{"id":22876,"date":"2020-06-30T10:38:33","date_gmt":"2020-06-30T08:38:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/?p=22876"},"modified":"2020-06-29T11:39:49","modified_gmt":"2020-06-29T09:39:49","slug":"neues-aus-der-koelner-subway-kitchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/2020\/06\/neues-aus-der-koelner-subway-kitchen\/","title":{"rendered":"Neues aus der K\u00f6lner Subway Kitchen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Von Dietrich Schlegel. <\/strong>In einem eher finsteren Teil der Aachener Stra\u00dfe in K\u00f6ln geht es im Haus Nr. 82 eine steile Treppe hinunter in den mehr als f\u00fcnfzig Jahre bestehenden Club \u201eSubway\u201c, einst neben Disco-Betrieb auch ein viel frequentierter Jazz-Hotspot mit legend\u00e4ren Konzerten deutscher und internationaler Bands und Stars. Lange Jahre war in den eher engen Kellerr\u00e4umen kein Jazz mehr zu h\u00f6ren &#8211; bis 2013 eine Gruppe von befreundeten Jazzmusikern auf der Suche nach einer geeigneten Spielst\u00e4tte f\u00fcr zeitgen\u00f6ssischen Big Band Jazz die absolut schalldichten Gem\u00e4uer entdeckten. Seitdem pr\u00e4sentiert dort das Subway Jazz Orchestra SJO\/CGN jeden zweiten Mittwoch im Monat \u201ehandgemachte Big Band Musik\u201c. Die Band versteht sich als Musikerkollektiv, dessen Mitglieder sich aus gemeinsamen Jahren im Bundesjazzorchester, der K\u00f6lner Musikhochschule oder diversen Bands kennen. Mittlerweile sind alle in der h\u00f6chst lebendigen K\u00f6lner Jazzszene zu Hause. Wenn auch immer wieder interessante G\u00e4ste aus der nationalen und internationalen Szene mit oder vor der Band auftreten, so werden die Konzerte als Projekte doch vorwiegend von Komponisten und Arrangeuren aus den eigenen Reihen gestaltet.<\/p>\n<h3>Produktive Szene<\/h3>\n<p>Die Kreativit\u00e4t der Subway Jazzer ersch\u00f6pft sich nat\u00fcrlich nicht in der Arbeit mit ihrer Big Band. Einige von ihnen formieren eigene Bands, die sie \u2013 vor und zunehmend auch wieder trotz Corona \u2013 nicht nur in Konzerten und auf Festivals, sondern auch in sorgf\u00e4ltigen Studioaufnahmen pr\u00e4sentieren. Einige der neueren Produktionen, die auch als CDs erschienen sind, werden hier vorgestellt.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/cdawake.jpg?ssl=1\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"22878\" data-permalink=\"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/2020\/06\/neues-aus-der-koelner-subway-kitchen\/cdawake\/\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/cdawake.jpg?fit=1200%2C1080&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"1200,1080\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"cdawake\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/cdawake.jpg?fit=667%2C600&amp;ssl=1\" class=\"alignleft size-medium wp-image-22878\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/cdawake.jpg?resize=300%2C270&#038;ssl=1\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"270\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/cdawake.jpg?resize=300%2C270&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/cdawake.jpg?resize=667%2C600&amp;ssl=1 667w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/cdawake.jpg?resize=768%2C691&amp;ssl=1 768w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/cdawake.jpg?w=1200&amp;ssl=1 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Der Saxophonist Stefan Karl Schmid und der Gitarrist Philipp