{"id":25128,"date":"2021-07-15T11:43:38","date_gmt":"2021-07-15T09:43:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/?p=25128"},"modified":"2021-07-15T16:26:19","modified_gmt":"2021-07-15T14:26:19","slug":"digitalisierung-im-jazz-foerdermoeglichkeiten-jazz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/2021\/07\/digitalisierung-im-jazz-foerdermoeglichkeiten-jazz\/","title":{"rendered":"Digitalisierung im Jazz \/ F\u00f6rderm\u00f6glichkeiten Jazz"},"content":{"rendered":"<p><strong>S<\/strong><strong>p\u00e4<\/strong><strong>testens mit Einf\u00fchrung der CD traf eine Digitalisierungswelle mit eklatanten Folgen auch die Jazzszene. Aufnahmetechniken, Distribution\/Vermarktung und Pr\u00e4sentation wurden auf den Kopf gestellt. Die Digitalisierung bedeutet Fluch und Segen, wobei der Fluch derzeit zu \u00fcberwiegen scheint. Aber das muss nicht so sein \u2026<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Sch\u00f6ne weite H\u00f6rwelt<\/strong><\/h3>\n<p>Musik wird \u00fcberwiegend zuhause und zunehmend per Streaming geh\u00f6rt. Durch die Pandemie gewann das audio-visuelle Streaming noch an Bedeutung, ohnehin popul\u00e4r durch youtube.<\/p>\n<p>Beim Audio-Streamen (insbesondere durch Spotify) hat der Konsument durch die anfallende \u2013 geringe \u2013 Geb\u00fchr das tr\u00fcgerische Gef\u00fchl, f\u00fcr die Musik zu zahlen. Viele, vor allem junge Menschen haben noch nie bzw. marginales Geld f\u00fcr Konzerte, Tontr\u00e4ger oder die Nutzung der Urheberechte ausgegeben. Heute sind Millionen von Titeln quasi kostenfrei verf\u00fcgbar und das \u2013 je nach Anbieter \u2013 in bester CD &#8211; Qualit\u00e4t. Downloads dagegen haben an Bedeutung verloren.<\/p>\n<h3><\/h3>\n<h3><strong>Fluch der Digitalisierung<\/strong><\/h3>\n<p>Die durchg\u00e4ngige Erfahrung der JazzmusikerInnen ist, dass die kommerziellen Streaming &#8211; Dienste wie Spotiy &amp; Co \u00a0so gut wie nichts zahlen. Eine Spotify \u2013 Aussch\u00fcttung betr\u00e4gt im Schnitt pro Stream ca 0,004 \u20ac (Apple music: 1 Cent), den sich das Label und MusikerIn aufteilen m\u00fcssen. \u00a0F\u00fcr viele Jazz- MusikerInnen ist somit durch den arg gesunkenen Tontr\u00e4gerverkauf ein monet\u00e4res Standbein weggebrochen. Die Plattenfirmen\/Label haben ebenfalls Probleme Produktionen zu unterst\u00fctzen, Auflagen von mehr als 500 St\u00fcck lohnen sich kaum noch, so die Einsch\u00e4tzung von Jeff Cascaro. <strong>Vadim Neselovskyi <\/strong>bedauert ebenfalls die Entwicklung: \u201e Heute ist die CD\/LP nur eine Visitenkarte, kaum eine Produktion amortisiert sich. Haupteinnahmequelle sind die Konzerte, auch durch GEMA, ASCAP etc. kommt was rein, wenn man bei Konzerten eigene St\u00fccke spielt bzw. die im Radio zu h\u00f6ren sind.\u201c<\/p>\n<p>Musikerinnen und Label beugen sich dem Marktdruck und stellen ihre Musik den Streamingdiensten zur Verf\u00fcgung, um \u00fcberhaupt noch pr\u00e4sent und im wwweb vorfindbar zu sein. Ob eine \u201eNischenmusik\u201c von einer nennenswerten Anzahl von H\u00f6rerInnen wahrgenommen wird, ist angesichts von 60.000 neuen Songs jeden Tag allerdings fraglich.