{"id":8423,"date":"2016-02-16T09:14:33","date_gmt":"2016-02-16T08:14:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/?p=8423"},"modified":"2016-02-16T09:14:33","modified_gmt":"2016-02-16T08:14:33","slug":"jazzpraesentation-und-weltoffenheit-fehlanzeige","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/2016\/02\/jazzpraesentation-und-weltoffenheit-fehlanzeige\/","title":{"rendered":"Jazzpr\u00e4sentation und Weltoffenheit &#8211; Fehlanzeige?!"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/belonoga_cover-111-460x460.png\" rel=\"attachment wp-att-8424\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"8424\" data-permalink=\"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/2016\/02\/jazzpraesentation-und-weltoffenheit-fehlanzeige\/belonoga_cover-111-460x460\/\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/belonoga_cover-111-460x460.png?fit=460%2C460&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"460,460\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"belonoga_cover-111-460&amp;#215;460\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/belonoga_cover-111-460x460.png?fit=460%2C460&amp;ssl=1\" class=\"alignright size-thumbnail wp-image-8424\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/belonoga_cover-111-460x460-150x150.png?resize=150%2C150\" alt=\"belonoga_cover-111-460x460\" width=\"150\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/belonoga_cover-111-460x460.png?resize=150%2C150&amp;ssl=1 150w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/belonoga_cover-111-460x460.png?resize=300%2C300&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/belonoga_cover-111-460x460.png?resize=144%2C144&amp;ssl=1 144w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/belonoga_cover-111-460x460.png?resize=96%2C96&amp;ssl=1 96w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/belonoga_cover-111-460x460.png?resize=24%2C24&amp;ssl=1 24w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/belonoga_cover-111-460x460.png?resize=36%2C36&amp;ssl=1 36w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/belonoga_cover-111-460x460.png?resize=48%2C48&amp;ssl=1 48w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/belonoga_cover-111-460x460.png?resize=64%2C64&amp;ssl=1 64w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/belonoga_cover-111-460x460.png?resize=32%2C32&amp;ssl=1 32w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/belonoga_cover-111-460x460.png?resize=128%2C128&amp;ssl=1 128w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/belonoga_cover-111-460x460.png?resize=460%2C460&amp;ssl=1 460w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a><strong>Dimiter Panev (Labelchef und Promoter, <a href=\"http:\/\/www.elenmusic.com\">Elen Music<\/a>) zur Lage des Jazz in Deutschland: <\/strong>&#8222;If music cannot change the world, what use does it have?&#8220; (Hector Zazou)<\/p>\n<p>Als ich\u00a0Joachim-Ernst Berendt\u00a0in 1997 kennenlernte, unterhielten wir uns \u00fcber John Coltraine. Er erz\u00e4hlte mir, dass Coltraine fast s\u00fcchtig war, Musik aus fernen Welten zu h\u00f6ren. Besonders die Komplexit\u00e4t der Musik aus Indien hatte ihn fasziniert. Das spiegelte sich auch direkt in seiner Musik wieder, sowohl in der Musikstruktur und der Komposition als auch in der Improvisation. Alben wie z.B. A Love Supreme (z.B. Psalm), OM oder Meditations sind so entstanden. Ein neues Musikempfinden hatte sich entwickelt. Sein Musikkreis\u00a0\u00a0\u2013\u00a0\u00a0seine Frau Alice Coltraine und besonders Pharao Sanders &#8211; haben diese Linie weiterverfolgt und eine neue Musikwelt erschaffen. Don Cherry ist Ende der 60er selbst nach Marokko gefahren, um dort mit ethnischen Musikern zusammenzuarbeiten. Dann folgten Miles Davis, das\u00a0<em>Mahavishnu Orchestra<\/em>, Jan