{"id":3073,"date":"2013-12-03T07:40:38","date_gmt":"2013-12-03T06:40:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/?p=3073"},"modified":"2013-12-03T13:39:22","modified_gmt":"2013-12-03T12:39:22","slug":"abenteuerlust","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/2013\/12\/abenteuerlust\/","title":{"rendered":"Abenteuerlust"},"content":{"rendered":"<p>Mein neues PolyParaphone kann praktisch alles. Seine Auto-Key-Funktion \u00f6ffnet morgens das Garagentor, mit dem Syntraffic-Programm lotst es meinen Wagen durch den Berufsverkehr, es checkt mich mit einem simplen Iso-Funksignal am Arbeitsplatz ein, f\u00e4hrt \u00fcber die HyperApp meinen Computer hoch, sortiert dann per AutoComTel die eingegangenen Mails, bestellt schon mal \u00fcber Holofood mein Mittagsmen\u00fc und kommuniziert dank der Office-Epifunktion \u00fcbers Intranet mit dem CEO.<\/p>\n<p>Mein PolyParaphone enth\u00e4lt meine komplette funktionale Pers\u00f6nlichkeit.<\/p>\n<p>Vielleicht schicke ich es ab morgen einfach ohne mich ins B\u00fcro. Dann erspare ich mir die \u00f6den Briefings, die ungeliebten Team-Sitzungen, die nervigen Video-Konferenzen, den \u00fcberfl\u00fcssigen Wochenreport. Und vor allem nat\u00fcrlich: die peinliche Weihnachtsfeier.<\/p>\n<p>Stattdessen k\u00f6nnte ich einfach zu Hause bleiben und die ausgehungerten Synapsen meines hoch entwickelten Gro\u00dfhirns endlich mit angemessen komplexen Dingen besch\u00e4ftigen. Ich k\u00f6nnte dank Greg Osbys Saxophon die wilden Abgr\u00fcnde harmonischer Zukunftsarchitektur erforschen, mit Christopher Dells Trio in verwirrende polyrhythmische Experimente eintauchen, in Michael Wollnys Wunderkammer die prickelnde Kollision von Klangfeldern verfolgen, mit Frederik K\u00f6sters Trompete virtuos zwischen changierenden Messiaen-Skalen herumturnen.<\/p>\n<p>Abenteuer! Verwicklung! Emotion! Mein neues PolyParaphone kann ja praktisch alles. Nur der EmoPower-Button, der fehlt halt noch.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mein neues PolyParaphone kann praktisch alles. 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Titel: \"No Chaser\". Ende 2010 erschien bereits der 78. Text. Preisfrage: Wann hat er damit begonnen? Mit Informationen zu seiner Person ist er dagegen geizig. So viel ist immerhin bekannt: Er hat einen Produzenten-Freund in Italien namens Stefano und eine On-Off-Beziehung mit Petra, seiner Nachbarin. Hier mal etwas Autobiographisches (das war seine Print-Kolumne Nr. 34, das Baby ist inzwischen eingeschult)... ... ... Neuigkeiten von meiner h\u00fcbschen Nachbarin: Sie ist schwanger. (Nicht von mir, ich schw\u00f6re.) Seitdem sie es wei\u00df, will sie andauernd Musik-Tipps von mir. (Nicht f\u00fcr sich, sondern f\u00fcr das ungeborene Baby.) \u201eAch, es gibt doch genug Baby-Songs\u201c, sagte ich: \u201eBaby, it\u2019s cold outside. I can\u2019t give you anything but love, baby. Oder: Baby, you are my destiny.\u201c Das fand sie dann nicht so richtig lustig. \u00dcberhaupt muss ich sagen: Seitdem Petra (so hei\u00dft meine Nachbarin) schwanger ist, nimmt sie alles sehr ernst. \u201eDie musikalischen Schwingungen, die ein Kind im Mutterleib erf\u00e4hrt, bestimmen sp\u00e4ter seine Sexualit\u00e4t, seine Berufswahl und sogar seine TV-Vorlieben\u201c, verk\u00fcndet sie immer wieder. \u201eVor allem nat\u00fcrlich seinen Musikgeschmack\u201c, sage ich dann jedes Mal. F\u00fcr die Zeit nach der Geburt hat Petra dagegen vorgesorgt. Ein ganzes Regalbrett voll CDs wartet auf das arme Kind: \u201eBach for Babies\u201c, \u201eMozart for Babies\u201c, \u201eAdagio for Babies\u201c. Alles nach neuesten therapeutischen Erkenntnissen altersgem\u00e4\u00df geordnet: ab 3 Monate, ab 6 Monate, ab 12 Monate. \u201eUnd wo ist der Charlie Parker f\u00fcr die F\u00fcnfj\u00e4hrigen?\u201c, wagte ich zu fragen. \u201eJazz-Harmonien sind ganz schlecht f\u00fcr Kinder\u201c, antwortete sie, als ob sie auch nur die leiseste Ahnung von Parkers Harmonik h\u00e4tte. \u201eDas ist wissenschaftlich erwiesen, dass Jazz hyperaktiv macht. Auch die Zahl der Diabetiker steigt unter Jazz-Einfluss.\u201c Ich versuchte, ruhig zu bleiben. \u201eNa, dann wird\u2019s wohl ein rotwangiger Chefarzt oder Staranwalt werden, dein Kind. Deren musikalische Entwicklung bleibt ja bekanntlich bei Mozarts Kr\u00f6nungskonzert stehen.\u201c Irgendwie schaffte es Petra in ihrer Schwangeren-W\u00fcrde, mir daraufhin ein alles verzeihendes Buddha-L\u00e4cheln zu schenken. Seit sich ihr Bauch rundet, ist sie aber auch irgendwie noch sch\u00f6ner geworden. Neuerdings l\u00e4dt sie mich sogar zweimal die Woche zum Abendessen ein. Sie sucht doch nicht etwa einen Vater f\u00fcr ihr Kind? Ohne Parker geht da nichts, so viel steht fest.","url":"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/author\/wein\/"}]}},"wp-worthy-pixel":{"ignored":false,"public":null,"server":null,"url":null},"wp-worthy-type":"normal","jetpack_publicize_connections":[],"cc_featured_image_caption":{"caption_text":false,"source_text":false,"source_url":false},"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p3KEcT-Nz","jetpack-related-posts":[{"id":3444,"url":"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/2014\/01\/von-marathon-bis-everlasting-mein-persoenliches-jahr-2013-teil1\/","url_meta":{"origin":3073,"position":0},"title":"Von Marathon bis \u201eEverlasting\u201c \u2013 Mein pers\u00f6nliches Jahr 2013, Teil1","author":"Maximilian Thomas Merseny","date":"29. 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