{"id":4595,"date":"2014-09-23T09:47:44","date_gmt":"2014-09-23T07:47:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/?p=4595"},"modified":"2014-09-23T09:47:44","modified_gmt":"2014-09-23T07:47:44","slug":"tobias-christl-der-aha-effekt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/2014\/09\/tobias-christl-der-aha-effekt\/","title":{"rendered":"Tobias Christl: der Aha-Effekt"},"content":{"rendered":"<p><strong>Text und Foto. Ssirus W. Pakzad &#8211; Wildern ist ein Jazz-Prinzip. Bei fr\u00fchen Beutez\u00fcgen gingen Tages-Schlager und Broadway-Songs ins Netz. Heute werden \u00fcberall Fallen aufgestellt, besonders dicht im Terrain des Pop. Der K\u00f6lner S\u00e4nger Tobias Christl geht mit seiner Band \u201eWildern\u201c wildern. Er weidet \u201eVideo Games\u201c von Lana del Rey, \u201eToxic\u201c von Britney Spears, \u201eLove Will Tear Us Apart\u201c von Joy Division, \u201eI Will\u201c von Radiohead oder \u201eTake On Me\u201c von a-ha gen\u00fcsslich aus. <\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/Tobias_Christl-02_12x18_300dpi_Pakzad.jpg\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"4596\" data-permalink=\"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/2014\/09\/tobias-christl-der-aha-effekt\/tobias_christl-02_12x18_300dpi_pakzad\/\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/Tobias_Christl-02_12x18_300dpi_Pakzad.jpg?fit=2126%2C1415&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"2126,1415\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;4.5&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;NIKON D700&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1402063391&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;85&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;200&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0.0125&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}\" data-image-title=\"Tobias_Christl-02_12x18_300dpi_Pakzad\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/Tobias_Christl-02_12x18_300dpi_Pakzad.jpg?fit=840%2C560&amp;ssl=1\" class=\"aligncenter size-full wp-image-4596\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/Tobias_Christl-02_12x18_300dpi_Pakzad.jpg?resize=840%2C559\" alt=\"Tobias_Christl-02_12x18_300dpi_Pakzad\" width=\"840\" height=\"559\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/Tobias_Christl-02_12x18_300dpi_Pakzad.jpg?w=2126&amp;ssl=1 2126w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/Tobias_Christl-02_12x18_300dpi_Pakzad.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/Tobias_Christl-02_12x18_300dpi_Pakzad.jpg?resize=900%2C599&amp;ssl=1 900w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/Tobias_Christl-02_12x18_300dpi_Pakzad.jpg?w=1680&amp;ssl=1 1680w\" sizes=\"auto, (max-width: 840px) 100vw, 840px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Es gibt Musiker, die so etwas tun, weil es Aufmerksamkeit verhei\u00dft, weil dicke Schlagzeilen im Bereich des M\u00f6glichen liegen, wenn sich E \u00fcber U hermacht. Jazzer, die Songs von Lana del Rey, Britney Spears oder a-ha covern? Da wird bestimmt so heftig gezwinkert, bis die Lider einen Muskelkater haben. \u201eDabei sind solche Nummern v\u00f6llig unironisch gemeint\u201c, sagt ein v\u00f6llig \u00fcberm\u00fcdeter Tobias Christl, der an diesem Morgen kaum aus den Augen gucken kann und manchmal mit Wortfindungsschwierigkeiten zu k\u00e4mpfen hat. Nach mehreren Anlaufversuchen kann er dann aber schon formulieren, dass es ihm ernst ist mit den Songs, die manch einer abtun w\u00fcrde, weil sie urspr\u00fcnglich Teil des Glitzer- und Glamour-Gesch\u00e4fts waren. Aber sie machen eben auch irgendwie ein St\u00fcck der Biografie des zwischen Berlin und K\u00f6ln pendelnden S\u00e4ngers aus, der aus einem Kaff nahe Augsburg stammt. \u201eMan