{"id":20177,"date":"2019-07-28T10:36:03","date_gmt":"2019-07-28T08:36:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/?p=20177"},"modified":"2019-07-23T10:48:25","modified_gmt":"2019-07-23T08:48:25","slug":"die-trompeterin-heidi-bayer-ein-portraet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/2019\/07\/die-trompeterin-heidi-bayer-ein-portraet\/","title":{"rendered":"Die Trompeterin Heidi Bayer \u2013 ein Portr\u00e4t"},"content":{"rendered":"<p><strong>\u201eEs macht mir einfach keinen Spa\u00df, andere nachzuspielen\u201c &#8211;\u00a0Sie hat sich als feste Gr\u00f6\u00dfe in der K\u00f6lner Jazzszene und vielerorts in Deutschland etabliert. Sie spielt gleicherma\u00dfen gern in Bigbands wie in kleinen Formationen, seien es die von Kollegen oder in ihrer eigenen Band. Sie beherrscht ihre Instrumente Trompete und Fl\u00fcgelhorn meisterhaft. Sie liebt Jazz und interpretiert ihn auf ihre ganz eigene Art. Sie hat in beeindruckender Weise ihren Weg aus dem fr\u00e4nkischen Kulmbach, wo sie 1987 geboren wurde, \u00fcber Studien in Marburg, Mainz und Miami bis in die vitale rheinische Szene zur\u00fcckgelegt \u2013 die Jazzmusikerin Heidi Bayer.<\/strong><\/p>\n<p>Im Gespr\u00e4ch erweist sie sich als zugewandte, ernsthafte als auch humorvolle und lebensfrohe junge Frau. Ihr Curriculum Vitae k\u00f6nnte als Vorbild gelten f\u00fcr junge Jazzmusikerinnen, die fest an sich glauben, unentwegt an sich arbeiten, um sich in der noch immer m\u00e4nnlich dominierten Jazzwelt zu behaupten und sich schlie\u00dflich eine Existenz als\u00a0 professionelle Musikerin aufzubauen. Dabei wurde sie, wie sie nicht m\u00fcde wird, dankbar zu betonen, w\u00e4hrend ihrer musikalischen Ausbildung stets von ihren Eltern unterst\u00fctzt. Das war nicht selbstverst\u00e4ndlich, denn sie und ihr \u00e4lterer Bruder wuchsen keineswegs in einem \u2013 wie es landl\u00e4ufig gern hei\u00dft &#8211; \u201emusikalischen Elternhaus\u201c auf. Aber die Eltern &#8211; der Vater stammt als Donaudeutscher aus dem Banat, die Mutter aus Oberschlesien \u2013 wollten als Zugewanderte ihren Kindern all das erm\u00f6glichen, was den einheimischen Spr\u00f6sslingen auch geboten wurde, also eine musikalische Fr\u00fcherziehung, zeitigen Musikunterricht, f\u00fcr beide ein Keyboard. In der 3. Klasse, mit neun Jahren, hat Heidi dann mit Klarinettenunterricht begonnen.<\/p>\n<p><em>\u201eEigentlich wollte ich Oboe lernen, weil die mir in \u201aPeter und der Wolf\u2018 so gut gefallen hat. An der Musikschule hie\u00df es aber: \u201aOboe haben wir nicht, dann nimm doch Klarinette, das ist doch das Gleiche.\u2018 \u00a0So hat mich meine Mutter eben f\u00fcr Klarinette angemeldet.\u201c<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/IMG_7983.jpg?ssl=1\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"20187\" data-permalink=\"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/2019\/07\/die-trompeterin-heidi-bayer-ein-portraet\/img_7983\/\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/IMG_7983.jpg?fit=5184%2C3456&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"5184,3456\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;5&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;Canon EOS 7D&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1492703342&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;50&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;400&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0.004&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}\" data-image-title=\"IMG_7983\" data-image-description=\"&lt;p&gt;Foto: Franka Hils&lt;\/p&gt;\n\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/IMG_7983.jpg?fit=840%2C560&amp;ssl=1\" class=\"aligncenter size-full wp-image-20187\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/IMG_7983.jpg?resize=840%2C560&#038;ssl=1\" alt=\"\" width=\"840\" height=\"560\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/IMG_7983.jpg?w=5184&amp;ssl=1 5184w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/IMG_7983.