: Das erste Set gehört dem „reinen“ Jazz. Anschließend lotet die „Extended Family“ die Grenzen des Genres aus. Am Schluss jammen die Musiker beider Bands gemeinsam. Ein Höhepunkt war zum Beispiel das Zusammentreffen des Jazzfunk-Perkussionisten Bill Summers mit dem japanischen Beatboxer Ryo Fujimoto. Mit dabei waren auch schon der Trompeter Michael Ray und der Gitarrist Jeanfrancois Prins. Und natürlich stehe ich auch selbst auf der Bühne.
JazzZeitung: Wie kamen Sie auf dieses Konzept?
Vaughn: Das offene Ensemble „Naked Jazz“ habe ich 1990 in Atlanta gegründet. Dort versammelte ich die Nachwuchstalente der Stadt, um ihnen Auftrittsmöglichkeiten zu verschaffen. Das lief so gut, dass mich das Atlanta Jazz Festival als künstlerischen Leiter engagierte. 1995 erschien die erste „Naked Jazz“-CD bei Savoy. Später habe ich das Konzept auch in New York City umgesetzt. In Europa ist Berlin der erste Ort, wo ich das mache.
JazzZeitung: Sie stammen aus dem Ostküsten-Bundesstaat Georgia. Was hat Sie nach Berlin verschlagen?
Vaughn: Ich habe mich vor drei Jahren hier niedergelassen. Berlin erinnert mich an das New York der frühen Achtziger – dieses Gefühl von grenzenloser, manchmal gefährlicher Freiheit. Es gibt eine wunderbare Menge junger Musiker, die der kreativen Szene und der geringen Lebenshaltungskosten wegen
herziehen.
JazzZeitung: Arbeiten Sie an einem Fusion-Jazz-Revival?
Vaughn: Mit der „Extended Family“ möchte ich den Jazz zum Grooven bringen. Egal ob Funk, Soul, Latino-Rhythmen oder HipHop-Beats – überall gibt es gute Leute, die spannende Ideen haben. Das bringt frischen Wind in den Jazz. Manchmal entstehen neue Sounds; mal erzeugt der Zusammenprall verschiedener Stile interessante Spannungen. Viele jüngere Leute, die sonst nicht zu Jazzkonzerten gehen, fühlen sich von dieser Mischung angesprochen.
JazzZeitung: Wie finanziert sich die Reihe?
Vaughn:Hauptsächlich über die Eintrittsgelder. Gelegentlich haben wir Sponsoren. Es sind aber auch Plattenaufnahmen von einzelnen Konzerten geplant.
Interview: Antje Rößler
Jeden Sonntagnachmittag: Jazz-Jam mit Eric Vaughn und Musikern der Extended Family
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