{"id":5386,"date":"2015-02-03T09:00:08","date_gmt":"2015-02-03T08:00:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/?p=5386"},"modified":"2015-02-03T09:10:53","modified_gmt":"2015-02-03T08:10:53","slug":"klingender-episodenfilm-der-gitarrist-samo-salamon","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/2015\/02\/klingender-episodenfilm-der-gitarrist-samo-salamon\/","title":{"rendered":"Klingender Episodenfilm: der Gitarrist Samo Salamon"},"content":{"rendered":"<p><em><strong><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/SamoSalamon_Bild2.jpg\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"5388\" data-permalink=\"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/2015\/02\/klingender-episodenfilm-der-gitarrist-samo-salamon\/samosalamon_bild2\/\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/SamoSalamon_Bild2.jpg?fit=818%2C836&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"818,836\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}\" data-image-title=\"SamoSalamon_Bild2\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/SamoSalamon_Bild2.jpg?fit=587%2C600&amp;ssl=1\" class=\"alignright size-thumbnail wp-image-5388\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/SamoSalamon_Bild2-150x150.jpg?resize=150%2C150\" alt=\"SamoSalamon_Bild2\" width=\"150\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/SamoSalamon_Bild2.jpg?resize=150%2C150&amp;ssl=1 150w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/SamoSalamon_Bild2.jpg?resize=144%2C144&amp;ssl=1 144w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/SamoSalamon_Bild2.jpg?resize=96%2C96&amp;ssl=1 96w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/SamoSalamon_Bild2.jpg?resize=24%2C24&amp;ssl=1 24w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/SamoSalamon_Bild2.jpg?resize=36%2C36&amp;ssl=1 36w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/SamoSalamon_Bild2.jpg?resize=48%2C48&amp;ssl=1 48w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/SamoSalamon_Bild2.jpg?resize=64%2C64&amp;ssl=1 64w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/SamoSalamon_Bild2.jpg?resize=32%2C32&amp;ssl=1 32w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/SamoSalamon_Bild2.jpg?resize=128%2C128&amp;ssl=1 128w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/SamoSalamon_Bild2.jpg?zoom=2&amp;resize=150%2C150&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/SamoSalamon_Bild2.jpg?zoom=3&amp;resize=150%2C150&amp;ssl=1 450w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a><\/strong><\/em>Kennern ist er ein Begriff, und nicht erst seit heute. Schon 2008 schrieb der \u00bbGuitar Player\u00ab in seinem Juni-Heft, der 1978 geborene Samo Salamon sei \u00bbone of the hottest 10 new guitarists in the world\u00ab. Und Salamons 2003 erschienene, l\u00e4ngst vergriffene Album \u00bbOrnethology\u00ab wurde vom Penguin Jazz Guide aus dem Stand f\u00fcr die Ausgabe \u00bbThe History of the Music in the 1001 Best Albums\u00ab ausgew\u00e4hlt. In der internationalen Jazzpresse der letzten Jahre wird Samo Salamon gitarristisch mit Kurt Rosenwinkel und Ben Monder verglichen. Doch wer dem Slowenen h\u00e4ufiger zuh\u00f6rt, wei\u00df: er ist eine komplette, eigene K\u00fcnstlerpers\u00f6nlichkeit. Mit seinem relativ neuen Album \u00bbIves\u00ab (dem Komponisten Charles Ives gewidmet), das er im Gitarrentrio gemeinsam mit Mikkel Ploug (D\u00e4nemark) und Manu Codija (Frankreich) einspielte, ver\u00f6ffentlichte der 37-J\u00e4hrige bisher sechzehn Alben als Leiter eigener Ensembles, dazu kommen weitere Einspielungen als Sideman. Mit mehr als 160 eigenen Kompositionen geh\u00f6rt er wohl zu den kreativsten und \u00bbkomplettesten\u00ab K\u00f6pfen des zeitgen\u00f6ssischen europ\u00e4ischen Jazz.