Menzels Schwester Emilie im Schlaf. Um 1848, Öl auf Papier, aif Leinwand, 46,8 × 60 cm Adolf Friedrich Erdmann von Menzel. Hamburg, Kunsthalle
Menzels Schwester Emilie im Schlaf. Um 1848, Öl auf Papier, auf Leinwand, 46,8 × 60 cm. Adolf Friedrich Erdmann von Menzel.

Kein ECHO weit und breit – Roter Teppich wird eingerollt

Wenn man einmal bedenkt, welche Wellen der Film zu Anna-Lena Schnabel im letzten Oktober geschlagen hat, als sie und die ECHO-Jazz-Verleihung ins Zentrum mehr oder minder starker Diskussionen rückten, kann man als Außenstehender schon etwas verwundert darüber sein, dass der aktuelle ECHO-Skandal so gut wie keinen „öffentlichen“ Widerhall findet im Jazz-Biotop (zwei [vier] Meldungen von Anke Helfrich und Sebastian Sternal gibt es da*). Ist das nun nur Ignoranz? Oder der Haltung geschuldet, dass man sich sagen mag, das eine habe mit dem anderen nichts zu tun?


Bei den Leuten aus dem ECHO-Klassik gab es ja doch zahlreiche Wortmeldungen. Von Christian Thielemann über Daniel Barenboim bis zu Igor Levit. Der ECHO war plötzlich irgendwie „beschädigt“. Erst jetzt? Unter den Jazzerinnen gab es auch nicht wenige, die das Treiben kritisch beäugten. Und nun? Nicht einmal die Meldung, dass man den nächsten ECHO-Jazz ohne Brimborium von Fernsehen und Co über die Bühne gehen lassen will, führte zu irgendeiner nennenswerten Reaktion. Das eine hat offenbar doch mit dem anderen „irgendetwas“ zu tun. Auch der ECHO Jazz ist nun mitbetroffen. Der rote Teppich kann wieder eingerollt werden.

Man könnte das jetzt unter „Ist ja auch sowieso alles egal“ abtun. Klar, der ECHO Jazz orientiert sich nicht an Verkaufszahlen, sondern ist ja ein wirklich echter Preis, bei dem eine Jury jeweils Produktionen und Künstler auszeichnet (aber auch das stimmt ja – höflich gesagt – nur bedingt). Also: Woher kommt diese beunruhigende Ruhe nur?

Es kann meines Erachtens nur an dieser besinnungslosen Hassliebe zu dem Preis liegen. Aufmerksamkeit: Ja. Ernstnehmen: Jein. Und bzw. oder: Es gibt eben wichtigeres zu tun. Kunst machen zum Beispiel. Geld verdienen zum Beispiel.

Enge der Szene

Was also würde der Jazzszene fehlen, wenn es den ECHO Jazz nicht gäbe, so wie vor 2010? Eben! Nichts. Jetzt fehlt einem auch nichts und in die Biographie kann man zur Not immer noch reinschreiben, dass man den ECHO Jazz bekommen habe. Wozu einige ohnehin mit gewisser Häufigkeit das Recht hätten und damit zu allem Unterfluss die Enge der Szene widerspiegeln. Obwohl, vielleicht … Die Jazzszene ist ja keineswegs so eng wie es die Preisvergabe des ECHO Jazz vermuten lässt. Sondern?

Sondern: Der musikindustrielle Zweig des Jazz. Gewiss, tolle Musikerinnen dabei. Aber die würden auch ohne EGO (!) Jazz ihre klingenden Runden ziehen. Im Bereich Nachwuchs (!) kommt der Preis überdies zu spät und hat genau welche Wirkung? „Kannste in die Bio schreiben.“

Gibt es dazu wohl vielleicht auch noch andere Meinungen? Oder habe ich da etwa etwas überhört?


* Nachtrag (6.5.2018 _ 14:49): Doch noch eine Meldung gefunden. Till Brönner wurde von der Berliner Morgenpost gefragt und antworte: „Ich habe selbst noch nicht darüber nachgedacht, meine Preise zurückzugeben“ (Berliner Morgenpost). Er selbst also nicht, wer dann?

* Nachtrag (7.5.2018 _ 10:44): Martin Laurentius macht mich auf einen weiteren Kommentar aufmerksam: Tim Allhoff gibt seinen Echo nie zurück

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