{"id":28497,"date":"2022-10-18T09:00:41","date_gmt":"2022-10-18T07:00:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/?p=28497"},"modified":"2022-10-20T16:34:15","modified_gmt":"2022-10-20T14:34:15","slug":"interview-nadine-deventer-zum-berliner-jazzfest-2022","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/2022\/10\/interview-nadine-deventer-zum-berliner-jazzfest-2022\/","title":{"rendered":"Zur\u00fcck im Haus der Berliner Festspiele: Nadin Deventer\u00a0zum Jazzfest Berlin 2022"},"content":{"rendered":"<p><strong>Nach zwei hybriden Festivalausgaben aus dem Berliner Silent Green mit digitalen Br\u00fccken nach New York, Johannesburg, Kairo und S\u00e3o Paulo, kehrt das <\/strong><a href=\"https:\/\/www.berlinerfestspiele.de\/de\/jazzfest-berlin\/start.html\">Jazzfest Berlin 2022<\/a><strong> zur\u00fcck ins Haus der Berliner Festspiele und begr\u00fc\u00dft vom 3. bis 6. November wieder \u00fcber 150 Musikerinnen und Musiker aus der ganzen Welt. Anl\u00e4sslich dessen sprach Klaus von Seckendorff mit der k\u00fcnstlerischen Leiterin Nadin Deventer.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Klaus von Seckendorff:<\/strong> Sie sind mittlerweile zum f\u00fcnften Mal k\u00fcnstlerische Leiterin des traditionsreichen Berliner Jazzfests, an das besonders hohe Erwartungen gekn\u00fcpft sind. Wie gehen Sie damit um?<\/p>\n<p><strong>Nadin Deventer:<\/strong> Ja, es ist in der Tat eine gro\u00dfe Verantwortung aber auch eine gro\u00dfe Freude und ein Privileg, eine so prestigereiche und sichtbare Plattform, wie das Jazzfest Berlin in seinem 59. Jahr gestalten und bespielen zu d\u00fcrfen. Seit f\u00fcnf Jahren lasse ich mich auf den kuratorischen Prozess ein, auf das Suchen, das Fragenstellen, das &#8222;Verstehenwollen&#8220;, was in dem jeweiligen Jahr in der Musikwelt aber auch gesellschaftspolitisch aktuell geschieht. Ich sehe unsere f\u00fcnf Festivaleditionen wie f\u00fcnf Kapitel eine Buches sozusagen, die versuchen, das aktuelle Zeitgeschehen an den vier Festivaltagen punktuell einzufangen und mit ihren jeweiligen Schwerpunkten und Narrativen zu erz\u00e4hlen. Am Ende eines jeden Festivals sitze ich wieder vor einem leeren Blatt Papier in der K\u00fcche meiner Berliner Altbauwohnung und versuche in circa sieben Monaten, die Unmengen an Informationen zu sichten, zu filtern und zu verstehen. Ich bin froh und dankbar, dass ich das nicht ganz alleine mache, sondern mit Christopher Hupe und Astrid Rysavy von den Berliner Festspielen ein Team an meiner Seite wei\u00df. Mit unseren kompetenten Beratern Peter Margasak, Thomas Gl\u00e4sser und Henning Bolte spielen wir uns die vielen B\u00e4lle in einem wahnsinnig dynamischen Prozess, in dem ja auch die vielen Tourneeplanungen f\u00fcr den Herbst und Winter parallel stattfinden, immer wieder hin und her, bis schlie\u00dflich am Ende wieder eine Festivalgeschichte im Netz und auf Flyern gedruckt quasi das Licht der Welt erblickt.<\/p>\n<p><strong>von Seckendorff:<\/strong> Was war im Jahr 2022 Ausgangspunkt Ihrer \u00dcberlegungen?