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2000/06
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Berichte Seite 5 |
Dolphy frisch gepresst Rudi Mahall und Aki Takase in Regensburg Wenn der Jazz sich in Schräglage begibt, scheinen bestimmte Farbassoziationen vorprogrammiert: Im roten Bereich spielte sich das ab, was Rudi Mahall zusammen mit Frank Möbus dem Mainstream entgegenzusetzen hatte, und was trug Mahall bei seinem Regensburger Jazz-Club-Auftritt unterm Jackett? Orange! Wie frisch gepresst auch sein Spiel auf der Bassklarinette: erfrischend, ohne Zuckerzusatz und mit der nötigen Substanz im Fruchtfleisch des zugrunde gelegten Materials, das in der Hauptsache der unerschöpflichen Fantasie Eric Dolphys entstammte. Ihm haben Mahall und seine prominente Partnerin am Flügel, Aki Takase, ein ebenso subtiles wie kraftvolles Programm gewidmet und auf eine preisgekrönte CD gebannt. Live ist aber alles im Fluss, wobei Mahalls Spiel klanglich und tonal lustvoll ins Unerhörte ausfranst. Den charakteristisch ungeschliffenen Sound seines Instruments, auf dem Dolphy dem Jazz einige denkwürdige Soli schenkte, kann er ins luftig Geräuschhafte abdriften lassen, wo kurz davor noch ein einzelner dynamisch ins Extrem getriebener Ton den Impuls eines halsbrecherischen Laufs auffing und forttrug. So wie Dolphy den Bebop zu Ende dachte, führt Mahall Dolphys Erbe weiter in einen kammermusikalischen Jazz des Aufeinanderhörens- und -reagierens. Aki Takases Fähigkeit zur improvisatorischen Synthese aller Stilistiken von Jazz und zeitgenössischer Musik ist enorm, und wie sie zuhört und zusieht, was die diversen auf die Saiten gestellten Blechutensilien zu sagen haben, wenn sie dazu My Ship anstimmt, ist ein Beitrag zum Weill-Gedenkjahr von bizarrer Poesie. Nicht ganz so enthusiastisch wirkte sie bisweilen im Duo mit Mahall, ließ diesem beim Solieren den Vortritt, sorgte dafür jedoch mit aberwitzigen Dekonstruktionen Stride- und Bluespiano-typischer Begleitmechanismen für den spannungsgeladenen Widerpart. Kein Wunder also, dass das Publikum mit einem Lulus back in town entlassen wurde, bei dem offen blieb, ob hier eine Rückkehr zu bejubeln oder mit dem Sarkasmus des daheim Gebliebenen zu quittieren sei. Juan Martin Koch
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