Garbarek etc. etc. etc. Diese Giganten der Musik und des Jazz haben die eigene Musik als Musik der Welt gesehen. (John Coltraine und die indische Musik:\u00a0<a href=\"http:\/\/indiamusicweek.org\/files\/coltrane.pdf\">http:\/\/indiamusicweek.org\/files\/coltrane.pdf)<\/a><\/p>\n<p>Meine erste Live-Ber\u00fchrung mit dem Jazz war 1986 auf den Leipziger Jazztagen. Damals entdeckte ich zum ersten Mal die ganze Vielfalt dieser weltoffenen Musik, genannt Jazz. 1986 in der DDR, hinter dem Eisernen Vorhang unter der Obhut des Sozialismus und der Stasi-Aufsicht, standen auf der B\u00fchne der Leipziger Jazztage neben Maria Joao, Phil Minton, Kate und Mike Westbrook auch Conny Bauer und G\u00fcnther Sommer, die polnische Gruppe Ossian neben der\u00a0Doctor Umezu Band\u00a0aus Japan etc. Alle Stilrichtungen von Avantgarde und Free Jazz bis Ethno Jazz und Traditional waren vertreten. Musiker aus 14 L\u00e4ndern, aus Ost und West, trafen sich 1986 in Leipzig.<strong>\u00a0<\/strong>Eine ganze Welt hatte sich f\u00fcr mich ge\u00f6ffnet. Das hat sich dann bis zu den legend\u00e4ren 1988 Leipziger Jazztagen (Heiner M\u00fcller, Heiner Goebels, Okay Temiz, Iva Bitova, Pavel Fajt, Petras Vysniauskas, Fred Frith etc. etc.) und nach der Wende in der 90er Jahre weiter so entwickelt.<\/p>\n<p>Als ich 1996 selbst anfing, mich professionell mit Musik zu besch\u00e4ftigen, war diese Welt sehr weit offen. In all den Jahren hatte sich der Jazz in allen Stilrichtungen der Musik weiterentwickelt. In der geeinten deutschen Musiklandschaft im vereinigten Deutschland war Musik und speziell Jazzmusik aus der ganzen Welt vertreten. Als Beispiel kann ich die Festivals Jazz Across The Border in Berlin und Jazz Ost-West in N\u00fcrnberg, die leider nicht mehr existieren, nennen. 1996 habe ich mein erstes kreatives Festival\u00a0\u00a0\u201eKlanglandschaften\u201c mit Musikern aus Ost und West, aus Bulgarien, Deutschland, Gro\u00dfbritannien, Japan, Rum\u00e4nien, Russland und Serbien in Leipzig organisiert.<\/p>\n<p>Seit einigen Jahren beobachte ich leider mit gro\u00dfer Sorge eine ganz andere Entwicklung der Pr\u00e4sentation der Musik und des Jazz in Deutschland. Es sind immer wieder die gleichen Musiker vertreten, die aus einer ehr begrenzten Zahl von L\u00e4ndern kommen und die immer wieder von den gleichen Promotern pr\u00e4sentiert werden. Die Presse, die Journalisten, die fr\u00fcher so \u201egierig\u201c waren, etwas Neues, Unikales, Ungeh\u00f6rtes, Bahnbrechendes zu entdecken, sind wie \u201eMumien\u201c geworden. Es wird nur \u00fcber Musiker geschrieben und publiziert, die in einem bestimmten \u201eSystem\u201c etabliert sind. Alles andere f\u00e4llt raus. So wird auch gleich das Publikum \u201emumifiziert\u201c, das sich nur nach der Meinung von \u201eExperten\u201c richtet.\u00a0\u00a0\u201eDer ist doch nicht bekannt, also nicht gut\u201c h\u00f6re ich sehr oft.<\/p>\n<p>Weltoffenheit \u2013 Fehlanzeige! Das Ganze f\u00e4llt zur\u00fcck auf die kreativen Musiker, die nicht nur keine B\u00fchnen finden, sondern sich gerade im Weltaustausch nicht entwickeln k\u00f6nnen. Uns fehlen die Giganten der Musik, die nicht mehr \u201egeboren\u201c werden.<\/p>\n<p>Die beliebteste Ausrede der Promoter ist, dass, wenn ein Musiker nicht bekannt ist &#8211; egal wie gut &#8211; kein Geld bringt, weil das Publikum nicht kommt. Jeder aber, der ein Konzert jemals veranstaltet hat, wei\u00df, dass Publikum immer wieder erzogen und entwickelt werden muss. Das ist der Anspruch, den man als denkender, aktiver und kreativer Veranstalter hat, oder? Genau dieser Anspruch fehlt zu oft. Abgesehen davon, dass Qualit\u00e4t Unterst\u00fctzung braucht und Profit ein Merkmal der kommerziellen Richtungen ist. Gerade bei Veranstaltern, die mit \u00f6ffentlichen Mittel arbeiten und finanzielle Unterst\u00fctzung bekommen, ist diese Entwicklung absolut unverzeihlich. &#8211; Man hat die Pflicht, weltoffen zu sein!