{"id":4490,"date":"2014-08-25T10:53:55","date_gmt":"2014-08-25T08:53:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/?p=4490"},"modified":"2014-08-25T12:42:16","modified_gmt":"2014-08-25T10:42:16","slug":"einem-meer-von-schwingungen-jens-dueppe-und-seine-ungewoehnlichen-kommunikationskonzerte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/2014\/08\/einem-meer-von-schwingungen-jens-dueppe-und-seine-ungewoehnlichen-kommunikationskonzerte\/","title":{"rendered":"In einem Meer von Schwingungen \u2013 Jens D\u00fcppe und seine ungew\u00f6hnlichen Kommunikationskonzerte"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_4491\" aria-describedby=\"caption-attachment-4491\" style=\"width: 150px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/dueppe_3.jpg\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"4491\" data-permalink=\"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/2014\/08\/einem-meer-von-schwingungen-jens-dueppe-und-seine-ungewoehnlichen-kommunikationskonzerte\/dueppe_3\/\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/dueppe_3.jpg?fit=900%2C598&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"900,598\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;}\" data-image-title=\"In einem Meer von Schwingungen \u2013 Jens D\u00fcppe. 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Foto: Gerhard Richter<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Von Dietrich Schlegel<\/strong> \u00b7 Waren Sie schon einmal in einem \u201eGer\u00e4usch-Caf\u00e9\u201c? Und haben dort gar ein Konzert geh\u00f6rt? Wohl kaum, wenn Sie nicht gerade am 2. oder 3. April in einer K\u00f6lner Galerie weilten, um \u2013ja, um einfach nur Ger\u00e4uschen zuzuh\u00f6ren, die aus einigen kleinen Lautsprechern in einen sp\u00e4rlich m\u00f6blierten Raum rieselten. Zwar gab es Kaffee und Kuchen, aber sonst lagen nur Zeitungen und Zeitschriften mit exotischen Schriftzeichen herum. Die eher leisen Ger\u00e4usche wurden nebenan von zwei Perkussionisten mittels angez\u00fcndeter Streichh\u00f6lzer, sich in Wasser aufl\u00f6senden Vitamintabletten, zerrissenem Papier, in einer Schale kullernden Erbsen, raschelnden Plastikt\u00fcten oder auch schepperndem Besteck und Geschirr erzeugt. Dazwischen Geknister und Geknaster. Alle halbe Stunde ert\u00f6nte eine menschliche Stimme, die des Luxemburger Wahl-K\u00f6lners Guy Helminger, der live aus dem Nebenraum eigene Gedichte rezitierte.<\/p>\n<p>Auf eine solche Idee kann nur der K\u00f6lner Schlagzeuger und Perkussionist Jens D\u00fcppe kommen, einer der innovativsten Vertreter der improvisierten Musik hierzulande (siehe JazzZeitung 2\/2012). Seine Reihe \u201eKommunikation 9\u201c l\u00e4uft nun schon im f\u00fcnften Jahr, eine Performance ungew\u00f6hnlicher als die andere, wenn es auch nicht immer neun im Jahr werden, wie urspr\u00fcnglich vorgesehen. Ehe wir uns anderen Beispielen zuwenden, bleiben wir noch kurz im \u201eGer\u00e4usch-Caf\u00e9\u201c. \u201eAusgangspunkt des Projekts\u201c, erl\u00e4utert D\u00fcppe, \u201ewar die Frage: Wie neugierig bin ich denn eigentlich noch? Wof\u00fcr k\u00f6nnen sich Zuh\u00f6rer in einem Raum interessieren, in dem sie nichts