<\/p>\n<p><strong>Deventer:<\/strong> Der Krieg gegen die Ukraine ist genau w\u00e4hrend des intensiven kuratorischen Prozesses ausgebrochen. Wir haben uns als Festivalteam nat\u00fcrlich gefragt, ob und wie wir uns dazu verhalten wollen. Zun\u00e4chst haben wir uns mit der Musik in der Region besch\u00e4ftigt und festgestellt, dass die folkloristische Tradition auffallend stark ausgepr\u00e4gt ist. Deshalb haben wir Jazzmusiker<em>innen gesucht und gefunden, die sich mit dieser Tradition auseinandersetzen. Man kann beim Jazzfest dieses Jahr insgesamt neun Projekte erleben, vor allem mit Musiker<\/em>innen aus dem osteurop\u00e4ischen Raum und der Schwarzmeer-Region. Aus der Zusammenarbeit und Auseinandersetzung mit den Musiker<em>innen entstand auch die Idee, ein besonderes Projekt zu entwickeln. KOM\u041fOUSSUL\u0102 ist ein Auftragsprojekt, das drei Projekte zusammenf\u00fchrt, die auch alle selbst beim Jazzfest gezeigt werden: Black Sea Songs, Lumpeks und Shadows of Our Forgotten Ancestors; diese zehn Musiker<\/em>Innen haben sich im September zum ersten Mal in Amsterdam getroffen und dort vier Tage lang geprobt. Am Festivalsamstag findet dann die Urauff\u00fchrung auf der Gro\u00dfen B\u00fchne im Festspielhaus statt.<\/p>\n<p><strong>von Seckendorff:<\/strong> Es geht um ein weites Feld des von Folk beeinflussten Jazz, nicht nur um die Ukraine?<\/p>\n<p><strong>Deventer:<\/strong> Mit Blick auf die Region wurde mir sehr schnell bewusst, dass ich auch ein starkes Signal gegen den verst\u00e4rkt aufkommenden Nationalismus in Europa und der Welt setzen m\u00f6chte und auf gar keinen Fall die Ukraine isoliert pr\u00e4sentieren m\u00f6chte. Sie wird sozusagen umarmt durch die Anrainerstaaten. Das ist eine Region, in der es viel zu entdecken gibt, und die im Jazzbereich ziemlich vernachl\u00e4ssigt wird.<\/p>\n<p><strong>von Seckendorff:<\/strong> Wenn so viele Musiker*innen aufeinandertreffen und etwas Neues entwickeln sollen, kann das auch schief gehen. Zu wie viel Risiko auf gro\u00dfer B\u00fchne muss man bereit sein?<\/p>\n<p><strong>Deventer:<\/strong> Das hat schon viel mit Vertrauen zu tun, aber auch viel mit Dialog und ernsthafter Auseinandersetzung.\u00a0 KOM\u041fOUSSUL\u0102 ist \u00fcber mehrere Monate hinweg entstanden. Da sind viele K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler beteiligt, die ich vorher \u00fcberhaupt nicht kannte. Wie im \u00fcbrigen schon in den Vorjahren gehen wir solche neuen Projekte ganz Bewusst an, ohne dass dabei notwendigerweise &#8222;gro\u00dfe&#8220; Namen oder im internationalen Bereich schon st\u00e4rker etablierter Musiker*innen mit dabei sein m\u00fcssten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<figure id=\"attachment_28505\" aria-describedby=\"caption-attachment-28505\" style=\"width: 456px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"28505\" data-permalink=\"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/2022\/10\/interview-nadine-deventer-zum-berliner-jazzfest-2022\/asher-gamedze-kom%d0%bfoussula-matana-roberts-ii-frank-schmitt-brett-walker-leo-woelfel\/\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Asher-Gamedze-KOM%D0%9FOUSSULA-Matana-Roberts-II-Frank-Schmitt-Brett-Walker-Leo-Woelfel.jpg?fit=456%2C304&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"456,304\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"Asher Gamedze (o.l.). Foto:  Frank Schmitt \/ KOM\u041fOUSSUL\u0102 (u.). Foto: Brett Walker \/ Matana Roberts (o.r.). Foto: Leo W\u00f6lfel\" data-image-description=\"&lt;p&gt;Asher Gamedze (o.l.). Foto:  Frank Schmitt \/ KOM\u041fOUSSUL\u0102 (u.). Foto: Brett Walker \/ Matana Roberts (o.r.). Foto: Leo W\u00f6lfel&lt;\/p&gt;\n\" data-image-caption=\"&lt;p&gt;Asher Gamedze (o.l.). Foto:  Frank Schmitt \/ KOM\u041fOUSSUL\u0102 (u.). Foto: Brett Walker \/ Matana Roberts (o.r.). 