Br\u00e4mswig sind seit ihrer Zeit beim BuJazzO vor f\u00fcnfzehn Jahren in einer Art musikalischer Wahlverwandtschaft befreundet. Der in der Pfalz geb\u00fcrtige Schmid geh\u00f6rt zu den Gr\u00fcndern des SJO und seinem f\u00fcnfk\u00f6pfigen Leitungsteam. Der aus dem n\u00f6rdlichen Niedersachsen stammende Br\u00e4mswig ist der feste Gitarrist der Band. 2015 hatten sie als namenloses Quartett mit dem begehrten Duo Robert Landfermann (b) und Jonas Burgwinkel (dr) bei meta records die CD \u201eAnima\u201c ver\u00f6ffentlicht. F\u00fcr ihre Folge-CD \u201eAwake\u201c (2019 bei FLOAT Music) nennen sie ihr Quartett \u201eNiaque\u201c, was einerseits dem franz\u00f6sischen \u201eJ\u2019ai la niaque\u201c, etwa \u201eich packe es\u201c, andererseits dem auch auf dem Cover abgebildeten Niagarafall entlehnt ist. Einem Wasserfall \u00e4hnlich beginnen manche der St\u00fccke wie die gestauten ruhigen Wasser, bevor sie j\u00e4h brodelnd und tosend in die Tiefe st\u00fcrzen, um sich im Auslauf wieder zu beruhigen. F\u00fcnf Kompositionen steuerte Schmid, vier Br\u00e4mswig bei. Notierte und komponierte Teile halten sich die Waage.<\/p>\n<p>Beider Spiel greift faszinierend ineinander. Wenn Schmid auf Tenor oder Sopran soliert, begleitet ihn Br\u00e4mswig teils als Harmoniest\u00fctze, teils improvisiert er parallel. Br\u00e4mswigs Gibson, die er hier gegen seine sonst genutzte Stratocaster austauscht, klingt vollt\u00f6nend, in schnellen L\u00e4ufen Ton f\u00fcr Ton klar erkennbar, flie\u00dfend, aber nicht zer-flie\u00dfend. \u00c4hnliches trifft auf Schmids Spiel zu, sonor und warm auf dem Tenor, meditativ auf dem Sopran, und auf beiden expressiv und energetisch in den Niagara-haften Mittelteilen sowie im Opener \u201eAlarmstufe bunt\u201c und dem furiosen Rausschmei\u00dfer \u201eOdd Man Out\u201c. Zuverl\u00e4ssige Pulsgeber in den dynamischen Teilen und bewusster St\u00f6rfaktor, ehe es zu meditativ w\u00fcrde, sind am Bass David Helms (Jazzpreis der Stadt K\u00f6ln 2019) und der in der K\u00f6lner Szene viel besch\u00e4ftigte Fabian Arends an den Drums. \u00a0Das Quartett strahlt bei aller harmonischen und rhythmischen Komplexit\u00e4t eine gelassene Geschlossenheit und musikalische Reife aus.<\/p>\n<h3>Br\u00e4mswig und Schwengler<\/h3>\n<p>Auch aus der gemeinsamen Arbeit im Subway Jazz Orchestra kennen und vertrauen sich Philipp Br\u00e4mswig und der Trompeter Matthias Schwengler. Mit dem Bassisten Reza Askari hatten sie die CD \u201eSoulcrane\u201c\u00a0 (2016 bei FLOAT Music)\u00a0 herausgebracht, gefolgt von \u201eSoulcrane \u2013 Another Step We Take\u201c, mit dem irischen, l\u00e4ngst in der K\u00f6lner Szene etablierten Saxophonisten Matthew Halpin (2019 bei MONS Records). Br\u00e4mswig und Schwengler erg\u00e4nzen sich auch deswegen so gut, weil sie beide in sich musikalische Gegens\u00e4tze vereinbaren\u00a0 k\u00f6nnen. Der Gitarrist kommt urspr\u00fcnglich von Rock und Fusion. Die Laufbahn des Trompeters war von Big Bands gepr\u00e4gt, in denen er zumeist die Trumpet Section f\u00fchrte. Auch beim SJO ist er der gesetzte Lead Trompeter.