{"id":19515,"date":"2019-05-21T09:00:26","date_gmt":"2019-05-21T07:00:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/?p=19515"},"modified":"2019-05-20T12:56:57","modified_gmt":"2019-05-20T10:56:57","slug":"offenbach-meets-jazz-eine-wuerdigung-durch-die-koelner-musiker-laia-genc-und-radek-stawarz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/2019\/05\/offenbach-meets-jazz-eine-wuerdigung-durch-die-koelner-musiker-laia-genc-und-radek-stawarz\/","title":{"rendered":"\u201eOffenbach meets Jazz\u201c \u2013 Eine W\u00fcrdigung durch die K\u00f6lner Musiker Laia Genc und Radek Stawarz"},"content":{"rendered":"<p>K\u00f6ln feiert in diesem Jahr mit gro\u00dfem Aufwand und zahlreichen Konzerten und Events den <a href=\"https:\/\/www.yeswecancan.koeln\/startseite\">200. Geburtstag ihres gro\u00dfen Sohns Jacques Offenbach<\/a>. Der am 20. Juni 1819 geborene Jacob Offenbach war bereits mit vierzehn Jahren wegen seines augenf\u00e4lligen musikalischen Talents von seinem Vater, einem j\u00fcdischen Kantor, nach Paris geschickt worden. In der damals f\u00fchrenden Kulturmetropole Europas entwickelte sich Jacques, wie er nun hie\u00df, in erstaunlich kurzer Zeit zu einem erfolgreichen Theatermusiker und Komponisten weltweit gefeierter Operetten, einer neuen Musikgattung, die er 1858 mit \u201eOrpheus in der Unterwelt\u201c gewisserma\u00dfen \u201eerfunden\u201c hatte. Unz\u00e4hlige Werke des unerm\u00fcdlichen, mit unersch\u00f6pflichem Einfallsreichtum gesegneten Komponisten und Theater- und Orchesterleiters folgten.<\/p>\n<p>In die Offenbach-Feierlichkeiten der K\u00f6lner Hochkultur wollte Marina Barth, die Principalin des Kabarett-Theaters \u201eKl\u00fcngelp\u00fctz\u201c, das auch dem Jazz verbunden ist, einen spezifischen Kontrapunkt setzen. Sie sch\u00e4tzt an Offenbach das Musikantische \u2013 Virtuosit\u00e4t, Improvisation, Leidenschaft, Spa\u00df, die Vielfalt kultureller Einfl\u00fcsse, allesamt Ingredienzen des Jazz. F\u00fcr die Umsetzung des auf den ersten Blick gewagten Mottos \u201eOffenbach meets Jazz\u201c\u00a0 waren zwei dem Hause verbundene Musiker geradezu pr\u00e4destiniert: Laia Genc, die mehrfach ausgezeichnete K\u00f6lner Pianistin und Komponistin mit deutsch-t\u00fcrkischen Wurzeln, und Radek Stawarz, der in der K\u00f6lner Musik- und Theaterszene viel gefragte, aus Polen stammende Jazzgeiger und -bratschist.\u00a0 Sie brannten im ausverkauften Haus an zwei Abenden ein wahres Feuerwerk ab.<\/p>\n<p>Die Federf\u00fchrung lag bei der Pianistin, die nach eigenem Eingest\u00e4ndnis auch erst lange nachdenken musste, wie sie als Jazzmusikerin Zugang finden sollte zu jener, ihrer musikalischen Welt nicht eben vertrauten Sph\u00e4re der Operette des 19. Jahrhunderts. Aber bald war sie gefesselt von dem Reichtum an Melodien, Harmonien, Rhythmen, mit denen Offenbach im wahrsten Sinne des Wortes spielte. Auch von dem Witz und der Satire, die unter der glitzernden Oberfl\u00e4che des\u00a0 B\u00fchnengeschehens lauern. Und sie f\u00fchlte\u00a0 sich dem praktizierenden Musiker Offenbach verwandt, der als \u201eSpielmann\u201c seit fr\u00fchester Jugend auf Festen seiner Heimatstadt und sicher auch im Karneval musiziert hat, nicht zuletzt, um sich den Musikunterricht selber zu finanzieren. Wie alle klassischen Komponisten, da ist sie sich sicher, war gewiss auch Jacques Offenbach ein improvisierender Musiker.<\/p>\n<figure id=\"attachment_19517\" aria-describedby=\"caption-attachment-19517\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/genc_19jan_lais-gencroger-hanschel_2_foto-gerhard-richter.jpg?ssl=1\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"19517\" data-permalink=\"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/2019\/05\/offenbach-meets-jazz-eine-wuerdigung-durch-die-koelner-musiker-laia-genc-und-radek-stawarz\/genc_19jan_lais-gencroger-hanschel_2_foto-gerhard-richter\/\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/genc_19jan_lais-gencroger-hanschel_2_foto-gerhard-richter.jpg?fit=2362%2C1572&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"2362,1572\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;5.6&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;NIKON