Vertrautes vorfinden, weder akustisch noch optisch? Die Ger\u00e4usche machen vorerst keinen Sinn, st\u00f6ren vielmehr. Aber da es nichts anderes zu h\u00f6ren gibt, entdeckt man schlie\u00dflich, wieviel Nuancen in den Ger\u00e4uschen auftauchen, und mit einiger musikalischer Intuition empfindet man pl\u00f6tzlich Elemente von Musik und Rhythmus. Niemand von den schweigsamen, gelegentlich fl\u00fcsternden G\u00e4sten langweilte sich. Alle haben das mehr oder weniger meditierend genossen, auch die scheinbar sinn-losen, sinn-zerrissenen Gedichte. Mit diesen vorgegebenen Texten sollte eine Balance zu den von Peter Kahlenborn und mir improvisierten Ger\u00e4uschen gebildet werden.\u201c<\/p>\n<p>So wie hier gedruckte Literatur mit Improvisation konfrontiert wurde, so strebt D\u00fcppe generell danach, immer wieder Bereiche der Musik, m\u00f6glichst der improvisierten, mit Bereichen der Kunst zu kombinieren und zu einer gemeinsamen Performance zu entwickeln. \u201eIch habe mich\u201c, erl\u00e4utert er seine Philosophie, \u201cschon immer sehr breit gef\u00e4chert f\u00fcr Musik und Kunst interessiert. Und in dieser Reihe lasse ich praktisch alles zu, wof\u00fcr ich mich interessiere. Genres und Schubladen haben durchaus ihren Sinn, aber ich m\u00f6chte einfach alle m\u00f6glichen Schubladen aufmachen und Kombinationen zusammenstellen, die es in der Realit\u00e4t sonst nicht gibt, weil zu wenige oder \u00fcberhaupt keine Ber\u00fchrungspunkte zwischen den verschiedenen Kunst- und Musikbereichen bestehen. Das ist meine ganz pers\u00f6nliche Motivation.\u201c<\/p>\n<p>Ausgangspunkt f\u00fcr eine Performance ist die Location, die D\u00fcppe mit gro\u00dfer Sorgfalt aussucht, denn Teil seiner Philosophie ist, \u201edass ich mir zuerst einen Spielort aussuche, ihn mit einem Thema f\u00fclle und das Thema dann wiederum mit Musikern und K\u00fcnstlern. Normalerweise ist es ja umgekehrt: man sucht sich erst einen bestimmten Musiker oder eine Band, dann kommt die Frage nach der Musik und dann erst die nach der Location\u201c. So fand er f\u00fcr sein Projekt \u201eDie Meteorologie des Echoplex\u201c am 3. September (wenn diese Ausgabe bereits im Druck sein wird) eine ausgediente K\u00f6lner Fuhrwerkswaage, einen acht Meter hohen, wei\u00df gekalkten kubischen, v\u00f6llig leeren Raum, \u201emit einem wahnsinnigen Echo und einer ganz extremen Akustik\u201c. Hier gab es eine \u201eKonzertinstallation\u201c, bei welcher der lange, kirchen\u00e4hnliche Hall ebenso eingesetzt wurde wie die wei\u00dfen W\u00e4nde, \u201edie geradezu danach schreien, mit Bild oder Video bespielt zu werden\u201c. Daf\u00fcr hatte der Videok\u00fcnstler Sven Hahne ein Programm direkter Kommunikation zwischen den Akteuren entwickelt: T\u00f6ne der Performer werden aufgenommen und visuell umgesetzt. Entsprechend den an die wei\u00dfe Wand projizierten, auf T\u00f6nen basierenden Lichteffekten reagieren wiederum die Erzeuger der T\u00f6ne, die zugleich Bilderzeuger sind. Ein sich schlie\u00dfender Kommunikationskreis.