Apr 142016
 

Fotos und Text von Ralf DombrowskiEs ist mehr als ein Festival. Denn alle zwei Jahre trifft sich im Städtchen Birstonas, weit draußen im litauischen Hinterland an idyllischen Memel-Auen gelegen, die Jazz-Szene des Landes, um zu begutachten, was die Kollegen in den vorangegangenen Monaten zustande gebracht habe. Das Programm ist daher nicht das oft übliche Defilee der Bekanntheiten, das auf die internationale Durchdringung der Projekte mit berühmten Namen setzt, sondern ein Wechselspiel nationaler Größen und Talente, die sich im Stadtsaal und in einer Late-Night-Location die Klinke in die Hand geben. Das Publikum wiederum weiß diese Leistungsschau des Originären zu schätzen und geht mit wohlwollender Offenheit und Aufmerksamkeit auch an sperrige Projekte heran. (Weiter nach Galerie)

Das stilistische Spektrum der drei Festivaltage war dabei ebenso weit wie stellenweise nostalgisch. So ließ beispielsweise der Keyboarder Dainius Pulauskas  mit neunköpfiger Band seine vergangenen zwei Fusion-Jahrzehnte Revue passieren, progrockig opulent und mit fester Verwurzelung im Sound der Achtziger. Das Trio des Saxofonisten Liudas Mockunas mit dem Bassisten Eugenijus Kanevicius und Drummer Vladimir Tarasov liebte die großen Gesten der freien Expressivität, wohingegen das International Jazz Quintett mit den Saxofonisten Deniss Pashkevich und Jonas Maksimovicius den akademisch virtuosen  Sound der Nullenjahre hofierte.

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Aber es ging auch anders. So schwor die Grupe Jazz Island ein gutes Dutzend Teenager auf ein Niveau des A Cappella Gesangs ein, das dem Land der Stimmen und Chöre Litauen alle Ehre machte. Der Arrangeur und Bandleader Liutauras Janusatis dokumentierte mit großem, mit zusätzlichem Oktett und Sängerin sich auf der Bühne austauschenden Ensemble einen grandios kraftvollen Zusammenhang der Gegensätze. Und auch Talente wie die junge Sängerin Rita Jakulyte gab es zu entdecken, die zusammen mit ihrer Mitstudenten Marija Grabštaité und einem Trio um deren Professor am Konservatorium von Vilnius Arturas Anusauskas aus tiefster Überzeugung und Musikalität die Freude an der modern jazzigen Ausdruckskraft pflegte.

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