Z 6&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1547936389&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;50&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;10000&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0.005&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}\" data-image-title=\"\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/genc_19jan_lais-gencroger-hanschel_2_foto-gerhard-richter.jpg?fit=840%2C560&amp;ssl=1\" class=\"wp-image-19517 size-medium\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/genc_19jan_lais-gencroger-hanschel_2_foto-gerhard-richter.jpg?resize=300%2C200&#038;ssl=1\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/genc_19jan_lais-gencroger-hanschel_2_foto-gerhard-richter.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/genc_19jan_lais-gencroger-hanschel_2_foto-gerhard-richter.jpg?resize=768%2C511&amp;ssl=1 768w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/genc_19jan_lais-gencroger-hanschel_2_foto-gerhard-richter.jpg?resize=900%2C600&amp;ssl=1 900w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/genc_19jan_lais-gencroger-hanschel_2_foto-gerhard-richter.jpg?resize=120%2C80&amp;ssl=1 120w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/genc_19jan_lais-gencroger-hanschel_2_foto-gerhard-richter.jpg?resize=1320%2C879&amp;ssl=1 1320w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/genc_19jan_lais-gencroger-hanschel_2_foto-gerhard-richter.jpg?w=1680&amp;ssl=1 1680w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-19517\" class=\"wp-caption-text\">Laia Genc bei einem Konzert mit Roger Hanschel im Januar. Foto: Gerhard Richter<\/figcaption><\/figure>\n<p>Improvisiert wurde viel in den beiden \u201eKl\u00fcngelp\u00fctz\u201c-Konzerten, sowohl von Laia Genc als auch von dem kongenialen, einf\u00fchlsamen und virtuosen Radek Stawarz, abwechselnd auf Violine und Viola. Laia schrieb die Arrangements der ausgew\u00e4hlten Offenbach-Partituren, legte die Taktfolgen fest, \u201ezerfledderte\u201c dann die Vorlage durch freies Spiel, geh\u00f6rigen Free Jazz, um dann wieder zur Ursprungskomposition zur\u00fcckzufinden oder auch zu ganz anderen Ideen. Und Radek, der in Polen klassische und in K\u00f6ln Jazzgeige studiert hat, folgte in den arrangierten Teilen m\u00fchelos den Notaten und improvisierte mitrei\u00dfend in den freien Passagen.<\/p>\n<p>F\u00fcr das Programm w\u00e4hlte Laia eine Mischung aus den \u201eGreatest Hits\u201c Offenbachs und eigenen Kompositionen, die sich in diese Hommage an den ber\u00fchmten Pariser aus K\u00f6ln sph\u00e4risch und inhaltlich bruchlos einf\u00fcgen lie\u00dfen. Nach einer er\u00f6ffnenden Eigenkomposition, \u201eLa pierre pr\u00e9cieuse\u201c, einer Erinnerung an ihre Pariser Zeit als Erasmus-Studentin, folgte die Buffo-Arie \u201eAls ich noch Prinz war in Arkadien\u201c aus \u201eOrpheus in der Unterwelt\u201c. Aber nach der mitsingbaren Melodie geschah, nein: nicht Unerwartetes, denn Laia hatte zuvor erkl\u00e4rt, wie sie den Prinzen gegen den Strich b\u00fcrsten wolle. Sie hatte n\u00e4mlich die Melodie \u201egekrebst\u201c, von hinten nach vorn gespiegelt, dabei Rhythmus und Intervalle der originalen Komposition aber beibehalten. Herauskamen fast orientalische Kl\u00e4nge, sehr originell und spa\u00dfig. Vor eines der Hauptst\u00fccke des Abends, einem rasanten Medley aus dem \u201eOrpheus\u201c-Finale mitsamt dem Wiederkehrer \u201eCan Can\u201c, durchbrochen von Free Jazz, hatte Laia eine von Offenbach inspirierte \u201eBagatelle\u201c und ihr zauberhaftes Lied \u201eFor Mara\u201c gesetzt. Zwischen zauberischer Vertr\u00e4umtheit und harter Realit\u00e4t bewegt sich ebenso auch Laias Komposition \u201eZwischentr\u00e4ume\u201c, zu h\u00f6ren auch auf ihrer neuesten CD \u201eChange Follows Vision\u201c (jazzhausmusik 2018), die sie als Duo mit dem Altsaxophonisten Roger Hanschel gestaltet hat.