muss zu jedem Song seinen Zugang finden, und das ist total schwer\u201c, sagt der 36j\u00e4hrige. \u201eBei \u201eTake On Me\u201c von a-ha dachte ich: \u201eOh Gott, was kann man denn damit nur anstellen? Es war mein allererstes Lieblingslied. Als ich aufgewachsen bin, lief es dauernd im Radio. Ich hatte sogar ein Bravo-Poster von a-ha an der Wand. Es ist das einzige mir bekannte St\u00fcck, das im Refrain \u00fcber drei Oktaven geht, und der Morten Harket singt das wirklich ganz toll. Wir haben diesen Refrain verk\u00fcrzt, die Noten, die er singt, zu Achteln gemacht und daraus wurde ein Motiv, das als Loop die ganze Zeit durchgespielt wird.\u201c<\/p>\n<p>Einen ganz sch\u00f6nen Aufwand hat Tobias Christl, der auch Gr\u00fcndungsmitglied des K\u00f6lner KLAENG-Kollektivs ist, mit allen zw\u00f6lf St\u00fccken getrieben, die auf seiner CD \u201eWildern\u201c (die in der \u201e: young german jazz\u201c-Reihe bei ACT erscheint) zu finden sind. Seine Beute hat er in eine neue Form gebracht, die sich auseinander zu nehmen lohnt. Viele Details gibt es zu entdecken. Oft sind sie rhythmischer Natur. In Lana del Reys \u201eVideo Games\u201c beschleunigt und drosselt das Ensemble nach Belieben. Bei dem kunstvollen Eiern muss man unwillk\u00fcrlich an die Gleichlaufschwankungen eines ausgeleierten Tapes denken, das dem Tonkopf des Rekorders zu schaffen macht. Simon &amp; Garfunkels \u201eSound Of Silence\u201c schwebt davon wie ein Ballon, den das Kind losgelassen hat. Tom Waits` \u201eAnywhere I Lay My Head\u201c war urspr\u00fcnglich als Rubato angelegt. Tobias Christl und seine vier Mitstreiter haben einen 17 16tel-Rhythmus in dieses St\u00fcck eingezogen. \u201eIm Original ist diese Nummer mit Akkordeon-Begleitung und Tom Waits schreit sich den Text in seiner so typischen Art aus der Seele. Ich hingegen habe nicht sehr laut, eher introvertiert und fl\u00e4chig gesungen und somit einen Kontrast zum rotzig-trotzigen Original geschaffen. Auf so eine Version muss man erst einmal kommen.\u201c<\/p>\n<p>W\u00e4hrend fast alle Nummern des Albums irgendwie mit Tobias Christl zu tun haben, ist ein St\u00fcck ein Gastgeschenk. Das Konzept seiner Band kristallisierte sich im K\u00f6lner Club \u201eHeimathirsch\u201c heraus. Regelm\u00e4\u00dfig lud das Quintett G\u00e4ste ein. Einmal kam die wunderbare afghanisch-deutsche S\u00e4ngerin Simin Tander zu den Kerlen auf die B\u00fchne und brachte \u201eToxic\u201c von Britney Spears mit. Das singt sie nun auch hinrei\u00dfend auf der \u201eWildern\u201c-CD \u2013 und Tobias Christl h\u00e4lt sich w\u00e4hrend der knapp vier Minuten im Hintergrund.<\/p>\n<p>Einen deutschen Titel gibt es auf dem Album \u00fcbrigens auch \u2013 Rio Reisers \u201eK\u00f6nig von Deutschland\u201c. Da singt Tobias Christl endlich in der Sprache, der er sich sonst in eigenen Texten meist bem\u00e4chtigt, ob nun in seinem Indie-Pop-Projekt \u201eHerbe Sahne\u201c oder mit seiner \u201eLieblingsband\u201c. \u201eF\u00fcr mich hat sich die Frage Deutsch oder Englisch nie gestellt. F\u00fcr mich war es immer klar. Ich kann mich auch nur auf Deutsch differenziert ausdr\u00fccken. Englisch w\u00e4re ein Kampf.\u201c<\/p>\n<p><a title=\"Abo\" href=\"http:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/abo\/\" target=\"_blank\">Tobias Christls CD ist unsere neue Abo-Pr\u00e4mie (solange Vorrat reicht)&#8230;<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Text und Foto. Ssirus W. Pakzad &#8211; Wildern ist ein Jazz-Prinzip. Bei fr\u00fchen Beutez\u00fcgen gingen Tages-Schlager und Broadway-Songs ins Netz. Heute werden \u00fcberall Fallen aufgestellt, besonders dicht im Terrain des Pop. Der K\u00f6lner S\u00e4nger Tobias Christl geht mit seiner Band \u201eWildern\u201c wildern. 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