{"id":5687,"date":"2015-08-30T12:41:07","date_gmt":"2015-08-30T10:41:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/?p=5687"},"modified":"2015-09-10T15:31:14","modified_gmt":"2015-09-10T13:31:14","slug":"begabt-ehrgeizig-ehrlich-tres-joyeuse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/2015\/08\/begabt-ehrgeizig-ehrlich-tres-joyeuse\/","title":{"rendered":"Begabt, ehrgeizig, ehrlich \u2013 et tr\u00e8s joyeuse: Christine Corvisier"},"content":{"rendered":"<p>Von Dietrich Schlegel &#8211; Bereits mit ihrer ersten eigenen CD \u201eWalkin\u2018 Around\u201c, die sie 2007 mit ihrem Quintett CC5 aufgenommen hatte, lie\u00df die Saxophonistin Christine Corvisier aufhorchen. Nicht nur, dass sie fast ausschlie\u00dflich eigene Kompositionen spielte, in einer stilistischen Breite von Modern Jazz, Groove und auch experimentellen Sounds &#8211; plus einem eigenwilligen Jazz-Arrangement des Edith-Piaf-Klassiker <em>\u201eLa vie en rose\u201c.<\/em> Sie verriet auch, dass sie dabei war, auf ihrem Hauptinstrument, dem Tenorsaxophon, einen eigenen, erkennbaren Klang zu entwickeln. Mit ihrer letztes Jahr aufgenommenen zweiten CD \u201eReconnaissance\u201c, f\u00fcr die sie gerade mit dem Schweizer Label Unity Records einen Vertrag geschlossen hat, erf\u00fcllt Christine in beiderlei Hinsicht die erweckten Erwartungen. Ihre Kompositionen sind noch vielgestaltiger und origineller oder in ihren Worten: \u201eehrlicher\u201c, ihr Tenorspiel, vor allem in den tiefen Lagen, noch ausgereifter und eigenst\u00e4ndiger. Und wieder hat sie ein ber\u00fchmtes Piaf-Chanson, diesmal <em>\u201eLa foule\u201c alias \u201eque nadie sepa mi sufrir\u201c,<\/em> jazzig arrangiert, als ein Salut an ihr Heimatland. Geh\u00f6rten zu ihrem ersten Quintett \u00fcberwiegend Amsterdamer Kollegen, so hat sie sich f\u00fcr \u201eReconnaissance\u201c vier K\u00f6lner Musiker ihrer Generation ausgesucht, mit denen sie <em>\u201etr\u00e8s heureuse\u201c<\/em> sei, begeistert von deren Musikalit\u00e4t und Engagement: Martin Schulte (g), Sebastian Scobel (p\/rhodes), David Andres (b) und Thomas Sauerborn (dr). Special Guest auf einigen Titeln ist die begabte \u00f6sterreichische, auch in K\u00f6ln heimisch gewordene Vokalistin Filippa Gojo, die hier ihre Stimme instrumental als zus\u00e4tzlichen Effekt einsetzt.<\/p>\n<p>Dass sie ihre Mitstreiter in K\u00f6ln fand, liegt schon deswegen nahe, weil die 1982 in Perpignan geborene Christine nach Studien in Nizza und Amsterdam sowie einem Jahr in New York vor f\u00fcnf Jahren mit ihrem Ehemann, dem Gitarristen Philipp Br\u00e4mswig, den Sprung an den Rhein gewagt hatte. Sich in der vitalen Jazzmetropole, in der es an veritablen Musikern wahrlich nicht mangelt, durchzusetzen und sich einen Namen zu machen \u2013 und dazu noch als Frau -, bedarf es nicht nur einer \u00fcberdurchschnittlichen Begabung, sondern auch einer gesunden Portion Ehrgeiz. Nicht im Sinne einer hemds\u00e4rmeligen Robustheit, der sich eine zierliche Person wie Christine ohnehin nicht zu bedienen w\u00fcsste, sondern in einem hohen k\u00fcnstlerischen Anspruch an sich selbst. Sie ist sehr selbstkritisch, feilt lange an ihren Kompositionen und Arrangements, beeindruckt bei ihren Auftritten durch ihren kraftvollen Ton und ihre \u00fcbersch\u00e4umende Energie<\/p>\n<p>Von Saxophon spielenden Frauen wird fast immer das Alt bevorzugt. Christine dagegen hatte sich schon fr\u00fchzeitig f\u00fcr das Tenor entschieden, nicht nur, weil alle ihre Vorbilder \u2013 unter anderen Lester Young, Stan Getz, Sonny Rollins \u2013 Tenoristen waren oder sind. Sie reizte die Klangbreite des Tenors, die m\u00f6gliche Gegens\u00e4tzlichkeit an Kl\u00e4ngen, die vielf\u00e4ltige Soundpalette. Sie liebt es auch wegen dieser instrumentalen M\u00f6glichkeiten, in verschiedenen Bands zu spielen. In ihrem Quintett spielt sie mehr energetisch, \u201er\u00f6hrt\u201c auch gern in den tiefen Lagen. In kleineren Formationen wie dem CMB Trio mit dem von ihr sehr gesch\u00e4tzten Pianisten Stefan Michalke und dem Bassisten Stefan Berger w\u00e4hlt sie eine weichere Spielart. Doch auf \u201eReconnaissance\u201c (Release im Oktober) zieht sie <em>alle<\/em> Register ihres Instruments. Alt spielt sie nur auf einem der zehn Titel.<\/p>\n<p>Ihre Kompositionen versucht Christine nicht zu kompliziert zu schreiben. Sie bleiben melodi\u00f6s, denn sie notiert nur das, was sie auch singen kann, um auf diese Weise ihre Gef\u00fchle und Empfindungen, ihr Wesen auszudr\u00fccken. Kompositionen und Arrangements bilden eine Einheit mit den einfallsreichen, oft wahrhaft beseelten Improvisationen Christines und ihrer Musiker, ein Klangkonglomerat, das den Zuh\u00f6rer unmittelbar anspricht und emotionell packt.