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Foto: Frank Schmitt \/ KOM\u041fOUSSUL\u0102 (u.). Foto: Brett Walker \/ Matana Roberts (o.r.). Foto: Leo W\u00f6lfel<\/figcaption><\/figure>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>von Seckendorff:<\/strong> Braucht es die, um einen Abend auszuverkaufen?<\/p>\n<p><strong>Deventer:<\/strong> Ich bin so froh und dankbar, dass das Publikum in Berlin die Neuausrichtung des Festivals so fantastisch mittr\u00e4gt. Wir setzten ja sehr viel auf neue Gesichter, neue Stimmen, auf Experiment und Herausforderung und r\u00fccken quasi das oft als peripher Gehandhabte ins Zentrum. Wir haben f\u00fcr die gro\u00dfen Konzerte 1000 Pl\u00e4tze, die muss man erst mal jeden Abend f\u00fcllen mit Musiker<em>innen die sich abseits vom Mainstream und Establishment bewegen. Es ist die Geschichte, die wir erz\u00e4hlen wollen, die die Menschen anspricht glaube ich. Seit ich das Festival mache, habe ich bewusst diese Automatismen des Differenzierens hinterfragt: Gro\u00dfe und Kleine B\u00fchne, Haupt- und Nebenkonzert, 20 Uhr und 24 Uhr. Es ist toll, dass das Berliner Publikum sich immer wieder auf diese Entdeckungsreisen so vielz\u00e4hlig einl\u00e4sst; das bewegt sowohl das Festivalteam als auch die K\u00fcnstler<\/em>innen gleicherma\u00dfen. Ich konnte schon einige magische Momente im Festspielhaus erleben, und darum geht es uns allen schlussendlich.<\/p>\n<p><strong>von Seckendorff:<\/strong> Eine Nadin Deventer profiliert sich also nicht dar\u00fcber, dass sie mit genialem Gesp\u00fcr die Gro\u00dfen von morgen aus dem Angebot fischt?<\/p>\n<p><strong>Deventer:<\/strong> Ich m\u00f6chte nicht leugnen, dass es in gewisser Weise nat\u00fcrlich auch einen gro\u00dfen Konkurrenzdruck gibt beim Festivalmachen. Die Taktung in der hochtourigen Kultur- und Musikmetropole Berlin ist schneller und h\u00f6her als in vielen anderen St\u00e4dten Europas und der Welt. Da geh\u00f6rt ein gutes Gesp\u00fcr und eine geh\u00f6rige Portion Mut und Risikobereitschaft quasi mit zum Gesch\u00e4ft, um Sichtbarkeit und auch Relevanz zu erzeugen. Es gibt in dieser Stadt eine gro\u00dfe Anzahl an wirklich guten Festivals und Konzertreihen, au\u00dferdem allein circa 15 Orte, zum Teil klein und sehr speziell, die Jazz und improvisierte Musik quasi t\u00e4glich pr\u00e4sentieren. Da stellt sich uns unweigerlich immer wieder die Frage, welchen sinnvollen Beitrag das Jazzfest Berlin in dieser gro\u00dfen Vielstimmigkeit liefern kann. Bei unserem Festival hat ein Generationswechsel stattgefunden, der andere Perspektiven, ein anderes Wertesystem mit sich bringt. Das Jazzfest entwickelt sich sehr dialogisch, ich suche st\u00e4ndig Partner<em>innen, Musiker<\/em>innen, mit denen ich Projekte entwickeln kann. Die kooperative Arbeitsweise, die das Lokale mit dem Internationalen vernetzt, ist mir ebenso sehr wichtig, wie dass man sich als privilegierte Plattform f\u00fcr andere \u00f6ffnet und zusammenarbeiten m\u00f6chte.