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/IMG_7983.jpg?resize=768%2C512&amp;ssl=1 768w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/IMG_7983.jpg?resize=900%2C600&amp;ssl=1 900w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/IMG_7983.jpg?resize=120%2C80&amp;ssl=1 120w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/IMG_7983.jpg?resize=1320%2C880&amp;ssl=1 1320w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/IMG_7983.jpg?w=1680&amp;ssl=1 1680w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/IMG_7983.jpg?w=2520&amp;ssl=1 2520w\" sizes=\"auto, (max-width: 840px) 100vw, 840px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bis zur 8. Klasse, f\u00fcnf lange Jahre, erhielt Heidi gr\u00fcndlichen Unterricht in klassischer Klarinette mit Notenmaterial aus dem 19. Jahrhundert, bei immer dem gleichen Lehrer, einem sehr strengen und konservativen Herrn aus Polen, der ihr dann schlie\u00dflich doch <em>\u201ezu streng\u201c<\/em> wurde. Wieder war die Mutter mit viel Verst\u00e4ndnis zur Stelle, suchte einen anderen Klarinettenlehrer, was an der kleinen Musikschule nicht so einfach war, aber mit ihm \u00f6ffnete sich bereits ein kleiner Spalt zum Jazz.<\/p>\n<p><em>\u201eDer neue Lehrer, Thomas Schimmel, war eigentlich Jazzpianist, der im Nebenfach Klarinette und Saxophon studierte hatte. Diesem Thomas Schimmel habe ich viel zu verdanken, ein perfekter Grundlagenlehrer, didaktisch hervorragend.\u201c<\/em><\/p>\n<p>So zeigt Heidi ihre Hochachtung vor diesem Lehrer, der ihr die T\u00fcr zum Jazz noch weiter aufsto\u00dfen sollte. Vorerst war der klassische Klarinettenunterricht bei Thomas Schimmel noch weiter gef\u00fchrt worden, bis immerhin zum Bayerischen Leistungsabzeichen in Silber. Dann aber fragte er Heidi, ob sie nicht Lust habe, \u201emal was mit Jazz zu machen\u201c.<\/p>\n<p><em>\u201eUnd dann ging\u2019s halt los, mit Improvisation, mit Jazzet\u00fcden, und das hat mir so viel Spa\u00df gemacht, dass ich ge\u00fcbt habe wie eine Wahnsinnige. Das war wie eine Befreiung.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Nach weiteren zwei Jahren riet ihr Thomas Schimmel zu einem zweiten Instrument, um in der Musikschul-Bigband Fu\u00df fassen zu k\u00f6nnen. Es lag nahe, dass er ihr Saxophon vorschlug. Aber in der Schulbigband, in der sie mit der Klarinette auch schon die Trompetenstimme \u201emitgehupt\u201c hatte, sa\u00dfen schon gen\u00fcgend Saxophonisten, aber nur je zwei Trompeten und Posaunen:<\/p>\n<p><em>\u201e\u2026und da dachte ich, versuch\u2019s mal mit Trompete &#8211; bei den Trompetern hatte ich mich immer wohlgef\u00fchlt, hatte auch Lust, etwas ganz Neues zu lernen und nicht nur eine von gef\u00fchlt dreizehn Saxophonisten zu sein. Und so begann ich mit 17 Jahren, Trompete zu lernen. Der Unterricht bei Thomas lief weiter, aber meine Eltern haben mir noch zus\u00e4tzlich den Unterricht bei einem klassischen Trompetenlehrer, Harald Streit, an der gleichen Musikschule, erm\u00f6glicht. Sp\u00e4ter kam dann f\u00fcr kurze Zeit Sebastian Strempel in Bamberg hinzu, ein toller Jazztrompeter, bei dem ich dann bis zum Abi Jazz-Trompete lernte, so dass parallel beides lief.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Nach dem Abitur stand Heidi Bayer wie so viele Abiturienten vor der Frage: Was mache ich nun? Wie geht es weiter? Am liebsten h\u00e4tte sie Musik studiert, aber obwohl sie mittlerweile drei Jahre Trompete gespielt hat, Mitglied im Bayerischen Landesjugendjazzorchester war und auch in der Schul-Bigband die dritte oder vierte Trompete st\u00e4ndig mit ihr besetzt war, f\u00fchlte sie sich f\u00fcr eine Aufnahmepr\u00fcfung an einer Musikhochschule noch nicht gut genug. So entschloss sie sich f\u00fcr ein Studium der Kulturwissenschaften an der Universit\u00e4t Marburg. Warum gerade Marburg?<\/p>\n<p><em>\u201eWeil es dort einen speziellen Studiengang namens \u201aKunst, Musik und Medienorganisation\u2018 gab und ich mir dachte, da ist von allem was dabei, was mich interessierte, das kann so falsch nicht sein. Ich bereue auch nicht, dass ich das gemacht habe, denn es hat mir viel gebracht: wissenschaftliches Arbeiten, Sicherheit beim Verfassen von Texten, Einblicke ins Kulturmanagement, die Konzeption von Ausstellungen, die Organisation von Konzerten, Buchung von K\u00fcnstlern\u2026\u201c<\/em><\/p>\n<div class=\"tiled-gallery type-rectangular tiled-gallery-unresized\" data-original-width=\"840\" data-carousel-extra='{&quot;blog_id&quot;:1,&quot;permalink&quot;:&quot;https:\\\/\\\/www.jazzzeitung.de\\\/cms\\\/2019\\\/07\\\/die-trompeterin-heidi-bayer-ein-portraet\\\/&quot;,&quot;likes_blog_id&quot;:55446655}' itemscope