<\/p>\n<p>Ich habe mir die Programme der deutschen Jazz Festivals 2015 angesehen und mit Schrecken festgestellt, dass sich die Situation wirklich sehr versch\u00e4rft hat. Jazz aus Russland zum Beispiel habe ich seit Jahren hier nicht geh\u00f6rt. Aber auch Osteuropa mit Ausnahme von einigen immer gleichen polnischen Musikern ist absolut nicht da (z.B. wo ist Ungarns sehr starke Jazzszene?). Der Balkan (Bulgarien, Griechenland, T\u00fcrkei, alles L\u00e4ndern mit einem sehr starken Jazz), der Orient (fantastische Jazzprojekte), Asien, Mittel- und S\u00fcdamerika, Afrika (ganz gro\u00dfe Jazzwelten) \u2013 die breite Welt der Musik gibt es hier in Deutschland fast nicht mehr!?<\/p>\n<p>Es wird von Jahr zu Jahr immer schlimmer. Ist es das Desinteresse oder vielleicht sogar die Ablehnung der Kultur dieser L\u00e4nder, eine Ablehnung, die in letzter Zeit leider auf den deutschen Stra\u00dfen immer mehr gezeigt wird? Was ist Folge und was ist Ursache?<\/p>\n<p>\u201eWer fremde Sprachen nicht kennt, wei\u00df nichts von seiner eigenen.\u201c (Johann Wolfgang von Goethe)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dimiter Panev (Labelchef und Promoter, Elen Music) zur Lage des Jazz in Deutschland: &#8222;If music cannot change the world, what use does it have?&#8220; (Hector Zazou) Als ich\u00a0Joachim-Ernst Berendt\u00a0in 1997 kennenlernte, unterhielten wir uns \u00fcber John Coltraine. Er erz\u00e4hlte mir, dass Coltraine fast s\u00fcchtig war, Musik aus fernen Welten zu h\u00f6ren. Besonders die Komplexit\u00e4t der Musik aus Indien hatte ihn fasziniert. Das spiegelte sich auch direkt in seiner Musik wieder, sowohl in der Musikstruktur und der Komposition als auch in der Improvisation. Alben wie z.B. A Love Supreme (z.B. Psalm), OM oder Meditations sind so entstanden. Ein neues Musikempfinden hatte sich entwickelt. Sein Musikkreis\u00a0\u00a0\u2013\u00a0\u00a0seine Frau Alice Coltraine und besonders Pharao Sanders &#8211; haben diese Linie weiterverfolgt und eine neue Musikwelt erschaffen. Don Cherry ist Ende der 60er selbst nach Marokko gefahren, um dort mit ethnischen Musikern zusammenzuarbeiten. Dann folgten Miles Davis, das\u00a0Mahavishnu Orchestra, Jan Garbarek etc. etc. etc. Diese Giganten der Musik und des Jazz haben die eigene Musik als Musik der Welt gesehen. (John Coltraine und die indische Musik:\u00a0http:\/\/indiamusicweek.org\/files\/coltrane.pdf) Meine erste Live-Ber\u00fchrung mit dem Jazz war 1986 auf den Leipziger Jazztagen. 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Er erz\u00e4hlte mir, dass Coltraine fast s\u00fcchtig war, Musik aus fernen Welten zu h\u00f6ren. Besonders die Komplexit\u00e4t der Musik aus Indien hatte ihn fasziniert. Das spiegelte sich auch direkt in seiner Musik wieder, sowohl in der Musikstruktur und der Komposition als auch in der Improvisation. Alben wie z.B. A Love Supreme (z.B. Psalm), OM oder Meditations sind so entstanden. Ein neues Musikempfinden hatte sich entwickelt. Sein Musikkreis\u00a0\u00a0\u2013\u00a0\u00a0seine Frau Alice Coltraine und besonders Pharao Sanders &#8211; haben diese Linie weiterverfolgt und eine neue Musikwelt erschaffen. Don Cherry ist Ende der 60er selbst nach Marokko gefahren, um dort mit ethnischen Musikern zusammenzuarbeiten. Dann folgten Miles Davis, das\u00a0Mahavishnu Orchestra, Jan Garbarek etc. etc. etc. Diese Giganten der Musik und des Jazz haben die eigene Musik als Musik der Welt gesehen. (John Coltraine und die indische Musik:\u00a0http:\/\/indiamusicweek.org\/files\/coltrane.pdf) Meine erste Live-Ber\u00fchrung mit dem Jazz war 1986 auf den Leipziger Jazztagen. 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