<\/p>\n<p><strong>von Seckendorff:<\/strong> Und die Profilierung? Sie sind ja Anfangs ja oft mit Skepsis aufgenommen worden: Kann diese junge (!) Frau (!) das \u00fcberhaupt?<\/p>\n<p><strong>Deventer:<\/strong> Ja, das, was mir bei meinem ersten Festival an Vorbehalten und Unversch\u00e4mtheiten entgegengebracht wurde, war nicht sch\u00f6n, um es einmal milde auszudr\u00fccken, und ich w\u00fcnsche das wirklich niemandem. Das Patriarchat ist nat\u00fcrlich auch in der Jazz- und Musikwelt allgegenw\u00e4rtig, auch, wenn durch den Generationswechsel, der vieler Orts und auf vielen Ebenen nun europaweit geschieht, sehr Vieles in Bewegung ist. Letztendlich entscheidend ist die Qualit\u00e4t der eigenen Arbeit, das Gesp\u00fcr f\u00fcr den Zeitgeist und relevante Musiker<em>innen, Authentizit\u00e4t und Glaubw\u00fcrdigkeit glaube ich. Ich komme aus der freien Szenen und fordere unseren Apparat jedes Jahr nicht nur programmatisch, sondern auch produktionstechnisch ganz sch\u00f6n. Und nat\u00fcrlich habe ich auch immer wieder Angst zu scheitern und bin unglaublich aufgeregt und nerv\u00f6s, wenn wir zum Beispiel im September unser Programm ver\u00f6ffentlichen und der Ticketvorverkauf dann endlich l\u00e4uft. Wir haben an vielen Schrauben gedreht, dadurch ist das Festival quantitativ sehr gewachsen in den letzten f\u00fcnf Jahren. Dass das alles bis dato \u00fcberwiegend positiv wahrgenommen wurde in Berlin und auch international, freut mich \u00fcber alle Ma\u00dfen, vor allem f\u00fcr die Protagonist<\/em>innen des Festivals, die Musiker<em>innen und das Team der Berliner Festspiele. Und auch dieses Jahr reisen wieder viele Journalist<\/em>innen und Veranstalterkolleg*innen aus der ganzen Welt zum Festival an, um dabei sein zu k\u00f6nnen und die ein oder andere Entdeckung zu machen.<\/p>\n<p><strong>von Seckendorff:<\/strong> Wo und wie machen Sie wichtige Entdeckungen?<\/p>\n<p><strong>Deventer:<\/strong> Es gibt sehr viele wichtige Informationsquellen und jeder baut sich im Laufe der Jahre sein eigenes Netzwerk auf. Wir sind Mitglied beim europejazz network, denn wichtig f\u00fcr mich ist der Austausch mit anderen Veranstalter<em>innen, aber auch mit Agent<\/em>innen, Journalist<em>innen, nat\u00fcrlich mit den Musiker<\/em>innen, und das Sichten zahlloser Magazine oder CD-Ver\u00f6ffentlichungen ist wichtig f\u00fcr den Researchprozess. Es gibt die Showcases, bei denen Bands eines Landes oder einer Region vorgestellt werden. Manche L\u00e4nder tun da wirklich viel f\u00fcr ihre Leute, aber mir ist es wichtig, gerade auch in Regionen auf Suche zu gehen, die keine Vorreiterrolle im Jazz besitzen.<\/p>\n<p><strong>von Seckendorff:<\/strong> Sind Sie erheblich mehr unterwegs als Ihr Vorg\u00e4nger, der Journalist Richard Williams?<\/p>\n<p><strong>Deventer:<\/strong> Ich arbeite bei den Berliner Festspielen hauptberuflich. In Berlin selbst gibt es unglaublich viel zu sehen und zu entdecken; ich fahre nat\u00fcrlich auch selbst viel zu Festivals, die wie Berlin besonders an der Avantgarde interessiert sind, wie zum Beispiel nach Saalfelden, Moers, Ljubljana, Lissabon, Paris, Bergen oder nach New York zum Winter Jazz, zum Big Ears nach Tennessee, dem Le Guess Who Festival nach Utrecht oder zu Clubs, Showcases, Konferenzen. Aber ausgerechnet in Chicago, von wo \u2013 wie schon im Jahr 2018 \u2013 besonders viele tolle Musiker*innen zum Jazzfest kommen, wie die Saxophonistin Matana Roberts, der Schlagzeuger Hamid Drake, der Saxophonisten Isaiah Collier, der Gittaristen Jeff Parker, die Cellistin Tomeka Reid oder der Kornettist Ben LaMar Gay, war ich noch nie.