itemtype=\"http:\/\/schema.org\/ImageGallery\" > <div class=\"gallery-row\" style=\"width: 840px; height: 388px;\" data-original-width=\"840\" data-original-height=\"388\" > <div class=\"gallery-group images-1\" style=\"width: 260px; height: 388px;\" data-original-width=\"260\" data-original-height=\"388\" > <div class=\"tiled-gallery-item tiled-gallery-item-large\" itemprop=\"associatedMedia\" itemscope itemtype=\"http:\/\/schema.org\/ImageObject\"> <a href=\"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/2019\/07\/die-trompeterin-heidi-bayer-ein-portraet\/img_7993\/\" border=\"0\" itemprop=\"url\"> <meta itemprop=\"width\" content=\"256\"> <meta itemprop=\"height\" content=\"384\"> <img decoding=\"async\" class=\"\" data-attachment-id=\"20188\" data-orig-file=\"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/IMG_7993.jpg\" data-orig-size=\"3456,5184\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;5&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;Canon EOS 7D&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1492703378&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;50&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;400&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0.003125&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}\" data-image-title=\"IMG_7993\" data-image-description=\"\" data-medium-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/IMG_7993.jpg?fit=200%2C300&#038;ssl=1\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/IMG_7993.jpg?fit=400%2C600&#038;ssl=1\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/IMG_7993.jpg?w=256&#038;h=384&#038;ssl=1\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/IMG_7993.jpg?w=3456&amp;ssl=1 3456w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/IMG_7993.jpg?resize=200%2C300&amp;ssl=1 200w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/IMG_7993.jpg?resize=768%2C1152&amp;ssl=1 768w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/IMG_7993.jpg?resize=400%2C600&amp;ssl=1 400w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/IMG_7993.jpg?resize=1320%2C1980&amp;ssl=1 1320w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/IMG_7993.jpg?w=1680&amp;ssl=1 1680w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/IMG_7993.jpg?w=2520&amp;ssl=1 2520w\" width=\"256\" height=\"384\" loading=\"lazy\" data-original-width=\"256\" data-original-height=\"384\" itemprop=\"http:\/\/schema.org\/image\" title=\"IMG_7993\" alt=\"Foto: Franka Hils\" style=\"width: 256px; 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Aber bald wollte sie mehr, wollte noch besser werden mit der Trompete und zunehmend auch dem Fl\u00fcgelhorn. Die Freunde aus der Studenten-Bigband dr\u00e4ngten sie: \u201eDu musst zu Axel Schlosser an die Uni Mainz gehen\u201c, den kannten sie alle von der HR Big Band. Sie nahm eine Stunde bei ihm und bestand kurze Zeit sp\u00e4ter erfolgreich die Aufnahmepr\u00fcfung. Und so studierte sie noch volle vier Jahre in Mainz und schloss mit dem Bachelor of Music ab, hatte somit zwei voneinander unabh\u00e4ngige Studienabschl\u00fcsse absolviert. Zum Studium bei Axel Schlosser kamen sp\u00e4ter auch noch Stunden bei Frank Wellert hinzu, der ebenfalls an der Hochschule f\u00fcr Musik in Mainz unterrichtete.<\/p>\n<p><em>\u201eBei beiden, bei Axel und Frank, habe ich unheimlich viel und doch auch Unterschiedliches gelernt. Beide sind ja gro\u00dfartige Techniker, wobei Axels Hauptaugenmerk auf der Improvisation lag und Frank die technischen Aspekte des Trompetenspiels beleuchtete. Letzterer hat mir bei meinen Ansatzproblemen enorm geholfen. Noch heute arbeite ich weiter nach der bei ihm gelernten Methodik.\u201c<\/em><\/p>\n<p>W\u00e4hrend ihres Studiums in Mainz gab es noch einen weiteren wichtigen Lehrer: Karsten Gorzel in Freiburg, einen \u201eehemaligen\u201c Saxophonisten, der sich im Laufe der Zeit aufs Arrangieren und Komponieren konzentriert hatte und bei dem die stets wissbegierige Heidi einmal im Monat Unterricht nahm.<\/p>\n<p><em>\u201eBei Karsten ging es nicht darum, wie klingst du nach diesem oder jenem ber\u00fchmten oder angesagten Star, sondern wie kannst du gut \u00fcben, ohne jemanden 1:1 zu kopieren. Wie kannst du es schaffen, bei deinem Spiel immer du selbst zu bleiben und deine eigenen Linien finden. Diese grundlegenden Dinge haben mir sehr geholfen und viel bedeutet.