<\/p>\n<p>Laia und Radek bewiesen auch, wie eine seri\u00f6se, aber oft auf Kurkapellen-Niveau herunter gedudelte Komposition wie die \u201eBarkarole\u201c aus Offenbachs Alterswerk \u201eHoffmanns Erz\u00e4hlungen\u201c wieder zum H\u00f6rgenuss werden kann. Laia hat die ohrwurmw\u00fcrdige Melodie \u201egestreckt und gestaucht\u201c, so dass sie auf der Bratsche einschmeichelnd und schr\u00e4g zugleich erklang. Offenbachs romantischer Seite huldigten die beiden Protagonisten in beeindruckender Interaktion mit einer Vertonung von Gertrude Steins Dada-Gedicht \u201ePlay\u201c (playplayplay\u2026). Burlesque und fast auch wieder dadaesque ging es im rauschhaften Finale zu, dem Marsch \u00a0\u201eBa-ta-clan\u201c aus Offenbachs gleichnamiger Opera buffo, die er 1855 in seinem eigenen Theater aufgef\u00fchrt hat. Laia und Radek \u00fcbertrafen sich als Duett im zungenbrechenden Stakkato eines spielerisch absurden Textes, den Laia Silbe f\u00fcr Silbe vom originalen Libretto \u00fcbernommen hatte, ebenso wie die originale Partitur f\u00fcr die im Gleichklang mit ihren Stimmen perkussiv strapazierten Instrumente. Ein umjubelter Heidenspa\u00df. Zum Ausklang wurde mit Laias naturnaher Komposition \u201eJulimond\u201c von ihrer CD \u201eBirds\u201c (Double Moon Records 2017) nochmals der romantische Jacques Offenbach beschworen. Alles in allem war \u201eOffenbach meets Jazz\u201c ein wohl gelungener Beitrag K\u00f6lner Jazzmusiker zum Offenbach-Jahr der Domstadt.<\/p>\n<p><strong>Beitragsbild: Laia Genc bei einem Konzert mit Roger Hanschel im Januar. Foto: Gerhard Richter<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>K\u00f6ln feiert in diesem Jahr mit gro\u00dfem Aufwand und zahlreichen Konzerten und Events den 200. Geburtstag ihres gro\u00dfen Sohns Jacques Offenbach. Der am 20. Juni 1819 geborene Jacob Offenbach war bereits mit vierzehn Jahren wegen seines augenf\u00e4lligen musikalischen Talents von seinem Vater, einem j\u00fcdischen Kantor, nach Paris geschickt worden. In der damals f\u00fchrenden Kulturmetropole Europas entwickelte sich Jacques, wie er nun hie\u00df, in erstaunlich kurzer Zeit zu einem erfolgreichen Theatermusiker und Komponisten weltweit gefeierter Operetten, einer neuen Musikgattung, die er 1858 mit \u201eOrpheus in der Unterwelt\u201c gewisserma\u00dfen \u201eerfunden\u201c hatte. Unz\u00e4hlige Werke des unerm\u00fcdlichen, mit unersch\u00f6pflichem Einfallsreichtum gesegneten Komponisten und Theater- und Orchesterleiters folgten. In die Offenbach-Feierlichkeiten der K\u00f6lner Hochkultur wollte Marina Barth, die Principalin des Kabarett-Theaters \u201eKl\u00fcngelp\u00fctz\u201c, das auch dem Jazz verbunden ist, einen spezifischen Kontrapunkt setzen. Sie sch\u00e4tzt an Offenbach das Musikantische \u2013 Virtuosit\u00e4t, Improvisation, Leidenschaft, Spa\u00df, die Vielfalt kultureller Einfl\u00fcsse, allesamt Ingredienzen des Jazz. 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Oktober 2016","format":false,"excerpt":"Hauptpreise gehen an Stadtgarten in K\u00f6ln, Golden Pudel Club in Hamburg und \u201ebiegungen im ausland\u201c in Berlin Kulturstaatsministerin Prof. Monika Gr\u00fctters: \u201eMit ihren ambitionierten und innovativen Programmen, die sie oft mit erheblichem finanziellem Risiko realisieren, sind sie es, die f\u00fcr eine vielf\u00e4ltige Musik- und Clublandschaft in Deutschland sorgen.\u201c Unabh\u00e4ngige Musikclubs\u2026","rel":"","context":"In &quot;News&quot;","block_context":{"text":"News","link":"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/thema\/nachrichten\/"},"img":{"alt_text":"applaus2016_8","src":"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/APPLAUS2016_8-150x150.jpg?resize=350%2C200","width":350,"height":200},"classes":[]},{"id":8828,"url":"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/2016\/03\/cd-rezension-gogo-penguin-man-object\/","url_meta":{"origin":19515,"position":3},"title":"CD-Rezension: GoGo Penguin \u2013 Man Made Object","author":"Redaktion JazzZeitung","date":"25. 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