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<figure id=\"attachment_28506\" aria-describedby=\"caption-attachment-28506\" style=\"width: 456px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"28506\" data-permalink=\"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/2022\/10\/interview-nadine-deventer-zum-berliner-jazzfest-2022\/melting-pot-ii-daniel-bierduempfel-laurent-orseau-markus-lackinger-thor-egil-leirtro-alois-endl\/\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Melting-Pot-II-Daniel-Bierduempfel-Laurent-Orseau-Markus-Lackinger-Thor-Egil-Leirtro-Alois-Endl.jpg?fit=456%2C304&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"456,304\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"Melting Pot. 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Foto: Emil Storl\u00f8kken \u00c5se, Gitarre; Hanne De Backer, Saxofon; Zbigniew Chojnacki, Akkordeon; Beate Wiesinger, Kontrabass; Evi Filippou Vibrafon, Perkussion; Daniel Bierd\u00fcmpfel, Laurent Orseau, Markus Lackinger, Thor Egil Leirtr\u00f8, Alois Endl<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>von Seckendorff:<\/strong> Fr\u00fcher war Exklusivit\u00e4t sehr begehrt nach dem Motto \u201espielt nur in Berlin und sonst nirgendwo in Europa\u201c.<\/p>\n<p><strong>Deventer:<\/strong> So ein One-Off-Konzert ohne weitere Konzerte im Umfeld kann schon aus \u00f6kologischer Sicht kein Ziel sein. Im November sind im Rahmen des Herbst-Winter-Zyklus besonders viele US-amerikanische Musiker<em>innen in Europa auf Tour. Einigen zum Beispiel bieten wir dann einen sogenannten Anker-Gig, eine erste wichtige Zusage, um die herum sie eine Tournee buchen k\u00f6nnen. Oft unterst\u00fctzen wir sie dabei und fragen andere Veranstalter: Diese Kolleg<\/em>innen interessieren uns. Wer macht mit? &#8211; Ebenso verh\u00e4lt es sich mit den neuen Produktionen, f\u00fcr die wir Ko-Produktionspartner*innen suchen oder sind.<\/p>\n<p><strong>von Seckendorff:<\/strong> Aber es gibt doch sicher den Ehrgeiz, Projekte zu pr\u00e4sentieren, die man sonst nicht so schnell zu sehen bekommt?<\/p>\n<p><strong>Deventer:<\/strong> Wie gesagt, es geht nicht prim\u00e4r darum, Musiker*innen exklusiv zu buchen. Aber auch wir haben als international relevantes Festival auch dieses Jahr wieder viele Premieren im Programm. Matana Roberts wird zum Beispiel in Berlin proben und ihr Projekt \u201eCoin Coin Chapter IV\u201c zum ersten Mal live auff\u00fchren, bevor sie dann von hier aus weiter durch Europa touren wird. Alexander Hawkins und Craig Taborn werden in Berlin proben und neue Projekte pr\u00e4sentieren. F\u00fcr \u201eMelting Pot\u201c w\u00e4hlen f\u00fcnf Festivals jeweils ein Bandmitglied aus, aber die haben schon geprobt, wenn sie kommen, weil Saalfelden immer das erste Festival ist im Jahr.