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Bewusst wurde ihr das auch, als Heidi im letzten Studienjahr im Rahmen einer Kooperation zwischen den Hochschulen noch ein Semester in Miami verbrachte. Die Studien bei ihrem dortigen Trompetenlehrer Brian Lynch erwiesen sich \u2013 wenn auch ganz anders als erwartet &#8211; als zielf\u00fchrend f\u00fcr ihre weitere Entwicklung.<\/p>\n<p><em>\u201eBrian Lynch ist zweifelsohne ein brillanter Spieler, technisch auf hohem Level und beeindruckend als Improvisator. Jedoch bestand der Gro\u00dfteil seines Unterrichts aus dem Ein\u00fcben von Licks\u00a0 &#8211; also aus dem Auswendiglernen und Nachspielen bestimmter jazzhistorisch relevanter Phrasen ber\u00fchmter Jazzmusiker. Das hat mich aber gar nicht interessiert. Ich will nicht klingen wie tausend andere oder wie eine Mischung aus vielen. Es macht mir einfach keinen Spa\u00df, andere nachzuspielen. Ich habe es fast schon gehasst, wenn das von mir verlangt wurde. Im Nachhinein war es trotzdem gut und wichtig, es gemacht zu haben, weil ich daraus ableiten konnte, was ich eigentlich will und was ich\u00a0 nicht will.\u201c<\/em><\/p>\n<figure id=\"attachment_20184\" aria-describedby=\"caption-attachment-20184\" style=\"width: 5285px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/DSC6567-Bearbeitet.jpg?ssl=1\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"20184\" data-permalink=\"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/2019\/07\/die-trompeterin-heidi-bayer-ein-portraet\/_dsc6567-bearbeitet\/\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/DSC6567-Bearbeitet.jpg?fit=5285%2C3528&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"5285,3528\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;NINETTE NIEMEYER&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1525698690&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;Copyright @ NINETTE NIEMEYER&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}\" data-image-title=\"_DSC6567-Bearbeitet\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"&lt;p&gt;Foto: Ninette Niemeyer&lt;\/p&gt;\n\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/DSC6567-Bearbeitet.jpg?fit=840%2C560&amp;ssl=1\" class=\"size-full wp-image-20184\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/DSC6567-Bearbeitet.jpg?resize=840%2C561&#038;ssl=1\" alt=\"\" width=\"840\" height=\"561\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/DSC6567-Bearbeitet.jpg?w=5285&amp;ssl=1 5285w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/DSC6567-Bearbeitet.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/DSC6567-Bearbeitet.jpg?resize=768%2C513&amp;ssl=1 768w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/DSC6567-Bearbeitet.jpg?resize=900%2C600&amp;ssl=1 900w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/DSC6567-Bearbeitet.jpg?resize=120%2C80&amp;ssl=1 120w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/DSC6567-Bearbeitet.jpg?resize=1320%2C881&amp;ssl=1 1320w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/DSC6567-Bearbeitet.jpg?w=1680&amp;ssl=1 1680w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/DSC6567-Bearbeitet.jpg?w=2520&amp;ssl=1 2520w\" sizes=\"auto, (max-width: 840px) 100vw, 840px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-20184\" class=\"wp-caption-text\">Foto: Ninette Niemeyer<\/figcaption><\/figure>\n<p>Dieses selbstbewusste, fast schon trotzige Statement kennzeichnet \u00a0den Weg zu ihrem eigenen Stil auf Trompete und Fl\u00fcgelhorn.<\/p>\n<p><em>\u201eDass ich solchen Anforderungen nur mit Widerwillen gefolgt bin, hat wohl dazu gef\u00fchrt, dass ich daraus meiner Art zu spielen n\u00e4her gekommen bin, dass sie einfach aus dieser Abwehrhaltung nach und nach entstanden ist. Ich hatte ja nicht eigentlich danach gesucht. Nat\u00fcrlich hatte ich auch Vorbilder. Meine erste Platte war von Chet Baker \u201aEasy To Love\u2018 (lacht). Dann kam Kenny Wheeler, den ich sehr, sehr toll fand. Und den ich rauf und runter geh\u00f6rt habe. Er hat mich auch beeinflusst, aber nicht so stark, dass ich mich nicht davon freimachen k\u00f6nnte und ihn einfach nachspielte. Ich mag sein Spiel einfach gern, weil er sehr tiefgehend und melodi\u00f6s ist, und ich mag Melodien.