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Album \u00bbIves\u00ab mit Sonderstellung<\/strong><\/p>\n<p>Dabei nimmt \u00bbIves\u00ab eine Sonderstellung im bisherigen Werk Salamons ein. Nicht nur, dass es die erste Ver\u00f6ffentlichung des Musikers und Komponisten aus Maribor ist, an der ausschlie\u00dflich Gitarristen beteiligt sind \u2013 eine eher seltene Konstellation. Auch die Positionierung innerhalb der Jazztradition hebt das Album heraus. Es scheint wie ein Gegenentwurf zur Ende 1980 aufgenommenen \u00bbMeilenstein\u00ab-LP \u00bbFriday Night in San Francisco\u00ab von 1980, die von Vornerein auf finanziellen Erfolg kalkuliert war, zu sein. Urspr\u00fcnglich wollte John McLaughlin Konzertaufnahmen seiner 1979er und 1980er Europa-Tourneen mit Paco de Lucia und Larry Coryell ver\u00f6ffentlichen, doch die Plattenfirma Columbia forderte, anstelle von Coryell, der ihnen zu unbekannt war, lieber den bereits ber\u00fchmten Al Di Meola f\u00fcr die anschlie\u00dfende USA-Tournee einzubauen. Die Aufnahmen eines der Konzerte mit Di Meola \u2013 das am 5. Dezember 1980 im Warfield Theatre in San Francisco \u2013 wurden dann f\u00fcr die ber\u00fchmte Platte genutzt. Zudem achteten die Musiker bei ihren Improvisationen im Warfield-Theater ganz bewusst darauf, dass ihre Musik gen\u00fcgend Bez\u00fcge zu bekannten Themen der Popmusik-Geschichte enthielt, um das Publikum gut zu bedienen. So bauten die drei Gitarristen Bekanntes wie das Pink-Panther-Motiv, ein Thema aus der James-Bond-Filmmusik oder ein Blues-Schema ein. Vorzeigen, was man kann und wei\u00df, und mit dem K\u00f6nnen das Publikum beeindrucken wollen \u2013 insgesamt war die \u00bbFriday-Night-Platte\u00ab ein faszinierendes Parade-St\u00fcck des Musik-Populismus.<\/p>\n<p>Genau das jedoch ist das Album \u00bbIves\u00ab des Trios Samo Salamon \u2013 Manu Codjia \u2013 Mikkel Ploug nicht! Stilistisch nicht auf Populismus aus und nicht anbiedernd, dessen ungeachtet spieltechnisch auf einem ebenso hohen Top-Niveau, liefern die drei Musikanten einen sehr variablen, hochkomplexen Strom von Sounds, der gelegentlich sehr filmisch wirkt, wiederum auch herausfordernd, manchmal in fremdartiger Weise vertraut. Die Langfassung von \u00bb1000 Bears\u00ab lebt von Kontrasten in Sound und Motiven, schafft Spannungen und melodische Haken, findet sich in der Vereinigung dreier verschiedenartiger Gitarren-Linien in einen spr\u00f6den, aufreizenden Rocksound. Generell gilt f\u00fcr dieses Album: Sowohl von den Gitarren-Sounds als auch von den Phrasierungen und melodischen Ideen bilden die drei durchaus verschiedenen K\u00fcnstler ein spannungsvolles, kontrastreiches Spektrum komplexer, manchmal impressionistisch, manchmal lyrisch und manchmal expressiv wirkender Musik. Dieser dahinflie\u00dfende Klangteppich \u00bblebt\u00ab durch die Magie der Details \u2013 nur, wer genauer oder wiederholt hinh\u00f6rt, wird die kleinen klingenden Widerhaken und die dunkel glimmenden Muster genussvoll wahrnehmen.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich steht \u00bbIves\u00ab auch f\u00fcr einen Paradigmenwechsel in der Jazz-Kultur: das Album ist (bisher zumindest) ausschlie\u00dflich online \u00fcber die \u00fcblichen Web Stores ver\u00f6ffentlicht. Auch diesbez\u00fcglich bietet sich ein Vergleich zu \u00bbFriday Night in San Francisco\u00ab an. Mit dieser damaligen LP hatte die Plattenfirma versucht, m\u00f6glichst viele Exemplare zu verkaufen (wer will das nicht?), indem die Musik sp\u00fcrbar Kompromisse in Richtung Publikumsgeschmack eingeht, ohne jedoch belanglos zu werden. Samo Salamon aber will musikalisch \u00fcberhaupt keine Kompromisse eingehen und sieht in der Hinwendung zu neuen Vertriebsmedien und der \u2013 zumindest teilweisen \u2013 Abkehr von den alten, teuren, die Chance auf wirtschaftlich akzeptable Verbreitung seiner Kunst.