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<figure id=\"attachment_28507\" aria-describedby=\"caption-attachment-28507\" style=\"width: 456px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"28507\" data-permalink=\"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/2022\/10\/interview-nadine-deventer-zum-berliner-jazzfest-2022\/tomeka-reid-craig-taborn-hamid-drakes-turiya-ii-scott-hesse-courtesy-of-the-artist-rossetti\/\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Tomeka-Reid-Craig-Taborn-Hamid-Drakes-Turiya-II-Scott-Hesse-Courtesy-of-the-artist-Rossetti.jpg?fit=456%2C304&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"456,304\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"Tomeka Reid (o.l.). 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Foto: Scott Hesse \/ Craig Taborn (o.r.). \/ Hamid Drake\u2019s Turiya (u.). Foto: Rossetti<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>von Seckendorff:<\/strong> Drei Frauen sto\u00dfen da auf zwei M\u00e4nner. Wie sieht es beim Festival insgesamt aus?<\/p>\n<p><strong>Deventer:<\/strong> Also ich finde Statistiken durchaus wichtig, schon wegen der \u00dcberpr\u00fcfbarkeit dessen, was wir hier machen. Wir haben dieses Jahr 150 Musiker*innen aus 25 L\u00e4ndern, und von insgesamt 39 Projekten an vier Festivaltagen sind 18 von Frauen geleitet oder co-geleitet, 10 kommen aus den USA, 25 aus Europa und vier aus dem Globalen S\u00fcden.<\/p>\n<p><strong>von Seckendorff:<\/strong> Welche besonderen Projekte hat das Jazzfest dieses Jahr denn noch entwickelt?<\/p>\n<p><strong>Deventer:<\/strong> Am Festivalfreitag zum Beispiel spielen wir mit \u201ePlaying the House\u201c wieder mit den R\u00e4umlichkeiten und Raumerfahrungen im Festspielhaus. Entsenden ist ein Projekt, das wir mit dem Kollektiv \u201eUmlaut\u201c aus Berlin und Paris zusammen entwickelt haben. Dieses Kollektiv feiert die musikalische Diversit\u00e4t und ist stilistisch vom Avantgardistischem bis zum tanzbaren Bigband-Swing sehr breit aufgestellt. Die Zuschauer*innen sind quasi eingeladen, das Herz des Festspielhauses selbst zu betreten, weil wir die Gro\u00dfe B\u00fchne umgestalten werden und dann dreieinhalb Stunden lang in den &#8222;Umpire Jungle&#8220; einladen bestehend aus der Umlaut Big Band, den Hochstaplern und Denzler, Grip, Johansson \u2013 einem Trio um Sven-\u00c5ke Johansson, dem das Festival einen Schwerpunkt widmet. Parallel bespielen sechs ausgezeichnete Projekte aus ganz Europa die Kassenhalle und das Obere Foyer des Festspielhauses, und das Publikum kann sich treiben lassen und eine gro\u00dfe Bandbreite an unterschiedlichen Projekten erleben.<\/p>\n<p><strong>von Seckendorff:<\/strong> Alle Festivals wollen insbesondere junges Publikum dazu gewinnen und setzen auf Junge Musiker*innen.<\/p>\n<p><strong>Deventer:<\/strong> Beim diesj\u00e4hrigen Festival haben wir sowohl auf eine gro\u00dfe musikalische Vielfalt geachtet, als auch Musiker<em>innen aus drei Generationen eingeladen, n\u00e4mlich von Mitte 20 bis Anfang 80. Neben den bereits genannten Projekten aus dem Bereich der europ\u00e4ischen Folklore ist der europ\u00e4ische Free Jazz vielstimmig vertreten, sowie einige der spannendsten Protagonist<\/em>Innen der US-amerikanischen Avantgarde und auch ganz neue Stimmen und Gesichter. Wir spannen mit diesem Festival aber auch wieder den Bogen in den globalen S\u00fcden und schauen nach S\u00fcdafrika und Brasilien. Auch wir setzen auf viele junge Musiker*innen und Neuentdeckungen, aber wenige nach der Formel \u201ehip, elektronisch und Richtung Pop\u201c. Als