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Auf Kenny Wheelers Einfluss k\u00f6nnte Heidis Liebe, wenn nicht\u00a0 Vorliebe zum Fl\u00fcgelhorn zur\u00fcckzuf\u00fchren sein. Sie erkl\u00e4rt das technisch durch die sich von der Trompete unterscheidende konische Bauweise des Fl\u00fcgelhorns, die eine leichtere, melodischen Passagen besser entsprechende warme Tongestaltung erm\u00f6glicht. Der Saxophonist, Komponist und Bandleader Sven Decker, der f\u00fcr sein \u201eJULI Quartett\u201c \u00a0(CD \u201eLost in Poll\u201c, Green Deer Music) die zweite Bl\u00e4serposition bewusst mit Heidi Bayer besetzt hat (zu Conrad Noll, b, und Jo Beyer, dr), findet sie nicht nur <em>\u201esehr sympathisch, bodenst\u00e4ndig, witzig und engagiert\u201c,<\/em> sondern sch\u00e4tzt sie vor allem als professionelle Kollegin:<\/p>\n<p><em>\u201eIhr Trompetenspiel ist zun\u00e4chst einmal gepr\u00e4gt von einem unglaublich sch\u00f6nen und breiten warmen Sound, obertonreich und klar in allen Registern. Gepaart mit diesem warmen, ausgewogenen Sound an Trompete und Fl\u00fcgelhorn ist ihr ideenreiches und klischeefreies Spiel im Improvisationskontext. Sie bedient sich keiner\u00a0 Licks aus der Jazzhistorie, sondern bewegt sich immer authentisch am Puls der Zeit und entwickelt ganz eigene Melodien und harmonische R\u00fcckungen. F\u00fcr mich hat sie bereits jetzt einen unverwechselbaren Sound und Improvisationsansatz entwickelt. Oft sind ungew\u00f6hnlichere Intervallik und ein eben solches vertikales Melodiekonstrukt die Folge, was ich als sehr spannend und erfrischend empfinde. Au\u00dferdem hat Heidi eine unglaublich gute Time und liest extrem gut Noten vom Blatt weg.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Auch der Keyborder Thomas Bracht, der unl\u00e4ngst f\u00fcr ein Live Recording Konzert im K\u00f6lner LOFT sein Quartett durch Heidi Bayer und Sven Decker erg\u00e4nzte, war begeistert von Heidis Spiel, ihren Soli auf Trompete und Fl\u00fcgelhorn, die sie perfekt in sein anspruchsvolles Konzept einf\u00fcgte.<\/p>\n<p>Stefan Karl Schmid, wie Sven Decker K\u00f6lner Saxophonist, Komponist und Bandleader, kennt Heidi von der gemeinsamen Arbeit im Subway Jazz Orchestra, in dessen Trumpet Section sie fest gesetzt ist. Auch in seinem aktuellen Oktett \u201ePYJAMA\u201c wirkt sie mit. Er beschreibt Heidi Bayer als<\/p>\n<p><em>\u201e\u2026 eine wunderbare Musikerin. Sie agiert in verschiedensten Kontexten immer musikalisch und auf technisch h\u00f6chstem Niveau. Besonders sch\u00e4tze ich ihre eigene Stimme am Instrument, die sehr ausdrucksstark und kraftvoll ist und damit nicht nur f\u00fcr die K\u00f6lner Szene eine gro\u00dfe Bereicherung darstellt.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Die K\u00f6lner Szene! Als Heidi 2015 aus Miami\u00a0 zur\u00fcckgekehrt war, stand ihr Entschluss fest, professionelle Musikerin zu werden. Bei allem Verst\u00e4ndnis und aller Unterst\u00fctzung hatten ihre Eltern <em>\u201edoch erstmal schlucken m\u00fcssen\u201c.<\/em> Heute sind sie l\u00e4ngst stolz darauf, wie ihre Tochter sich durchgesetzt hat und von ihren Kollegen, dem kennerischen Publikum und der Kritik anerkannt wird. Mainz erschien Heidi f\u00fcr den Start einer professionellen Karriere als nicht sehr geeignet. In der engen Auswahl deutscher St\u00e4dte mit mehr oder weniger ausgepr\u00e4gten Jazzszenen fiel ihre Wahl schnell auf K\u00f6ln, dessen spezielles kreatives Fluidum f\u00fcr Jazzmusiker sich l\u00e4ngst herumgesprochen hatte. Sie kannte schon ein paar Kollegen, hatte bereits einige Kontakte gekn\u00fcpft. Aber der Start war doch m\u00fchsamer, als sie es sich erhofft hatte.<\/p>\n<p><em>\u201eEs hat schon eine Weile gedauert, bis ich sagen konnte, jetzt kann ich von der Musik leben. Der erste Kontakt kam \u00fcber Frank Wellert zustande, der mit dem Bandleader und Arrangeur Stefan Pfeifer-Galilea befreundet ist. Dieser leitet die \u201aBig Band Convention\u2018, die ebenso wie das \u201aGrand Central Orchestra\u2018, einmal monatlich im Klub Berlin spielt. Bei beiden Bigbands habe ich einige Jahre immer wieder gespielt. Das war toll, weil man in einer Bigband<\/em> <em>auf Anhieb viele Kollegen kennen lernt, die wiederum \u00fcber Kontakte verf\u00fcgen. So kam ich nach kurzer Zeit an meinen ersten Unterrichtsjob an der St\u00e4dtischen Musikschule in Neuss. Das habe ich immerhin mehr als drei Jahre gemacht, bis ich es im April diesen Jahres zugunsten einer festen Stelle als Dozentin f\u00fcr Schulmusiker an der Universit\u00e4t \u00a0Oldenburg aufgab.