<\/p>\n<p><strong>S<\/strong><strong>tephan-Max Wirth <\/strong>bem\u00e4ngelt zudem die z.T. undurchsichtigen Modalit\u00e4ten bei Spotify, &#8211; besonders problematisch ist auf jeden Fall der Auszahlungsmodus: \u201eWird nicht binnen einer bestimmten Zeit 15 \u20ac erreicht, flie\u00dft das \u201eAngesparte\u201c in den Gesamtetat. Somit wird wieder Mainstream gef\u00f6rdert, Spartenmusik wie Jazz (\u201eLongseller statt Bestseller\u201c) f\u00e4llt unter den Tisch\u201c. Spotify-Streaming wird auch erst ab 30 Sekunden gez\u00e4hlt, wodurch Intros deutlich k\u00fcrzer wurden.<\/p>\n<h3><\/h3>\n<h3><strong>Das Drama der Pandemie<\/strong><\/h3>\n<p>Seit April 2020 sorgte die Pandemie f\u00fcr die Beendigung bzw. Einschr\u00e4nkung \u00f6ffentlicher Auftritte, Unterrichtende konnten die eine oder andere Sch\u00fclerIn durch Online-Unterricht halten. Lichtblick: Seit Juni 2021 sind wieder Konzerte m\u00f6glich unter Einhaltung von Hygienekonzepten.<\/p>\n<p>Das Streamen von Konzerten erscheint als eine Option bzw. Notl\u00f6sung, um \u00fcberhaupt als MusikerIn oder Veranstalter Pr\u00e4senz im web zu zeigen. Aber letztlich sehnt sich jede MusikerIn, Veranstalter und Gast nach Livekonzerten, um mit allen Sinnen Musik machen und erleben zu k\u00f6nnen. Mittlerweile gibt es unterschiedlichste Konzepte im Bereich des audio-visuellen Streamings: Einige sind nur Live zu erleben \u2013 mit und ohne Bezahlung, mal als \u201epay as you want\u201c, andere werden nachfolgend ins Netz gestellt, andere sind live und nachfolgend nur tempor\u00e4r zu sehen. Dass MusikerInnen f\u00fcr einige Streaming Konzerte Gagen erhalten ist erfreulich; ob Konzert-Streaming nach der Pandemie eine wirkliche Bedeutung f\u00fcr die Alimentierung von MusikerInnen haben wird, ist ungewiss bis unwahrscheinlich.<\/p>\n<p>Der Eilantrag u.a. der Stargeigerin Anne-Sophie Mutter beim Bundesverfassungsgericht gegen die Corona-bedingten Schlie\u00dfungen kultureller Einrichtungen wurde erst k\u00fcrzlich abgewiesen. Denn, so die Begr\u00fcndung, es handele sich nicht um ein Berufsverbot f\u00fcr die K\u00fcnstler. Au\u00dferdem h\u00e4tten diese ja die M\u00f6glichkeit, ihre Musik \u00fcber Streaming anzubieten. Eine v\u00f6llig weltfremde Begr\u00fcndung, denn m\u00fcsste man um die 500.000 Streams pro Monat haben, um einige 100 Euro dann ausbezahlt zu bekommen. Streaming sei zwar eine wunderbare M\u00f6glichkeit, dem Publikum zu sagen, &#8218;Hallo, ich lebe noch&#8216;, doch &#8222;es ist absolut keine Einnahmequelle&#8220;. (ARD &#8211; Gespr\u00e4ch mit Anne-Sophie Mutter und Karl Lauterbach\/ 26.05.2021, Maischberger)<\/p>\n<h3><\/h3>\n<h3><strong>S<\/strong><strong>e<\/strong><strong>g<\/strong><strong>e<\/strong><strong>n und Chancen der Digitalisierung<\/strong><\/h3>\n<p>Als Chance f\u00fcr MusikerInnen sieht Jan Klare z.B. Band Camp: \u201eWas die Allermeisten jetzt benutzen, die sich selbst promoten, ist Band Camp. Man kann hier auch sehr viele Musik umsonst h\u00f6ren, aber die Musiker haben ihre Vermarktung in der Hand und die Provision, die die Plattform nimmt, ist \u00fcberschaubar.\u201c Viele Labels sind hier allerdings nicht pr\u00e4sent, da sie verst\u00e4ndlicherweise von einem download profitieren wollen bzw. m\u00fcssen, um zu \u00fcberleben.<\/p>\n<p>Als Teil der PR sind eine eigene website und socialmedia heutzutage kaum mehr wegzudenken. Die Flut der Emails sorgt bei den Veranstaltern allerdings f\u00fcr wenig Resonanz, &#8211; \u201etrotz toller (Vor-)produktion \/ Videos ist es unheimlich schwer, ein Bein auf die Erde zu bringen.