{"id":11160,"date":"2016-11-22T09:13:11","date_gmt":"2016-11-22T08:13:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/?p=11160"},"modified":"2016-11-24T12:11:24","modified_gmt":"2016-11-24T11:11:24","slug":"zum-neunten-mal-das-koelner-festival-vive-le-jazz-lebt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/2016\/11\/zum-neunten-mal-das-koelner-festival-vive-le-jazz-lebt\/","title":{"rendered":"Zum neunten Mal \u2013 das K\u00f6lner Festival \u201eVive Le Jazz\u201c lebt"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/IMG_2263.jpg\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"11166\" data-permalink=\"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/2016\/11\/zum-neunten-mal-das-koelner-festival-vive-le-jazz-lebt\/img_2263\/\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/IMG_2263.jpg?fit=3264%2C2448&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"3264,2448\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}\" data-image-title=\"img_2263\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/IMG_2263.jpg?fit=800%2C600&amp;ssl=1\" class=\"alignright size-thumbnail wp-image-11166\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/IMG_2263-150x150.jpg?resize=150%2C150\" alt=\"img_2263\" width=\"150\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/IMG_2263.jpg?resize=150%2C150&amp;ssl=1 150w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/IMG_2263.jpg?resize=144%2C144&amp;ssl=1 144w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/IMG_2263.jpg?resize=96%2C96&amp;ssl=1 96w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/IMG_2263.jpg?resize=24%2C24&amp;ssl=1 24w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/IMG_2263.jpg?resize=36%2C36&amp;ssl=1 36w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/IMG_2263.jpg?resize=48%2C48&amp;ssl=1 48w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/IMG_2263.jpg?resize=64%2C64&amp;ssl=1 64w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/IMG_2263.jpg?resize=32%2C32&amp;ssl=1 32w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/IMG_2263.jpg?resize=50%2C50&amp;ssl=1 50w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/IMG_2263.jpg?resize=128%2C128&amp;ssl=1 128w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/IMG_2263.jpg?zoom=2&amp;resize=150%2C150&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/IMG_2263.jpg?zoom=3&amp;resize=150%2C150&amp;ssl=1 450w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a>Von Dietrich Schlegel<\/strong> &#8211; Welch feine Nuance doch in der franz\u00f6sischen Aussprache von Jazz liegt im Vergleich mit der amerikanisch-englischen und international gebr\u00e4uchlichen Ursprungsversion, weich und sanft, fast z\u00e4rtlich kommt er daher, der Jazz \u00e0 la fran\u00e7aise. Von wegen! Der Jazz, den die junge franz\u00f6sische Musikergeneration pflegt, l\u00e4sst keine Assoziationen zu <em>Douceur<\/em> oder <em>Chanson d\u2019Amour <\/em>zu. Hier geht es kraftvoll zu, laut und l\u00e4rmend, dissonant und anarchisch. Klanggewitter und Ger\u00e4uschkaskaden aus erfindungsreich manipulierten Instrumenten st\u00fcrzen den Zuh\u00f6rern entgegen und \u00fcber sie hinweg. Die Widerspiegelung gesellschaftlicher Zust\u00e4nde? Echo auf unsere reale laute und l\u00e4rmerf\u00fcllte Welt?