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/SamoSalamon_Bild1.jpg\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"5387\" data-permalink=\"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/2015\/02\/klingender-episodenfilm-der-gitarrist-samo-salamon\/samosalamon_bild1\/\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/SamoSalamon_Bild1.jpg?fit=1664%2C1587&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"1664,1587\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}\" data-image-title=\"SamoSalamon_Bild1\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/SamoSalamon_Bild1.jpg?fit=629%2C600&amp;ssl=1\" class=\"aligncenter size-full wp-image-5387\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/SamoSalamon_Bild1.jpg?resize=840%2C801\" alt=\"SamoSalamon_Bild1\" width=\"840\" height=\"801\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/SamoSalamon_Bild1.jpg?w=1664&amp;ssl=1 1664w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/SamoSalamon_Bild1.jpg?resize=300%2C286&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/SamoSalamon_Bild1.jpg?resize=629%2C600&amp;ssl=1 629w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/SamoSalamon_Bild1.jpg?resize=24%2C24&amp;ssl=1 24w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/SamoSalamon_Bild1.jpg?resize=32%2C32&amp;ssl=1 32w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/SamoSalamon_Bild1.jpg?resize=900%2C858&amp;ssl=1 900w\" sizes=\"auto, (max-width: 840px) 100vw, 840px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Online-Vertrieb erweitert Verkaufschancen<\/strong><\/p>\n<p>Der Online-Vertrieb ist nicht nur preiswerter, sondern erreicht auch noch die j\u00fcngeren Leute. Samo Salamon: \u00bbIch tue das nicht euphorisch, sondern eher aus Einsicht in die wirtschaftsstrukturellen Notwendigkeiten. Und auch etwas wehm\u00fctig.\u00ab So wie zun\u00e4chst eine grafisch gut gestaltete LP-Klapph\u00fclle und darauffolgend lange Zeit auch CD-Booklets \u00e4sthetisch und haptisch die eigentliche Musik zu einem k\u00fcnstlerischen Gesamterlebnis \u00bberg\u00e4nzen\u00ab (zumindest, wenn es anspruchsvoll gemacht ist), so sp\u00fcre man Salamon zufolge bei Online-Ver\u00f6ffentlichungen sofort, dass eigentlich etwas fehlt. \u00bbDas Haptische und teils Grafisch-\u00c4sthetische verschwindet.\u00ab Das sei ein gro\u00dfer kultureller Verlust, der nur in Nischen-Musiksubkulturen \u2013 wie etwa unter Vinyl-Fetischisten oder im Bereich aufw\u00e4ndig handgemachter CD-B\u00fcchlein \u2013 wettgemacht werden k\u00f6nne. \u00bbAber was hilft es? In ganz Slowenien gibt es kein einziges CD-Fachgesch\u00e4ft mehr, im Bereich des modernen und zeitgen\u00f6ssischen Jazz sterben die CD-Labels europaweit und es bleiben nur noch ganz wenige bedeutende, die jedoch nicht ann\u00e4hernd die riesige Menge wirklich interessanter Musik pr\u00e4sentieren k\u00f6nnen.\u00ab Das sieht auch au\u00dferhalb Sloweniens \u00e4hnlich aus, die Zeit der CD-zentrierten Musikkultur scheint im Bereich des zeitgen\u00f6ssischen Jazz \u2013 zumindest f\u00fcr all das, was nicht im Hauptstrom dieser Musiksparte mitschwimmt \u2013 vorbei. Auch in Deutschland existieren kaum noch wirkliche CD-Fachgesch\u00e4fte. Klar: ECM oder ACT als bekannte und noch \u00fcberwiegend herk\u00f6mmlich agierende Labels verdienen sicherlich noch ganz gut Geld \u2013 aber sonst?