<\/p>\n<p>Die Instrumentierung des vierk\u00f6pfigen Ensembles liest sich erst einmal abenteuerlich: Sinusboxen, Bratsche, zwei menschliche Stimmen, Video und Elektronik sowie Ger\u00e4usche und Perkussion, von D\u00fcppe selbst erzeugt. Aber f\u00fcr die Zuh\u00f6rer, so begeisterte er sich schon im Vorhinein, werde es \u201eein sehr sinnliches Erlebnis\u201c werden. Sie w\u00fcrden sich \u201ein einem Meer von Schwingungen wieder finden\u201c. F\u00fcr den Besucher bisheriger Konzerte besteht kein Zweifel, dass auch in der Fuhrwerkswaage der An-Klang beim Publikum f\u00fcr die K\u00fcnstler, Musiker und Elektroniker emotional f\u00fchlbar war.<\/p>\n<h2>Standing Ovations<\/h2>\n<p>Standing Ovations gab es auch am 27. April, als es beim D\u00fcsseldorfer Boxsport Athletic e. V. hie\u00df \u201eRing frei!\u201c. Tats\u00e4chlich stiegen mit Christoph Hillmann, Rodrigo Villalon, Peter Weiss und D\u00fcppe selbst vier Schlagzeuger und Perkussionisten in den Ring, um 60 Minuten lang \u00fcber eine vorher gemeinsam erarbeitete Struktur zu improvisieren. \u201eAu\u00dfer den ganz freien Bereichen, in denen wir jeweils eigenverantwortlich mit Ideen umgingen, gab es auch strukturierte Bereiche, in denen jeweils zwei gegeneinander spielten, eben wie in einem echten Boxkampf. \u201eK.O. ging niemand\u201c, res\u00fcmiert D\u00fcppe schmunzelnd, \u201ewir haben am Ende alle als Gewinner die B\u00fchne verlassen, mit dem guten Gef\u00fchl, dass wir alle miteinander sch\u00f6ne und interessante Musik gemacht haben.\u201c Und die Zuh\u00f6rer waren begeistert von der spannenden Interaktion und Kommunikation zwischen den Vieren und einer klanglichen Vielfalt, wie sie in dieser Konstellation einmalig sein d\u00fcrfte.<\/p>\n<p>In Bonn gibt es mit dem \u201eAntiquarius\u201c einen besonders originellen und anheimelnden Ort f\u00fcr Literatur: Antiquariat, moderner Buchhandel, Caf\u00e9 in einem dunklen, holzget\u00e4felten Raum mit B\u00fcchern bis unter die Decke. \u201eSolche alten Buchl\u00e4den sieht man sonst nur in amerikanischen Filmen\u201c, schw\u00e4rmt D\u00fcppe, \u201ehier musste ich unbedingt etwas mit Literatur machen.\u201c Dorthin l\u00e4dt er am 23. Oktober zu einer \u201eimprovisierten Reise durch das klang-literarische Labyrinth\u201c ein. \u00c4hnlich wie beim Ger\u00e4usch-Caf\u00e9 wird hier die Literatur den feststehenden Bestandteil des Konzertes bilden, w\u00e4hrend ein Trio aus Dietmar Fuhr am Kontrabass, Michael Denhoff an der Campanula, einer Art Cello, und Jens D\u00fcppe, Percussion, improvisieren. Der Bonner Schauspieler Timo Berndt hat sich den Roman \u201eDie Bibliothek von Babel\u201c von Jorge Luis Borges ausgew\u00e4hlt, kann aber selbst bestimmen, was er daraus wann und wie lang liest, ob er Worte oder S\u00e4tze pl\u00f6tzlich wiederholt, wenn er durch die Musik dazu angeregt werden sollte, w\u00e4hrend umgekehrt die Musiker sich durch seine Texte zu Improvisationen anregen lassen, was wiederum den Vorleser zu einer bestimmten Passage des Romans animieren mag. Kommunikation pur.