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Inhaltsverzeichnis Jazzzeitung 6/2000

2000/06

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Festivals

Seite 5

Neue Folklore

Zum 29. Moers Festival

Auch wenn das New Jazz Festival Moers sich schon vor Jahren vom New Jazz verabschiedet hat – es nennt sich schlicht „Moers Festival“ – ist es doch immer wieder für Überraschungen gut. Die 29. Auflage geht an Pfingsten über die Bühne des größten Zirkuszelts Europas. Am Niederrhein trifft manch unbekannter Exponent der neuen Folklore auf bekannte Stars des Jazz. Diese Mischung ist es, die das Festival am Leben erhält und auch ein junges Publikum anlockt.

Alle vier Festivaltage werden von Großformationen eröffnet. Peter Herborn zeigt, wie im Programmblatt zu lesen ist, „mit seinem superben Ensemble, wie reibungslos sich amerikanische Jazzmusiker einbinden lassen und wie klassische Elemente und populäre Einflüsse in ein modernes Bigband-Konzept einfließen können.“ Dies gilt für das holländische „Ex Orkest“ ebenso wie für das hierzulande völlig unbekannte „Le Grotorkestre“ aus Frankreich. Die Jazz Jamica Allstars, zu denen sich britische Improvisatoren gesellen, vervollständigen den Orchesterreigen, der vom japanischen Shibusashirazu Orchestra auf die Spitze getrieben wird. Hier ist in einem Multimedia-Spektakel „Powerpop“ angesagt.

omar sosa - ssirius pakzadWas das Festival in den Schlagzeilen hält, ist die Tatsache, dass es nach wie vor junge Talente aufspürt. Der kubanische Pianist Omar Sosa zählt jenseits der allseits herumgereichten Altmänner-Elite sicherlich dazu, wenn er, wie versprochen wird, „seine ureigene Vision von World Music vorstellt, eine begeisternde Mischung aus kubanischem Jazz, Sprechgesang und afroamerikanischen Traditionen“. In einer anderen Tradition steht der finnische Akkordeon-Virtuose Kimmo Pohjonen mit ungenierten Kombinationen akustischer Klänge mit pulsierenden Elektro-Sounds.
„Lateinamerika rückt einmal mehr in den Focus des Moers Festivals“, heißt es. Während das Quintett „Lenine“ brasilianische Musik mit Rap und neuen Techniken kombiniert, orientiert sich der Vokalist Tom Ze an traditionellen Mustern. Traditionelle Klänge kommen auch aus Reunion und natürlich aus Afrika. Gruppen aus Senegal, Nigeria, Marokko und Niger gestalten die „African Dance Night“. Für viele ist sie das Kernstück des Festivals, eine Meinung, der Jazzfans leidenschaftlich widersprechen. Was Moers aber auch auszeichnet und zum Juwel in der deutschen Festival-Landschaft macht, sind die vormittäglichen Projekte. Abseits des Festival-Betriebs mit seinen zeitlichen Einschränkungen erproben bestehende und zusammengewürfelte Gruppen und Solisten neue Ideen und Konzepte. Auf Projekte des holländischen Cellisten Ernst Reijseger, des Shibusashirazu Orchesters und der Gruppe Nebelhorn darf man gespannt sein. Die altehrwürdige Jam-Session nicht aussterben zu lassen, auch dafür sorgt Moers.

Es ist letztlich ein Festival, das zu den großen und wegweisenden im Lande gehört. Gründer und Leiter Burkhard Hennen hat es bis heute verstanden, es dank Stadt, Sponsoren und vielen Initiativen am Leben zu erhalten. Pfingsten gehört Moers.

Reiner Kobe

Infos:Tel. 02841/77 41, Fax 762 92, www.moers-festival.com, info@moers-music.com

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