{"id":13984,"date":"2017-10-26T09:25:09","date_gmt":"2017-10-26T07:25:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/?p=13984"},"modified":"2018-02-08T10:46:43","modified_gmt":"2018-02-08T09:46:43","slug":"ab-heute-im-kino-django-ein-leben-fuer-die-musik-und-eine-verlosung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/2017\/10\/ab-heute-im-kino-django-ein-leben-fuer-die-musik-und-eine-verlosung\/","title":{"rendered":"Ab heute im Kino: \u201eDjango &#8211; ein Leben f\u00fcr die Musik\u201c und eine Verlosung"},"content":{"rendered":"<p><strong>Seit Jahren befand sich der franz\u00f6sische Manouche-Gitarrist Django Reinhardt (1910-1953) auf dem Gipfel seines Erfolges, obgleich er sein Quintette du Hot Club de Jazz umbesetzen musste, nachdem sein kongenialer Geiger Stephane Grappelli 1939 aus Furcht vor den Kriegswirren in London geblieben war. Inspiriert von amerikanischen Jazzcombos, vor allem derjenigen des Klarinettisten Benny Goodman, hatte Reinhardt an seiner Stelle den Klarinettisten Hubert Rostaing und anstelle eines der beiden Rhythmusgitarristen einen Schlagzeuger &#8211; den \u00c4gypter Pierre Fouad, im Film dargestellt von dem franz\u00f6sischen Jazzschlagzeuger Vincent Frade &#8211; engagiert. (Text: Gerhard Litterst \/ Fotos: Roger Arpajou\/Weltkino)<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Das neue Quintett war nicht minder erfolgreich im nunmehr von deutschen Soldaten besetzten Paris und eilte von Auftritt zu Auftritt in den f\u00fchrenden Cabarets, darunter das <em>Folies Bergere<\/em>, einer der von Reinhardt favorisierten Auftrittsorte. Unter dem ihn feiernden Publikum befanden sich indes zunehmend auch deutsche Offiziere, die einerseits seine als \u201eunarische Negermusik\u201c verp\u00f6nte Jazzmusik ablehnten, andererseits von ihrer euphorisierenden und popularisierenden Wirkung fasziniert waren. Hier, 1943, setzt die Handlung von Etienne Comars Film <em>Django<\/em> ein, der \u2013 als Weltpremiere und Wettbewerbsbeitrag \u2013 die diesj\u00e4hrige Berlinale er\u00f6ffnete. Gest\u00fctzt auf Alexis Salatkos Roman <em>Folles de Django<\/em><a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> fokussiert er sich auf rund ein Jahr im Leben des genialen Musikers (mit einem Sprung ins Jahr 1945 f\u00fcr die Schlusssequenz), der in der Jazzwelt als einzigartige europ\u00e4ische Stimme des Genres gesehen wird. Nach Ansicht des Regisseurs zeigt diese Episode, in welcher er dem lebensbedrohlichen Zugriff der nationalsozialistischen Besatzer ausgesetzt war, exemplarisch die Facetten seiner Pers\u00f6nlichkeit.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Django09.jpg?ssl=1\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"13991\" data-permalink=\"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/2017\/10\/ab-heute-im-kino-django-ein-leben-fuer-die-musik-und-eine-verlosung\/django09\/\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Django09.jpg?fit=8513%2C3553&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"8513,3553\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"Django09\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Django09.jpg?fit=840%2C351&amp;ssl=1\" class=\"aligncenter size-full wp-image-13991\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Django09.jpg?resize=840%2C351&#038;ssl=1\" alt=\"\" width=\"840\" height=\"351\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Django09.jpg?w=8513&amp;ssl=1 8513w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Django09.jpg?resize=300%2C125&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Django09.jpg?resize=768%2C321&amp;ssl=1 768w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Django09.jpg?resize=900%2C376&amp;ssl=1 900w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Django09.jpg?resize=600%2C250&amp;ssl=1 600w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Django09.jpg?w=1680&amp;ssl=1 1680w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Django09.jpg?w=2520&amp;ssl=1 2520w\" sizes=\"auto, (max-width: 840px) 100vw, 840px\" \/><\/a><\/p>\n<p>W\u00e4hrend andernorts nomadisierende Zigeuner wie Freiwild gejagt und erschossen oder in Lagern interniert werden, sch\u00fctzt Django und seine Musiker in Paris zun\u00e4chst ihr Erfolg. Comar zeigt dies eindr\u00fccklich in den ersten beiden Sequenzen seines Films: Hier der gefeierte Auftritt Reinhardts im <em>Folies Bergere<\/em>, dort das Zigeunerlager\u00a0 in den W\u00e4ldern der Ardennen,\u00a0 in dem Gitarrist und S\u00e4nger Raymond Weiss in der (tr\u00fcgerischen) Friedlichkeit und Ruhe der Natur ein traditionelles, sehnsuchtsvolles Roma-Lied singt, bevor die Schergen \u00fcber das Lager herfallen. Doch die Hybris der Nazis r\u00fcckt immer n\u00e4her.<\/p>\n<h3><strong>Die Hybris der Besatzer: \u201eS\u00e4uberung\u201c der Musik gegen Auftritte in Deutschland<\/strong><\/h3>\n<p>Einerseits versuchen sie seine Musik zu reglementieren: Er habe maximal 20 Prozent Swing, keinen Blues, keine Breaks und maximal 5 Prozent Synkopierungen zu spielen. Infolgedessen musste Django\u00a0 seine Setliste vor jedem Konzert von der Propagandastaffel genehmigen lassen. Andererseits sind sie bestrebt, seine Popularit\u00e4t und den Erfolg seiner Musik f\u00fcr Propaganda-Zwecke zu instrumentalisieren: Sie bedr\u00e4ngen ihn, in Deutschland vor deutschen Soldaten aufzutreten &#8211; und, so hebt ein Offizier hervor: \u201eStellen Sie sich vor, Sie werden vor Goebbels, vielleicht sogar vor dem F\u00fchrer spielen!\u201c. Die Rollen zweier Nazi-Offiziere bleiben den deutschen Schauspielern Alex Brandemuhl und Ulrich Brandhoff \u00fcberlassen \u2013 auch ein bereits bekanntes cineastisches Besetzungsmuster -, die diese glaubhaft-routiniert und nicht \u00fcberakzentuiert ausf\u00fcllen.