<\/p>\n<p>Wer nach wie vor auf die CD setzt, muss Produktgestaltung und Vertriebsweisen \u00e4ndern (Abonnenten-System bei einigen Labels, schablonisierte Cover-Gestaltung bei WismART; eigener Online-Vertrieb mit versandfreundlichen Leichtpapp-Cover bei Clean Feed \u2013 alles, um Geld zu sparen und die Musik dennoch an den H\u00f6rer zu bringen).<\/p>\n<p>Samo Salamon begegnete diesen Problemen durch die Gr\u00fcndung seines eigenen Labels Samo Records, wo er bei seinen Ver\u00f6ffentlichungen s\u00e4mtliche \u2013 auch digitale \u2013 Rechte selbst hat, und indem er selber entscheidet, ob ein Produkt nur online vertrieben wird oder doch (noch) als k\u00f6rperliche CD. Dabei kommt ihm nat\u00fcrlich \u2013 Resultat eigener erfolgreicher Arbeit \u2013 zugute, dass Salamon als <strong><em>der<\/em><\/strong> \u00bbgitarristische Botschafter\u00ab Sloweniens gilt, so dass der Musiker hin und wieder \u00f6ffentliche F\u00f6rderung f\u00fcr CD-Produktionen bekommt.<\/p>\n<p><strong>Musiker und promovierter Literaturwissenschaftler<\/strong><\/p>\n<p>Kein Wunder, dass Samo Salamon wegen seiner Tourneen, der Studioarbeit, wegen der umfangreichen Arbeiten f\u00fcr das eigene Label und dessen Vermarktung sowie wegen der eigenen Musikschule, die er noch betreibt, kaum noch Zeit aufwenden kann f\u00fcr seinen zweiten, seinen eigentlichen Studierberuf. Salamon hat Anglistik studiert und noch bis vor kurzem \u2013 neben seiner Musikert\u00e4tigkeit \u2013 als Wissenschaftler und Universit\u00e4tslehrer auf dem Gebiet der US-amerikanischen Literatur gearbeitet. Sogar eine Doktorarbeit hat er geschrieben und mit gro\u00dfem Erfolg verteidigt \u2013 \u00fcber den Einfluss US-amerikanischer Poesie auf die slowenische Poesie nach 1990. Zweifellos hat er sp\u00e4testens seit Beginn und w\u00e4hrend seines Studiums die Welt der US-amerikanischen Musik (Charles Ives, Aaron Copland, Samuel Barber) und speziell die des modernen Jazz (Ornette Coleman, sp\u00e4ter John Scofield) kennen- und sch\u00e4tzen gelernt. Schon kurz vor Studienbeginn, im Alter von 17 Jahren, begann Samo, selbst Jazz zu spielen. Damals sah er Scofield als \u00bbeine Art geistigen Vater\u00ab seiner Musik. Seither liefen sein Musizieren und seine T\u00e4tigkeit an der Universit\u00e4t parallel und teils auch miteinander verflochten und sich befruchtend; nun ist er \u00bbnur\u00ab noch Musiker \u2013 mit aller Konsequenz und hochkar\u00e4tigen Leistungen.<\/p>\n<p>Ins \u00f6ffentliche Jazz-Bewusstsein trat Samo Salamon 2003 mit seiner zweiten CD, die er als Leader einspielte, n\u00e4mlich mit \u00bbOrnethology\u00ab (die erste, \u00bbA Dream Come True\u00ab, bezeichnete er selbst als \u00bblokal gemacht\u00ab; er f\u00fchrt sie in seiner eigenen Diskografie gar nicht auf). Schon die Titulierung \u00bbOrnethology\u00ab ist richtungsweisend. Einerseits verweist sie auf den gro\u00dfen Ornette Coleman, wobei Samo nicht etwa Coleman-Kompositionen spielt, sondern eigene, die er selbst nach der Analyse der Werke des gro\u00dfen Freejazz-Meisters schuf. Andererseits \u00f6ffnete diese CD ihm die ersten T\u00fcren in die internationale Welt des zeitgen\u00f6ssischen Jazz; er wurde zu den Festivals in Ljubljana, Skopje und Rom eingeladen und erhielt lobende, teils sogar \u00fcberschw\u00e4ngliche Kritiken in den USA. Noch heute, zw\u00f6lf Jahre sp\u00e4ter, besticht diese Musik mit einer Art freier Weiterentwicklung des Coleman\u2019schen Prime-Time-Konzeptes und vor allem mit einem faszinierenden Miteinander von Gitarre und Bassklarinette (Achille Succi). Eine Meisterleistung \u2013 fast aus dem Stand!