{"id":5635,"date":"2015-03-05T09:17:54","date_gmt":"2015-03-05T08:17:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/?p=5635"},"modified":"2015-03-05T10:00:50","modified_gmt":"2015-03-05T09:00:50","slug":"die-melancholie-des-altsaxofons","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/2015\/03\/die-melancholie-des-altsaxofons\/","title":{"rendered":"Die Melancholie des Altsaxofons"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_5636\" aria-describedby=\"caption-attachment-5636\" style=\"width: 150px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/arura_cover.jpg\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"5636\" data-permalink=\"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/2015\/03\/die-melancholie-des-altsaxofons\/arura_cover\/\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/arura_cover.jpg?fit=1681%2C1469&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"1681,1469\" data-comments-opened=\"1\" data-image-title=\"arura_cover\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"&lt;p&gt;Viktor T\u00f3th Arura Trio: \u00bbThe Present\u00ab (BMC Records)&lt;\/p&gt;\n\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/arura_cover.jpg?fit=687%2C600&amp;ssl=1\" class=\"size-thumbnail wp-image-5636\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/arura_cover-150x150.jpg?resize=150%2C150\" alt=\"Viktor T\u00f3th Arura Trio: \u00bbThe Present\u00ab (BMC Records)\" width=\"150\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/arura_cover.jpg?resize=150%2C150&amp;ssl=1 150w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/arura_cover.jpg?resize=144%2C144&amp;ssl=1 144w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/arura_cover.jpg?resize=96%2C96&amp;ssl=1 96w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/arura_cover.jpg?resize=24%2C24&amp;ssl=1 24w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/arura_cover.jpg?resize=36%2C36&amp;ssl=1 36w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/arura_cover.jpg?resize=48%2C48&amp;ssl=1 48w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/arura_cover.jpg?resize=64%2C64&amp;ssl=1 64w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/arura_cover.jpg?resize=32%2C32&amp;ssl=1 32w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/arura_cover.jpg?resize=128%2C128&amp;ssl=1 128w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/arura_cover.jpg?zoom=2&amp;resize=150%2C150&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/arura_cover.jpg?zoom=3&amp;resize=150%2C150&amp;ssl=1 450w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-5636\" class=\"wp-caption-text\">Viktor T\u00f3th Arura Trio: \u00bbThe Present\u00ab (BMC Records)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Von Mathias B\u00e4umel &#8211; <em>CD \u00bbThe Present\u00ab von Viktor T\u00f3ths Arura Trio erschienen<\/em><\/p>\n<p>Das fr\u00fchere l\u00e4ndliche Ungarn. Wer etwa 1977 auf dem Bahnhof der Kleinstadt Kiskunhalas ankam, konnte nicht selten noch die Fiaker-artigen Pferdekutschen sehen, die auf dem Vorplatz stehend auf Passagiere ins Innere des St\u00e4dtchens warteten; Taxis, alte Skodas oder Moskwitschs, begannen sich erst langsam durchzusetzen. Viele Leute holten sich damals noch ihr Mittagessen aus Selbstbedienungskneipen in tragbaren Blechgeschirr-Eins\u00e4tzen nach Hause und in der Csarda am Salzteich dudelte, wenn nicht abends eine Zigeunerkapelle spielte, die Stimme Apoll\u00f3nia Kov\u00e1cs\u2019 aus den Gastst\u00e4ttenlautsprechern. Als zu jener Zeit in Kiskunhalas Viktor T\u00f3th geboren wurde, konnte keiner ahnen, dass drei\u00dfig Jahre sp\u00e4ter aus dem Knaben der vielleicht k\u00fcnstlerisch potenteste, anfangs auch wildeste und auf Europas Freejazz-Szene gefragteste Altsaxofonist Ungarns werden