<\/p>\n<p>Freilich impliziert das Propaganda-Interesse an seiner Person gleichzeitig auch einen (fragilen) Schutz f\u00fcr ihn und seine Familie. Django indes erkl\u00e4rt, er sei Musiker, ihn interessiere nur seine Musik und keine Politik, und, unter seinesgleichen: \u201eIch spiele nicht f\u00fcr die \u201eBosch\u201c\u201c! Der franz\u00f6sische Begriff \u201eboche\u00ab\u00a0 ist eine herablassende Bezeichnung f\u00fcr die ungeliebten bis verhassten Deutschen, die in Frankreich bereits im Ersten Weltkrieg gebr\u00e4uchlich war und auf das Wiederaufleben des deutsch-franz\u00f6sischen Konfliktes zur\u00fcckgeht.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Django02.jpg?ssl=1\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"13988\" data-permalink=\"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/2017\/10\/ab-heute-im-kino-django-ein-leben-fuer-die-musik-und-eine-verlosung\/django02\/\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Django02.jpg?fit=5760%2C3840&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"5760,3840\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;5.6&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;Canon EOS 5D Mark III&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1458742784&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;50&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;200&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0.0125&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}\" data-image-title=\"Django02\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Django02.jpg?fit=840%2C560&amp;ssl=1\" class=\"aligncenter size-full wp-image-13988\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Django02.jpg?resize=840%2C560&#038;ssl=1\" alt=\"\" width=\"840\" height=\"560\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Django02.jpg?w=5760&amp;ssl=1 5760w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Django02.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Django02.jpg?resize=768%2C512&amp;ssl=1 768w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Django02.jpg?resize=900%2C600&amp;ssl=1 900w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Django02.jpg?resize=600%2C400&amp;ssl=1 600w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Django02.jpg?resize=120%2C80&amp;ssl=1 120w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Django02.jpg?w=1680&amp;ssl=1 1680w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Django02.jpg?w=2520&amp;ssl=1 2520w\" sizes=\"auto, (max-width: 840px) 100vw, 840px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Doch die \u201eBosch\u201c lassen nicht locker. Als er einmal sogar mit zur Wache genommen und erkennungsdienstlich behandelt wird, gibt er Invalidit\u00e4t vor und zeigt dem untersuchenden Arzt seine Narben aus dem Wohnwagenbrand, in welchem er 1928 an mehreren K\u00f6rperstellen, vor allem aber an der linken Hand \u2013 seine Greifhand als Gitarrenspieler (!) \u2013 Verbrennungsverletzungen erlitten hat. Der Arzt jedoch \u2013 eine groteske, fast kom\u00f6diantische Szene \u2013 \u00a0diagnostiziert , dass es sich dabei um typische Symptome f\u00fcr den in diesen Kreisen verbreiteten Inzest handele. Django insistiert k\u00fchl \u201eNein! Ich habe mich nur verbrannt!\u201c Auch sein Agent, der den Vertrag schon unterzeichnet hat,\u00a0 spricht ihm zu, in Deutschland aufzutreten, Charles Trenet und Edith Piaf h\u00e4tten ja schlie\u00dflich auch bereits zugestimmt!<\/p>\n<h3><strong>Flucht an die Schweizer Grenze<\/strong><\/h3>\n<p>Mit Frau und Mutter flieht Reinhardt an die Schweizer Grenze in den Ort Thonon-les-Bains, in der Hoffnung, in der Schweiz Unterschlupf zu finden, bis der Spuk vorbei sein w\u00fcrde. In der verst\u00f6rendsten Sequenz wird es nach wiederholter Bedr\u00e4ngnis dazu kommen, dass Reinhardt und \u201eseine\u201c Musiker aus dem Camp der Manouche-Familie Hoffmann der Einladung eines Schweizer Industriellenehepaares zu einer feudalen Abendgesellschaft nachgeben , die sodann zu einer Nazi-Party degeneriert. In der noblen, idyllisch am Lac Leman gelegenen und von Soldaten bewachten Villa Amphion spielen sie gewisserma\u00dfen als musikalische Tapete f\u00fcr das Diner, respektlos unterbrochen von selbstgef\u00e4lligen Toasts. Der Auftritt hat dramatische Folgen f\u00fcr Reinhardt, seine Familie wie auch &#8211; und dies besonders \u2013 f\u00fcr die Familie Hoffmann. Die Villa des Schweizer Unternehmerpaares Schwartz hei\u00dft eigentlich \u201eLa Folie\u201c und liegt bei der Ortschaft Amphion, nahe Evian. In Erinnerung an dieses \u2013 im Film folgenreiche \u2013 Ereignis wird Reinhardt 1947 die doppeldeutig betitelte Nummer \u201eFolie A Amphion\u201c (Verr\u00fcckheit\/Gr\u00f6\u00dfenwahn in Amphion) komponieren und mit seinem neuen Quintett auf Platte einspielen.<\/p>\n<h3><strong>\u00dcberzeugende Besetzung von Haupt- und Nebenrollen<\/strong><\/h3>\n<p>Dargestellt wird Django von dem franz\u00f6sisch-algerischen Schauspieler Reda Kateb,\u00a0 39 Jahre alt, Sohn eines algerischen, nach Frankreich emigrierten Theaterregisseurs und Schauspielers, von dem er fr\u00fch an das Metier herangef\u00fchrt wurde \u2013 die erste Theaterrolle hatte er mit f\u00fcnfzehn Jahren in einem von seinem Vater am Theater seiner Geburtsstadt Ivry-sur-Seine inszenierten St\u00fcck. Nach einigen Theaterrollen und der Rolle des Bandenchefs \u00a0in einer franz\u00f6sischen TV-Serie gelang ihm 2009 mit der Hauptrolle in Jacques Audiards Film <em>Un prophete<\/em> der nationale Einstieg zum Kinofilm. \u00a0Seither kann er In weniger als zehn Jahren \u00a0auf fast zwei Dutzend Filmrollen mit unterschiedlichen Charakterprofilen, darunter solche von gesellschaftlichen Au\u00dfenseitern \u2013 ein Gangster-Rapper, ein inhaftierter Zigeuner, ein Terrorist \u2013 und diverse Auszeichnungen, darunter 2015 den Cesar f\u00fcr die beste Nebenrolle in Thomas Liltis <em>Hippocrate<\/em>, zur\u00fcckschauen. \u00a0Zuletzt, 2016, trat Kateb, der den gro\u00dfen franz\u00f6sischen Mimen Jean Gabin als das ihn vorrangig inspirierende Vorbild nennt, mit der Hauptrolle in Wim Wenders Peter-Handke-Verfilmung <em>Les Beaux Jours d\u2019Aranjuez <\/em>hervor, welche beim Filmfestival in Venedig vorgestellt wurde. Mit einer sehr nat\u00fcrlich wirkenden Mischung von Coolness, Idealismus, Verl\u00e4sslichkeit und beflissentlich verborgener Verletzlichkeit, gleichzeitig dem in Frankreich auf besondere Sensibilit\u00e4t sto\u00dfenden positiven Repr\u00e4sentanten arabischer Provenienz, ist der Darsteller relativ rasch zu einem in Frankreich erwartungsvoll beachteten Jungstar geworden.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Django05.jpg?ssl=1\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"13987\" data-permalink=\"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/2017\/10\/ab-heute-im-kino-django-ein-leben-fuer-die-musik-und-eine-verlosung\/django05\/\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Django05.jpg?fit=5760%2C3840&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"5760,3840\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;3.5&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;Canon EOS 5D Mark III&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1460647575&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;45&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;6400&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0.008&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}\" data-image-title=\"Django05\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Django05.jpg?fit=840%2C560&amp;ssl=1\" class=\"aligncenter size-full wp-image-13987\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Django05.jpg?resize=840%2C560&#038;ssl=1\" alt=\"\" width=\"840\" height=\"560\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Django05.jpg?w=5760&amp;ssl=1 5760w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Django05.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Django05.jpg?resize=768%2C512&amp;ssl=1 768w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Django05.jpg?resize=900%2C600&amp;ssl=1 900w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Django05.jpg?resize=600%2C400&amp;ssl=1 600w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Django05.jpg?resize=120%2C80&amp;ssl=1 120w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Django05.jpg?w=1680&amp;ssl=1 1680w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Django05.jpg?w=2520&amp;ssl=1 2520w\" sizes=\"auto, (max-width: 840px) 100vw, 840px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Empfohlen hat sich Kateb in einem typusnahen Casting dar\u00fcber hinaus sicher auch durch seine physionomische N\u00e4he zu Djangos Erscheinungsbild, eine Auswahl, welche noch \u00fcbertroffen wird von <strong>Johnny Montreuil<\/strong> als Djangos Bruder und treuer musikalischer Wegbegleiter Joseph (Joseph \u201eNin-Nin\u201c Reinhardt), der indes nicht mit ihm nach S\u00fcdfrankreich flieht, sondern wegen seiner Familie in Paris bleibt und dort das Risiko \u2013 letztlich erfolgreich &#8211; durchsteht. Katep agiert mit durchaus gro\u00dfer Rollenidentifikation, die eine ad\u00e4quate Ausstrahlung der charismatischen Figur zu evozieren vermag, erstarrt indes mit zu wenig mimischer Ausdrucksbreite in der Attraktivit\u00e4t seines Gesichtes, welches die Facetten seiner inneren Befindlichkeit nicht (immer) ablesbar macht. Ein Gl\u00fccksgriff ist die 87-j\u00e4hrige Laiendarstellerin Helene \u201eBim Bam\u201c Merstein, die mit wunderbarer Nat\u00fcrlichkeit Negros (Laurence Reinhardt), die Mutter Djangos, spielt.\u00a0 Cecile de France als seine r\u00e4tselhafte Geliebte (im Film Louise de Klerk, im Roman Maggie Kuypers), eine Belgierin aus Br\u00fcssel, die sich lavierend auch einem Nazi-Offizier zuwendet, und Beata Palya, eine ungarische Roma und S\u00e4ngerin als Naguine (Sophie Ziegler), Djangos Ehefrau, die ihm gerade den Sohn Babik geb\u00e4rt, sind die weiteren, \u00fcberzeugend darstellenden weiblichen Akteure. Der Film ist kein Musikfilm, sondern hat einen dezidiert narrativen Charakter, nichtsdestoweniger gibt es packende Musiksequenzen, die Djangos Musik und Spielweise anhand eigener St\u00fccke, aber auch der von den Nazis unerw\u00fcnschten amerikanischen Swing- und Blues-Titel wie auch die ethnische Musik der Manouches und Roma anhand eines sehnsuchtsvollen Liedes oder romantischer instrumentaler Balladen in Camp-Situationen skizzieren.\u00a0 Er gewinnt eine enorme Authentizit\u00e4t durch\u00a0 das Agieren \u201eechter\u201c, namhafter Manouche-Musiker in Djangos Ensemble oder in Ad-Hoc-Zigeunercamp-Gruppierungen (Paul \u201eHono\u201c Winterstein, Samson Schmitt, Renardo Lorier, Etienne \u201eTimbo\u201c Merstein u.a), die der els\u00e4ssisch-lothringischen Manouche-Communaute Forbach entstammen, wie auch durch die wiederholte Pr\u00e4senz der Originalsprache Romanes. Und ihm habe die Pr\u00e4senz der Manouches am\u00a0 Set, in den Nebenrollen und als Komparsen, die ihn in seiner Rolle akzeptiert und \u201egetragen\u201c h\u00e4tten, die Darstellung sehr erleichtert, berichtete Kateb auf der Pressekonferenz zur Berlinale-Er\u00f6ffnung. Ein Jahr lang habe er zur Vorbereitung auf die Rolle Gitarrenunterricht genommen, und tats\u00e4chlich ist die Passgenauigkeit seiner Darstellung mit dem Soundtrack frappierend.