{"id":979,"date":"2011-05-25T13:51:50","date_gmt":"2011-05-25T11:51:50","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.nmz.de\/jazz\/?p=979"},"modified":"2011-05-25T13:51:50","modified_gmt":"2011-05-25T11:51:50","slug":"jazzsports","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/2011\/05\/jazzsports\/","title":{"rendered":"Jazzsports"},"content":{"rendered":"<p>Was war Bergwandern in meiner Jugend doch f\u00fcr eine langweilige Angelegenheit! Man trug zickig karierte Flanellhemden und gro\u00dfv\u00e4terliche Kniebundhosen, sammelte kleine Blechplaketten f\u00fcr den Wanderstock, bestellte auf den H\u00fctten einen Becher Buttermilch oder ein Bergsteigeressen (meist Erbsensuppe mit oder ohne W\u00fcrstchen) und buchte f\u00fcr die H\u00fcttennacht ein stinkendes Matratzenlager. Der H\u00f6hepunkt des Tages: die Dose Scho-ka-kola bei der Gipfelrast. Wenn die anderen von ihrem Sommerurlaub erz\u00e4hlten \u2013 Adria! Costa del Sol! Bretagne! \u2013, konnte man mit Allg\u00e4u oder Tirol sowieso gleich einpacken.<\/p>\n<p>Heute ist Bergwandern absolut in, seitdem die Sportmode den Bergpfad zum Fitness-Catwalk erkl\u00e4rt hat. Statt Flanellhemden tr\u00e4gt der modebewusste Mountain Walker von heute das trendige Trekkingshirt oder das atmungsaktive Alpinhemd, dazu eine strapazierf\u00e4hige Outdoor-Jacke mit Systemrei\u00dfverschluss und eine pflegeleichte Tourenhose mit Stretcheinsatz. Ganz wichtig ist das aktive Feuchtigkeitsmanagement! Man sieht: Sportliche Modetrends kann man wunderbar vermarkten. Da rechnen sich sogar sauteure Werbespots in der Champions-League-Halbzeitpause, wo sonst nur Bier, Autos und Heimwerkerm\u00e4rkte stattfinden.<\/p>\n<p>Ich sage mir: Wenn selbst \u00f6des Bergwandern durch Sportmode CL-kompatibel wird, warum nicht auch spannendes Jazzh\u00f6ren? Daher meine neue Gesch\u00e4ftsidee: \u201eJazzsports\u201c! Als Starter-Sortiment projektiere ich die h\u00f6rattraktive Jazzclubjacke \u201eJack Blueskin\u201c im sportlichen Backstage-Sakkostil, das pflegeleichte Indoor-Swingshirt \u201eMontreux Jazz\u201c mit synkopiertem Chorus-Management und die strapazierf\u00e4hige Festival-Aktivhose \u201eMiles Wear\u201c mit halbakustischem Rhythm-Changes-Rei\u00dfverschluss. W\u00e4re doch echt gelacht, wenn wir den Jazz nicht sportmodisch hochjazzen k\u00f6nnten!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was war Bergwandern in meiner Jugend doch f\u00fcr eine langweilige Angelegenheit! Man trug zickig karierte Flanellhemden und gro\u00dfv\u00e4terliche Kniebundhosen, sammelte kleine Blechplaketten f\u00fcr den Wanderstock, bestellte auf den H\u00fctten einen Becher Buttermilch oder ein Bergsteigeressen (meist Erbsensuppe mit oder ohne W\u00fcrstchen) und buchte f\u00fcr die H\u00fcttennacht ein stinkendes Matratzenlager. 