<\/p>\n<p>Diese umwerfende Energetik und widerborstige Kreativit\u00e4t zeigte sich wie schon in den Vorjahren erneut auch beim Festival \u201eVive le Jazz\u201c, das von seinem nimmerm\u00fcden Initiator und Organisator, dem Jazzpublizisten Hans-J\u00fcrgen von Osterhausen, tatkr\u00e4ftig unterst\u00fctzt von seiner Partnerin Marieke Rabe, nun schon zum neunten Mal in K\u00f6ln realisiert worden ist. 35 Musiker in neun Bands verteilten sich im Oktober und November auf acht Konzerte. Der urspr\u00fcnglichen Idee eines regelm\u00e4\u00dfigen franz\u00f6sisch-deutschen Jazz-Austauschs folgend bestritten auch diesmal 16 franz\u00f6sische und zehn deutsche Musiker das Programm, zumeist in gemischt besetzten Formationen. Zu ihnen gesellten sich auch einige polnische Musiker, denn seit zwei, drei Jahren \u00fcberschreitet von Osterhausen mit seinem Tr\u00e4gerverein \u201eJazz am Rhein e. V.\u201c auch die Grenzen nach Osteuropa, nach \u00a0Ungarn, Tschechien und eben Polen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/IMG_2260.jpg\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"11163\" data-permalink=\"https:\/\/www.jazzzeitung.de\/cms\/2016\/11\/zum-neunten-mal-das-koelner-festival-vive-le-jazz-lebt\/img_2260\/\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/IMG_2260.jpg?fit=873%2C611&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"873,611\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}\" data-image-title=\"img_2260\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/IMG_2260.jpg?fit=840%2C588&amp;ssl=1\" class=\"aligncenter size-full wp-image-11163\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/IMG_2260.jpg?resize=840%2C588\" alt=\"img_2260\" width=\"840\" height=\"588\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/IMG_2260.jpg?w=873&amp;ssl=1 873w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/IMG_2260.jpg?resize=300%2C210&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/IMG_2260.jpg?resize=768%2C538&amp;ssl=1 768w, https:\/\/i0.wp.com\/www.jazzzeitung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/IMG_2260.jpg?resize=857%2C600&amp;ssl=1 857w\" sizes=\"auto, (max-width: 840px) 100vw, 840px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Wie bereits im letzten Jahr trug das Programm den Stempel der intensiven und freundschaftlichen Zusammenarbeit von Jazz am Rhein e.V. mit der Musikerinitiative MUZZIX in Lille. Erg\u00e4nzend kam in kleinerem Rahmen die Kooperation mit einer Musikervereinigung in Kattowitz hinzu. Einen \u00dcberbau bilden die regionalen Partnerschaften des Landes Nordrhein-Westfalen mit der nordfranz\u00f6sischen Region Nord-pas-Calais-Picardie und der polnischen Region Schlesien, deren jeweilige Hauptst\u00e4dte Lille und Kattowitz zugleich Partnerst\u00e4dte K\u00f6lns sind. Folgerichtig lautet der vollst\u00e4ndige Titel des Festivals \u201eVive le Jazz et Culture EUROPE 2016\u201c, zumal das Programm auch wieder andere Kulturbereiche wie Literatur, Film und Fotografie enthielt.