<\/p>\n<h3><strong>Unaufgeregte Bildsprache und dramaturgisch dichter Erz\u00e4hlrhythmus<\/strong><\/h3>\n<p>Die auf weite Strecken atmosph\u00e4risch dichte Handlung entfaltet sich in einem unaufgeregten, zumeist ausreichend durchdramatisierten Erz\u00e4hlrhythmus, lediglich in der finalen Steigerung kommt es dann zu punktuellen bildnerischen \u00dcberzeichnungen wie das mit Flammenwerfern bewirkte Niederbrennen des Zigeunercamps der Familie Hoffmann. \u00a0Vereinzelte Bilder des Camplebens wie etwa dasjenige der ebenfalls an die Schweizer Grenze an die Ufer des Lac Lemon gefl\u00fcchteten Familie Hoffmann vermitteln vordergr\u00fcndig Idylle und Romantik und laufen damit Gefahr, heute als klischeehaft zu wirken; indes transportieren sie gleichwohl die damalige Realit\u00e4t und geben situativ und bei genauer Betrachtung auch die H\u00e4rte dieses Lebens und dessen Anfeindungen wider. Unterbrochen wird der Erz\u00e4hlrhythmus allerdings durch schlaglichtartige Szenen, mit denen wohl lediglich Charakterz\u00fcge des Protagonisten skizziert werden sollen: seine Erhabenheit und Ungeduld, wenn Django in einer Probe einen Violinisten reichlich r\u00fcde abkanzelt und ihm vorwirft, den von ihm intendierten Charakter der Musik nicht begriffen zu haben oder \u2013 besonders misslungen &#8211;\u00a0 seine Macho-Erhabenheit im Rollenverh\u00e4ltnis zu seiner Frau Naguine, wenn er ihr in einer Szene im Lager am Lac Lemon &#8211; aufrecht stehend und rauchend \u2013 bedeutet, welche St\u00f6cke und Zweige sie f\u00fcr das Lagerfeuer des Camps noch einsammeln soll. Andererseits ist Naguine, die er gerade &#8211; im Juli 1943 &#8211; geheiratet hat, ansonsten eine selbstbewusste Frau, die sich allerdings vergeblich gegen seine au\u00dferehelichen Aff\u00e4ren, wie diejenige mit de Klerk, wehrt.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Django07.jpg?ssl=1\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"13989\" data-permalink=\"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/2017\/10\/ab-heute-im-kino-django-ein-leben-fuer-die-musik-und-eine-verlosung\/django07\/\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Django07.jpg?fit=5760%2C3840&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"5760,3840\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;4&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;Canon EOS 5D Mark III&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1457348587&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;24&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;3200&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0.00625&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}\" data-image-title=\"Django07\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Django07.jpg?fit=840%2C560&amp;ssl=1\" class=\"aligncenter size-full wp-image-13989\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Django07.jpg?resize=840%2C560&#038;ssl=1\" alt=\"\" width=\"840\" height=\"560\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Django07.jpg?w=5760&amp;ssl=1 5760w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Django07.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Django07.jpg?resize=768%2C512&amp;ssl=1 768w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Django07.jpg?resize=900%2C600&amp;ssl=1 900w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Django07.jpg?resize=600%2C400&amp;ssl=1 600w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Django07.jpg?resize=120%2C80&amp;ssl=1 120w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Django07.jpg?w=1680&amp;ssl=1 1680w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Django07.jpg?w=2520&amp;ssl=1 2520w\" sizes=\"auto, (max-width: 840px) 100vw, 840px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Dass Reinhardt sich nicht vereinnahmen lie\u00df, diese existentielle Entscheidung zeichnet der Film dramaturgisch schl\u00fcssig nach und damit zweifellos eine bedeutende Facette seiner Pers\u00f6nlichkeit. Dass extreme Lebenssituationen fundamentale Charaktereigenschaften und F\u00e4higkeiten eines Menschen zu Tage treten lassen (k\u00f6nnen) und dies auch bei der Entscheidung, die Reinhardt zu treffen hatte, eine wesentliche Rolle spielte, bleibt Comars Ansatz unbenommen, dennoch erscheint diese zeitliche Fokussierung im auch ansonsten berichtenswerten K\u00fcnstlerleben Reinhardts insoweit pr\u00e4tenti\u00f6s, als ein f\u00fcr Aktion, Spannung, Moral und Emotionalit\u00e4t reichlich strapaziertes Plotmuster gew\u00e4hlt wurde, das in Frankreich &#8211; wie auch in Hollywood &#8211; \u00a0immer noch Aufmerksamkeit garantiert und deshalb als erfolgversprechend gilt, tats\u00e4chlich jedoch mittlerweile stereotyp wirkt und einen Spannungsbogen nur noch leidlich tr\u00e4gt, erst recht, wenn man wei\u00df, wie vorliegend, dass es gl\u00fccklicherweise ein Happy End geben und der Protagonist und seine Familie \u00fcberleben wird. Das \u00fcbrige Leben des Manouche, in dem sich so viel von einem Wesenselement seiner Musik, n\u00e4mlich der Improvisation, widerspiegelt, bleibt unbeleuchtet. So bleibt angesichts des gew\u00e4hlten Zeitfensters die wichtige musikalische Partnerschaft Reinhardts mit dem Geiger Stephane Grappelli und die dahinterstehende, nicht unproblematische menschliche Beziehung der beiden zueinander v\u00f6llig au\u00dfen vor.