\u201c so Schlagzeuger Christoph Haberer.<\/p>\n<p>G\u00e4ngig ist die Pr\u00e4senz auf Youtube, zum Teil mit einem eigenen Channel. Das Spektrum reicht von Konzertmitschnitten, Interviews bis hin zu Exkursen, p\u00e4dagogischen Tipps etc. Sehenswert, vor allem f\u00fcr Schlagzeuger, ist z.B. der drum channel von Bennie Mokross oder die Interviewreihe von Pablo Held (als Print in der Jazzthink). Youtube hat mittlerweile eine Vereinbarung mit der GEMA, die wiederum f\u00fcr JazzmusikerInnen &#8211; bei eigenem Repertoire \u2013 f\u00fcr marginale Aussch\u00fcttungen sorgt.<\/p>\n<p>Durch das mittlerweile problemlose Versenden\/downloaden von Musik sind neue kreative M\u00f6glichkeiten er\u00f6ffnet worden: Musiktracks k\u00f6nnen durch das Zugreifen auf Musikfiles durch die i.d.R. zeitversetzte Bearbeitung in weltweiter Zusammenarbeit kreiert werden. Generell hat die Digitalisierung der Musik es vielen MusikerInnen erm\u00f6glicht, sich ein homestudio einzurichten, da Soft- und Hardware erschwinglich wurden: Musik kann (vor-)produziert werden, Kompositionen und Arrangements k\u00f6nnen in kreativer Form entwickelt werden. Was das Promoten der eigenen Musik angeht, ist die Digitalisierung der Musik (bzw von Videos) ebenfalls hilfreich: Ohne gro\u00dfen Aufwand k\u00f6nnen sich Interessierte einen Eindruck von der Musik der jeweiligen K\u00fcnstlerInnen machen (Konzertbesucher-\/H\u00f6rer-Innen, Veranstalter, Presse, Tontr\u00e4gerk\u00e4uferInnen \u2026). Auch so manche Playlists bringen nachhaltige Entdeckungen zutage, &#8211; und das ohne monet\u00e4re Barrieren, &#8211; somit Kultur f\u00fcr alle.<\/p>\n<div class=\"tiled-gallery type-rectangular tiled-gallery-unresized\" data-original-width=\"840\" data-carousel-extra='{&quot;blog_id&quot;:1,&quot;permalink&quot;:&quot;https:\\\/\\\/www.jazzzeitung.de\\\/cms\\\/2021\\\/07\\\/digitalisierung-im-jazz-foerdermoeglichkeiten-jazz\\\/&quot;,&quot;likes_blog_id&quot;:55446655}' itemscope itemtype=\"http:\/\/schema.org\/ImageGallery\" > <div class=\"gallery-row\" style=\"width: 840px; height: 593px;\" data-original-width=\"840\" data-original-height=\"593\" > <div class=\"gallery-group images-1\" style=\"width: 397px; height: 593px;\" data-original-width=\"397\" data-original-height=\"593\" > <div class=\"tiled-gallery-item tiled-gallery-item-large\" itemprop=\"associatedMedia\" itemscope itemtype=\"http:\/\/schema.org\/ImageObject\"> <a href=\"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/2021\/07\/digitalisierung-im-jazz-foerdermoeglichkeiten-jazz\/dsc_1341\/\" border=\"0\" itemprop=\"url\"> <meta itemprop=\"width\" content=\"393\"> <meta itemprop=\"height\" content=\"589\"> <img decoding=\"async\" class=\"\" data-attachment-id=\"25167\" data-orig-file=\"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/DSC_1341-scaled.jpg\" data-orig-size=\"1707,2560\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;2.8&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;CUB&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;NIKON D700&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1494015599&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;C.U.B.