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2000/06
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Berichte Seite 4 |
Von den Farben des Jazz Das
Festival Ulrichsberger Kaleidophon im 15. Jahr Auch im 15. Jahr seines Bestehens konnte das Ulrichsberger Kaleidophon wieder seinem ausgezeichneten Ruf gerecht werden und im Bereich der freien und improvisierten Musik Akzente setzen. Drei Tage lang bot sich dem Publikum ein pittoreskes Hörerlebnis aus insgesamt elf ebenso innovativen wie spannenden Konzerten, die einen Überblick gaben über aktuelle Wege klanglicher Annäherungen zwischen Free Jazz und Neuer Musik.
Freejazz mit atemberaubendem Hochdruck bot der britische Tenorist Paul Dunmall (mit John Adams, E-Gitarre, und Mark Sanders, Schlagzeug). Am Dudelsack übertrug Dunmall sein quirlig-spritziges Temperament auf ein Instrument, das freilich in einer Spielart ohne Bourdon nur noch entfernt an das keltische Erbe Britanniens erinnerte. Mit funkigen Grooves und hartem Pulse präsentierte das DKV-Trio mit Ken Vandermark am Tenorsaxophon, Kent Kessler am Bass und Hamid Drake am Schlagzeug brillante Kollektivimprovisationen, die in ihrer Nähe zu konventionellem Gebrauch von Harmonie und Rhythmus schon fast traditionelle Einschläge mitbrachten wirklich große Musik, die Chicago wohl mit Recht derzeit zu einem der wichtigsten Zentren für improvisierte Musik der USA macht. Elektronische Klangbilder, denen in den vergangenen Jahren schon ein wesentlich höherer Stellenwert zukam, hatten sich diesmal gegenüber den rein akustischen human sounds auf ein verträgliches Maß von drei Konzerten reduziert. Für das Publikum stellt sich bei rein elektronischen Ergüssen (so etwa bei der Gruppe Antasten) oftmals eine Zuordnung eines Klanges zu dem dafür Verantwortlichen der Regler-drehenden und Kabel-stöpselnden Akteure als nicht nachvollziehbar dar. Das optisch-ästhetische Geschehen auf der Bühne ist bei einem Kaleidophon (im Gegensatz zum Kaleidoskop also nicht fürs Auge sondern fürs Ohr gedacht) selbstverständlich nachrangig. Einen interessanten Beitrag lieferte jedoch Phil Durrants Quartett Ticklish, das diese natürliche Gesetzgebung mit den virtuosen Live-Video-Bearbeitungen des Rob Flint zu durchbrechen suchte. Provokanter hingegen präsentierte sich das Quartett Efzeg (Zitat Efzeg aus dem Programmbericht: Efzeg garantiert auf der Bühne nicht für ein intensives Hörvergnügen, dafür sind wir nicht da). Letztlich bleibt es dann wohl dem Hörer selbst überlassen, darüber zu entscheiden, ob er mit dem Gehörten überhaupt etwas anfangen mag. Wolfgang Seemann |
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