{"id":6451,"date":"2015-06-23T09:37:59","date_gmt":"2015-06-23T07:37:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/?p=6451"},"modified":"2015-06-23T09:37:59","modified_gmt":"2015-06-23T07:37:59","slug":"eher-selten-philosophisches-nachdenken-ueber-jazz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/2015\/06\/eher-selten-philosophisches-nachdenken-ueber-jazz\/","title":{"rendered":"Eher selten: Philosophisches Nachdenken \u00fcber Jazz"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/cover_feige_quadrat.jpg\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"6455\" data-permalink=\"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/2015\/06\/eher-selten-philosophisches-nachdenken-ueber-jazz\/cover_feige_quadrat\/\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/cover_feige_quadrat.jpg?fit=391%2C373&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"391,373\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}\" data-image-title=\"cover_feige_quadrat\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/cover_feige_quadrat.jpg?fit=391%2C373&amp;ssl=1\" class=\"alignright size-thumbnail wp-image-6455\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/cover_feige_quadrat-150x150.jpg?resize=150%2C150\" alt=\"cover_feige_quadrat\" width=\"150\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/cover_feige_quadrat.jpg?resize=150%2C150&amp;ssl=1 150w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/cover_feige_quadrat.jpg?resize=144%2C144&amp;ssl=1 144w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/cover_feige_quadrat.jpg?resize=96%2C96&amp;ssl=1 96w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/cover_feige_quadrat.jpg?resize=24%2C24&amp;ssl=1 24w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/cover_feige_quadrat.jpg?resize=36%2C36&amp;ssl=1 36w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/cover_feige_quadrat.jpg?resize=48%2C48&amp;ssl=1 48w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/cover_feige_quadrat.jpg?resize=64%2C64&amp;ssl=1 64w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/cover_feige_quadrat.jpg?resize=32%2C32&amp;ssl=1 32w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/cover_feige_quadrat.jpg?resize=128%2C128&amp;ssl=1 128w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/cover_feige_quadrat.jpg?zoom=2&amp;resize=150%2C150&amp;ssl=1 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a>Daniel Martin Feige versucht es in seiner \u201ePhilosophie des Jazz\u201c \u2013 ein spannendes Unterfangen \u2013 nicht ganz ohne Risiko. Feige kontrastiert die Europ\u00e4ische Kunstmusik mit dem Jazz, mit improvisierter Musik, aber auch mit der so genannten Neuen Musik, allerdings von vornherein unter der Voraussetzung der Zugeh\u00f6rigkeit des Jazz zur Europ\u00e4ischen Kunstmusik, nicht zuletzt wegen der zahlreichen musikalischen Grenz\u00fcberg\u00e4nge von Neuer Musik zum Jazz und vice versa.<\/p>\n<p>Kompositorisches Schaffen als solches, so erkl\u00e4rt Feige anfangs, ist rein musikgeschichtlich gesehen relativ jung. Insofern geh\u00f6rt die Komposition, also das so genannte Werk irgendwie zum Beginn des b\u00fcrgerlichen Konzertbetriebes um etwa die Mitte des 19. Jahrhunderts, dem Anfang dessen, was heute als Europ\u00e4ische Kunstmusik bezeichnet wird.<\/p>\n<p>Zeitgen\u00f6ssischer Jazz stellt sich per Definition in das Spannungsfeld von Komposition und Improvisation, wobei die Improvisation von ihren Sch\u00f6pfern durchaus als etwas dem Werk \u00e4hnliches verstanden wird. Das Ergebnis einer \u201eImprovisation\u201c ist im Feigeschen Verst\u00e4ndnis gleichsam ein langer Fluss und wird zu Werk und erh\u00e4lt seinen Wert durch seine Auff\u00fchrung. Da kann man ein Votum f\u00fcr die Improvisation als Werk im Sinne der GEMA durchh\u00f6ren, wie es beispielsweise in Frankreich von den Jazzmusikern gegen\u00fcber der SECAM praktiziert wird.