&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;200&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;3200&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0.008&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}\" data-image-title=\"DSC_1341\" data-image-description=\"\" data-medium-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/DSC_1341-scaled.jpg?fit=200%2C300&#038;ssl=1\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/DSC_1341-scaled.jpg?fit=400%2C600&#038;ssl=1\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/DSC_1341-scaled.jpg?w=393&#038;h=589&#038;ssl=1\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/DSC_1341-scaled.jpg?w=1707&amp;ssl=1 1707w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/DSC_1341-scaled.jpg?resize=200%2C300&amp;ssl=1 200w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/DSC_1341-scaled.jpg?resize=400%2C600&amp;ssl=1 400w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/DSC_1341-scaled.jpg?resize=768%2C1152&amp;ssl=1 768w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/DSC_1341-scaled.jpg?resize=1024%2C1536&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/DSC_1341-scaled.jpg?resize=1365%2C2048&amp;ssl=1 1365w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/DSC_1341-scaled.jpg?resize=1320%2C1980&amp;ssl=1 1320w\" width=\"393\" height=\"589\" loading=\"lazy\" data-original-width=\"393\" data-original-height=\"589\" itemprop=\"http:\/\/schema.org\/image\" title=\"DSC_1341\" alt=\"Jan Klare. 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F\u00fcr alles, was aus Bildschirmen flackert, wollen die Menschen auch nichts zahlen, Musik wird doch schon seit vielen Jahren als nicht zu bezahlender Selbstbedienungsladen wahrgenommen, als ob es ein Grundrecht w\u00e4re, das man kostenlos nutzen darf, wie das atmen.\u201c<\/p>\n<p><strong>Ja<\/strong><strong>n Klare \u2013 <\/strong>Saxofonist\/Komponist:<\/p>\n<p>\u201eIch habe W\u00fchltische auf Band Camp eingerichtet \u2026 \u00a0&#8211; nat\u00fcrlich gezielt als Konsum Kritik gedacht. \u2026 Es ist eine interessante Frage, wie sich der Wert von Musik in dieser von Digitalisierung gepr\u00e4gten Zeit ver\u00e4ndert\/darstellen l\u00e4sst. Die Entwicklung l\u00e4sst sich nat\u00fcrlich nicht stoppen oder auch bremsen\u2026 Wir werden langsam Paradigmen Wechsel erleben. Ich finde es letztendlich spannend und es er\u00f6ffnet auch neue kreative Denkweisen; ich bin ja gottseidank nie vom Plattenverkauf abh\u00e4ngig gewesen.\u201c<\/p>\n<p><strong>Je<\/strong><strong>ff Cascaro<\/strong>, S\u00e4nger\/Trompeter\/Komponist\/Professor f\u00fcr Jazzgesang (4.5.21)<\/p>\n<p>Jeff Cascaro, S\u00e4nger im Bereich Jazz &amp; Soul, kann aufgrund seiner auch kommerziell erfolgreichen Karriere den Nutzen von Streaming anders bewerten als die meisten eher im Avantgarde Jazz agierenden MusikerInnen: \u201eIch habe einen Gemischtwarenladen mit Unterrichten, Spielen, Coaching.<\/p>\n<p>\u2026 . Leider wird der CD Verkauf immer bedeutungsloser, er ist in meinem Fall um ca.85% eingebrochen \u2026. Streamingdienste sind Fluch und Segen f\u00fcr die Musiker, allerdings immer noch viel zu schlecht bezahlt. Jedoch, wie in meinem Fall, wenn man im Millionenstream Bereich ist, erweitert man seine internationale Reichweite enorm . Durch die Pandemie habe ich im Moment 60-70000 monatliche H\u00f6rer mit Millionen von Streams. Einzig die Verg\u00fctung und die Qualit\u00e4t der Streams m\u00fcssten dringend optimiert werden. \u2026 Streaming, das ist Kapitalismus, in seiner pervertierten Form. Macht auch nicht vor uns Halt!