<\/p>\n<p>Hatte Salamon f\u00fcr \u00bbOrnethology\u00ab mit slowenischen und italienischen Musikern zusammengearbeitet, scharte er in den unmittelbaren Folgejahren auch renommierte Amerikaner um sich: Dave Binney, Kyle Gregory, Tony Malaby, Tom Rainey, Mark Helias, Josh Roseman, Tyshawn Sorey, Carlo DeRosa, Gerald Cleaver. Die in den Jahren 2005 und 2006 erschienenen vier CDs (\u00bbEla\u2019s Dream\u00ab, \u00bbTwo Hours\u00ab, \u00bbKei\u2019s Secret\u00ab und \u00bbGovernment Cheese\u00ab) sind mit diesen Musikern sowie zum Teil mit Achille Succi und Zlatko Kaucic eingespielt. Nat\u00fcrlich ist allein schon die Zahl von vier CDs in zwei Jahren beeindruckend, vor allem aber ist die Musik brillant. Gespeist aus der Freejazz-Tradition, greift sie Neueres aus dem sogenannten Creative Jazz (eigentlich ein bl\u00f6des Wort) auf, erinnert somit an Musiker, die freie Spielweisen in strukturiertere, komplexe Formen einbinden und auf diese Weise immer wieder Arten von feinziselierten, im Tempo und in den Betonungen variablen Klangstr\u00f6men erzeugen, die die Idee von einer improvisierten Kammermusik mit Freejazz w\u00fcrzen und in die Welt der Filmmusik projizieren, ohne dass ein realer Film vorhanden w\u00e4re: an Andy Laster, Tim Berne, auch Ellery Eskelin, teils an Hank Roberts, aber auch an Ben Monder.<\/p>\n<p>Alexander Schmitz schrieb euphorisch \u00fcber Salamons \u00bbTwo Hours\u00ab: \u00bbSalamons Jazz hat was von John Scofield und von Ornette Coleman; aber hinzu kommt tats\u00e4chlich ein ger\u00fcttelt Ma\u00df an ganz urspr\u00fcnglicher Musizierfreude, an folkloristischem Traditionsbewusstsein und vor allem an poetischer Sensibilit\u00e4t &#8230; Samo ringt um nichts, er erk\u00e4mpft sich nichts. Er nimmt seinem Material alle Schroffheiten, alle Kantigkeit, er versieht das, was an der Moderne provokant sein soll, mit diplomatischer Eleganz, mit einem stupenden Sinn f\u00fcr sch\u00f6ne Musik.\u00ab Und dann \u00fcber \u00bbKei\u2019s Secret\u00ab: \u00bb Samo Salamon ist l\u00e4ngst einer der wirklich bemerkenswertesten Gitarristen der jungen Jazzgeneration. Wer wei\u00df, was er uns in zwei, drei Jahren bieten wird.\u00ab<\/p>\n<p><strong>Br\u00fcckenschlag aus dem S\u00fcdosten Zentraleuropas<\/strong><\/p>\n<p>In \u00bbzwei, drei Jahren\u00ab \u2013 das hei\u00dft etwa 2007, 2008, 2009. In diese Zeit f\u00e4llt der Beginn der Zusammenarbeit mit dem italienischen Drummer Roberto Dani, vor allem aber auch mit dem international renommierten Tubisten Michel Godard, mit dem italienischen Akkordeonisten Luciano Biondini und mit dem britischen Saxofonisten Julian Arg\u00fcelles.<\/p>\n<p>Die 2007er Alben \u00bbNano\u00ab und \u00bbFall Memories\u00ab (seiner Frau Kristina, Spitzname Kei, gewidmet) sowie die Live-CD von 2009 strahlen ein warmes, dunkelgl\u00fchendes Klima voller opulenter Sounds aus, sind \u00bbgew\u00fcrzt\u00ab mit Klangerinnerungen an die <em>folklore imaginaire<\/em>, schaffen dadurch in charmanter Weise eine Art Br\u00fccke aus dem S\u00fcdosten Zentraleuropas in den Westen und S\u00fcden des Kontinents \u2013 stets mit Salamons Markenzeichen versehen: pikante, rhythmisch akzentuierte melodische Motive und eine mitrei\u00dfende, thematisch souver\u00e4ne Gitarrenarbeit.