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Titel: \"No Chaser\". Ende 2010 erschien bereits der 78. Text. Preisfrage: Wann hat er damit begonnen? Mit Informationen zu seiner Person ist er dagegen geizig. So viel ist immerhin bekannt: Er hat einen Produzenten-Freund in Italien namens Stefano und eine On-Off-Beziehung mit Petra, seiner Nachbarin. Hier mal etwas Autobiographisches (das war seine Print-Kolumne Nr. 34, das Baby ist inzwischen eingeschult)... ... ... Neuigkeiten von meiner h\u00fcbschen Nachbarin: Sie ist schwanger. (Nicht von mir, ich schw\u00f6re.) Seitdem sie es wei\u00df, will sie andauernd Musik-Tipps von mir. (Nicht f\u00fcr sich, sondern f\u00fcr das ungeborene Baby.) \u201eAch, es gibt doch genug Baby-Songs\u201c, sagte ich: \u201eBaby, it\u2019s cold outside. I can\u2019t give you anything but love, baby. Oder: Baby, you are my destiny.\u201c Das fand sie dann nicht so richtig lustig. \u00dcberhaupt muss ich sagen: Seitdem Petra (so hei\u00dft meine Nachbarin) schwanger ist, nimmt sie alles sehr ernst. \u201eDie musikalischen Schwingungen, die ein Kind im Mutterleib erf\u00e4hrt, bestimmen sp\u00e4ter seine Sexualit\u00e4t, seine Berufswahl und sogar seine TV-Vorlieben\u201c, verk\u00fcndet sie immer wieder. \u201eVor allem nat\u00fcrlich seinen Musikgeschmack\u201c, sage ich dann jedes Mal. F\u00fcr die Zeit nach der Geburt hat Petra dagegen vorgesorgt. Ein ganzes Regalbrett voll CDs wartet auf das arme Kind: \u201eBach for Babies\u201c, \u201eMozart for Babies\u201c, \u201eAdagio for Babies\u201c. Alles nach neuesten therapeutischen Erkenntnissen altersgem\u00e4\u00df geordnet: ab 3 Monate, ab 6 Monate, ab 12 Monate. \u201eUnd wo ist der Charlie Parker f\u00fcr die F\u00fcnfj\u00e4hrigen?\u201c, wagte ich zu fragen. \u201eJazz-Harmonien sind ganz schlecht f\u00fcr Kinder\u201c, antwortete sie, als ob sie auch nur die leiseste Ahnung von Parkers Harmonik h\u00e4tte. \u201eDas ist wissenschaftlich erwiesen, dass Jazz hyperaktiv macht. Auch die Zahl der Diabetiker steigt unter Jazz-Einfluss.\u201c Ich versuchte, ruhig zu bleiben. \u201eNa, dann wird\u2019s wohl ein rotwangiger Chefarzt oder Staranwalt werden, dein Kind. Deren musikalische Entwicklung bleibt ja bekanntlich bei Mozarts Kr\u00f6nungskonzert stehen.\u201c Irgendwie schaffte es Petra in ihrer Schwangeren-W\u00fcrde, mir daraufhin ein alles verzeihendes Buddha-L\u00e4cheln zu schenken. Seit sich ihr Bauch rundet, ist sie aber auch irgendwie noch sch\u00f6ner geworden. Neuerdings l\u00e4dt sie mich sogar zweimal die Woche zum Abendessen ein. Sie sucht doch nicht etwa einen Vater f\u00fcr ihr Kind? Ohne Parker geht da nichts, so viel steht fest.","url":"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/author\/wein\/"}]}},"wp-worthy-pixel":{"ignored":false,"public":null,"server":null,"url":null},"wp-worthy-type":"normal","jetpack_publicize_connections":[],"cc_featured_image_caption":{"caption_text":false,"source_text":false,"source_url":false},"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p3KEcT-fN","jetpack-related-posts":[{"id":27559,"url":"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/2022\/06\/nachruf-und-rueckblick-matthias-winckelmann\/","url_meta":{"origin":979,"position":0},"title":"Nachruf und R\u00fcckblick: Matthias Winckelmann","author":"Redaktion JazzZeitung","date":"20. 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