subventioniertes, privilegiertes Festival versuchen wir, einen relevanten Beitrag zu leisten zu all dem, was schon da ist in Berlin. Und ich kann sagen: Da muss man sich ganz sch\u00f6n auf den Hosenboden setzen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach zwei hybriden Festivalausgaben aus dem Berliner Silent Green mit digitalen Br\u00fccken nach New York, Johannesburg, Kairo und S\u00e3o Paulo, kehrt das Jazzfest Berlin 2022 zur\u00fcck ins Haus der Berliner Festspiele und begr\u00fc\u00dft vom 3. bis 6. November wieder \u00fcber 150 Musikerinnen und Musiker aus der ganzen Welt. Anl\u00e4sslich dessen sprach Klaus von Seckendorff mit der k\u00fcnstlerischen Leiterin Nadin Deventer. Klaus von Seckendorff: Sie sind mittlerweile zum f\u00fcnften Mal k\u00fcnstlerische Leiterin des traditionsreichen Berliner Jazzfests, an das besonders hohe Erwartungen gekn\u00fcpft sind. Wie gehen Sie damit um? Nadin Deventer: Ja, es ist in der Tat eine gro\u00dfe Verantwortung aber auch eine gro\u00dfe Freude und ein Privileg, eine so prestigereiche und sichtbare Plattform, wie das Jazzfest Berlin in seinem 59. Jahr gestalten und bespielen zu d\u00fcrfen. Seit f\u00fcnf Jahren lasse ich mich auf den kuratorischen Prozess ein, auf das Suchen, das Fragenstellen, das &#8222;Verstehenwollen&#8220;, was in dem jeweiligen Jahr in der Musikwelt aber auch gesellschaftspolitisch aktuell geschieht. 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November wieder \u00fcber 150 Musikerinnen und Musiker aus der ganzen Welt. Anl\u00e4sslich dessen sprach Klaus von Seckendorff mit der k\u00fcnstlerischen Leiterin Nadin Deventer. Klaus von Seckendorff: Sie sind mittlerweile zum f\u00fcnften Mal k\u00fcnstlerische Leiterin des traditionsreichen Berliner Jazzfests, an das besonders hohe Erwartungen gekn\u00fcpft sind. Wie gehen Sie damit um? Nadin Deventer: Ja, es ist in der Tat eine gro\u00dfe Verantwortung aber auch eine gro\u00dfe Freude und ein Privileg, eine so prestigereiche und sichtbare Plattform, wie das Jazzfest Berlin in seinem 59. Jahr gestalten und bespielen zu d\u00fcrfen. Seit f\u00fcnf Jahren lasse ich mich auf den kuratorischen Prozess ein, auf das Suchen, das Fragenstellen, das &#8222;Verstehenwollen&#8220;, was in dem jeweiligen Jahr in der Musikwelt aber auch gesellschaftspolitisch aktuell geschieht. 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November wieder \u00fcber 150 Musikerinnen und Musiker aus der ganzen Welt. Anl\u00e4sslich dessen sprach Klaus von Seckendorff mit der k\u00fcnstlerischen Leiterin Nadin Deventer. Klaus von Seckendorff: Sie sind mittlerweile zum f\u00fcnften Mal k\u00fcnstlerische Leiterin des traditionsreichen Berliner Jazzfests, an das besonders hohe Erwartungen gekn\u00fcpft sind. Wie gehen Sie damit um? Nadin Deventer: Ja, es ist in der Tat eine gro\u00dfe Verantwortung aber auch eine gro\u00dfe Freude und ein Privileg, eine so prestigereiche und sichtbare Plattform, wie das Jazzfest Berlin in seinem 59. Jahr gestalten und bespielen zu d\u00fcrfen. Seit f\u00fcnf Jahren lasse ich mich auf den kuratorischen Prozess ein, auf das Suchen, das Fragenstellen, das &#8222;Verstehenwollen&#8220;, was in dem jeweiligen Jahr in der Musikwelt aber auch gesellschaftspolitisch aktuell geschieht. 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