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Inhaltsverzeichnis Jazzzeitung 6/2000

2000/06

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Portrait

Seite 8

Kreativität als Jungbrunnen

Family spirit: Monty Alexander spielt mit alten Freunden aus Jamaika


Weit mehr als die Hälfte seines Lebens hat der Pianist Monty Alexander außerhalb seiner Heimat Jamaika verbracht. Aber sein Akzent ist ein so unveränderliches Kennzeichen geblieben, als wäre er eine Eintragung in seinem Pass. Dieser Singsang beim Sprechen, diese Satzmelodien, die schwere Betonungen lieben und trotzdem von der Leichtigkeit des Seins künden, sind wie die Musik des tropischen Eilandes: auch die mag gewichtige Akzentuierungen und trotzdem tänzelt sie schwerelos. Selbst wenn Monty Alexander, den die Jazz zeitung in London traf, jetzt aus einer Gebrauchsanweisung für Waschmaschinen vorlesen würde, klänge es vermutlich wie reine Folklore-Poesie.

Kaum zu glauben, dass dieser kleine Mann, der mir in seinem legeren Holzfäller-Hemd/ Jeans-Outfit gegenübersitzt, in den nächsten Tagen 56 Jahre alt wird. Er reagiert mit einem verschmitzten Lächeln auf das Kompliment, zuckt mit den Achseln und setzt zu einer Erklärung an: „Wenn du deinen Körper und deinen Geist nicht vergewaltigst, wenn du die Klippen des Lebens zu umschiffen verstehst, wenn du ständig eine Katharsis durchlebst, die dir gleichzeitig Therapie und Loslösung ist, wenn du das Leben mit einer so wunderschönen Sache wie Musik und ganz speziell Jazz zu feiern verstehst, hält dich das jung. Jazz ist eine der wirkungsvollsten Formen künstlerischen Ausdrucks. Die Kreativität reinigt dir ständig die Poren.” Schöner kann man es nicht sagen, oder?

Monty Alexander - foto: PakzadMonty Alexander aus Kingston, Jamaika, der früher immer als eine Art Nachfolger von Oscar Peterson gehandelt wurde, hat sich immer wieder mit Stolz, Würde und einer Spur Sentimentalität auf seine karibischen Wurzeln besonnen. So setzte er etwa Steel-Drum-Spieler in seinen Gruppen ein, und jüngst hat er sogar dem Reggae seine Referenz erwiesen. In London, wo er zwei Wochen im Ronnie Scott’s zu hören war, experimentierte er kräftig und ließ den Bassisten und Schlagzeuger seines regulären Jazz-Trios zusammen mit einer Reggae-Rhythmusgruppe antreten. Die Musik bekam dadurch einen enormen Schub und groovte, als gäbe es kein Morgen mehr.

Auf seinem aktuellen Album „Monty Meets Sly & Robbie” (Telarc/ in akustik) traf sich der Pianist mit alten Freunden aus der Heimat, dem Bassisten Robbie Shakespeare und dem Schlagzeuger Sly Dunbar, die seit mehreren Dekaden wie eineiige Zwillinge auftreten. „Ich versuche öfter etwas Neues, um mich nicht zu langweilen”, lacht Monty Alexander. „Aber diese neue CD hat natürlich auch andere Hintergründe, denn sie ist wie eine musikalische Heimkehr, zurück zur Familie.” Vor zehn Jahren hat Monty Alexander erstmals mit diesem Rhythmusgespann, das wohl zu den berühmtesten der Welt gehört, gearbeitet und sofort Freundschaft mit Sly & Robbie geschlossen. Vor einiger Zeit lag schon einmal eine gemeinsame Produktion in der Pipeline, wurde aber aus politischen Gründen zurückgehalten und schließlich gar nicht veröffentlicht. Das audiophile Label Telarc hat den Jamaikanern nun ein neues Get Together ermöglicht. Doch wer nun ein Reggae-Album erwartet (schließlich behandelte Monty Alexanders letzte CD die Musik Bob Marleys) wird überrascht sein. Monty, Sly und Robbie versuchen sich nämlich an Neuinterpretationen von Soul-Jazz-Klassikern wie „Chameleon” von Herbie Hancock, „Moanin‘” von Bobby Timmons, „Mercy, Mercy, Mercy” von Joe Zawinul oder „Sidewinder” von Lee Morgan. Auffällig ist, wie zurückhaltend sich der Virtuose Monty Alexander bei dieser Aufnahme zeigt. Er fügt sich eher ins Gesamtbild des sehr kompakten, reduzierten, entschlackten Sounds ein, als ständig brillieren zu wollen. „Klar”, grinst er, „hier geht es schließlich nicht um Egoismus, sondern um familiy spirit.”

Ssirus W. Pakzad

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