<\/p>\n<p>Mitveranstalter waren die rege K\u00f6lner Musikerinitiative KLAENG und das Institut fran\u00e7ais Cologne, das neben dem LOFT, Hotspot f\u00fcr zeitgen\u00f6ssischen Jazz, auch als Spielst\u00e4tte diente. Zu den Sponsoren, ohne die es nun einmal nicht geht, z\u00e4hlten das Land Nordrhein-Westfalen, die Stiftung der Sparkasse K\u00f6ln\/Bonn, ein namhafter Einzelhandelskonzern und die K\u00f6lner Citroen\/Peugeot-Zentrale. In deren lichten Ausstellungshallen wurde das Festival mit einer Ausstellung des viel gefragten Jazzfotografen Hyou Vielz und einem zweiteiligen Konzert er\u00f6ffnet. Den Opener gab das gut gelaunte Trio \u201eUn Poco Loco\u201c \u2013 Fidel Forneyron (tb), Goeffroy Gesser (ts\/cl), S\u00e9bastien Beliah (b) &#8211; \u00a0, das Klassiker wie \u201eDinah\u201c, \u201eHigh Society\u201c, \u201eTin Tin Deo\u201c oder Bernsteins \u201eTonight\u201c virtuos und humorig gegen den Strich b\u00fcrstete. Im zweiten Teil gaben das K\u00f6lner Duo Filippa Gojo (voc) \/ Sven Decker (cl\/bcl) Proben aus ihrer hochgelobten aktuellen CD \u201evertraum\u201c (jazzzeitung.de vom 18.01.2016).<\/p>\n<p>Nach dem gelungenen, gut besuchten Auftakt bot das n\u00e4chste Konzert ein Musterbeispiel f\u00fcr die Intention des Festivals. Zehn Musiker aus Paris, Lyon und K\u00f6ln bildeten ein \u201eElektro Tentet\u201c, das elektronische Musik mit Modern Jazz, Chanson und Popmusik verschmolz, ein vom Deutsch-Franz\u00f6sischen Jugendwerk unterst\u00fctztes Projekt des Saxophonisten S\u00e9bastien Jarrousse und der K\u00f6lner Vokalistin Hanna Sch\u00f6rken. Das im Verlauf einer Woche erprobte Konzept stie\u00df bei seiner Premiere im voll besetzten LOFT auf gro\u00dfen Beifall. Weitere Konzerte, u. a. beim Goethe-Institut in Paris, und eine Plattenaufnahme bei France Musique sind f\u00fcr n\u00e4chstes Jahr geplant. WDR 3 hat das Konzert mitgeschnitten und wird es zu einem sp\u00e4teren Zeitpunkt senden.<\/p>\n<p>Wie schon im Vorjahr so wurde das Konzert des Projekts \u201eMuzzix meets Klaeng\u201c im Institut fran\u00e7ais zu einem Highlight des Festivals. Der Pianist Peter Orins und sein Bassist Christophe Hach\u00e9 aus Lille trafen erneut auf zwei mehrfach ausgezeichnete Stars der K\u00f6lner Szene, Niels Klein (ts) und Jonas Burgwinkel (dr). Aus dieser Paarung ist bereits eine gut eingespielte Band geworden, die den mit viel Beifall aufgenommenen Soli der hervorragenden Improvisatoren, einschlie\u00dflich der beiden perfekt abgestimmten Sidemen an Bass und Schlagzeug, ein stabiles Ger\u00fcst bietet. Dieses Kooperationsprojekt wird auch weiter fortgesetzt.<\/p>\n<p>Der Auftritt des polnischen Geigers Marcin Halat aus Kattowitz gemahnte an die Tradition der gro\u00dfen polnischen Jazzgeiger Zbigniew Seifert und Krzesimir Debski, ohne jedoch deren Klasse zu erreichen. Er hatte es im ersten Set, in dem er mit seinem Trio auftrat, auch schwer, sich gegen den seine eigene Show auff\u00fchrenden, wie selbstverliebten Drummer Krzysztof Gradziuk zu behaupten. Auch dem ausgezeichneten Bassisten Maciej Garbowski gelang es nur mit M\u00fche, die Bindung zwischen den Dreien herzustellen. Im zweiten Set gesellte sich der exzellente, mehrfach ausgezeichnete K\u00f6lner Pianist Pablo Held hinzu, und das Konzert gewann geh\u00f6rig an Qualit\u00e4t. Hier konnten sich Violinist und Bassist voll entfalten, w\u00e4hrend Gradziuk sich geplant oder nolens volens zur\u00fcckhielt und einf\u00fchlsam seiner Aufgabe als rhythmischer Background nachkam. Held und Halat erg\u00e4nzten sich gro\u00dfartig in eher getragenen, impressionistisch-balladesken St\u00fccken, die von Garbowski, dem jazzigsten Mitglied des polnischen Trios, dann aufgeraut wurden, wenn es der Innerlichkeit fast schon zu viel wurde. Das finale St\u00fcck entwickelte sich dann, getragen von einem sch\u00f6nen Solo Pablo Helds und einer von Marcin fast schon \u201ehot\u201c gespielten Geige, aus einer Art Romanze zu einer richtig groovenden Jazznummer, die das zahlreich erschienene Publikum begeistert applaudieren lie\u00df.