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Jazzzeitung

2009/04  ::: seite 4

berichte

 

Inhalt 2009/04

Inhaltsverzeichnis

STANDARDS

Editorial / break / Nachrichten aus der Jazzszene / kurz, aber wichtig / ABC: Lester Young ist schuld / Farewell: Charlie Mariano starb mit 85Abschied von Bud Shank


TITEL -
Jazz im ganz nahen Osten
Eine Rückschau ins Land der Improvisateure mit Ausblick


DOSSIER
- Auf den Spuren des Balkan Jazz
Gespräche mit Nicolas Simion und Theodosii Spassov

Berichte
Jazz an der Donau im Juli 2009 // jazzopen Stuttgart 2009 // Jugend jazzt-Landessieger treffen Hannover // Jazz Sommer 2009 im Hotel Bayerischer Hof // 27. Südtirol Jazz Festival // Vorschau: 50 Jahre Blechtrommel: die beiden Günters arbeiten wieder zusammen


Portraits

Jon Balke // Esther Kaiser // Rainer Tempel // Julian und Roman Wasserfuhr // Marcel Worms // Labelporträt: Euphorium Records


Jazz heute und Education
Münchner Kritikerband „La Banda“ wagt den Schritt an die Öffentlichkeit // Große Parteien beantworten Wahlprüfsteine der BKJazz // Abgehört: Charlie Hadens Solo „Focus On Sanity“

Rezensionen und mehr im Inhaltsverzeichnis

 

Wein, Berge und Musik an 45 Orten

Das 27. Südtirol Jazz Festival und eine Entdeckung: der Pianist Alessandro Lanzoni

Klaus Widmann fürchtet nicht vieles. Nur das Wetter macht ihm zu schaffen. Denn man kann sich das schönste Festival ausdenken, an wunderbaren Orten - wenn es dann regnet und der Wind bläst, ist alles für die Katz.

Live im Weinberg: Alessandro Lanzoni. Foto: Andrea Ceccarelli

Bild vergrößernLive im Weinberg: Alessandro Lanzoni. Foto: Andrea Ceccarelli

Im vergangenen Jahr hatte das Südtirol Jazz Festival derart Pech, dass Widmann sich kurzerhand entschloss, die ganze Veranstaltung anno 2009 drei Wochen später anfangen zu lassen. Und die Entscheidung war weise. Zwar gab es auch diesmal hie und da ein wenig Niederschlag, insgesamt aber war es viel freundlicher und so kamen die erhofften Leute, um die Künstler zu bewundern, die sich für Konzerte nach Meran, Bozen, Sterzing oder auch nach Kaltern, Tscherms, Völs oder Feldthurns begeben hatten. Das war wichtig, denn zur ursprünglichen Intention, dem Jazz überhaupt ein Forum in der Südtiroler Kulturlandschaft zu bieten, haben sich touristische Aspekte gesellt, die dem Land durch Musik mehr Attraktivität und Weltoffenheit verordnen. Und nicht zuletzt hat sich auch inhaltlich einiges verändert, denn Klaus Widmann, der das Festival seit vier Jahren leitet, hat der Veranstaltung den Insiderstatus genommen, den es durch die avantgardistische Musik der frühen Jahre hatte, und die Konzerte für ein neues, größeres Publikum geöffnet. Und so ging nach zehn Tagen, gut 80 Konzertveranstaltungen an 45 Orten mit 150 Musikern aus 17 Nationen und rund 15.000 Besuchern die 27. Ausgabe des Festivals erfolgreich zu Ende.

Viel Ungewöhnliches gab es zu erleben, Konzerte auf Berghütten und in Weingütern, mit Dolomiten-Panorama oder dem Flair der Südtiroler Metropolen. Großartige Künstler von Brad Mehldau bis Rebekka Bakken und Paolo Fresu bis Wolfgang Muthspiel gaben sich die Ehre und präsentierten viel Neues und vor allem anspruchsvollen modern europäischen Jazz. Einer der unterhaltsamen Höhepunkte war dabei das Eröffnungskonzert im Bozener Stadttheater. Der Pianist Stefano Bollani lud zum musikalischen Meeting und stellte sich auf der Bühne mit zahlreichen wechselnden Formationen vor. Thema des Abends war die Klangwelt Brasiliens, die von den einzelnen Gästen sehr unterschiedlich ausgelegt wurde. Da gab es zurückhaltende Charaktere wie den Sänger Marcos Sacramento, dessen samtener Bariton dezent mit Intonationsproblemen kämpfte und darüber hinaus die Spannung über mehrere Lieder hinweg nicht zu halten vermochte. Großartig hingegen waren die Duos und Ensemblestücke mit dem Mandolinen-Spieler Hamilton de Holanda (der dann am folgenden Abend auch ein eigenes, gefeiertes Konzert in Sterzing gab). Hier sprühten die Musiker vor Vitalität, ließen sich auf humorvolle und zuweilen auch herausfordernde Zwiegespräche ein, die wiederum von Stefano Bollani temperamentvoll in famos fließende Musik im Stile der jazzigen Ableger der Musicá Popular Brasileira verwandelt wurden. Für das Südtirol Jazz Festival Alto Adige jedenfalls wurde von diesem Konzert das Motto ausgegeben: Lasst euch nicht unterkriegen und genießt die Schönheit und den Spaß, den gute Musik bieten kann.