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/cdschwengel.jpg?ssl=1\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"22882\" data-permalink=\"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/2020\/06\/neues-aus-der-koelner-subway-kitchen\/cdschwengel\/\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/cdschwengel.jpg?fit=522%2C522&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"522,522\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"cdschwengel\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/cdschwengel.jpg?fit=522%2C522&amp;ssl=1\" class=\"alignleft size-medium wp-image-22882\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/cdschwengel.jpg?resize=300%2C300&#038;ssl=1\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/cdschwengel.jpg?resize=300%2C300&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/cdschwengel.jpg?resize=150%2C150&amp;ssl=1 150w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/cdschwengel.jpg?w=522&amp;ssl=1 522w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Irgendwann kam bei Schwengler der Wunsch nach einer eigenen Band in kleinerer Besetzung auf. Mit einem 2013 gegr\u00fcndeten Sextett aus Weggef\u00e4hrten des Master-Studiengangs an der Folkwang Universit\u00e4t der K\u00fcnste (Markus Harm, saxes; Raphael Klemm, tb; Simon Seidl, p; Oliver Lutz, b; Thomas Sauerborn, dr) wurde endlich 2018 das \u00a0Album \u201eSchwengelbop\u201c als Teil des Master\u2019s Project \u201eJazz Performing Artist\u201c produziert und letztes Jahr auf dem Label der Folkwang ver\u00f6ffentlicht, mit sieben von Schwengler komponierten St\u00fccken, mal temporeich im Hard bop, mal balladesque oder mit Latin touch, h\u00f6chst origineller \u201eSchwengelbop\u201c eben. Auch demonstriert der Trompeter Schwengler hier seine brillante Technik und ideenreichen Improvisationen. Er studierte bei Kapazit\u00e4ten wie \u00a0Frederik K\u00f6ster und (klassisch) Thomas Meise in Osnabr\u00fcck, Jan Osthoff und Ruud Breuls in Amsterdam, Andy Haderer und Matthias Bergmann in K\u00f6ln sowie abschlie\u00dfend Ryan Carniaux in Essen. Vorbilder waren und sind Chat Baker, Clark Terry, Tom Harrell und Philip Dizack.<\/p>\n<p>Mit dem zwei Jahre nach dem Sextett gegr\u00fcndeten Trio \u201eSoulcrane\u201c schlug Schwengler bewusst den Weg zur noch kleineren Besetzung ohne Schlagzeug ein, um sich in kammermusikalischen Gefilden zu versuchen. Das ist ihm mit seinen gleich gestimmten Partnern Philipp Br\u00e4mswig und Reza Askari auf der ersten CD sogleich meisterlich gelungen: mit feinem Pinselstrich entstehen melodi\u00f6se, schwebende, impressive Klanggem\u00e4lde, von denen einige an Chet Bakers Trio mit Philipp Catherine gemahnen. Eine konsequente Fortf\u00fchrung stellt das zweite \u201eSoulcrane\u201c-Album \u201eAnother Step We Take\u201c dar, zugleich auch bei f\u00fcnf der neun Songs eine instrumentale Erweiterung durch Matthew Halpin, der sich mit seinem warmen, umf\u00e4nglichen Sound auf dem Tenor bruchlos einf\u00fcgt in die Philosophie des Trios. Auch hier teilen sich die Akteure in die Urheberschaft der Kompositionen.<\/p>\n<h3>Paradoxe Empfehlung<\/h3>\n<p>Eine scheinbar paradoxe Empfehlung: Der \u00fcberwiegend leisen Musik eine gewisse Lautst\u00e4rke zu g\u00f6nnen, um den vollen H\u00f6rgenuss zu erfahren, die Kunstfertigkeit der Kompositionen, die Sch\u00f6nheit der melodi\u00f6sen Themen zu genie\u00dfen, den Wohlklang der Akkorde und der virtuosen, klar akzentuierten L\u00e4ufe auf Br\u00e4mswigs Gitarre, die \u00fcberwiegend sanft gespielten, lang gezogenen Linien auf Halpins Saxophon und Schwenglers Trompete sowie vor allem (auf sechs der neun Titel) dem Fl\u00fcgelhorn. Un\u00fcberh\u00f6rbar als zuverl\u00e4ssiges rhythmisches Ger\u00fcst der Kontrabass Askaris, der seine Soli \u00e4u\u00dferst feinf\u00fchlig in das intime Klanggebilde einbringt.