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Jazzzeitung

2007/05 ::: seite 7

portrait

 

Inhalt 2007/05

Inhaltsverzeichnis

STANDARDS

Editorial / break / Nachrichten aus der Jazzszene / kurz, aber wichtig


TITEL - Endzeitstimmung
Wir erleben die Apokalypse des Jazz


DOSSIER

Individualisten aus Chicago
Zum Tod des Pianisten Andrew Hill und des Geigers Johnny Frigo

I like the way you play
Abschied von Joe Zawinul mit Erinnerungen an eine bewegte Zeit


Portraits

Jean-Luc Ponty, Kristin Asbjørnsen, Daniel Smith, Harald Banters Media Band, Besuch bei Richie Beirach

… und mehr im Inhaltsverzeichnis

Das swingt gut

Aufnahmen mit Harald Banters Media Band

Der 1930 als Gerd von Wysocki geborene Harald Banter war zunächst Programmgestalter beim NWDR Köln, wechselte 1952 zum WDR und gründete dort das Harald Banter-Ensemble, die spätere Media Band. 25 Jahre nach deren Auflösung ist jetzt eine CD mit Aufnahmen aus den Jahren 1977–81 erschienen (cpo special 777 326-2). Chefredakteur Andreas Kolb befragte Banter dazu.

jazzzeitung: Welchen Stellenwert hat die Arbeit mit der Media Band heute für Sie innerhalb Ihres Schaffens?
Harald Banter: Einen ganz außergewöhnlichen. Meine Arbeit lässt sich in zwei Hauptzweige teilen, die ich beide mit großer Leidenschaft ausgeübt habe: Der eine ist die Media Band, die 1982 aufgelöst wurde, danach die Tätigkeit als Producer beim WDR. Diese beiden Tätigkeiten sind herausragend in meinem Leben.

Harald Banter und die Media Band

Bild vergrößernHarald Banter und die Media Band

jazzzeitung: Sie haben bestimmte Titel aus den Jahren 1977 bis 1981 ausgewählt, warum gerade aus dieser Phase?
Banter: In diesem Zeitraum war die Hochblüte der Media Band, was die Qualität der Musik und der Musiker anbelangt. Leute wie Jon Eardley und der Bassist Mike Formaneck waren genauso dabei wie Heiner Wiberny, der jetzt erster Alt-Saxophonist in der WDR-Bigband ist. Außerdem war die Media Band in dieser Zeit beim WDR fest angestellt. Von der finanziellen Seite war die Arbeit also gesichert, so dass ich hervorragende Arrangeure wie Jerry van Rooyen und Rob Pronk engagieren konnte – im Gegensatz zu den ersten Jahren, in denen ich mich ziemlich quälen musste.

jazzzeitung: Was waren in dem Vierteljahrhundert in dem Sie mit der Media Band gearbeitet haben, Ihre Aufgaben beim WDR?
Banter: 1952 kam ich auf die Idee, eine eigene Formation aufzustellen und meine eigene Musik zu verwirklichen. Die ersten Arrangements habe ich fast alle selber geschrieben. Meine Motivation war, selber Musik zu machen. Bis dahin hatte ich ja nur meine Tonmeisterausbildung und war redaktionell als Programmgestalter tätig.

jazzzeitung: War das Erlebnis mit George Shearing der Auslöser?
Banter: Ja, ich habe eine Sendung im EFM gehört, das war das Schlüsselerlebnis. Ich habe versucht, an eine Platte von George Shearing zu kommen, was mir nicht gelang. In ganz Deutschland gab es nicht eine einzige Aufnahme von ihm. Dann erzählte mir jemand, dass es in Paris einen Plattenladen gebe, der auch exportiert. Also bin ich nach Paris gefahren, habe den Plattenladen tatsächlich gefunden und fünf Shearing Platten gekauft. Ich wusste: so was will ich auch machen.

jazzzeitung: Zurück zur Platte: Wie würden Sie die Auswahl beschreiben?
Banter: Ich habe hauptsächlich Musik aus der letzten Phase der Media Band ausgewählt. Das hat zwei Gründe: einen musikalischen und einen juristischen. Bis 1974 waren die AR-Rechte – außer Rundfunk-Rechte – noch nicht freigegeben. Das heißt, man musste vor der Veröffentlichung die Genehmigung der einzelnen Mitwirkenden einholen. Deswegen habe ich Musik aus der Zeit danach ausgesucht, aber das deckte sich auch mit der musikalischen Seite – in den letzten Jahren war die Qualität am höchsten.

jazzzeitung: Haben Sie Lieblingsstücke?
Banter: Ich finde den ersten Titel toll, „Pennies From Heaven“, der swingt gut, Die ersten Titel sind alle klasse.

jazzzeitung: Wie entsteht Ihr spezieller Sound? Durch die besondere Besetzung?
Banter: Die Sätze sind immer gemischt. Eine Big Band hat normalerweise immer vier Trompeten, vier Posaunen und fünf Saxophone, bei der Media Band aber hatten wir drei Trompeten, zwei Posaunen und drei Saxophone. Um einen fünfstimmigen Satz zu setzen haben wir drei Saxophone mit zwei Posaunen gemischt. Das Typische sind diese Mischsätze.

jazzzeitung: Warum Swing, aus thematischen Gründen?
Banter: Ich musste mich ja für eine Ausrichtung entscheiden. Swing und Balladen schwebten mir vor. Die zweite CD, die Ende des Jahres erscheint, ist etwas kommerzieller als die Erste. Darauf werden Evergreens und Tonfilmschlager mit Greetje Kauffeld zu hören sein.

jazzzeitung: Wie war die Zusammenarbeit mit Greetje Kauffeld?
Banter: Fantastisch. Eine der nettesten Damen, mit denen ich in den letzten Jahren zusammen gearbeitet habe. Sie hat toll gesungen und große Musik gemacht.

jazzzeitung: Was waren Ihre Vorbilder und Lieblingsarrangeure?
Banter: Es gibt in Deutschland gar nicht so viele, die im Jazz- und Swingbereich große klasse sind. Aber Jerry van Rooyen oder Rob Pronk sind fabelhaft.

jazzzeitung: Sie sind ehrenamtlich engagiert bei der GEMA und beim Deutschen Komponistenverband. Wie schätzen Sie die Situation des Jazz heute ein?
Banter: Ich habe es nie für möglich gehalten, dass der Jazz in Deutschland eine derartig große kulturelle Bedeutung erlangen würde. Er wird aber nie eine Massenbelustigung werden, dazu ist die Musik zu anspruchsvoll. Ob sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk auch in Zukunft noch eine Bigband leisten kann ist natürlich die Frage...

Buch-Tipp

Harald Banter: Ton-Folgen, ConBrio Verlagsgesellschaft, Regensburg
www.klassika.info/Komponisten/Banter_Harald/

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