{"id":34205,"date":"2026-07-20T11:45:16","date_gmt":"2026-07-20T09:45:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/?p=34205"},"modified":"2026-07-20T12:45:08","modified_gmt":"2026-07-20T10:45:08","slug":"entwurf-des-bundeshaushalts-2027-bereitet-freo-deutscher-jazzunion-und-pro-musik-schwere-sorgen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/2026\/07\/entwurf-des-bundeshaushalts-2027-bereitet-freo-deutscher-jazzunion-und-pro-musik-schwere-sorgen\/","title":{"rendered":"Entwurf des Bundeshaushalts 2027 bereitet FREO, Deutscher Jazzunion und PRO MUSIK schwere Sorgen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Gemeinsame Stellungnahme von FREO, Deutsche Jazzunion und PRO MUSIK zum Regierungsentwurf des Bundeshaushalts 2027<\/strong><\/p>\n<p>Mit dem Regierungsentwurf zum Bundeshaushalt 2027 legt die Bundesregierung ihre kulturpolitischen Priorit\u00e4ten f\u00fcr die kommenden Jahre vor. Der Entwurf enth\u00e4lt erhebliche Herausforderungen f\u00fcr die professionelle Musikszene. Insgesamt soll der Etat des Beauftragten der Bundesregierung f\u00fcr Kultur und Medien um rund zehn Prozent sinken. Damit setzt der Regierungsentwurf ein problematisches Signal f\u00fcr die langfristige Sicherung einer vielf\u00e4ltigen musikalischen Infrastruktur.<\/p>\n<p align=\"justify\"><strong>K\u00fcrzungen zu Lasten der freien Szene<\/strong><\/p>\n<p>Der Haushaltsentwurf sieht deutliche K\u00fcrzungen in Bereichen projektbezogener F\u00f6rderinstrumente vor, die insbesondere f\u00fcr die freie Musikszene von zentraler Bedeutung sind \u2013 zum Beispiel bei der Initiative Musik oder auch dem Festivalfonds. Gerade diese Programme schaffen Freir\u00e4ume f\u00fcr Innovation, k\u00fcnstlerische Entwicklung und neue Kooperationen. K\u00fcrzungen treffen deshalb nicht nur einzelne Projekte, sondern schw\u00e4chen die Zukunftsf\u00e4higkeit der gesamten Musiklandschaft.<\/p>\n<p>Ausdr\u00fccklich begr\u00fc\u00dfen wir, dass der Bund seine Verantwortung f\u00fcr zentrale kulturelle Einrichtungen weiterhin wahrnimmt und einzelne F\u00f6rderinstrumente, wie beispielsweise den Musikfonds, nach bisherigem Kenntnisstand auf stabilem Niveau fortf\u00fchrt. Diese Entscheidungen leisten einen wichtigen Beitrag zur kulturellen Infrastruktur Deutschlands.<\/p>\n<p align=\"justify\"><strong>Handlungsbedarf im parlamentarischen Verfahren<\/strong><\/p>\n<p>Wir appellieren an die Mitglieder des Deutschen Bundestages, den Regierungsentwurf im parlamentarischen Verfahren entsprechend nachzubessern. Ziel muss es sein, die Leistungsf\u00e4higkeit der freien Musikszene langfristig zu sichern und die F\u00f6rderinstrumente so auszustatten, dass sie den kulturpolitischen Zielen des Bundes auch unter den aktuellen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen gerecht werden.<\/p>\n<p>Eine vielf\u00e4ltige Musiklandschaft braucht starke Institutionen und eine leistungsf\u00e4hige freie Musikszene. Beide sind unverzichtbare Bestandteile einer demokratischen und lebendigen Kulturgesellschaft.<\/p>\n<p align=\"justify\"><strong>Reale K\u00fcrzungen trotz stabiler Ans\u00e4tze<\/strong><\/p>\n<p>Selbst ein nominell gleichbleibender F\u00f6rderetat in anderen Bereichen darf nicht mit einer tats\u00e4chlichen Stabilisierung verwechselt werden. Steigende Honoraruntergrenzen, Tarifentwicklungen sowie gestiegene Produktions-, Reise- und Betriebskosten f\u00fchren dazu, dass mit unver\u00e4nderten Mitteln weniger k\u00fcnstlerische Projekte realisiert werden k\u00f6nnen und die prek\u00e4re Arbeitssituation in Teilen der freien Musikszene zunimmt. Ohne einen entsprechenden Aufwuchs verlieren F\u00f6rderprogramme real an Wirkung.<\/p>\n<p>Diese Entwicklung steht im Widerspruch zu den kulturpolitischen Zielen, die die Bundesregierung in ihrem Koalitionsvertrag verankert hat. Faire Verg\u00fctung, gute Arbeitsbedingungen und h\u00f6here Honorarstandards sind wichtige und notwendige Fortschritte. Sie k\u00f6nnen jedoch nur umgesetzt werden, wenn F\u00f6rderbudgets mit dieser Entwicklung Schritt halten und entsprechend aufgestockt werden.