<\/p>\n<p>Matthias Schwengler, immer auf der Suche nach Neuem, schwebt bereits ein drittes \u201eSoulcrane\u201c-Album vor, diesmal mit Streichquartett. Er liebt Streicher. Eine seiner Lieblingsplatten ist \u201eClark After Dark\u201c, Clark Terry auf dem Fl\u00fcgelhorn vor dem von Nat Peck zusammengestellten, von Peter Herbolzheimer geleitetem gro\u00dfen Orchester, London 1977. F\u00fcrwahr ein gro\u00dfes Vorbild!<\/p>\n<h3>Trompeterin Heidi Bayer<\/h3>\n<p>Zur Trumpet Section des Subway Jazz Orchestra geh\u00f6rt auch Heidi Bayer, die im vergangenen Jahr von der jazzzeitung ausf\u00fchrlich vorgestellt wurde (<a href=\"http:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/2019\/07\/die-trompeterin-heidi-bayer-ein-portr\u00e4t\/\">www.jazzzeitung.de\/cms\/2019\/07\/die-trompeterin-heidi-bayer-ein-portr\u00e4t\/<\/a>&#8230;). Da hatte sie gerade ihre Band \u201eVirtual Leak\u201c gegr\u00fcndet, f\u00fcr die sie den Altsaxophonisten und Komponisten\/ Arrangeur Johannes Ludwig, einen der Mitgr\u00fcnder und Aktivposten des SJO, gewinnen konnte sowie f\u00fcr den Rhythmus zwei begabte Youngsters, den von Andr\u00e9 Nendza und Robert Landfermann ausgebildeten Bassisten Calvin Lennig und den Schlagzeuger Leif Berger, der u. a. bei Jonas Burgwinkel in K\u00f6ln studiert hat. Wie ideal dieses Quartett zusammenpasst, erwies sich nicht nur in vielen Live-Auftritten, sondern wird auch dokumentiert auf Heidi Bayers erster unter eigenem Namen produzierten und Anfang dieses Jahres ver\u00f6ffentlichte\u00a0 CD \u201eVirtual Leak\u201c (bei Tangible Music).<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/cdbayer.jpg?ssl=1\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"22883\" data-permalink=\"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/2020\/06\/neues-aus-der-koelner-subway-kitchen\/cdbayer\/\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/cdbayer.jpg?fit=500%2C500&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"500,500\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"cdbayer\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/cdbayer.jpg?fit=500%2C500&amp;ssl=1\" class=\"alignleft size-medium wp-image-22883\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/cdbayer.jpg?resize=300%2C300&#038;ssl=1\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/cdbayer.jpg?resize=300%2C300&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/cdbayer.jpg?resize=150%2C150&amp;ssl=1 150w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/cdbayer.jpg?w=500&amp;ssl=1 500w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Heidi Bayer, die bei Axel Schlosser und Frank Wellert in Mainz sowie letztlich noch bei Ryan Carniaux in Essen studierte, hatte lange \u00fcberlegt, ob sie dem Quartett ein Harmonieinstrument, Piano oder Gitarre, zuf\u00fcgen sollte, war dann aber durch ihre Mitwirkung am pianolosen JULI Quartetts des Saxophonisten Sven Decker zum Schluss gekommen, dass ihr eine reduzierte Besetzung andere kompositorische M\u00f6glichkeiten er\u00f6ffne.