Ralf Dombrowski

Das Jazz-Piano stand im Mittelpunkt des Südtiroler Jazzfestivals 2009. Zu Gast waren Uri Caine, Stefano Bollani und Brad Mehldau, der das Schlusskonzert im Stadttheater Bozen bestritt, unter anderem mit seiner Sicht auf die Songs von Radiohead, Massive Attack und Nick Drake. Höchstes pianistisches Niveau also beim 27. Südtiroler Jazzfestival. Besonders aufhorchen ließ dieses Jahr ein gerade 17-jähriger Pianist aus Florenz: Alessandro Lanzoni. Im Trio mit Ares Tavolazzi (b) und Walter Paoli (dr) wusste er sein Publikum auf dem Messnerhof, einem Weingut oberhalb von Bozen, mit einer Mischung aus Standards und Eigenem zu faszinieren. Nach dem Konzert nutzte Andreas Kolb die Gelegenheit, sich mit dem jüngsten Musiker des Festivals zu unterhalten.

Jazzzeitung: Ares Tavolazzi, der Bassist in deinem Trio, war vor 27 Jahren als Musiker bei der ersten Ausgabe des Südtiroler Festivals dabei, jetzt präsentierte er dich als Newcomer...
Alessandro Lanzoni: Ich werde in 27 Jahren auch wieder kommen.

Jazzzeitung: Wenn du die Wahl hättest: Welchen der anwesenden Pianisten hättest Du Dir als Professor oder Mentor ausgesucht? Stefano Bollani, Brad Mehldau oder Uri Caine?
Lanzoni: Bei Bollani habe ich früher schon Workshops besucht, jetzt im Moment entscheide ich mich für Mehldau. Zur Zeit höre ich mir viel von ihm an.

Jazzzeitung: Mit Mehldau hast Du die Liebe zur klassischen Musik gemeinsam.
Lanzoni: Ja, ich spiele auch klassische Musik. Ich studiere klassisches Klavier am Konservatorium in Florenz bei Giovanna Prestia, Jazz dagegen in Siena. Jeden Monat fahre ich für vier Tage dorthin und arbeite etwa mit dem Gitarristen Kurt Rosenwinkel oder belege Workshops bei Stefano Bollani.

Jazzzeitung: Hast Du dich schon endgültig entschieden zwischen Jazz und Klassik?
Lanzoni: Ja, für den Jazz. Ich liebe die Freiheit, die ich im Jazz habe.

Jazzzeitung: Deine Eltern kommen von der Klassik. Sind sie traurig, dass du dich für den Jazz entschieden hast?
Lanzoni: Vielleicht meine Mutter ein bisschen...doch mein Vater versteht mehr davon und respektiert meine Entscheidung.

Jazzzeitung: Wie bist du auf den Jazz gestoßen?
Lanzoni: Zuerst durchs Radiohören. dann CDs.

Jazzzeitung: Seit wann gibt es dein Trio? Wenn man dein Trio hört, hat man den Eindruck, ihr versteht euch blind.
Lanzoni: Wir sind seit drei Jahren zusammen und spielen etwa 50 Konzerte im Jahr. Es gibt zwei Alben, „On the Snow“, eine reine Trio-Aufnahme, und „Lee Konitz meets Alessandro Lanzoni Trio“.

Jazzzeitung: Die Aufnahme mit Konitz ist einem Deiner Vorbilder gewidmet, Bill Evans. Du schreibst auch eigene Musik. Wie gehst Du vor?
Lanzoni: Schwer zu erklären. Ich höre eine Melodie und darum herum gestalte ich das Stück. Ich komponiere nicht viel, aber ich spiele dennoch sehr gerne Eigenes.

Jazzzeitung: Deine Zukunft: welche Pläne hast du?
Lanzoni: Ich möchte nach New York und dort weiterstudieren.

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