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Es fand sich \u2013 Zufall oder F\u00fcgung \u2013 eine Band, die f\u00fcr Heidi zu einer musikalischen Heimat werden sollte: das Subway Jazz Orchestra, eine Formation junger Musiker, Komponisten und Arrangeure mit fest gesetzten Mitgliedern. Der Trompeter Christian Mehler ging f\u00fcr seine Master-Studien nach New York und sie bekam seinen Job zun\u00e4chst als Vertretung, dann als festes Bandmitglied.<\/p>\n<p><em>\u201eHier f\u00fchle ich mich super wohl, auch in meinem Satz. Ich lerne viele interessante Leute kennen, denn wir spielen jeden Monat andere Programme, entweder Projekte von Mitgliedern der Band oder auch von Guest Stars wie Seamus Blake, Loren Stillman, Miho Hazama, Anna Webber u. a. Ich bin ja, was Big Bands anbelangt, mit Straight Ahead gro\u00df geworden. Aber zum zigsten Male Count Basie, irgendwann hat man das auch schon \u00fcber, es ist oft das Gleiche. Beim Subway geht es unkonventioneller zu, zeitgem\u00e4\u00dfer, wenn auch nicht zu experimentell oder avantgardistisch. \u00c4hnlich \u201amodern\u2018 sieht es bei einer anderen K\u00f6lner Big Band aus, dem \u201aCologne Contemporary Jazz Orchestra (CCJO)\u2018, bei dem ich auch schon ausgeholfen habe, oder auch beim \u201aEssen Jazz Orchestra\u2018. Fest engagiert bin ich auch bei den Bigbands des Stuttgarter Pianisten Tobias Becker und der K\u00f6lner Bassistin Hendrika Entzian. In diesem Herbst geht mit dem \u201aFuchsthone Orchestra\u2018, einer Bigband von Caroline Thon und Christina Fuchs, eine weitere Bigband mit einem ganz eigenen Programm an den Start, in deren Trompetensection ich mitspielen darf.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Mit dem Subway Jazz Orchestra kamen dann auch die kleinen Formationen der Bandmitglieder oder anderer Musiker aus deren Umkreis. Sven Decker, Stefan Karl Schmid, Johannes Ludwig, Sebastian Scobel (mit letzterem bildet Heidi auch ein Duo, welches 2018 den Folkwang Jazz Preis gewonnen hat).<\/p>\n<p><em>\u201eDas sind alles tolle Musiker und fantastische Kollegen. Mein Terminkalender ist mittlerweile gut gef\u00fcllt. Aber es hat schon an die zwei Jahre gedauert, bis das mit den kleinen Bands und diesen Gigs losging.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Zugleich war in der ewig lernbegierigen Heidi der Entschluss gereift, noch ein \u2013 selbst finanziertes &#8211; Masterstudium aufzunehmen. Sie war beeindruckt von dem\u00a0 in K\u00f6ln lebenden US-amerikanischen Trompeter Ryan Carniaux,\u00a0 Professor f\u00fcr Jazz-Trompete an der Essener Folkwang Universit\u00e4t der K\u00fcnste, einer Pflanzschule f\u00fcr junge Jazzmusiker. Sie nahm eine Stunde bei ihm, bewarb sich erfolgreich um einen Studienplatz und studiert seit Oktober 2017 auf den Master als \u201eImprovising Artist\u201c. Nach einem Jahr muss man in diesem Studiengang den Dozenten im Hauptfach wechseln, und so studierte sie noch ein Jahr bei dem Pianisten Thomas R\u00fcckert.<\/p>\n<p><em>\u201eDa ging es mehr um mentale Dinge, die man auf der B\u00fchne braucht, nicht um die \u00e4u\u00dfere Pr\u00e4senz, sondern darum, wie man sich sammelt, Hemmungen abstreift, sich nicht \u00e4ngstlich fragt, ob man sich gut genug vorbereitet oder ausreichend Zeit hatte (und wann hat man die schon?). Es gibt Tage, die kennt jede und jeder, an denen viel zu viel passiert, man ist gestresst, hat das Gef\u00fchl, nicht alles unter einen Hut zu bekommen. Das sollte man beim Auftritt nicht alles an sich ranlassen, auch wenn es schwierig ist und oft auch nicht klappt. Stattdessen ist es doch viel sch\u00f6ner, Dankbarkeit zu empfinden, Freude und Gl\u00fcck, dass man diese Musik spielen darf, weil es das ist, was man immer wollte. Ich spiele einfach besser, wenn ich den Spa\u00df an der Musik behalte und empfinde. Und vor allem gelingt einem nur in solchen Momenten das, was viele Musiker suchen: im Moment ganz bei sich zu sein. Das kann man trainieren. Und wie man das zu erreichen lernt, dabei hat mir Thomas R\u00fcckert sehr geholfen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>W\u00e4hrend des Studiums in Essen wuchs auch die Lust, selbst kreativ zu sein, eigene St\u00fccke zu komponieren, eine eigene Band auf die Beine zu stellen, vielleicht auch eine erste CD unter eigenem Namen aufzunehmen. Gedacht, getan. Im Fr\u00fchjahr letzten Jahres begann sie mit der Suche nach geeigneten Kollegen, mit denen sie ihre eigenen St\u00fccke ausprobieren konnte und die \u2013 was ihr wichtig ist &#8211; auch menschlich zusammenpassten. Das waren und sind jetzt: Johannes Ludwig am Altsaxophon, Calvin Lennig am Kontrabass und Leif Berger am Schlagzeug.