(<a href=\"http:\/\/www.jazzeitung.de\/cms\/2018\/11\/sven-deckers-juli-quartett-mit-lost-in-poll\/\">www.jazzeitung.de\/cms\/2018\/11\/sven-deckers-juli-quartett-mit-lost-in-poll\/\/<\/a>) Wie hervorragend ihr das gelingt, beweist sie auf diesem Album. Sieben der neun Titel stammen von ihr, zwei von Ludwig. Die geschriebenen S\u00e4tze f\u00fcr die Bl\u00e4ser klingen homogen und satt, mal synchron, mal zweistimmig. Sie f\u00fchren logisch in die an Einf\u00e4llen \u00fcberreichen Improvisationen, in Bayers glasklares Trompetenspiel oder das von ihr geliebte Fl\u00fcgelhorn (gelegentlich blitzt Kenny Wheeler auf) und in das von Ludwig mal sanft geschmeidig, mal in flirrenden, teils freejazzigen L\u00e4ufen gespielte Altsaxophon. Viel Raum bekommt auch der Bassist Lennig f\u00fcr seine melodi\u00f6sen Soli, w\u00e4hrend sich der leichth\u00e4ndig und filigran begleitende Berger sich &#8211; bis auf \u201eIt It Helps\u201c &#8211; solistisch eher zur\u00fcckh\u00e4lt, aber in idealer Abstimmung mit Lennig immer pr\u00e4sent ist. Die Abfolge ist abwechslungsreich ausbalanciert. Temporeiche St\u00fccke wie \u201eEifel Blues\u201c, \u201eHedwig\u2019s Flight\u201c oder \u201eHot Train\u201c kontrastieren mit melodi\u00f6s lyrischen Songs wie \u201eSomething Different\u201c oder Ludwigs \u201eShores\u201c.<\/p>\n<p>Zeitgleich mit \u201eVirtual Leak\u201c erschien Stefan Karl Schmids Album \u201ePyjama\u201c (bei Tangible Music), bemerkenswert allein schon wegen des Formats als Oktett, dessen Klangbild f\u00fcr ihn schon feststand, bevor er an die Besetzung dachte. Es sollte eine Gegen\u00fcberstellung des orchestralen Sounds einer Brass Section mit individuellen Improvisationen von Piano und Saxophon werden, ohne den Blechbl\u00e4sern eigene Soli vorzuenthalten. So entstand eine sensationell besetzte Small Big Band: mit dem Bastian Stein und wiederum Heidi Bayer an Trompete und Fl\u00fcgelhorn, der aus Australien nach K\u00f6ln \u00fcbersiedelten, vielseitigen und innovativen Posaunistin Shannon Barnett, Mattis Cederberg von der WDR Big Band an Bassposaune und Cimbasso (Ventilbassposaune) \u2013 allesamt ausgewiesene Satzspieler und zugleich hervorragende Solisten. Den improvisierenden Gegenpart zu den oft vierstimmigen Bl\u00e4sers\u00e4tzen bildet der international renommierte K\u00f6lner Pianist Pablo Held. Die aufmerksame, ingeni\u00f6s agierende, improvisationsfreudige, in schnellen St\u00fccken schier dampfende Rhythmusgruppe besteht aus David Helm am Bass und dem SJO-Schlagzeuger Thomas Sauerborn. Gewisserma\u00dfen \u00fcber allen schwebt als primus inter pares Stefan Karl Schmid, der Komponist aller neun Titel und \u00fcberragender Solist am Tenor (2013 Jazzpreis der Stadt K\u00f6ln).<\/p>\n<h3>Pyjama &#8211; Stefan Karl Schmid<\/h3>\n<p>Es ist ungew\u00f6hnlich im digitalen Zeitalter und umso lobenswerter, dass Schmid im Booklet ausf\u00fchrlich Einblick in die k\u00fcnstlerische Intention des Albums gibt und zu jedem der St\u00fccke Erl\u00e4uterungen verfasst hat &#8211; eine willkommene Handreichung f\u00fcr die Zuh\u00f6rer. Hier nur ein paar subjektive Erg\u00e4nzungen zu einigen der St\u00fccke. \u201eRise &amp; Shine\u201c entstand unter dem unmittelbaren Eindruck der ihn \u00fcberraschend emotional ber\u00fchrenden Geburt seiner Nichte, der er das St\u00fcck auch widmet, mit einem zarten, nein: z\u00e4rtlichen Intro durch Pablo Held und zwei einf\u00fchlsamen Soli durch Shannon Barnett und \u201eOnkel Stefan\u201c. \u201eCGN\u201c ist eine Hommage an K\u00f6ln, wo \u00a0Schmid nun schon elf Jahre lebt, fest verwurzelt in ihrer vielf\u00e4ltigen Jazz- und Kulturszene, die hier stimmig eingefangen wird, nicht zuletzt durch Thomas Sauerborns Energie geladenes Solo.