<\/p>\n<p>Die Ernsthaftigkeit, mit der Christine, Mutter einer zweij\u00e4hrigen Tochter, ihren Beruf als freischaffende Musikerin aus\u00fcbt, kann ihren s\u00fcdfranz\u00f6sischen <em>savoir-vivre<\/em> nicht verdecken. Immer wieder unterbricht sie ernste Gespr\u00e4che \u00fcber ihre Musik, \u00fcber Gigs und Konzerte, geringe Gagen oder auch das leidige Thema \u201eFrauen im Jazz\u201c mit Scherzen und einem herzhaften Lachen: <em>elle est<\/em> <em>tr\u00e8s joyeuse<\/em> \u2013 eine fr\u00f6hliche, sympathische junge Frau mit bezauberndem franz\u00f6sischem Akzent, auch das ist Christine Corvisier.<\/p>\n<p>Vormerken: Christine Corvisier Quintett: \u201eReconnaissance\u201c, UNIT Records, Release Oktober 2015<\/p>\n<p>Weitere Infos: <a href=\"http:\/\/www.christinecorvisier.com\/\">http:\/\/www.christinecorvisier.com\/<\/a><\/p>\n<figure id=\"attachment_5688\" aria-describedby=\"caption-attachment-5688\" style=\"width: 695px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/Christine-Corvisier-2014-Foto-von-Florian-Zeeh.jpg\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"5688\" data-permalink=\"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/2015\/08\/begabt-ehrgeizig-ehrlich-tres-joyeuse\/christine-corvisier-2014-foto-von-florian-zeeh\/\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/Christine-Corvisier-2014-Foto-von-Florian-Zeeh.jpg?fit=5616%2C3744&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"5616,3744\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"Christine Corvisier 2014 Foto von Florian Zeeh\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"&lt;p&gt;Entwickelte ihren eigenen Klang: Christine Corvisier.  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Geh\u00f6rten zu ihrem ersten Quintett \u00fcberwiegend Amsterdamer Kollegen, so hat sie sich f\u00fcr \u201eReconnaissance\u201c vier K\u00f6lner Musiker ihrer Generation ausgesucht, mit denen sie \u201etr\u00e8s heureuse\u201c sei, begeistert von deren Musikalit\u00e4t &hellip;","og_url":"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/2015\/08\/begabt-ehrgeizig-ehrlich-tres-joyeuse\/","og_site_name":"JazzZeitung","article_publisher":"https:\/\/www.facebook.com\/JazzZeitung\/","article_published_time":"2015-08-30T10:41:07+00:00","article_modified_time":"2015-09-10T13:31:14+00:00","og_image":[{"url":"http:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/Christine-Corvisier-2014-Foto-von-Florian-Zeeh-900x600.jpg","type":"","width":"","height":""}],"author":"Redaktion JazzZeitung","schema":{"@context":"https:\/\/schema.org","@graph":[{"@type":"Article","@id":"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/2015\/08\/begabt-ehrgeizig-ehrlich-tres-joyeuse\/#article","isPartOf":{"@id":"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/2015\/08\/begabt-ehrgeizig-ehrlich-tres-joyeuse\/"},"author":{"name":"Redaktion JazzZeitung","@id":"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/#\/schema\/person\/2245b36b9cd1d24cea10f01c031fb92b"},"headline":"Begabt, ehrgeizig, ehrlich \u2013 et tr\u00e8s joyeuse: Christine Corvisier","datePublished":"2015-08-30T10:41:07+00:00","dateModified":"2015-09-10T13:31:14+00:00","mainEntityOfPage":{"@id":"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/2015\/08\/begabt-ehrgeizig-ehrlich-tres-joyeuse\/"},"wordCount":697,"commentCount":1,"publisher":{"@id":"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/#organization"},"image":{"@id":"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/2015\/08\/begabt-ehrgeizig-ehrlich-tres-joyeuse\/#primaryimage"},"thumbnailUrl":"http:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/Christine-Corvisier-2014-Foto-von-Florian-Zeeh-900x600.jpg","keywords":["Amsterdam","Beruf","CD","Dietrich Schlegel","Frauen im Jazz","K\u00f6ln","Konzerte","Label","New York","Sonny Rollins","Stan Getz"],"articleSection":["Rezension"],"inLanguage":"de","potentialAction":[{"@type":"CommentAction","name":"Comment","target":["https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/2015\/08\/begabt-ehrgeizig-ehrlich-tres-joyeuse\/#respond"]}]},{"@type":"WebPage","@id":"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/2015\/08\/begabt-ehrgeizig-ehrlich-tres-joyeuse\/","url":"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/2015\/08\/begabt-ehrgeizig-ehrlich-tres-joyeuse\/","name":"Begabt, ehrgeizig, ehrlich \u2013 et tr\u00e8s joyeuse: Christine Corvisier - 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