<\/p>\n<p><em>\u201eJohannes kenne ich am\u00a0 l\u00e4ngsten, seit dem Anfang meiner K\u00f6lner Zeit. Wir sind voll auf einer Wellenl\u00e4nge, k\u00f6nnen prima zusammen lachen. Er hat schon diverse Platten mit eigenen Bands herausgebracht, daher frage ich ihn oft, wie jetzt der n\u00e4chste Schritt gehen soll. Wir tauschen uns aus, ob es um die Kompositionen geht oder Auftritte oder ums Marketing. Und ich mag sein Altsaxophonspiel sehr. Wir haben schon so viel miteinander gespielt, dass jeder wei\u00df, wie der andere tickt. Johannes hat mir auch Calvin empfohlen. Ich habe ihn erst bei der ersten \u201aJam\u2018 in dieser Besetzung kennengelernt, und ich wusste sofort, dass ich ihn gerne als Bassisten und Menschen in meiner Band h\u00e4tte. Es kommt nichts aus ihm heraus, was nicht in ihm war oder der Musik dienlich ist. Wenn er soliert, ist er wunderbar \u201amelodie-denkend\u2018, was mir sehr entgegenkommt. Leif hat eine absolut eigene Klangfarbe am Schlagzeug. Er spielt sehr virtuos, zugleich mit einer filigranen Leichtigkeit und er nimmt alles intuitiv auf, was um ihn und durch uns passiert. Du legst ihm ein St\u00fcck vor, und er wei\u00df sofort, was dieses St\u00fcck braucht und wie er es zum Klingen bringt.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Heidi hat lange mit sich gehadert, ob sie Piano oder Gitarre als Harmonieinstrument dazu nimmt, als ansonsten \u2013 wie sie sich sieht &#8211; \u00a0Melodie und Harmonie liebender Mensch. Aber in Sven Deckers pianolosem JULI Quartett hatte sie die Erfahrung gemacht,<\/p>\n<p><em>\u201edass mir diese Transparenz und diese Ruhe, die durch die fehlende \u00dcberfrachtung an Harmonie eintritt, sehr zusagt. Zudem hatte ich durch die reduzierte Besetzung andere kompositorische M\u00f6glichkeiten. Ich habe den Bass und sonst nur noch zwei T\u00f6ne, die ich vergaben kann, Saxophon und Trompete. Das hei\u00dft, ich arbeite mit Dreikl\u00e4ngen. Das empfand ich als befreiend. Auf einmal entstanden ganz andere St\u00fccke, als wenn ich f\u00fcr Klavier oder Gitarre geschrieben h\u00e4tte. Ich wei\u00df nat\u00fcrlich nicht, ob ich in den n\u00e4chsten zehn Jahren immer ohne Harmonieinstrument auskommen werde, aber im Moment ist es genau das Richtige, und das m\u00f6chte ich jetzt genie\u00dfen.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Heidis Band hei\u00dft \u00fcbrigens \u201eVirtual Leak\u201c. Der Name versucht, die gewollt durchl\u00e4ssige Auffassung und Interpretation der ansonsten klar vorgegebenen Kompositionen zu beschreiben: ein Ausbrechen ist jederzeit m\u00f6glich, wird vom Zuh\u00f6rer aber dennoch als homogener Gesamtklang wahrgenommen. Das erste Album wird\u00a0 im Oktober diesen Jahres aufgenommen und Anfang n\u00e4chsten Jahres bei Janning Trumanns Label \u201eTangible Music\u201c erscheinen. Vielversprechende \u201eLeaks\u201c k\u00f6nnen bereits auf Youtube geh\u00f6rt werden. Die Band ist im K\u00f6lner Gro\u00dfraum auch immer wieder live zu h\u00f6ren (Kalender bei <a href=\"http:\/\/www.heidi-bayer.de\">www.heidi-bayer.de<\/a>).<\/p>\n<p>Die zwischen Selbstbewusstsein und Bescheidenheit changierende Heidi Bayer auf die Frage, wieweit sie auf dem Wege ihrer k\u00fcnstlerischen Selbstfindung gekommen sei, erwidert &#8211; zuerst lachend:<\/p>\n<p><em>\u201eIch wei\u00df nicht, ob die jemals abgeschlossen sein wird. Aber ich habe schon das Gef\u00fchl, dass ich mich beim Spielen nicht verleugne, dass ich nicht so klinge, wie ich gar nicht bin. Nat\u00fcrlich bin auch ich nicht immer, sogar eher selten, richtig zufrieden mit dem, was ich fabriziere. Das wird mich aber auch noch in drei\u00dfig Jahren verfolgen, falls ich dann noch spielen sollte. Das d\u00fcrfte aber jedem Musiker, jedem Maler, auch jedem Journalisten (lacht) so gehen. Aber man entwickelt sich schon weiter, macht Fortschritte, auch wenn man sie meist erst sp\u00e4ter merkt, zum Beispiel wenn man fr\u00fchere Aufnahmen von sich h\u00f6rt. Ich finde schon, dass ich mich weiter entwickelt habe, im Spiel und auch als Person. Dieses Bem\u00fchen und die eigene Weiterentwicklung ist doch f\u00fcr sich genommen schon das Bereichernde. Aber wo es noch hingeht?