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/cdschmid.jpg?ssl=1\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"22884\" data-permalink=\"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/2020\/06\/neues-aus-der-koelner-subway-kitchen\/cdschmid\/\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/cdschmid.jpg?fit=500%2C500&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"500,500\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"cdschmid\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/cdschmid.jpg?fit=500%2C500&amp;ssl=1\" class=\"alignleft size-medium wp-image-22884\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/cdschmid.jpg?resize=300%2C300&#038;ssl=1\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/cdschmid.jpg?resize=300%2C300&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/cdschmid.jpg?resize=150%2C150&amp;ssl=1 150w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/cdschmid.jpg?w=500&amp;ssl=1 500w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>\u201eAfter my sleeping\u201c, inspiriert von Max Ernsts gleichnamigen, 1958 in Paris entstandenen surrealen Gem\u00e4lde, f\u00e4ngt mit Schmids langem Solo die noch traumverhangene Stimmung des Erwachens an einem stillen Morgen ein, doch Heidi Bayers suggestives Solo auf dem Fl\u00fcgelhorn l\u00e4sst nachempfinden, wie die zunehmend heller werdenden Strahlen der aufgehenden Sonne den Schl\u00e4fer in den neuen Tag und seine Anforderungen rei\u00dfen. Schmid bekennt gern, dass er seine besten Ideen in den fr\u00fchen Morgenstunden noch im Pyjama (sic!) mit einem Becher Kaffee am Klavier entwickeln kann. So wurde ein Nachtgewand zum Titel der Band und der CD.<\/p>\n<p>\u201eSnillingur\u201c ist nicht Schmids erste Komposition, die er durch Eindr\u00fccke bei h\u00e4ufigen Besuchen auf Island, der Heimat seiner Mutter, gewonnen hat \u2013 hier ist es ein durch Soli von Schmid und Bastian Stein eingestimmtes, im Wechsel von Lyrismen und dynamischer Rhythmik gepr\u00e4gtes Landschaftsgem\u00e4lde. H\u00f6chst komplexe, anspruchsvolle Kompositionen stellen \u201eSleepwalking\u201c und \u201eDonny\u2019s Mode\u201c dar, mit faszinierenden Bl\u00e4sers\u00e4tzen und ebensolchen Improvisationen. Herausragend, wie sich die parallel improvisierenden Schmid und Held in \u201cSleepwalking\u201c umwinden und herausfordern. \u201ePoint of view\u201c\u00a0 bildet den Abschluss dieses in jeder Hinsicht \u00fcberzeugenden Albums ein kr\u00e4ftig gegen den Strich geb\u00fcrsteter Blues, der auch Shannon Barnett nochmals solistisch gl\u00e4nzen l\u00e4sst.<\/p>\n<h3>Janning Trumann<\/h3>\n<p>Das letzte Album dieser Plattenrevue aus dem Umfeld des Subway Jazz Orchestra wird von dem mit 31 Jahren\u00a0 j\u00fcngsten und zugleich umtriebigsten Gef\u00e4hrten der sich in den Drei\u00dfigern bewegenden Musikerschar verantwortet, von dem 2016 mit dem Internationalen J. J. Johnson Award ausgezeichneten Posaunisten und Komponisten Janning Trumann. Gerade erst am 21. Mai ver\u00f6ffentlichte er die CD \u201eEmotional Reality\u201c, und zwar auf Tangible Music, seinem eigenen, 2018 gegr\u00fcndeten Label, das \u2013 wie oben beschrieben &#8211; auch anderen, zumeist befreundeten Musikerinnen und Musikern offen steht. Trumann ist auch der initiative Mitgr\u00fcnder des SJO und Mitglied der Leitung der Band. Zudem sitzt er im Vorstand der K\u00f6lner Jazzkonferenz. Er ist auch der Hauptorganisator der unter Corona-Bedingungen open air stattfindenden \u201eJazz hinterm Haus\u201c-Konzerte des Club Subway.