{"id":12522,"date":"2017-05-29T12:48:16","date_gmt":"2017-05-29T10:48:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/?p=12522"},"modified":"2017-10-15T12:39:28","modified_gmt":"2017-10-15T10:39:28","slug":"bitte-keine-cola-mein-nachtraeglicher-tagebucheintrag-in-erinnerung-an-moore-roger-moore","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/2017\/05\/bitte-keine-cola-mein-nachtraeglicher-tagebucheintrag-in-erinnerung-an-moore-roger-moore\/","title":{"rendered":"BITTE KEINE COLA! Mein nachtr\u00e4glicher Tagebucheintrag in Erinnerung an MOORE, ROGER MOORE"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_12523\" aria-describedby=\"caption-attachment-12523\" style=\"width: 237px\" class=\"wp-caption alignright\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"12523\" data-permalink=\"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/2017\/05\/bitte-keine-cola-mein-nachtraeglicher-tagebucheintrag-in-erinnerung-an-moore-roger-moore\/ron-cherian-1\/\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Ron-Cherian-1.jpg?fit=768%2C974&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"768,974\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"Ron Cherian (1). 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Der junge Jazzpianist, Student der HfM K\u00f6ln im zweiten Semester, sucht die T\u00f6ne und nebenbei auch sich selbst. Im GLASHAUS, dem Restaurant des Hyatt Regency, wirft er an diesem Abend mit Noten. Der Anzug, eigens daf\u00fcr besorgt, sitzt. Auswendig l\u00e4uft&#8217;s noch nicht so gut, also liegt l\u00e4ssig das REAL BOOK vor ihm, der Kanon der wahren Jazzsongs. W\u00e4re er Klassikstudent, so w\u00fcrde die ausnotierte &#8222;Auswahl leichter bis mittelschwerer Jazzst\u00fccke&#8220; aufrecht auf dem Pult stehen, erste Raste. Und er m\u00fcsste diese ausschweifenden, federnden Handbewegungen machen, die seine fr\u00fchere Klavierlehrerin schon immer affektiert fand. Sie hatte ihn f\u00fcr seine n\u00fcchterneren, rhythmischen Gesten gelobt.<\/strong><\/p>\n<p>Weiter hinten, \u00fcber den Rhein, gibt sich der Dom kitschig vor dem untergehenden Feuerball. Klingt nach James Bond? Sp\u00e4ter mehr. Nur so nebenbei: Manche Scheiben im GLASHAUS m\u00fcssten dringend mal wieder geputzt werden. Alles eine Frage des Sonnenstandes. Eine Melodie, ein paar kryptische Akkordsymbole ohne jede Norm, eine Seite pro Song, spiralgebunden, das muss f\u00fcr die Gage reichen. F\u00fcr die Kreativit\u00e4t allemal. Es gibt 50 Mark die Stunde. Gar nicht schlecht eigentlich, f\u00fcr einen Studenten. Leider zu selten, wenig planbar und f\u00fcr eine Fernreise in den Semesterferien nicht ausreichend. Er verdient sich das Geld dennoch dankbar in Vertretung des ungarischen Haus- und Hofpianisten. Der hatte ja schon Frank Sinatra zu sp\u00e4ter Stunde in der Bar begleitet, so wird berichtet.<\/p>\n<p>Wieder einmal spielt er in opulenter Medley-Manier, um die aufmerksam einander zuh\u00f6renden und sich selbst verbal applaudierenden G\u00e4ste nicht obendrein st\u00e4ndig zu Beifallsst\u00fcrmen in Richtung Fl\u00fcgel zu n\u00f6tigen. Unn\u00f6tig ist der Applaus hier sogar, w\u00fcnscht er sich zu denken, der w\u00fcrde der ged\u00e4mpften Atmosph\u00e4re ihr Understatement nehmen. Au\u00dferdem l\u00e4stig, f\u00fcrs Klatschen immerzu das Besteck abzulegen, das wei\u00df man ja. In die pseudo-erhabene, wohl doch ein wenig erwartungsvolle, vermutlich sogar aufmerksamkeitsheischende Stille nach dem ca. 21-min\u00fctigen &#8222;Speak low, my funny autumn leaves &#8211; now&#8217;s the time: &#8218;round midnight, come rain or come shine&#8220; dringt dann aber doch ein au\u00dferordentlich anerkennendes, punktuelles Geklatsche zum Geschirrklappern. Von irgendwo da vorne links. Im R\u00fccken des Klavierhockers rauscht der Etagenwasserfall in die Tiefe der steinernen Lobby. Mit viel Phantasie &#8211; und daran hatte es dem jungen Pianisten nie gemangelt &#8211; konnte DAS der Beifallssturm sein. Sorry, Zugaben gibt&#8217;s heut&#8216; aber nicht!