\u201c <\/em><\/p>\n<p>Nun, es bedarf keiner prophetischen Gabe, um vorherzusagen, dass die Musik- und Jazzwelt von der schon jetzt brillanten Trompeterin \u00a0Heidi Bayer noch viel h\u00f6ren wird, immer Neues, immer \u00dcberraschendes, Faszinierendes auf ihren Instrumenten und mit ihren Bands, aber nie Gewohntes, niemals auch jene von ihr so ungeliebten Licks.<\/p>\n<p>CD-Rezension zum Sven Decker-Projekt Juli Quartett von Dietrich Schlegel <a href=\"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/2018\/11\/sven-deckers-juli-quartett-mit-lost-in-poll\/\">hier.<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eEs macht mir einfach keinen Spa\u00df, andere nachzuspielen\u201c &#8211;\u00a0Sie hat sich als feste Gr\u00f6\u00dfe in der K\u00f6lner Jazzszene und vielerorts in Deutschland etabliert. Sie spielt gleicherma\u00dfen gern in Bigbands wie in kleinen Formationen, seien es die von Kollegen oder in ihrer eigenen Band. Sie beherrscht ihre Instrumente Trompete und Fl\u00fcgelhorn meisterhaft. Sie liebt Jazz und interpretiert ihn auf ihre ganz eigene Art. Sie hat in beeindruckender Weise ihren Weg aus dem fr\u00e4nkischen Kulmbach, wo sie 1987 geboren wurde, \u00fcber Studien in Marburg, Mainz und Miami bis in die vitale rheinische Szene zur\u00fcckgelegt \u2013 die Jazzmusikerin Heidi Bayer. Im Gespr\u00e4ch erweist sie sich als zugewandte, ernsthafte als auch humorvolle und lebensfrohe junge Frau. Ihr Curriculum Vitae k\u00f6nnte als Vorbild gelten f\u00fcr junge Jazzmusikerinnen, die fest an sich glauben, unentwegt an sich arbeiten, um sich in der noch immer m\u00e4nnlich dominierten Jazzwelt zu behaupten und sich schlie\u00dflich eine Existenz als\u00a0 professionelle Musikerin aufzubauen. Dabei wurde sie, wie sie nicht m\u00fcde wird, dankbar zu betonen, w\u00e4hrend ihrer musikalischen Ausbildung stets von ihren Eltern unterst\u00fctzt. 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Die neunk\u00f6pfige Combo aus dem Raum Regensburg bewegt sich stilsicher durch mehr als f\u00fcnf Jahrzehnte einschl\u00e4giger Musikgeschichte: Im Repertoire finden sich\u2026","rel":"","context":"In &quot;News&quot;","block_context":{"text":"News","link":"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/thema\/nachrichten\/"},"img":{"alt_text":"","src":"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/P1180005.jpg?fit=1200%2C800&ssl=1&resize=350%2C200","width":350,"height":200,"srcset":"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/P1180005.jpg?fit=1200%2C800&ssl=1&resize=350%2C200 1x, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/P1180005.jpg?fit=1200%2C800&ssl=1&resize=525%2C300 1.5x, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/P1180005.jpg?fit=1200%2C800&ssl=1&resize=700%2C400 2x, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/P1180005.jpg?fit=1200%2C800&ssl=1&resize=1050%2C600 3x"},"classes":[]},{"id":24392,"url":"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/2021\/02\/streaming-king-georg-green-days-im-stadtgarten-koeln\/","url_meta":{"origin":20177,"position":3},"title":"Streaming +++ King Georg +++ Green Days im Stadtgarten +++ K\u00f6ln +++","author":"Redaktion JazzZeitung","date":"11. Februar 2021","format":false,"excerpt":"+++ Das KING GEORG, Deutschlands erster digitaler Straight-Ahead-Jazzclub +++ (Pressemitteilung) Er geh\u00f6rte schon immer zu den ersten Adressen, was Live-Musik angeht. Seit neuestem ist der K\u00f6lner Jazzclub KING GEORG obendrein zu den Vorreitern in Sachen digitales Musikangebot in Deutschland und sogar in ganz Europa avanciert. 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Februar 2019","format":false,"excerpt":"Soul, Blues, Funky Swing, und Jazz: Niki Haris begleitet von Tamir Hendelman in Oberthulba Am Freitag, den 29. M\u00e4rz 2019 pr\u00e4sentiert die Piano-B\u00fchne in Oberthulba das Tamir Hendelman-Trio und die US-amerikanische S\u00e4ngerin Niki Haris. 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