<\/p>\n<h3><strong>Bedauerliche Selbstbeschr\u00e4nkung auf ein schmales Zeitfenster in Reinhardts Leben<\/strong><\/h3>\n<p>Die Fokussierung des Plots auf dieses \u201eJahr der Flucht\u201c wird der Bedeutung der Figur Django Reinhardts nicht gerecht. Sie entspricht auch nicht der Romanvorlage, wobei das Drehbuch von Comar und Salatko gemeinsam verfasst wurde. Lange Zeit waren die Rechte f\u00fcr eine Verfilmung von Djangos Lebensgeschichte nicht zug\u00e4nglich. Der amerikanische Regisseur Frank Marshall hatte sie erworben, eine Realisierung mit Jonny Depp in der Hauptrolle in Erw\u00e4gung gezogen,\u00a0 diese Pl\u00e4ne jedoch nie umgesetzt; erst neuerlich waren die Rechte wieder erh\u00e4ltlich, das Sujet damit f\u00fcr Comar realisierbar. Angesichts dieses Umstandes erscheint die Selbstbeschr\u00e4nkung auf dieses schmale Zeitfenster als eine vertane Chance f\u00fcr eine komplettere Befassung mit der Figur. Die Rechteinhaber haben dies wohl \u00e4hnlich gesehen, denn Comar musste f\u00fcr sein Konzept laut eigenem Bekunden (in der Pressekonferenz bei der Berlinale-Er\u00f6ffnung) einige \u00dcberzeugungsarbeit leisten. Aber auch die Phase der Arbeit im besetzten Paris bzw. Frankreich \u2013 die Besetzung von Paris durch die deutsche Wehrmacht erfolgte am 14.6.1940 &#8211; \u00a0wird in ihren hochinteressanten Facetten nicht ausreichend gezeigt, denn diese Phase barg das Paradoxon in Reinhardts Leben, dass sie einerseits zur schwierigsten und am meisten belastenden, andererseits zu einer k\u00fcnstlerisch sehr fruchtbaren werden w\u00fcrde:\u00a0 Die durch den Split des Saitenquintetts erzwungene Neuorientierung evozierte neue, sehr tragf\u00e4hige Ideen. Dass er in dieser Zeit auf einem Flug von London nach Paris zu seiner ber\u00fchmtesten Komposition <em>Nuages<\/em> inspiriert wurde, ist nur eine Facette jener Phase. Bedeutender ist, dass Reinhardt nun die neueren, sublimierteren swingmusikalischen Impulse aus Amerika aufnahm, allen voran den Sound eines Bl\u00e4sers als melodief\u00fchrendes Instrument. Insbesondere faszinierte ihn der Klang der Klarinette von Benny Goodman und Artie Shaw. Auch die Besetzung von Goodmans Jazzcombos, n\u00e4mlich Ba\u00df und Schlagzeug als Swingmotor anstelle von Ba\u00df und zwei Gitarren diente ihm als Inspiration f\u00fcr ein neues Quintett. Spielstilistisch verabschiedete er sich von dem noch unter dem Einfluss des Hot-Jazz stehenden etwas grobmaschigen Swing und strebte einen verfeinerten, geschmeidigeren, modernen Swing-Duktus an, wie ihn Goodman verk\u00f6rperte.\u00a0 Es sollte ein Jahr dauern, bis er \u2013 nach Experimenten mit Blechbl\u00e4sern als Solisten und einer eigenen Bigband, firmierend unter <em>Django`s Music<\/em> &#8211; sein neues Quintett formiert hatte, das jetzt aus dem Klarinettisten Hubert Rostaing als zweitem Solisten, Nin-Nin als Rhythmusgitarristen, dem Kontrabassisten Francis Luca und dem Schlagzeuger Pierre Fouad bestand. Mit diesem Ensemble spielte er am 1. Oktober 1940 erstmals den Titel <em>Nuages<\/em> (Wolken) ein, welcher mit seiner melancholisch-sehnsuchtsvollen Stimmung und seiner Symbolik zur inoffiziellen Hymne der <em>Gens du vent<\/em>, der Sinti, Manouches und Gitans Mitteleuropas, werden sollte. Und, obgleich er an das Quintettformat ankn\u00fcpfte, begann er als Musiker wie als Komponist nun auch gro\u00dfformatig zu denken &#8211; was auch prompt dazu f\u00fchrte, dass er \u2013 zum Verdruss von Rostaing \u2013 zeitweise mit zwei Klarinetten operierte, um diese Klangfarbe noch zu intensivieren. F\u00fcr eine Aufnahmesitzung am 13.12.1940 lud er zus\u00e4tzlich Alix Combelle ein. Hier entstand die zweite, tats\u00e4chlich wirkungsvollere Umsetzung der Metapher von der Sch\u00f6nheit des Reisens als Freiheitssymbol der nichtse\u00dfhaften Lebensform.<\/p>\n<h3><strong>Sehnsucht nach dem orchestralen Klang <\/strong><\/h3>\n<p>Als Gastsolist in Bigbands zu spielen war Reinhardt vertraut. Sowohl in amerikanischen Bigbands, die in Paris gastierten wie den Orchestern von Dicky Wells (1937) und Benny Carter (1938), als auch in Eigengew\u00e4chsen der vitalen Pariser Szene wie den Orchestern von Michel Warlop (1935, 1937), Alix Combelle (1937, 1940), Philippe Brun (1937, 1940) oder Andre Ekyan (1939, 1940) hatte er mitgewirkt, fasziniert von den klanglichen M\u00f6glichkeiten des Gro\u00dfformats. Nun also interessierten ihn Kompositionen f\u00fcr gr\u00f6\u00dfere musikalische Formate, f\u00fcr Sinfonieorchester oder Bigband und er begann f\u00fcr diese Formate zu komponieren. Als Nebeneffekt erhoffte sich Reinhardt vom Gro\u00dfformat, dass sich in diesem so manche musikalisch stigmatisierte Idee vor der Zensur der Propagandastaffel w\u00fcrde verbergen lassen k\u00f6nnen. Da er \u2013 wie fast alle Manouche-Musiker jener Zeit \u2013 keine Noten lesen und schreiben konnte, ben\u00f6tigte er einen diesbez\u00fcglich kundigen Mitmusiker, dem er seine musikalischen Erfindungen f\u00fcr das jeweilige Instrument oder die Instrumentengruppe vorspielte und der das Geh\u00f6rte sodann in Noten zu Papier transkribierte \u2013 eine anspruchsvolle Aufgabe, zumal dieser Musiker m\u00f6glichst Tag und Nacht in seiner N\u00e4he sein musste, damit keine von Reinhardts Eingebungen verloren ging.\u00a0 Einer dieser ergebenen Transkripteure war der 20j\u00e4hrige Klarinettist Gerard Leveque, genannt <em>La Plume<\/em> (die Feder), im Film pr\u00e4sent und dargestellt von Gabriel Mirete. So hatte er einen seiner sch\u00f6nsten Titel, <em>Manoir de mes Reves<\/em>, als Symphonie geplant, die jedoch nach den ma\u00dfgeblichen Biographien, die es zu Reinhardt gibt<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a>, und \u2013 hierauf gest\u00fctzt &#8211;\u00a0 auch nach Salatkos Romanvorlage keinen Auff\u00fchrungsstatus erreichte. In der sp\u00e4ter verlorengegangenen Partitur sollen lediglich noch die Chorteile und das Libretto gefehlt haben. Als Reinhardt sie dem Orchesterchef Jo Bouillon zeigte, soll dieser sie wegen einer stellenweise zu modernen, gewagten Harmonik\u00a0 verworfen und sich geweigert haben, sie aufzuf\u00fchren, woraufhin Django das Projekt aufgegeben haben soll. Mit den von ihm in dieser Methodik erstellten Orchesterarrangements seiner Kompositionen hingegen, war er indes durchaus erfolgreicher, beispielsweise f\u00fcr das 1943 in Paris gastierende Orchester des Tenorsaxophonisten Fud Candrix. H\u00e4ufig begn\u00fcgte er sich damit, dass er die von ihm erdachten Arrangements in den Orchesterproben in den jeweiligen Einzelstimmen einfach vorspielte und die Musiker sich diese zu merken und umzusetzen hatten.