<\/p>\n<p>Die instantane Identifikation eines Jazzmusikers und einer Jazzmusikerin, demgem\u00e4\u00df seine und ihre Pers\u00f6nlichkeit, ist durch sein und ihr Spiel immer zugleich \u00f6ffentlich. Das ist eine manifeste Eigenschaften des Jazz, seine Einmaligkeit, die es au\u00dferhalb des Jazz nicht gibt.<\/p>\n<p>Darauf folgt zugleich Feiges Definition, n\u00e4mlich \u201edass ein Kunstwerk lebendig ist, heisst aber gerade, dass es f\u00fcr uns in einer anderen Weise Sinn ergibt als der, bloss noch ein Element in einer historischen Erkl\u00e4rung von Kunst oder etwa ein bloss interessantes Symptom einer untergegangenen Lebensform zu sein. Man kann diesen Gedanken auch anders formulieren: Das Kunstwerk sagt als dasjenige, das es ist, uns etwas \u00fcber als diejenigen, die wir sind\u201c.<\/p>\n<p>Nun lenken Feiges musikimmanente \u00c4u\u00dferungen \u00fcber Jazz auf den Verdacht, dass sein Blick auf bestimmte Stilepochen mit Grenzen zur Aktualit\u00e4t verbunden sind. Ausgeklamert scheint das im wahrsten Sinne des Wortes Zeitgen\u00f6ssische im Jazz, einem Jazz, geschaffen von einer nicht nur jungen Generation, einem aktuellen Jazz gepr\u00e4gt von der Tagesaktualit\u00e4t von jungen und nicht mehr ganz so jungen Musikern.<\/p>\n<p>Feigel nennt unter anderem f\u00fcr ihn ma\u00dfgebliche Tondokumente in einem besonderen Zusammenhang, den der Jazz liefert: Bob Mintzer Bigband mit Kurt Elling mit Verweis auf den Titel \u201eEye Of The Hurricane\u201c von Herbie Hancock sowie Hancocks Album \u201eNew Standards\u201c.<\/p>\n<p>Das sind nun keineswegs mehr die im Heute auf das Morgen weisenden Aufnahmen. Dennoch: Feigel argumentiert f\u00fcr den Jazz als zum Hingeh\u00f6ren als musikalische Kunst sachbezogen und neutral und damit mit einem starken Votum: Die Kraft, die im Jazz und der improvisierten Musik steckt, ausgehend und verursacht vom musizierenden Individuum, bringt unsere Musikkultur voran \u2013 und zwar immer hart mit dem musikalischen Material \u00e4u\u00dfernd und damit in der Mitte dessen, was mit neuen, \u00fcber das Jetzt hinausgehenden musikalischen Aussagen und Formen m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p>Die Zukunft geh\u00f6rt den offenen Formen. Viele praktizieren es und machen es vor. \u201eOffen schlie\u00dft hier die bereits je her mit der Jazzgeschichte verbundenen grenz\u00fcberschreitenden und kultur\u00fcberquerenden Spielformen ebenso ein wie auch die Suche nach Aufl\u00f6sung von formalen Vorgaben durch Findung von neuen musikalischen Freiheiten und Formen.\u201c<\/p>\n<p>Vor dem digitalen Zeitalter mag mehr \u00fcber Musik geschrieben worden sein als dass sie selbst gespielt wurde. Dieses Verh\u00e4ltnis hat sich bis heute krass umgekehrt. Allerdings tendenziell zugunsten der popul\u00e4ren Spielarten des musikalischen Massengeschmacks.<\/p>\n<p>Die traditionelle Musikkritik hat es schwer, ist eigentlich tot. Wer kann sich heute noch als Musikkritiker bezeichnen? (Schon froh ist der Musikschaffende, wenn die Lokalzeitung durch einen Praktikanten im Konzert vertreten ist. Aber da heisst es aufpassen!)<\/p>\n<p>Soweit ist mehr als anzuerkennen, wenn sich Feigel der M\u00fche unterzieht, dem Jazz und der improvisierten Musik aus philosophischem Blickwinkel \u2013 mit Seitenblick auf Soziologie und Musikwissenschaft \u2013 eine Position zu geben.<\/p>\n<p>Seine \u00fcberaus aufschlussreichen und nachvollziehbaren Analysen und Argumente k\u00f6nnen Jazz und improvisierte Musik im musikalischen und im kulturpolitischen Raum nur st\u00e4rken helfen.<\/p>\n<p>Kurz und gut: Lesenswert, wertvoll und n\u00fctzlich.<\/p>\n<p>Daniel Martin Feigel: Die Philosophie des Jazz, Suhrkamp Taschenbuch, Berlin 2014<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Daniel Martin Feige versucht es in seiner \u201ePhilosophie des Jazz\u201c \u2013 ein spannendes Unterfangen \u2013 nicht ganz ohne Risiko. 