<\/p>\n<p>Etwas sp\u00e4ter, bei &#8222;My romance, i get a kick out of you on a clear day &#8211; there will never be another you and the night and the music&#8220;, n\u00e4hert sich pl\u00f6tzlich ein Kellner vom Diskant her. Noch bevor das Spiel ein sinnvolles Ende, oder auch nur eine vor\u00fcbergehende, klangvolle Fermate finden kann, legt er los: Da sei ein Gast, der dem Klavierspieler gerne ein Getr\u00e4nk ausgeben m\u00f6chte, was er denn bringen k\u00f6nne. &#8222;\u00c4hm&#8230; ich nehm&#8230; \u2019ne Cola&#8220;. Es war nicht leicht, zu einem Bossa Nova-Rhythmus fl\u00fcssig zu sprechen. Nat\u00fcrlich h\u00e4tte es eine einfallsreichere, mond\u00e4nere, dem Ambiente angemessenere Wahl gegeben, aber &#8222;ok, hier ist Deine Cola. Ich geh mal zum Gast und bedank mich f\u00fcr Dich&#8220;.<\/p>\n<p>Diese coole &#8222;Die-richtigen-Akkorde-dr\u00fccken-und-dabei-improvisieren-und-gleichzeitig-in-der-Form-bleiben-und-immer-wieder-vom-Blatt-aufschauen&#8220;-Spielweise beherrscht der junge Student schon ganz ordentlich. So liefert er jetzt den Soundtrack zu den Schritten der ambitionierten Servicekraft und kann ihr aus dem Augenwinkel folgen. Aus Versehen die 3. Zeile \u00fcbersprungen und dann mit Pokerface weitergespielt (w\u00e4hrend die H\u00e4nde wie von selbst Cm7 F7 dr\u00fccken &#8211; noch ohne b9 oder Tritonus-Substitut, daf\u00fcr mit sus-Vorhalt), landen die Augen schlie\u00dflich bei&#8230; MOORE, ROGER MOORE!<\/p>\n<p>Da hebt er auch schon sein Glas &#8211; offensichtlich ein mond\u00e4ner, dem Ambiente angemessener, wohltemperierter Wei\u00dfwein &#8211; in Richtung des Barpianisten, der genau dieses Wort so hasst und sich allein durch die Geste des wahren Gentlemans doch gleich geadelt f\u00fchlen kann. Sch\u00fcchtern-strahlend hebt er sein Glas Cola, Coca-Cola. Mitsamt der f\u00fcnf Eisw\u00fcrfel und dem F\u00fcnf Sterne-Zitronenscheibchen schwenkt er es kurz beherzt in Richtung des Geheimagenten, um es dann an die trockenen Lippen zu setzen. Ein wahrer James Bond-Moment. Fan ist er, der Halbinder, seit Null Null Sieben in einer frisierten Rikscha durch indische Gassen gerast war. Nun ist es Sir Roger Moore h\u00f6chstpers\u00f6nlich hier in K\u00f6lle am Rhing, der die bedr\u00fcckende Stille (die eigentlich keine Stille ist, sondern eben das monotone Grundrauschen des Wasserfalls und das ewige Gemurmel der G\u00e4steschaft) zwischen den gut gemeinten pianistischen Medleys mit seinem Klatschen aufbricht. So verhilft er der Musik dies- und jenseits der Stille zu wahrer W\u00fcrde. Es spielt sich nun wie von selbst, nachdem auch die h\u00fcbsche Frau an Moores Seite ihr Glas gehoben hat und herzlichen Applaus spendet. Das Schauspiel wiederholt sich einige Male, die Cola wird zunehmend warm und w\u00e4ssrig, aber das ist jetzt Nebensache.<\/p>\n<p>Bekannt ist: Diskretion geh\u00f6rt zu den Grundtugenden jedes ehrvollen Barpianisten, was dem abgegriffenen Begriff trotzdem nicht zur Aufwertung verhilft. Mit nichts weiter also, als einem dezenten Kopfnicken, verabschiedet sich der junge Hintergrundk\u00fcnstler (besser?) gegen 22 Uhr von dem illustren Gast da vorne links. Ohne zu dem Zeitpunkt ahnen zu k\u00f6nnen, dass der am n\u00e4chsten Abend zur selben Zeit am selben Tisch dieselbe spendable Haltung zeigen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Diesmal gibt es ein eindeutigeres Drehbuch: &#8222;Hi, der Roger Moore m\u00f6chte Dir wieder &#8217;nen Drink ausgeben. Er sagte aber: bitte keine Cola!&#8220; &#8211; &#8222;\u00c4hm&#8230;ach so, ja&#8230;was trinkt er denn? Ich nehm dann&#8230; das gleiche!&#8220;. Mit diesem viel einfallsreicheren, mond\u00e4neren, dem Ambiente angemessenen, wohltemperierten Getr\u00e4nk in der Hand und einem kr\u00e4ftigen Schluck davon in der Kehle, ist es nun ein Leichtes, dem prominenten Gast und seiner sympathischen blonden Partnerin gegen\u00fcberzutreten, sich herzlich zu bedanken f\u00fcr Applaus und Trank.