<\/p>\n<h2>\u2026 aus dem Herzen<\/h2>\n<p>Wieder ein unkonventioneller Ort ist der \u201eSalon Des Amateurs\u201c in D\u00fcsseldorf, wo sich am Wochenende die Jugend auf dem Dancefloor trifft und der Besitzer selbst auflegt, alte Swingbands auf Vinyl und das Neueste aus den Charts. \u201eEin f\u00fcr alles offener Platz,\u201c findet D\u00fcppe, der dort am 12. November sein Projekt \u201eMusic is Math\u201c auff\u00fchren wird. Ein provozierender Titel, \u201edenn Musik ist nat\u00fcrlich keine Mathematik. Musik ist aber a u c h Mathematik, man denke nur an Sch\u00f6nberg oder an Bachs Fugentechnik\u201c. Und der Jazzer D\u00fcppe stellt mit einiger Emphase fest, dass Musik auch deswegen keine \u2013 oder keine reine \u2013 Mathematik sei, \u201eweil sie aus dem Herzen kommt, vor allem wenn sie improvisiert wird; wenn sie im Moment entsteht, ist sie eine rein emotionale Sache\u201c. Was nun in D\u00fcsseldorf an diesem Abend abgeht, wird sicherlich wieder au\u00dfergew\u00f6hnlich sein. D\u00fcppe holt sich mit Lorenz Rhode einen jungen, erfolgreichen, international t\u00e4tigen Produzenten von elektronischer Musik, die er auf verschiedenen Synthesizern spielt. Und erstmals begibt er sich auf das f\u00fcr ihn bisher ungewohnte Terrain der Improvisation ist. Sein synthetischer Mix und D\u00fcppes Spiel am pr\u00e4parierten Schlagzeug wird von dem Elektroniker Fabian Schulz mit analoger Samplingtechnik aufgenommen und wieder zur\u00fcckgespielt, mit sich wiederholenden Loops, auf die wiederum D\u00fcppe reagiert, so dass er improvisierend praktisch zu sich selbst spielt.<\/p>\n<p>Komplettiert wird \u201eKommunikation 9\u201c noch durch zwei \u201eImpro-Gipfel\u201c in der Galerie \u201eartclub\u201c, wo vor f\u00fcnf Jahren alles anfing. Dazu hat er sich gestandene Musiker aus der Impro-Szene wie Norbert Stein (sax), Matthias Muche (tb), Gerhard Gschl\u00f6ssl (tb), Sebastian Gramss (b) eingeladen. \u201eDa spielen wir einfach drauflos\u201c, meint D\u00fcppe, und es klingt fast erleichtert, erleichtert um die viele Arbeit f\u00fcr die anderen Projekte von \u201eKommunikation 9\u201c, die er praktisch allein schultert, die Mitwirkenden engagieren und mit Gagen versehen, die Spielorte ausfindig machen und anmieten, die Konzerte terminieren, die Werbung aust\u00fcfteln, nicht zuletzt die Finanzierung sichern. Er ist froh und dankbar, dass die drei Sponsoren \u2013 die Stadt K\u00f6ln, das Land Nordrhein-Westfalen und die private Kunststiftung NRW \u2013 seine Reihe auch in diesem Jahr zum vierten Mal in Folge unterst\u00fctzt haben., weil sie wohl \u00fcberzeugt davon seien, dass sich ein gro\u00dfes Bundesland diesen ganz speziellen Beitrag zur Belebung der Kulturlandschaft leisten sollte. Aber Jens D\u00fcppe ist sich bewusst, dass er seine F\u00f6rderer auch immer wieder neu \u00fcberzeugen muss von der Originalit\u00e4t seiner Projekte, von seinen Visionen.<\/p>\n<p>Die Zuh\u00f6rerzahlen bewegen sich zwischen 40 und 100, je nach Location. Wenn er einen Saal in einem Geb\u00e4ude mit \u00f6ffentlicher Aufmerksamkeit gewinnen kann, zum Beispiel das viel besuchte Rautenstrauch-Joest-Museum f\u00fcr V\u00f6lkerkunde in K\u00f6ln oder eine bekannte Kirche, sind die Konzerte meist ausverkauft. Wenn er aber unbekanntere, doch wegen der Architektur, des Ambientes und des Klangs besonders reizvolle Orte ausw\u00e4hlt, \u201ebegebe ich mich auf d\u00fcnneres Eis und habe eher zu k\u00e4mpfen, 40 Leute zu bekommen\u201c. Das sei dann \u201eschon sehr anstrengend\u201c. Er m\u00f6chte sich aber nicht von der ungewissen Erwartung des An-Klangs beim Publikum abh\u00e4ngig machen. Es sei einfach seine unb\u00e4ndige Neugier auf Neues, sein Forscherdrang, der ihn immer wieder herausfordert.