<\/p>\n<p align=\"justify\"><strong>Freie Musikszene als unverzichtbarer Teil der kulturellen Infrastruktur<\/strong><\/p>\n<p>Die freie Musikszene \u00fcbernimmt wesentliche Aufgaben innerhalb der kulturellen Infrastruktur Deutschlands. Freischaffende Musiker*innen aller Genres, freie Ensembles und Orchester schaffen neue k\u00fcnstlerische Impulse, entwickeln innovative Konzertformate, erm\u00f6glichen kulturelle Teilhabe und tragen kulturelle Vielfalt in St\u00e4dte und l\u00e4ndliche R\u00e4ume gleicherma\u00dfen.<\/p>\n<p>Institutionell getragene Einrichtungen und die freie Musikszene erf\u00fcllen dabei unterschiedliche, sich erg\u00e4nzende Aufgaben. Eine zukunftsf\u00e4hige Kulturpolitik braucht beide, dies hat nicht zuletzt das Positionspapier des Deutschen Musikrats deutlich gemacht! Die St\u00e4rkung einzelner Institutionen darf deshalb nicht zulasten jener F\u00f6rderstrukturen gehen, die Innovation, Nachwuchs, k\u00fcnstlerische Entwicklung und kulturelle Vielfalt erm\u00f6glichen.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eF\u00fcr Jazz und Improvisierte Musik sind F\u00f6rderinstrumente wie die Initiative Musik oder der Musikfonds unverzichtbar und ihre K\u00fcrzungen h\u00e4tten massive Konsequenzen f\u00fcr die Szene. Gerade in dieser demokratisch herausfordernden Zeit, w\u00e4re es das falsche Signal, ausgerechnet jene Strukturen zu schw\u00e4chen, die kulturelle Teilhabe, k\u00fcnstlerische Freiheit und gesellschaftlichen Austausch f\u00f6rdern. Die Bundesregierung muss ihre Zusagen aus dem Koalitionsvertrag einhalten und die freie Musikszene nachhaltig st\u00e4rken.\u201c \u2013 Camille Buscot, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin Deutsche Jazzunion e.V.<\/p>\n<p>\u201eDer Bundeshaushalt ist immer auch eine Entscheidung \u00fcber die Zukunft der Musiklandschaft in Deutschland. F\u00fcr freie Ensembles und Orchester sind dabei vor allem Planungssicherheit und verl\u00e4ssliche F\u00f6rderstrukturen entscheidend. Nur so k\u00f6nnen k\u00fcnstlerische Qualit\u00e4t, faire Arbeitsbedingungen und kulturelle Vielfalt dauerhaft gesichert werden.\u201c \u2013 Lena Krause, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin FREO \u2013 Freie Ensembles und Orchester in Deutschland e. V.<\/p>\n<p>\u201eDer Haushaltsentwurf vom Kulturstaatsminister Weimer kann leider so gelesen werden, als ob die Musikschaffenden der freien Szene und die Infrastruktur der Popkultur nicht zu seinen Schwerpunkten z\u00e4hlt, entgegen allen Beteuerungen. Jetzt muss das Parlament korrigieren, damit die Bedingungen geschaffen werden, dass kulturelle Vielfalt eine Zukunft hat.\u201c \u2013 Ella Rohwer, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung PRO MUSIK<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>\u00dcber die Deutsche Jazzunion<\/strong><\/p>\n<p>Die Deutsche Jazzunion wurde 1973 gegr\u00fcndet und ist als Sprachrohr der Jazzmusiker*innen in Deutschland eine wichtige Ansprechpartnerin f\u00fcr die Politik auf Bundesebene. Zu den Kernzielen des Verbands geh\u00f6ren die Verbesserung der Verg\u00fctung und der sozialen Absicherung von Jazzmusikerinnen, der Ausbau der spezifischen F\u00f6rderung f\u00fcr Jazz und Improvisierte Musik sowie die St\u00e4rkung der Spielst\u00e4tten. Weitere Informationen finden Sie unter <a href=\"http:\/\/www.deutsche-jazzunion.de\/\">www.deutsche-jazzunion.de<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit dem Regierungsentwurf zum Bundeshaushalt 2027 legt die Bundesregierung ihre kulturpolitischen Priorit\u00e4ten f\u00fcr die kommenden Jahre vor. Der Entwurf enth\u00e4lt erhebliche Herausforderungen f\u00fcr die professionelle Musikszene. Insgesamt soll der Etat des Beauftragten der Bundesregierung f\u00fcr Kultur und Medien um rund zehn Prozent sinken. 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