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/cdtrumann.jpg?ssl=1\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"22885\" data-permalink=\"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/2020\/06\/neues-aus-der-koelner-subway-kitchen\/cdtrumann\/\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/cdtrumann.jpg?fit=500%2C500&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"500,500\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"cdtrumann\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/cdtrumann.jpg?fit=500%2C500&amp;ssl=1\" class=\"alignleft size-medium wp-image-22885\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/cdtrumann.jpg?resize=300%2C300&#038;ssl=1\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/cdtrumann.jpg?resize=300%2C300&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/cdtrumann.jpg?resize=150%2C150&amp;ssl=1 150w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/cdtrumann.jpg?w=500&amp;ssl=1 500w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Der aus der L\u00fcneburger Heide stammende Janning Trumann hatte sich als F\u00fcnfzehnj\u00e4hriger f\u00fcr die Posaune entschieden und noch vor dem Abitur bei Nils Landgren in Hamburg studieren k\u00f6nnen. Nach Abschluss seines Posaunen- und Kompositionsstudiums an der K\u00f6lner Musikhochschule ging er als DAAD-Stipendiat f\u00fcr zwei Jahre an die New York University und tauchte neben seinem Studium in die lokale Jazzszene ein. Dort lernte er auch den K\u00f6lner, seit 1995 in NYC lebenden Schlagzeuger Jochen R\u00fcckert kennen und traf zudem seinen Schulfreund, den Vibraphonisten Dierk Peters, wieder, der an derselben Uni studierte. Daraus entstand, erg\u00e4nzt durch den NYU-Dozenten Drew Gress am Bass, Trumanns New York Band, mit der er die von der US-Fachpresse\u00a0 gew\u00fcrdigte CD \u201eBe Here, Gone &amp; Nowhere\u201c produzierte und dann eine Konzerttour durch Deutschland unternahm. Zum Tourneeabschluss, im Oktober 2018, wurden im K\u00f6lner LOFT acht Kompositionen Trumanns aufgenommen, die sich jetzt auf der neuen CD \u201eEmotional Reality\u201c finden.<\/p>\n<p>Zu dem Quartett hatte sich eine gewichtige Stimme hinzugesellt: Simon Nabatov, der in Moskau geborene, in den USA aufgewachsene und dort zum Jazzmusiker gereifte, seit 1989 in K\u00f6ln lebende Ausnahmepianist enzyklop\u00e4dischen Ausma\u00dfes. Mit einem hinrei\u00dfenden Solo \u2013 perlende Rechte, h\u00e4mmernde Linke \u2013 behauptet er seinen Platz in dieser energetischen Band gleich im ersten St\u00fcck \u201eReal\u201c, das von Trumann und R\u00fcckert mit einem ansatzlosen, fast rabiaten Einstieg er\u00f6ffnet wird.<\/p>\n<p>Ehe es mit dieser Kennung weitergeht, werden jedoch erst einmal zwei G\u00e4nge zur\u00fcckgeschaltet, zu zwei sachten, melodi\u00f6sen Kompositionen, \u201eDetached\u201c und \u201eSanctuary\u201c, \u00a0f\u00fcr das diesmal noch pianolose Quartett. Daf\u00fcr gl\u00e4nzt Peters, der in der Massivit\u00e4t des Openers fast unterging, mit luziden\u00a0 Vibraphon-Soli, w\u00e4hrend Drew Gress ein fein akzentuiertes Bass-Solo beisteuert. Und Trumann, der sonst einen kr\u00e4ftigen, seiner energiegeladenen Spielweise entsprechend angerauten Ton bevorzugt, gibt sich hier ganz weich, langt aber mitten drin \u00a0wieder zu, als ob er gegen eine aufkommende Gef\u00fchligkeit rebellieren m\u00fcsse.