\u00a0 Auch plante er zu Ehren der von den Zigeunern als Heilige verehrten schwarzen Sara (Sara-la-Kalil) eine Messe\u00a0 zur Auff\u00fchrung im Rahmen der allj\u00e4hrlichen Wallfahrt nach Saintes-Maries-de-la-Mer an der s\u00fcdfranz\u00f6sischen Mittelmeerk\u00fcste. Zu Djangos Unzufriedenheit \u00fcber die Begrenzungen des Quintettformats und seiner Lust mit einem Orchester zu spielen, l\u00e4sst Salatko ihn in der Romanvorlage sagen: \u201cDas ist als ob ich aus meinem Schwimmbecken herauskomme und in einen Ozean eintauche!\u201c Er habe wirklich von etwas Gr\u00f6\u00dferem getr\u00e4umt. Der Film greift diese musikalischen Aspekte nicht auf.<\/p>\n<h3><strong>Fiktion oder Wahrheit \u2013 die Auff\u00fchrung von Djangos Sakralwerk<\/strong><\/h3>\n<p>Indes d\u00fcrfte gro\u00dfformatiges Komponieren mehr eine Sehnsucht, denn ein real erreichbares Ziel f\u00fcr Reinhardt gewesen sein \u2013 es spielt in der Folgezeit auch keine Rolle mehr in seinem Werk. Das Fehlen hierf\u00fcr hinreichender kompositionstechnischer Kenntnisse, eine gewisse Ruhelosigkeit in der Lebensanlage und widrige \u00e4u\u00dfere Bedingungen m\u00f6gen einem \u00fcberzeugenden Resultat im Wege gestanden haben. Im etwas schw\u00fclstigen Schlussbild des Films, einer Szene aus dem Jahre 1945, mithin nach einem Zeitsprung zur vorausgehenden Handlung von etwa einem Jahr &#8211; die Alliierten waren am 6. Juni 1944 in der Normandie gelandet, Paris war am 25. August desselben Jahres befreit worden -, greift Comar die Auff\u00fchrung dieser Messe auf:\u00a0 Unter Djangos \u201eDirigat\u201c ert\u00f6nt das Requiem f\u00fcr Orgel, Gitarre und Orchesterensemble, das Django &#8211; inspiriert vom \u201eorchestralen\u201c Klang der Kirchenorgel der Basilika Saint Francois von Thonon-les-Bains\u00a0 \u2013 zu komponieren begonnen hatte.\u00a0 Auf der Basis der wenigen \u00fcberlieferten Original-Takte &#8211; auch hier sollen die nur aus wenigen Takten bestehenden Partiturskizzen verlorengegangen sein &#8211; hat der australische Filmkomponist Warren Ellis die orchestrale Musik der nur wenige Minuten dauernden Sequenz \u201erekonstruiert\u201c bzw. \u201eweitergedacht\u201c. Man wird dies zu den fiktionalen Freiheiten k\u00fcnstlerischer Umsetzung rechnen m\u00fcssen. Es mag Comar um den friedlichen,\u00a0 feierlichen Kontrast und die Erw\u00e4hnung einer weiteren musikalischen Facette des Protagonisten gegangen sein; zwingend ist sie im Hinblick auf ihr Gewicht im weiteren k\u00fcnstlerischen Weg Reinhardts nicht. In jener Lebensphase indes \u2013 die Pl\u00e4ne f\u00fcr diese Messe besch\u00e4ftigten Reinhardt bereits seit 1936 \u2013 hatte diese Messe f\u00fcr ihn durchaus eine musikalische, wie auch eine religi\u00f6s-soziologische Bedeutung: \u201eMein Volk ist ungeb\u00e4ndigt unabh\u00e4ngig, eigen und stolz auf seine Traditionen. Deshalb brauchen wir eine eigene Messe, geschrieben in unserer Sprache durch einen von uns. Ich hoffe, dass meine Messe von meinem Volk auf der ganzen Welt angenommen werden wird und dass sie auf unserer j\u00e4hrlichen Versammlung in Saintes-Maries-de-la-Mer eingeweiht werden wird.\u201c (Zitat nach der Biographie von Dregni, a.a.O., S. 178). Ein hehrer Vorsatz. Vom Film nicht aufgegriffen wird indes \u2013 und dies h\u00e4tte auch eine Facette seiner Pers\u00f6nlichkeit gezeichnet -, dass es nach den erw\u00e4hnten Quellen wie nach Salatkos Romanvorlage einen Auff\u00fchrungstermin gegeben habe, als Reinhardt gerademal acht Takte der Partitur fertig hatte, der Organist und die Aufnahmetechniker jedoch vergeblich auf Reinhardt warteten und er schlie\u00dflich nach achtzehn Monaten Arbeit an der Messe entmutigt aufgab. Der Film deutet diese launische Unzuverl\u00e4ssigkeit in anderem Kontext durch eine Szene an, in welcher das Publikum und die Band im Variete-Lokal ungeduldig warten, Django nicht erscheint und \u2013 seelenruhig an der Seine angelnd \u2013 dort abgeholt und zum Auftrittsort verbracht werden muss. Gleichwohl soll es nach den erw\u00e4hnten Quellen wie auch nach dem Roman zu einer beeindruckenden Auff\u00fchrung der unvollendeten Messe in der <em>Institution des Jeunes Aveugles<\/em> in Paris gekommen sein, von der es jedoch \u2013 bedauerlicherweise \u2013 keine Aufnahmen gibt.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Django08.jpg?ssl=1\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"13990\" data-permalink=\"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/2017\/10\/ab-heute-im-kino-django-ein-leben-fuer-die-musik-und-eine-verlosung\/django08\/\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Django08.jpg?fit=5760%2C3840&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"5760,3840\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;4&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;Canon EOS 5D Mark III&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1460730974&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;130&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;800&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0.005&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}\" data-image-title=\"Django08\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Django08.jpg?fit=840%2C560&amp;ssl=1\" class=\"aligncenter size-full wp-image-13990\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Django08.jpg?resize=840%2C560&#038;ssl=1\" alt=\"\" width=\"840\" height=\"560\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Django08.jpg?w=5760&amp;ssl=1 5760w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Django08.