<\/p>\n<p>Noch immer Jazzstudent im zweiten Semester, gef\u00fchlt aber in dem Moment irgendwie schon viel weiter, sch\u00fcttelt er dem Agenten und dem Bondgirl schlie\u00dflich nach einem kurzen, netten Dialog zum Abschied die Hand &#8211; \u00e4u\u00dferst ger\u00fchrt.<\/p>\n<p><em>RON CHERIAN<\/em><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.roncherian.de\">www.roncherian.de<\/a><\/p>\n<p><span style=\"border-radius: 2px; text-indent: 20px; width: auto; padding: 0px 4px 0px 0px; text-align: center; font: bold 11px\/20px 'Helvetica Neue',Helvetica,sans-serif; color: #ffffff; background: #bd081c no-repeat scroll 3px 50% \/ 14px 14px; position: absolute; opacity: 1; z-index: 8675309; display: none; cursor: pointer;\">Merken<\/span><\/p>\n<p><span style=\"border-radius: 2px; text-indent: 20px; width: auto; padding: 0px 4px 0px 0px; text-align: center; font: bold 11px\/20px 'Helvetica Neue',Helvetica,sans-serif; color: #ffffff; background: #bd081c no-repeat scroll 3px 50% \/ 14px 14px; position: absolute; opacity: 1; z-index: 8675309; display: none; cursor: pointer;\">Merken<\/span><\/p>\n<p><span style=\"border-radius: 2px; text-indent: 20px; width: auto; padding: 0px 4px 0px 0px; text-align: center; font: bold 11px\/20px 'Helvetica Neue',Helvetica,sans-serif; color: #ffffff; background: #bd081c no-repeat scroll 3px 50% \/ 14px 14px; position: absolute; opacity: 1; z-index: 8675309; display: none; cursor: pointer;\">Merken<\/span><\/p>\n<p><span style=\"border-radius: 2px; text-indent: 20px; width: auto; padding: 0px 4px 0px 0px; text-align: center; font: bold 11px\/20px 'Helvetica Neue',Helvetica,sans-serif; color: #ffffff; background: #bd081c no-repeat scroll 3px 50% \/ 14px 14px; position: absolute; opacity: 1; z-index: 8675309; display: none; cursor: pointer;\">Merken<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>K\u00f6ln 2001, ein ruhiger Dienstag Abend, vielleicht auch ein Mittwoch oder sogar ein gesch\u00e4ftiger Donnerstag, eigentlich nicht weiter wichtig. 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Dezember 2019","format":false,"excerpt":"Von Stefan Pieper. Lange war es still um den alten Bahnhof M\u00f6nchengladbach-Rheydt-Geneicken. Seit dem Herbst begegnen sich in diesem liebevoll restaurierten Architekturdenkmal aus dem Jahr 1899 Musik und bildende Kunst. Auch der Jazz hat hier einen zentralen Platz, wenn er \u00fcberregionale K\u00fcnstler zu Gastspielen anlockt und zudem der regionalen Szene\u2026","rel":"","context":"In &quot;Bericht&quot;","block_context":{"text":"Bericht","link":"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/thema\/bericht\/"},"img":{"alt_text":"","src":"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Hanschel-String-thing-schwarz-1-28.06.19_0197_2_1200x800-768x512.jpg?fit=768%2C512&ssl=1&resize=350%2C200","width":350,"height":200,"srcset":"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Hanschel-String-thing-schwarz-1-28.06.19_0197_2_1200x800-768x512.jpg?fit=768%2C512&ssl=1&resize=350%2C200 1x, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Hanschel-String-thing-schwarz-1-28.06.19_0197_2_1200x800-768x512.jpg?fit=768%2C512&ssl=1&resize=525%2C300 1.5x, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Hanschel-String-thing-schwarz-1-28.06.19_0197_2_1200x800-768x512.jpg?fit=768%2C512&ssl=1&resize=700%2C400 2x"},"classes":[]}],"jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12522","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/users\/18"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12522"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12522\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":13837,"href":"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12522\/revisions\/13837"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/media\/12523"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12522"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12522"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12522"},{"taxonomy":"author","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/coauthors?post=12522"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}