<\/p>\n<p>In der Tat atmet auch der Zuh\u00f6rer auf beim sich anschlie\u00dfenden kompakten d in \u201ePermanent Proposal\u201c, einem swingenden Parforceritt mit fulminanten Soli aller f\u00fcnf Bandmitglieder. Im folgenden \u201eImpelled\u201c gl\u00e4nzt wiederum Nabatov mit seiner unglaublich gel\u00e4ufigen Rechten und der perkussiven Linken. Anders als Stefan Karl Schmids \u201eCGN\u201c ist Trumanns \u201eK\u00f6lln\u201c nicht eigentlich eine Hommage an seine Wahlheimat, sondern eher eine Reflexion in der Ferne dar\u00fcber, was ihm diese Stadt, in die er wieder zur\u00fcckkehren wird, eigentlich bedeutet \u2013 was wiederum der Zuh\u00f6rer kaum deuten kann, wenn er das live im LOFT aufgenommene Klanggebilde aus kontemplativen Improvisationen, so im Posaunen-Vibraphon-Duett, und freien, von wachsender Dynamik und Energie gespeisten Passagen auf sich wirken l\u00e4sst.<\/p>\n<h3>Silence<\/h3>\n<p>Gleichen Charakters ist das ebenfalls live aufgenommene \u201eAlarme\u201c, das stellenweise noch eine Spur \u201echaotischer\u201c wirkt. Danach k\u00f6nnte es gern wieder etwas geruhsamer zugehen. Das verspricht der Schlusstitel \u201eSilence\u201c, beginnend mit einem das Versprechen einl\u00f6senden Vibraphon-Solo, und auch Trumann gibt sich ganz sanft mit weichem Ansatz. Aber das h\u00e4lt er nicht lange aus, der Ton wird wieder rauer. Die Ruh\u2018 ist hin. Die ganze Band vereint sich gewisserma\u00dfen in einem tumultuarischen Ausbruch aus der Stille der L\u00fcneburger Heide, in die sich Trumann gern zum Meditieren und Komponieren zur\u00fcckzieht, in die l\u00e4rmende Welt dort drau\u00dfen. Doch ein Z\u00f6gern und Zagen f\u00fchrt nochmal zur\u00fcck in die beschauliche Ruhe. Die Musik Janning Trumanns k\u00f6nnte als Spiegelbild einer Pers\u00f6nlichkeit gedeutet werden, die sich wider Willen schwankend oder bewusst pendelnd zwischen energischem Zupacken und reflektierender Nachdenklichkeit bewegt. \u00dcber solcherlei Interpretationsversuche hinaus aber haben wir mit \u201eEmotional Reality\u201c ein weiteres \u00fcberzeugendes Werk zeitgen\u00f6ssischen Jazz, wie er vom \u00a0K\u00f6lner Subway Jazz Orchestra und seinem Umfeld gelebt wird (<a href=\"http:\/\/www.jazz-im-subway.com\">www.jazz-im-subway.com<\/a>).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Beitragsbild: \u00a9 Annamarie Ursula \/\u00a0<a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/3.0\/deed.de\" rel=\"nofollow\">CC BY-SA 3.0<\/a>\u00a0(via Wikimedia Commons)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Dietrich Schlegel. In einem eher finsteren Teil der Aachener Stra\u00dfe in K\u00f6ln geht es im Haus Nr. 82 eine steile Treppe hinunter in den mehr als f\u00fcnfzig Jahre bestehenden Club \u201eSubway\u201c, einst neben Disco-Betrieb auch ein viel frequentierter Jazz-Hotspot mit legend\u00e4ren Konzerten deutscher und internationaler Bands und Stars. Lange Jahre war in den eher engen Kellerr\u00e4umen kein Jazz mehr zu h\u00f6ren &#8211; bis 2013 eine Gruppe von befreundeten Jazzmusikern auf der Suche nach einer geeigneten Spielst\u00e4tte f\u00fcr zeitgen\u00f6ssischen Big Band Jazz die absolut schalldichten Gem\u00e4uer entdeckten. Seitdem pr\u00e4sentiert dort das Subway Jazz Orchestra SJO\/CGN jeden zweiten Mittwoch im Monat \u201ehandgemachte Big Band Musik\u201c. Die Band versteht sich als Musikerkollektiv, dessen Mitglieder sich aus gemeinsamen Jahren im Bundesjazzorchester, der K\u00f6lner Musikhochschule oder diversen Bands kennen. 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