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Django08.jpg?resize=768%2C512&amp;ssl=1 768w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Django08.jpg?resize=900%2C600&amp;ssl=1 900w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Django08.jpg?resize=600%2C400&amp;ssl=1 600w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Django08.jpg?resize=120%2C80&amp;ssl=1 120w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Django08.jpg?w=1680&amp;ssl=1 1680w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Django08.jpg?w=2520&amp;ssl=1 2520w\" sizes=\"auto, (max-width: 840px) 100vw, 840px\" \/><\/a><\/p>\n<h3><strong>Ausgeblendet:\u00a0 das Leben nach dem Swing &#8211; die Flucht in die Naturidylle<\/strong><\/h3>\n<p>Nicht zum Zuge kommt in dem ausgew\u00e4hlten Zeitfenster des Filmes eine andere, zwar k\u00fcnstlerisch nachrangige, aber keineswegs unbedeutende Facette der kreativen Pers\u00f6nlichkeit Django Reinhardts: die Malerei. Neben dem Angeln war ihm die Staffelei ein Ausgleich, ein Ruhepol zur fordernden Konzert- und Tourneet\u00e4tigkeit und R\u00fcckzugsaktivit\u00e4t in der Krisenphase w\u00e4hrend seiner letzten Lebensphase, eingeleitet durch den entt\u00e4uschend verlaufenen ersten und einzigen Aufenthalt in den USA im Winter 1946\/47. Nach seiner R\u00fcckkehr organisierten Freunde im charismatischen Pariser Musikkabarett \u201eBoeuf sur le Toit\u201c eine Ausstellung seiner Gem\u00e4lde. Entt\u00e4uscht von dem stilistischen Paradigmenwandel vom Swing zum Bebop \u2013 und damit einhergehend der nachlassenden Nachfrage nach seiner erfolgreichen Swingmusik &#8211; zog sich Django Reinhardt 1951 in das bei <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Fontainebleau\">Fontainebleau<\/a> idyllisch gelegene Dorf <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Samois-sur-Seine\">Samois-sur-Seine<\/a> zur\u00fcck, wo f\u00fcr ihn die Familie, die Malerei, das Angeln und das Billardspielen mit Freunden im Mittelpunkt standen. Zeitweise nahm er keine Gitarre mehr in die Hand. Gleichwohl stellte er sich, immer weniger widerstrebend, dem Wandel. In seinen letzten zwei Jahren trat er \u2013 wenngleich sporadisch \u2013 mit einem neuformierten Quintett, besetzt mit jungen, aufstrebenden, bebop-beeinflussten\u00a0 Musikern wie <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hubert_Fol\">Hubert<\/a> Fol (Altsaxophon) und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Raymond_Fol\">Raymond Fol<\/a> oder Maurice Vander (Klavier), Bernard Hullin oder Roger Guerin (Trompete), <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Pierre_Michelot\">Pierre Michelot<\/a> (Bass) und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/w\/index.php?title=Pierre_Lemarchand&amp;action=edit&amp;redlink=1\">Pierre Lemarchand<\/a> (Schlagzeug) im angesagten Pariser Club St. Germain-des-Pr\u00e9s auf, jetzt ausschlie\u00dflich auf dem anf\u00e4nglich ungeliebten, elektrisch verst\u00e4rkten Instrument spielend, komponierte bemerkenswerte neue St\u00fccke und ging f\u00fcr den amerikanischen Promoter Norman Granz ins Tonstudio. Die hierbei entstandenen Aufnahmen, die zu seinen letzten z\u00e4hlen, zeigten ihn \u2013 wenn man so will: vers\u00f6hnt &#8211; in der neuen musikalischen Welt angekommen, ohne seine Identit\u00e4t zu verleugnen. \u00a0Auch diese Phase von Licht und Schatten, des Selbstzweifels und der Anpassung an sich ver\u00e4ndernde \u00e4u\u00dfere Parameter, Wesenselement seines k\u00fcnstlerischen Lebens, h\u00e4tte Stoff f\u00fcr psychologisch feingliedrige, die Pers\u00f6nlichkeit verdichtend charakterisierende Bilder geboten \u2013 wenngleich nicht f\u00fcr aktionsreiche Entwicklungen. Am 15. Mai 1953 starb Reinhardt mit 43 Jahren an den Folgen eines Schlaganfalles, den er im Caf\u00e9 <em>Auberge de l\u2019Ile<\/em> in Samois erlitten hat. Er wurde in <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Samois-sur-Seine\">Samois<\/a> beigesetzt. Seit 1968 findet in Samois-sur-Seine als Hommage an den gro\u00dfen stilbildenden Manouche-Musiker, der f\u00fcr Heerscharen von Gitarristen innerhalb und au\u00dferhalb der Manouche-Communaute als Vorbild und Inspirator gilt, allj\u00e4hrlich das weltweit renommierteste Festival des Musikgenres statt.<\/p>\n<h3><strong>Virtuoser Protagonist des Soundtracks: Stochelo Rosenberg<\/strong><\/h3>\n<p>Um keinen Dokumentationsanschein zu evozieren und sich nicht der Legitimit\u00e4t von Fiktionsanteilen in einer Romanverfilmung zu begeben, hat Comar, der bislang als Produzent und zuletzt auch als Drehbuchautor gearbeitet hat und f\u00fcr den <em>Django<\/em> das Regiedebut darstellt, davon abgesehen, originales Bild- und Tonmaterial zu verwenden; er hat deshalb den gesamten Soundtrack von niederl\u00e4ndischen Spitzenkr\u00e4ften der europ\u00e4ischen Sinti- und Manouchesszene \u2013 dem Rosenberg Trio &#8211; einspielen lassen. Ihr exquisites Spiel, allen voran dasjenige ihres Solisten Stochelo Rosenberg, dem der Part des Filmhelden zuf\u00e4llt, befl\u00fcgelt die G\u00fcte der musikalischen Teile des Films.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a><\/p>\n<p>Cineastisch wird man Comars <em>Django<\/em> nicht als herausragenden, jedoch als handwerklich solide, ansprechende Arbeit mit einer engagierten, einf\u00fchlsamen und detailfreudigen Befassung mit Person, Milieu und Genre einzuordnen haben.\u00a0 F\u00fcr die Sinti- und Manoucheszene, vor allem in Frankreich, indes kommt dem Film freilich schon jetzt Kultstatus zu, das cineastische Denkmal, auf das man lange gewartet hat.