<\/p>\n<p>Das Trio \u201eWEI 3\u201c wurde als vertrauter Freund begr\u00fc\u00dft, spielte es doch bereits in den beiden Vorjahren mit gro\u00dfem Erfolg bei \u201eVive le Jazz\u201c. Es handelt sich dabei um ein wahrhaft v\u00f6lkerverbindendes Projekt mit einer sogar politischen Note. Das Trio mit dem K\u00f6lner Pianisten indischer Herkunft Jarry Singla, dem bereits genannten Bassisten Maciej Garbowski aus Kattowitz und dem Schlagzeuger Peter Orins aus Lille wurde 2013 in Erinnerung an die 1991 vorgenommene Gr\u00fcndung des sogenannten Weimarer Dreiecks zwischen Deutschland, Frankreich und Polen formiert. Durch seine Auftritte sowohl in K\u00f6ln als auch in Lille und Paris, demn\u00e4chst auch in Kattowitz, dient \u201eWEI 3\u201c gewisserma\u00dfen als Synonym f\u00fcr die Kooperation der Jazzinitiativen in den drei St\u00e4dten. Singlas Kompositionen werden durch orientalische, fern\u00f6stliche Klangbilder bestimmt, verst\u00e4rkt durch seine h\u00e4ufigen Eingriffe in den Fl\u00fcgel und kongenial begleitet von Garbowskis \u2013 auch gestrichenem &#8211; Bass oder seinem Cello. Leider werden die leiseren, lyrischen Momente durch Orins oft zu lautes Schlagzeug zugedeckt. Aber vielleicht muss dieser Kontrast sein.<\/p>\n<p>Laut, sehr laut ging es \u00fcberwiegend zu bei einem anderen grenz\u00fcberschreitende Projekt, ebenfalls einem Trio, gebildet aus dem \u00f6sterreichischen, in K\u00f6ln wohnenden Pianisten Philipp Zoubek, dem Gitarristen Ivan Cruz aus Lille und dem Schlagzeuger Marcin Witkowski aus Warschau. Zoubek ist bekannt als Protagonist des pr\u00e4parierten Klaviers, der mit einer Unzahl an Materialien aus dem Alltagsleben experimentiert, um immer noch neue Sounds und Ger\u00e4usche zu erzeugen, verst\u00e4rkt noch durch elektronische Zutaten vom Keyboard. Im Zusammenspiel mit Schlagzeug und vor allem elektronisch \u00fcberladener Gitarre entstanden dann t\u00f6nende Cluster, die f\u00fcr empfindsame Ohren zeitweise bis zur Unertr\u00e4glichkeit gesteigert wurden und sich vom Kriegsl\u00e4rm der aktuellen Berichterstattung aus dem Nahen Osten kaum unterschieden. Aber m\u00f6glicherweise waren solche Parallelen beabsichtigt. Trotz dieser Einw\u00e4nde &#8211; die Musiker hatten den durch konkurrierende Veranstaltungen oder das L\u00e4nderspiel Italien-Deutschland verursachten extrem schwachen Besuch nicht verdient.<\/p>\n<p>Leider gab es bei diesem wie auch einigen der anderen Konzerte keine oder nur lapidare, wenig erhellende Ansagen, was doch gerade bei sehr komplexer Musik den Zuh\u00f6rern dienlich sein k\u00f6nnte. Dieser Mangel traf auch f\u00fcr das letzte Konzert zu, bestritten im Institut fran\u00e7ais vom franz\u00f6sisch-japanischen Quartett \u201eKaze\u201c, das von MUZZIX unterst\u00fctzt wird. Die Trompeter Christian Pruvost und Natsuki Tamura spielten in den ersten Titeln langgezogene, fast elegische Linien, teils unisono, teils sich kontrapunktisch umspielend. Die Pianistin Satoko Fuji nutzte mit vollen Akkorden und perlenden L\u00e4ufen die Tastatur, griff aber abwechselnd mit vollen H\u00e4nden auch in die