\u201c<\/p>\n<p><strong>S<\/strong><strong>tephan-Max Wirth, Saxofonist <\/strong>(Interview 27.5.2021)<\/p>\n<p>Der Berliner Musiker nutzt zur Promotion MPN (Music Promotion Network mit ca 4000 Adressaten). Er sch\u00e4tzt allerdings nach wie vor die CDs, die er auf seinem eigenem Label selbst produziert. Von einer 1000er Auflage seiner CDs geht gut die H\u00e4lfte in die Promotion und Konzertakquise, ein Teil wird \u00fcber den Galileo vertrieben: Finanziell ein Nullsummenspiel, 1997 war wohl der CD \u2013 Peak, dann ging es bergab. Die CD ist immerhin Visitenkarte, etwas nachhaltiger bei Veranstaltern und Presse als die rein digitale Promotion. Die downloads seines Labelkatalogs brachten mal um die 200 \u20ac \/ Quartal. An der Digitalisierung sch\u00e4tzt er die Schnelligkeit und relative Unkompliziertheit der Kommunikation, insbesondere als eigener Booker und Labelchef. \u2026 SM Wirth lebt zu drei Vierteln von Konzerten, der Rest kommt \u00fcber die GEMA und durch Unterrichten rein. Wichtig bei den GEMA Einnahmen ist das Auff\u00fchren eigener St\u00fccke und Arrangements, auch durch Dritte.<\/p>\n<h3><\/h3>\n<h3><strong>Optionen der Konsumenten<\/strong><\/h3>\n<p>Die ehemalige Klarheit beim Musikkonsumieren ist offensichtlich schon lange obsolet: Bis in die 80\/90er Jahre kaufte man sich eine Konzert-\/Festival-Eintrittskarte oder LP\/CD\/Kassette und zahlte jeweils daf\u00fcr, um Musik h\u00f6ren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Konsequent w\u00e4re es f\u00fcr den Musikfan einen Weg zu finden, wie er seinen Musikkonsum in ein plausibles Verh\u00e4ltnis zur F\u00f6rderung\/Bezahlung der K\u00fcnstlerInnen setzt. Das kann durch den Kauf von Tontr\u00e4gern, direkte Unterst\u00fctzung von MusikerInnen und Veranstaltern bis hin zur ehrenamtlichen T\u00e4tigkeit f\u00fcr die Musik reichen. Neben der Un\u00fcbersichtlichkeit der M\u00f6glichkeiten ist vor allem die \u00dcberzeugungsarbeit hierf\u00fcr allerdings noch ein gro\u00dfes Hemmnis: die Denkweise, warum soll ich f\u00fcr etwas zahlen, was es (quasi) umsonst gibt, dominiert. Bisher ist es dem Gesetzgeber nicht gelungen ist, im Strudel der Diskussionen um ein \u201efreies Internet\u201c die Urheberrechte von K\u00fcnstlerInnen angemessen zu sch\u00fctzen.<\/p>\n<p>Offen ist, ob nach der Pandemie das Konzertgeschehen mit entsprechender Publikumsresonanz wieder anl\u00e4uft. Bleibt zu hoffen, dass das ehemalige und mitrei\u00dfende, z.T. G\u00e4nsehaut erzeugende Gef\u00fchl, bei einem einmaligen Event mit allen Sinnen anwesend zu sein, Antrieb genug ist, zu Konzerten zu gehen. Um der Diskussion um die Wertsch\u00e4tzung von Musik eine wichtige Dimension hinzuzuf\u00fcgen, sollte Mensch sich vergegenw\u00e4rtigen, welche Bedeutung Musik generell und vor allem f\u00fcr einen pers\u00f6nlich hat. DIE ZEIT brachte am 20.5.21 im Dossier das Titelthema \u201eWas nur Musik kann\u201c: Auch wenn man Abstand von der Idee nehmen muss, dass Musik eine universelle Sprache der Gef\u00fchle sei (abgesehen von Tanz- oder Wiegenliedern), so steht fest, dass Musik Menschen verbindet, Trost spendet, aufmuntert, Euphorie hervorruft, ja sogar antreibt, z.B. beim Sport. \u201eMusik ist, das belegen zahlreiche Studien, ein akustisches Dopingmittel. Mitunter wirkt es st\u00e4rker als Kokain.