w\u00fcrde. Im zarten Alter von Drei\u00dfig mischte der mittlerweile in Budapest wohnende Junge im Trio mit Drummer Hamid Drake und dem ebenso jungen Bassisten M\u00e1ty\u00e1s Szandai die Szene mit kompromisslosem Trio-Freejazz auf (CD \u00bbClimbing with Mountains\u00ab, BMC Records). Zwei Jahre sp\u00e4ter, im selben Trio mit Drake und Szandai, erg\u00e4nzt um einige andere Musiker, erweitert T\u00f3th sein Ausdruckspektrum mit h\u00f6rbar durchstrukturierteren Kompositionen, ohne dabei an Kraft und Expressivit\u00e4t zu verlieren (CD \u00bbTartim\u00ab, BMC Records). Die \u00bbEloquenz\u00ab seiner Improvisationen beibehaltend, eroberte er sich 2010 die Phrasierungs-Welt des Bebop, dokumentiert auf der CD mit dem anz\u00fcglich-bedeutungsvollen Titel \u00bbPopping bopping\u00ab (BMC Records).<\/p>\n<p>Und nun also mit seinem Arura Trio die CD \u00bbThe Present\u00ab (BMC Records) . Eine klingende, symbolische R\u00fcckkehr in seine Geburtsstadt? Zumindest die Instrumentierung seines Trios \u2013 mit Mikl\u00f3s Luk\u00e1cs, einem der ber\u00fchmtesten Zymbal-Spieler des Landes, und dem jungen Bassisten Gy\u00f6rgy Orb\u00e1n \u2013 l\u00e4sst den Sound fr\u00fcherer Restaurant-Bar-Musik wieder aufleben. Aber nur den Klang und den ruhigen, flie\u00dfenden Charakter der Improvisationen. Denn gemeint ist diese Musik als eine Art Heilmittel \u00bbgegen k\u00f6rperliche und mentale Leiden\u00ab, wie Viktor sagt. Seine \u00bbBallade f\u00fcr Bertalan Barta\u00ab verschmilzt bestes, erz\u00e4hlerisches, melancholisches Altsax-Spiel mit Zymbal-Improvisationen, die Jazziges mit dem geistigen Echo ungarischer, balkanischer und sogar t\u00fcrkischer Folklore verbinden. Und der Bass als Vermittler! Es ist eine gro\u00dfartige, durchaus nachdenkliche, zum Sinnieren anstiftende Musik, gewidmet einem Vorfahren T\u00f3ths, der einst im Hortob\u00e1gy-Tiefland als Hirte lebte.<\/p>\n<p>Dieser sowie weitere Songs auf der CD wie \u00bbJoy\u00ab, \u00bbFirst &amp; Second\u00ab und das ebenfalls gro\u00dfartige St\u00fcck \u00bbRemember the Hatseller\u00ab versetzen mich in die Welt meiner sp\u00e4ten Jugend, in die schummrige Gastst\u00e4tte \u00bbMuzeum\u00ab am Budapester Museumsring mit ihren tr\u00e4nens\u00e4ckigen, schildkr\u00f6tenartign Kellnern um Mitternacht, ins bernsteinfarbig-glimmende Restaurant \u00bbKispipa\u00ab auf der Budapester Akazienstra\u00dfe, wo m\u00fcde Ober nach getaner Arbeit zu letzten Zymbal-Kl\u00e4ngen die Gl\u00e4ser f\u00fcr den n\u00e4chsten Tag polierten \u2013 oder gar bis in die damals noch existierende \u00bbMalom Csarda\u00ab im S\u00fcden von Kiskunhalas, eine Fernfahrer-Hochburg mit zweifelhaftem Ruf, in der nachts die Goldz\u00e4hne der Schnapstrinker zu klagenden Geigenmelodien im Schimmer verborgener Lampen blitzten.<\/p>\n<p>All dies l\u00e4sst der Jazzmusiker T\u00f3th mit dieser CD aufklingen, und er tut dies improvisatorisch und kompositorisch auf h\u00f6chstem Niveau. Ein Traum.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Mathias B\u00e4umel &#8211; CD \u00bbThe Present\u00ab von Viktor T\u00f3ths Arura Trio erschienen Das fr\u00fchere l\u00e4ndliche Ungarn. Wer etwa 1977 auf dem Bahnhof der Kleinstadt Kiskunhalas ankam, konnte nicht selten noch die Fiaker-artigen Pferdekutschen sehen, die auf dem Vorplatz stehend auf Passagiere ins Innere des St\u00e4dtchens warteten; Taxis, alte Skodas oder Moskwitschs, begannen sich erst langsam durchzusetzen. Viele Leute holten sich damals noch ihr Mittagessen aus Selbstbedienungskneipen in tragbaren Blechgeschirr-Eins\u00e4tzen nach Hause und in der Csarda am Salzteich dudelte, wenn nicht abends eine Zigeunerkapelle spielte, die Stimme Apoll\u00f3nia Kov\u00e1cs\u2019 aus den Gastst\u00e4ttenlautsprechern. 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