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Inhaltsverzeichnis Jazzzeitung 6/2000

2000/06

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Blues-Portrait

Seite 7

Blues, Jazz, Pop

Vielseitig: Sängerin Jeanne Carroll

Die schwarze Sängerin Jeanne Carroll ist eine Wanderin zwischen den musikalischen Welten Blues, Jazz, Gospel und Pop. Dabei zählt die am 15. Januar 1931 in Ruleville, Mississippi geborene Musikerin gewiss nicht zur hippen Gruppe der Alles-Verwurstler. Aber der Reihe nach!

Beeinflusst durch ihre Mutter, die ebenfalls Sängerin war, begann sie bereits im Alter von drei Jahren als Chorsängerin in der heimischen Kirche zu singen. Nach dem Umzug der Familie nach Chicago wurde Carroll das bislang jüngste Mitglied des „Metropolitan Opera Guild Choir“. In Chicago arbeitete sie zusammen mit den Blues-Pianisten Memphis Slim und Sunnyland Slim und sie wurde von Jazz-Größen wie Earl „Fatha“ Hines, Duke Ellington und Count Basie engagiert. Sie arbeitete zusammen mit Billie Holiday, Ruth Brown und Nancy Wilson. Die Liste ließe sich noch endlos fortsetzen, würde aber den Rahmen einer Seite sprengen.

carroll - promofoto aus den 70ernIm Jahre 1971 wurde sie zur Jazz-Sängerin des Jahrhunderts ausgezeichnet. Wie es dazu kam erzählt sie selbst: ,,1971 hat die in Chicago sehr berühmte Zeitung „Chicago Tribune“ einen großen Artikel über Ella Fitzgerald und mich veröffentlicht. Darin wurde die Jazz-und-Blues-Society Chicago aufgefordert, eine von uns beiden als Jazz-Sängerin des Jahrhunderts zu nominieren. Damals konnte sich aber die Jazz-und-Blues-Society in Chicago nicht recht entscheiden und nominierte uns beide als Jazz- und Blues-Sängerinnen des Jahrhunderts. Darauf bin ich heute noch sehr stolz.“

Seit Mitte der 80er-Jahre lebt Carroll nun in Deutschland. Ihre Stationen waren dabei Freising, Burghausen und jetzt Nürnberg. Wie es zum Umzug nach Europa kam, klingt so ungewöhnlich wie einfach: „Ich war vor ein paar Jahren in Europa auf Tournee, zusammen mit Angela Brown. Damals blieb Angela hier in Freising kleben. Nun, ein paar Monate später rief sie mich an, ob ich nicht auch hier leben möchte. Ich packte meine Siebensachen und flog über den Teich. Das ist alles, nichts Aufregendes, just life!“

Eines ihrer drei Kinder lebt mittlerweile auch in Deutschland, die Blues-Sängerin Karen Carroll. Vor kurzem sah man die beiden zusammen mit Jeanne Carrolls Enkelin Jeanana auf einer Gospel-Tour durch Deutschland.

Ihre musikalische Philosophie heute zentriert sich auf den Punkt, bei dem sie sagt: „Ich möchte die Menschen unterhalten, ihnen Freude bereiten, und dabei ist es egal, ob ich Jazz, Blues oder Pop-Musik mache.“ Auch wenn das musikalische Genre dreigespalten ist, so wird es aber durch die samtene, warme, aber auch gleichzeitig kräftig-impulsive Stimme Carrolls zusammengehalten.

Wolfgang Alexander

Konzert-Termin
29. Juli 2000, Steiner Box, Erlangen

Discographie (Auswahl)

  • Little Brother Montgomery/Jeanne Carroll: No Special Rider, Adelphi Records, 1969
  • Franz Jackson/Jeanne Carroll: Let’s Have A Party, Pinnacle Records, 1982
  • Christian Christl/Jeanne Carroll: Tribute To Willie Dixon, Knödl Records, 1991
  • Jeanne Carroll: My Style Is Different, Bellaphon/L+R Records, 1993

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