\u201c Musik &#8211; allgegenw\u00e4rtig im privaten und \u00f6ffentlichen R\u00e4umen, live bei Konzerten und pr\u00e4sent vor allem mittels Abspielger\u00e4ten, ist offensichtlich weit mehr als eine Option der Freizeitgestaltung: sie ist f\u00fcr viele ein akustischer Rahmen, in dem mensch sich tagt\u00e4glich bewegt, ein Medium, um ein Wohlf\u00fchlambiente herzustellen. Und das wird kontinuierlich mit neuen Tracks\/Alben bereichert und aufgefrischt, historische Sch\u00e4tze werden gehoben und zu Geh\u00f6r gebracht.<\/p>\n<p>Im Feuilleton der Ausgabe der ZEIT vom 20.5.21 wird das kommende Urheberrecht (als Anpassung an EU Recht) \u00e4u\u00dferst kritisch kommentiert. \u201eSchnipsel\u201c von 15 Sekunden (sog. \u201ePastiches\u201c) k\u00f6nnen demnach ohne Erlaubnis\/Verg\u00fctung der K\u00fcnstlerInnen genutzt werden, &#8211; die Autorenschaft wird nachrangig gesehen. Der Artikel schlie\u00dft mit \u2026 \u201eF\u00fcr alle, die ernsthaft Kunstwerke erschaffen, stellt dieser Kotau des Gesetzgebers vor dem Digitalkapitalismus nichts anderes als eine Dem\u00fctigung dar.\u201c<\/p>\n<p>Ein knappes Fazit k\u00f6nnte lauten: Die Digitalisierung im Jazz &#8211; und das Streaming im Besonderen &#8211; bieten tolle Optionen f\u00fcr MusikerInnen und H\u00f6rerInnen, aber die Bezahlmodelle sind ungerecht und verbesserungsbed\u00fcrftig.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Optionen der Unterst\u00fctzung:<\/strong><\/h3>\n<ul>\n<li>Konzertbesuch (mit Eintritt)<\/li>\n<li>Tontr\u00e4gerkauf ( &gt; am besten bei Konzerten)<\/li>\n<li>Virtual Tickets (f\u00fcr Streaming Konzerte)<\/li>\n<li>Download &#8211; Beitr\u00e4ge bei diversen Labels<\/li>\n<li>Ehrenamtliche Mitarbeit beim lokalen Jazzclub oder Kulturverein<\/li>\n<li>Nutzung von Band camp (Fair Trade Streaming \/ Fair Trade Musikpolitik)<\/li>\n<li>Spenden an Veranstalter und Initiativen<\/li>\n<li>Spenden an MusikerInnen\/Initiativen\/Jazzclubs<\/li>\n<li>Spende an #OhneMusikOhneMich, <a href=\"http:\/\/www.initiative-musik.de\/corona-hilfsprogramm\/\">www.initiative-musik.de\/corona-hilfsprogramm\/ <\/a>etc.<\/li>\n<li>GoFundMe (Crowdfunding-Kampagnen)<\/li>\n<li>u.v.a.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Text: G\u00fcnter Mai\u00df, <\/strong>Raumplaner\/Kulturmanager, Ehrenvorsitzender domicil Dortmund e.V. Herzlichen Dank an alle befragten MusikerInnen<\/p>\n<p>Alle Angaben ohne Gew\u00e4hr, Stand 24.6.21<\/p>\n<p><strong>Beitragsbild: Ansicht Domicil in Dortmund. Foto: Kurt Rade<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sp\u00e4testens mit Einf\u00fchrung der CD traf eine Digitalisierungswelle mit eklatanten Folgen auch die Jazzszene. Aufnahmetechniken, Distribution\/Vermarktung und Pr\u00e4sentation wurden auf den Kopf gestellt. Die Digitalisierung bedeutet Fluch und Segen, wobei der Fluch derzeit zu \u00fcberwiegen scheint. Aber das muss nicht so sein \u2026 &nbsp; Sch\u00f6ne weite H\u00f6rwelt Musik wird \u00fcberwiegend zuhause und zunehmend per Streaming geh\u00f6rt. Durch die Pandemie gewann das audio-visuelle Streaming noch an Bedeutung, ohnehin popul\u00e4r durch youtube. Beim Audio-Streamen (insbesondere durch Spotify) hat der Konsument durch die anfallende \u2013 geringe \u2013 Geb\u00fchr das tr\u00fcgerische Gef\u00fchl, f\u00fcr die Musik zu zahlen. 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