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Film bei der Berlinale, wo er als Er\u00f6ffnungsfilm seine Weltpremiere hatte, ohne Pr\u00e4mierungen blieb und von der Kritik verhalten aufgenommen wurde, erhielt Kateb beim Filmfestival von Cabourg (Normandie) den Goldenen Schwan als bester Hauptdarsteller.<\/p>\n<p>Der Kinostart in Deutschland des von der gro\u00dfen franz\u00f6sischen Produktions- und Vertriebsfirma Pathe vertriebenen Films, auf deren fr\u00fcherem (zwischenzeitlich verkauften) Schallplattenlabel EMI-Pathe-Marconi einst wichtige Einspielungen Django Reinhardts, insbesondere dessen 20 Langspielplatten umfassende Werkschau <em>Djangologie<\/em> erschienen sind, wird am 26. Oktober erfolgen.<\/p>\n<p><strong>Eine Rezension von Gerhard Litterst,<\/strong> Gerhard Litterst ist freier Journalist im musikkulturellen Bereich mit Ver\u00f6ffentlichungen in diversen Fachmagazinen und Zeitschriften. Seit 1979 ist er Mitarbeiter des Fachmagazins JAZZPODIUM. \u00dcber das Thema <em>Djangos Erben \u2013 Zigeunermusik zwischen Traditionspflege und Fortentwicklung<\/em> ver\u00f6ffentlichte er eine Abhandlung in Anita Awosusi (Hrsg.) \u2013 Die Musik der Sinti und Roma, Band 2: Der Sinti Jazz, erschienen 1997 als Publikation des Dokumentations- und Kulturzentrums Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg.<\/p>\n<h4>Wir verlosen in Kooperation mit Kinowelt 2&#215;2 deutschlandweit g\u00fcltige Kinokarten. Bitte senden Sie bis 30.10.2017 eine Mail mit dem Betreff &#8222;Django&#8220; und unter Angabe Ihrer Postadresse an gaisa@jazzzeitung.de<\/h4>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Editions Robert Laffont, Paris 2013<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Charles Delaunay, Django Reinhardt, dacapo press 1961; Michael Dregni, The Life and Music of a Gypsy Legend, Oxford University Press 2004; Alain Antonietto\/Francois Billard-Django Reinhardt\/Rythmes Futurs, Artheme Fayard 2004; Patrick Williams, Django, Editions du Limon 1991; Alexander Schmitz\/Peter Maier, Django Reinhardt, Oreos<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Der Soundtrack wurde auf dem renommierten und traditionsreichen amerikanischen Jazzlabel IMPULSE ver\u00f6ffentlicht: La bande originale du film Django \u2013 Le Rosenberg Trio interprete les oeuvres de Django Reinhardt, Musique originale de Warren Ellis et Stochelo Rosenberg.<\/p>\n<p><span style=\"border-radius: 2px; text-indent: 20px; width: auto; padding: 0px 4px 0px 0px; text-align: center; font: bold 11px\/20px 'Helvetica Neue',Helvetica,sans-serif; color: #ffffff; background: #bd081c no-repeat scroll 3px 50% \/ 14px 14px; position: absolute; opacity: 1; z-index: 8675309; display: none; cursor: pointer; top: 428px; left: 20px;\">Merken<\/span><\/p>\n<p><span style=\"border-radius: 2px; text-indent: 20px; width: auto; padding: 0px 4px 0px 0px; text-align: center; font: bold 11px\/20px 'Helvetica Neue',Helvetica,sans-serif; color: #ffffff; background: #bd081c no-repeat scroll 3px 50% \/ 14px 14px; position: absolute; opacity: 1; z-index: 8675309; display: none; cursor: pointer; top: 3063px; left: 20px;\">Merken<\/span><\/p>\n<p><span style=\"border-radius: 2px; text-indent: 20px; width: auto; padding: 0px 4px 0px 0px; text-align: center; font: bold 11px\/20px 'Helvetica Neue',Helvetica,sans-serif; color: #ffffff; background: #bd081c no-repeat scroll 3px 50% \/ 14px 14px; position: absolute; opacity: 1; z-index: 8675309; display: none; cursor: pointer; top: 7316px; left: 20px;\">Merken<\/span><\/p>\n<p><span style=\"border-radius: 2px; text-indent: 20px; width: auto; padding: 0px 4px 0px 0px; text-align: center; font: bold 11px\/20px 'Helvetica Neue',Helvetica,sans-serif; color: #ffffff; background: #bd081c no-repeat scroll 3px 50% \/ 14px 14px; position: absolute; opacity: 1; z-index: 8675309; display: none; cursor: pointer;\">Merken<\/span><\/p>\n<p><span style=\"border-radius: 2px; text-indent: 20px; width: auto; padding: 0px 4px 0px 0px; text-align: center; font: bold 11px\/20px 'Helvetica Neue',Helvetica,sans-serif; color: #ffffff; background: #bd081c no-repeat scroll 3px 50% \/ 14px 14px; position: absolute; opacity: 1; z-index: 8675309; display: none; cursor: pointer;\">Merken<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit Jahren befand sich der franz\u00f6sische Manouche-Gitarrist Django Reinhardt (1910-1953) auf dem Gipfel seines Erfolges, obgleich er sein Quintette du Hot Club de Jazz umbesetzen musste, nachdem sein kongenialer Geiger Stephane Grappelli 1939 aus Furcht vor den Kriegswirren in London geblieben war. Inspiriert von amerikanischen Jazzcombos, vor allem derjenigen des Klarinettisten Benny Goodman, hatte Reinhardt an seiner Stelle den Klarinettisten Hubert Rostaing und anstelle eines der beiden Rhythmusgitarristen einen Schlagzeuger &#8211; den \u00c4gypter Pierre Fouad, im Film dargestellt von dem franz\u00f6sischen Jazzschlagzeuger Vincent Frade &#8211; engagiert. (Text: Gerhard Litterst \/ Fotos: Roger Arpajou\/Weltkino) Das neue Quintett war nicht minder erfolgreich im nunmehr von deutschen Soldaten besetzten Paris und eilte von Auftritt zu Auftritt in den f\u00fchrenden Cabarets, darunter das Folies Bergere, einer der von Reinhardt favorisierten Auftrittsorte. Unter dem ihn feiernden Publikum befanden sich indes zunehmend auch deutsche Offiziere, die einerseits seine als \u201eunarische Negermusik\u201c verp\u00f6nte Jazzmusik ablehnten, andererseits von ihrer euphorisierenden und popularisierenden Wirkung fasziniert waren. Hier, 1943, setzt die Handlung von Etienne Comars Film Django ein, der \u2013 als Weltpremiere und Wettbewerbsbeitrag \u2013 die diesj\u00e4hrige Berlinale er\u00f6ffnete. 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