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Feige kontrastiert die Europ\u00e4ische Kunstmusik mit dem Jazz, mit improvisierter Musik, aber auch mit der so genannten Neuen Musik, allerdings von vornherein unter der Voraussetzung der Zugeh\u00f6rigkeit des Jazz zur Europ\u00e4ischen Kunstmusik, nicht zuletzt wegen der zahlreichen musikalischen Grenz\u00fcberg\u00e4nge von Neuer Musik zum Jazz und vice versa. Kompositorisches Schaffen als solches, so erkl\u00e4rt Feige anfangs, ist rein musikgeschichtlich gesehen relativ jung. Insofern geh\u00f6rt die Komposition, also das so genannte Werk irgendwie zum Beginn des b\u00fcrgerlichen Konzertbetriebes um etwa die Mitte des 19. Jahrhunderts, dem Anfang dessen, was heute als Europ\u00e4ische Kunstmusik bezeichnet wird. Zeitgen\u00f6ssischer Jazz stellt sich per Definition in das Spannungsfeld von Komposition und Improvisation, wobei die Improvisation von ihren Sch\u00f6pfern durchaus als etwas dem Werk \u00e4hnliches verstanden wird. Das Ergebnis einer \u201eImprovisation\u201c ist im Feigeschen Verst\u00e4ndnis gleichsam ein langer Fluss und wird zu Werk und erh\u00e4lt seinen Wert durch seine Auff\u00fchrung. Da kann man ein Votum f\u00fcr die Improvisation als Werk im Sinne der GEMA durchh\u00f6ren, wie es beispielsweise in Frankreich von den Jazzmusikern &hellip;","og_url":"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/2015\/06\/eher-selten-philosophisches-nachdenken-ueber-jazz\/","og_site_name":"JazzZeitung","article_publisher":"https:\/\/www.facebook.com\/JazzZeitung\/","article_published_time":"2015-06-23T07:37:59+00:00","og_image":[{"url":"http:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/cover_feige_quadrat-150x150.jpg","type":"","width":"","height":""}],"author":"Peter Ortmann","schema":{"@context":"https:\/\/schema.org","@graph":[{"@type":"Article","@id":"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/2015\/06\/eher-selten-philosophisches-nachdenken-ueber-jazz\/#article","isPartOf":{"@id":"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/2015\/06\/eher-selten-philosophisches-nachdenken-ueber-jazz\/"},"author":{"name":"Peter Ortmann","@id":"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/#\/schema\/person\/d04743af6cf7c1de5d6146c923bf9d6d"},"headline":"Eher selten: Philosophisches Nachdenken \u00fcber Jazz","datePublished":"2015-06-23T07:37:59+00:00","mainEntityOfPage":{"@id":"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/2015\/06\/eher-selten-philosophisches-nachdenken-ueber-jazz\/"},"wordCount":711,"commentCount":0,"publisher":{"@id":"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/#organization"},"image":{"@id":"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/2015\/06\/eher-selten-philosophisches-nachdenken-ueber-jazz\/#primaryimage"},"thumbnailUrl":"http:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/cover_feige_quadrat-150x150.jpg","keywords":["Album","Berlin","Bigband","GEMA","Hancock","Herbie Hancock","Improvisation","Improvisierte Musik","Jazzgeschichte","Konzert","Kultur","Kurt Elling","Musikwissenschaft"],"articleSection":["Blog"],"inLanguage":"de","potentialAction":[{"@type":"CommentAction","name":"Comment","target":["https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/2015\/06\/eher-selten-philosophisches-nachdenken-ueber-jazz\/#respond"]}]},{"@type":"WebPage","@id":"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/2015\/06\/eher-selten-philosophisches-nachdenken-ueber-jazz\/","url":"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/2015\/06\/eher-selten-philosophisches-nachdenken-ueber-jazz\/","name":"Eher selten: Philosophisches Nachdenken \u00fcber Jazz - 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