nicht pr\u00e4parierten Saiten des Fl\u00fcgels, erzielte zuweilen sehr zarte Kl\u00e4nge dadurch, dass sie eine Nylonschnur wiederholend durch bestimmte Saiten zog. Aber in der Mitte des Konzerts entfernten sich die Trompeter von ihren reinen, manchmal Fanfaren \u00e4hnlichen Kl\u00e4ngen, um dann diese strahlende Clart\u00e9 mittels unkonventioneller Behandlung ihrer Instrumente bewusst zu zerst\u00f6ren. Dem gewollten Chaos schlossen sich der Schlagzeuger Peter Orins und die Pianistin l\u00fcckenlos an. Die Zuh\u00f6rer akzeptierten diesen Wechsel mit anhaltendem Beifall.<\/p>\n<p>Literatur und Film bereicherten das Konzertprogramm. Im Institut fran\u00e7ais wurde der 2015 mit dem Prix Goncourt ausgezeichnete, gerade in deutscher \u00dcbersetzung erschienene Roman \u201eKompass\u201c durch seinen Autor Mathias \u00c9nard pr\u00e4sentiert \u2013 die Erinnerungen eines Wiener Musikwissenschaftlers an seine Forschungsreisen in den Orient. Immer wurden im Rahmen von \u201eVive le Jazz\u201c auch Filme vorgef\u00fchrt, m\u00f6glichst mit Bez\u00fcgen zu Musik, so u. a. \u201eFahrstuhl zum Schaffott\u201c mit der ber\u00fchmtem Musik von Miles Davis, \u201eDes Femmes disparaises\u201c mit Art Blakey, \u201eAu\u00dfer Atem\u201c mit Martial Solals Musik, eine Dokumentation \u00fcber Michel Petrucciani. Diesmal gab es den Dokumentarfilm \u201eIl est minuit \u2013 Paris s\u2019veille\u201c, eine Hommage an den Geist des \u201erive gauche\u201c von Paris, mit Legenden wie Charles Aznavour und Juliette Gr\u00e9co.<\/p>\n<p>Gro\u00dfes Vergn\u00fcgen bereitete das Filmprojekt von MUZZIX, auf das sich der Pianist Stefan Oris mit seinem Trio als Begleiter von Stummfilmen spezialisiert hat. F\u00fcr dieses Jahr waren die 1918 gedrehte Kom\u00f6die \u201eIch m\u00f6chte kein Mann sein\u201c von Ernst Lubitsch und das um dieselbe Zeit entstandene ber\u00fchmte \u201eTriadische Ballett\u201c des Bauhaus-Lehrers Oskar Schlemmer, in der neuen Verfilmung von 1970, ausgew\u00e4hlt worden. Gro\u00dfer Beifall f\u00fcr die einf\u00fchlsame Begleitmusik\u201c.<\/p>\n<p>Es bleibt zu hoffen, dass es Hans-J\u00fcrgen von Osterhausen auch im n\u00e4chsten Jahr gelingen wird, gen\u00fcgend Sponsoren und helfende Institutionen aufzutreiben, um \u201eVive le Jazz\u201c zum zehnten Mal realisieren zu k\u00f6nnen, wegen der vielen zeitgen\u00f6ssischen, manchmal provozierenden, aber immer anregenden Musik, aber nicht zuletzt auch wegen des vorbildhaften Beispiels seiner grenz\u00fcberschreitenden Aktionen im Bereich des zeitgen\u00f6ssischen Jazz.<\/p>\n<p>Fotos: Institut francais<\/p>\n<p><span style=\"border-radius: 2px; text-indent: 20px; width: auto; padding: 0px 4px 0px 0px; text-align: center; font: bold 11px\/20px 'Helvetica Neue',Helvetica,sans-serif; color: #ffffff; background: #bd081c  no-repeat scroll 3px 50% \/ 14px 14px; position: absolute; opacity: 1; z-index: 8675309; display: none; cursor: pointer; top: 332px; left: 273px;\">Merken<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Dietrich Schlegel &#8211; Welch feine Nuance doch in der franz\u00f6sischen Aussprache von Jazz liegt im Vergleich mit der amerikanisch-englischen und international gebr\u00e4uchlichen Ursprungsversion, weich und sanft, fast z\u00e4rtlich kommt er daher, der Jazz \u00e0 la fran\u00e7aise. 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