<\/p>\n<p>Samos Sinn f\u00fcr Humor schimmert besonders bei der Benennung der CD \u00bbAlmost Almond\u00ab (2011), \u00bbBeinahe Mandel\u00ab, durch, deren Cover drei Erdn\u00fcsse zeigt. Eingespielt im Trio mit Drew Gress (Bass) und Tom Rainey (Drums), d\u00fcrfte die Musik der drei \u00bbPeanuts\u00ab doch gut als edle \u00bbMandeln\u00ab durchgehen \u2013 weitgebogte, auch lyrische, aus-entwickelte Improvisationen mit teils impressionistisch-luftigem Flair (\u00bbLastovo\u00ab, \u00bbDutilleux\u00ab) \u2013 ein Muss!<\/p>\n<p>Mit der Doppel-CD \u00bbStreching Out\u00ab (2013) schufen Samo Salamon und seine Mitmusiker einen weiteren Edelstein zeitgen\u00f6ssischer Jazzmusik. Vorgestellt werden auf je einer Scheibe das aktuelle US-amerikanische (Donny MacCaslin, ts; John Hebert, b; Gerald Cleaver, dr) und das europ\u00e4ische (Dominique Pifarely, v; Bruno Chevillon, b; Roberto Dani, dr) Quartett des slowenischen Gitarristen. Mitrei\u00dfende Unisono-Parts, raffinierte, ausschweifende Soli und nicht zuletzt melodisch-rhythmisch brillante Themen machen die Doppel-CD unverzichtbar f\u00fcr die Sammlung eines jeden Freundes zeitgem\u00e4\u00dfer Jazzmusik.<\/p>\n<p>Man kann in diesem Rahmen und sollte nicht auf jede einzelne Ver\u00f6ffentlichung Salamons eingehen, auch wenn jede einzelne ein ganz eigenes Leuchten entwickelt \u2013 immer Salamon, aber immer wieder etwas anders. Und schlie\u00dflich hei\u00dft \u00bbJazz\u00ab ja auch \u00bbNeugier\u00ab, jeder Leser und H\u00f6rer sollte ja immer neu auf Entdeckungsreise gehen und eigene Vorlieben entwickeln. Das Album \u00bbOrchestrology\u00ab (2014) jedoch, das Salamon mit Roberto Dani und dem Slovene Philharmonic String Chamber Orchestra eingespielt hatte, muss an dieser Stelle doch noch herausgestellt werden. Hier ist Spannung drin, aber auch Z\u00e4rtlichkeit, wilder Rock und schillernde Klangfl\u00e4chen aus Streichern. Manches erinnert im Sound an Thomas Wilbrandts Satie-Bearbeitung \u00bbAlone, for a second\u00ab (\u00bbThree Stories\u00ab), anderes begeistert durch rock-artiger Streicher, die entfernt nach Apocalyptica klingen, oder mit rauhen, hei\u00dferen Gitarren-Soli (\u00bbMiss Sarcasm\u00ab), die mit Streicher-Riffs kontrastiert werden. Eine Musik zum Innehalten, aber auch zum Abheben. Ein Episodenfilm in \u00fcbersch\u00e4umenden, freundlichen Kl\u00e4ngen. Neues Leuchten auf der Jazzlandkarte.<\/p>\n<p>Mathias B\u00e4umel<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>In der zweiten Maih\u00e4lfte bis Anfang Juni 2015 geht Samo Salamon mit Julian Arg\u00fcelles (as) und John Hollenbeck (dr, perc) auf Tour durch Italien und Deutschland.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>PS.:<\/strong> Unterdessen ist mit \u00bbLittle River\u00ab das siebzehnte Album Salamons erschienen, eingespielt mit Roberto Dani (dr) und Paul McCandless (oboe, bcl, ss). Die Ver\u00f6ffentlichung des achtzehnten mit John Hollenbeck (dr, perc) und Arg\u00fcelles (as) ist bereits angek\u00fcndigt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kennern ist er ein Begriff, und nicht erst seit heute. Schon 2008 schrieb der \u00bbGuitar Player\u00ab in seinem Juni-Heft, der 1978 geborene Samo Salamon sei \u00bbone of the hottest 10 new guitarists in the world\u00ab. Und Salamons 2003 erschienene, l\u00e4ngst vergriffene Album \u00bbOrnethology\u00ab wurde vom Penguin Jazz Guide aus dem Stand f\u00fcr die Ausgabe \u00bbThe History of the Music in the 1001 Best Albums\u00ab ausgew\u00e4hlt. In der internationalen Jazzpresse der letzten Jahre wird Samo Salamon gitarristisch mit Kurt Rosenwinkel und Ben Monder verglichen. Doch wer dem Slowenen h\u00e4ufiger zuh\u00f6rt, wei\u00df: er ist eine komplette, eigene K\u00fcnstlerpers\u00f6nlichkeit. 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