<\/p>\n<p>Bei allem Engagement f\u00fcr sein Lieblingsprojekt muss er sich aber auch um seinen eigentlichen Job als freischaffender Musiker k\u00fcmmern, selbst wenn er sich als viel gefragter und festen Bandprojekten verpflichteter Schlagzeuger derzeit \u00fcber Besch\u00e4ftigungsmangel nicht beklagen kann. So ist er im Duo mit dem bulgarischen Pianisten Dimitar Bodurov gerade auf dem Balkan unterwegs gewesen, reist viel mit dem Luxemburger Vibraphonisten Pascal Schumacher durch die Welt, nahm gerade eine Platte mit Oliver Leichts Bl\u00e4seroktett \u201eAcht\u201c auf, gastiert st\u00e4ndig in Belgien und den Niederlanden. Vielversprechend ist ein beim DLF aufgenommenes CD-Projekt des Saxophonisten Wolfgang Fuhr, der die Musik der deutschen Avantgarde Mangelsdorff, Dudek, Schoof, Dauner bearbeitet hat, mit Dietmar Fuhr (b), Norbert Scholly (g) und Jens D\u00fcppe (dr). Auch mit seiner eigenen D\u00fcppe Akustik Band mit Fred K\u00f6ster (tp), Lars Duppler (p) und Christian Ramond (b) sind f\u00fcr Ende des Jahres Studioaufnahmen geplant. So pr\u00e4gend Jens D\u00fcppe als Schlagzeuger und Perkussionist an vielen Jazzprojekten mitwirkt, so unmittelbar lebt \u201eKommunikation 9\u201c von seinem schier unersch\u00f6pflichen Erfindungsreichtum und seiner Neugier nach immer neuen Kl\u00e4ngen und Kombinationen \u2013 und das hoffentlich noch lange.<\/p>\n<p><em>Dietrich Schlegel<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Dietrich Schlegel \u00b7 Waren Sie schon einmal in einem \u201eGer\u00e4usch-Caf\u00e9\u201c? Und haben dort gar ein Konzert geh\u00f6rt? Wohl kaum, wenn Sie nicht gerade am 2. oder 3. April in einer K\u00f6lner Galerie weilten, um \u2013ja, um einfach nur Ger\u00e4uschen zuzuh\u00f6ren, die aus einigen kleinen Lautsprechern in einen sp\u00e4rlich m\u00f6blierten Raum rieselten. Zwar gab es Kaffee und Kuchen, aber sonst lagen nur Zeitungen und Zeitschriften mit exotischen Schriftzeichen herum. Die eher leisen Ger\u00e4usche wurden nebenan von zwei Perkussionisten mittels angez\u00fcndeter Streichh\u00f6lzer, sich in Wasser aufl\u00f6senden Vitamintabletten, zerrissenem Papier, in einer Schale kullernden Erbsen, raschelnden Plastikt\u00fcten oder auch schepperndem Besteck und Geschirr erzeugt. Dazwischen Geknister und Geknaster. Alle halbe Stunde ert\u00f6nte eine menschliche Stimme, die des Luxemburger Wahl-K\u00f6lners Guy Helminger, der live aus dem Nebenraum eigene Gedichte rezitierte. Auf eine solche Idee kann nur der K\u00f6lner Schlagzeuger und Perkussionist Jens D\u00fcppe kommen, einer der innovativsten Vertreter der improvisierten Musik hierzulande (siehe JazzZeitung 2\/2012). Seine Reihe \u201eKommunikation 9\u201c l\u00e4uft nun schon im f\u00fcnften Jahr, eine Performance ungew\u00f6hnlicher als die andere, wenn es auch nicht immer neun im Jahr werden, wie urspr\u00fcnglich vorgesehen. 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