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Ausgabe Juli/August 1998

INTERVIEW

Die Siegertypen

Lutz Häfner, Nils Wogram und Carola Grey Preisträger in Nürnberg und Burghausen

Diskographie:

Lutz Häfner featuring Joey Calderazzo, Mike Richmond, Billy Hart. Aufg. März 1997
(Mons MR 874-804)

Dejan Terzic's SUNDAY NIGHT ORCHESTRA (mit Lutz Häfner) feat. Jerry Bergonzi Aufg. 1995/96
(Mons 120-874-775)

Autor: Godehard Lutz

Fotos: Godehard Lutz

 

Der erstmalig vergebene "Internationale Jazzpreis Nürnberg" ging 1998 zu gleichen Teilen an den Saxophonisten Lutz Häfner aus Nürnberg und den Posauni-sten Nils Wogram aus Köln. Der Preis, der mit insgesamt 10.000 DM dotiert ist, wurde von den Nürnberger Nachrichten gestiftet und von einer Fachjury vergeben. Im Rahmen eines kurzen gemeinsamen Auftritts bei Jazz Ost West Nürnberg wurde er überreicht, aus technischen und organisatorischen Gründen leider etwas am Rande des Festivals. Vor der Preisverleihung sprach die Jazzzeitung mit Lutz Häfner.

Jazzzeitung: Hast du Pläne, die du jetzt mit diesen 5.000 Mark vielleicht verwirklichen kannst?

Häfner: Wir haben gerade eine ganz neue Band am Laufen, "Ef@x'o'phonies" wie Effekte, Saxophone und Klänge, mit Hendrik Smock, Danny Schröteler, Markus Schieferdecker, Frank Lauber und mir — also zwei Schlagzeuger, E-Bass und zwei Saxophone. Wahrscheinlich werde ich das Geld in diese Band investieren, dieses Projekt ist jetzt aktuell.

Jazzzeitung: Sprechen wir über deine vielbeachtete Debüt-CD, die du vor gut einem Jahr in New York mit Joey Calderazzo, Mike Richmond und Billy Hart aufgenommen hast. Provozierend gefragt: Konntest du keine adäquaten Mitspieler in Deutschland finden?

Häfner: Ich war da noch beim BuJazzO (Bundes-Jugendjazz-orchester), und Mike Richmond sagte zu mir, ich sollte doch mal eine CD machen, wenn er dabei etwas für mich tun könnte, sollte ich es ihn einfach wissen lassen. Irgendwann bin ich dann nachts aufgewacht, und da ging mir das durch den Kopf. Ich dachte: Jetzt fühlst du dich nicht gut genug, eine CD aufzunehmen, aber in zehn Jahren auch nicht. Dann kannst du es gleich machen. Ich habe Mike Richmond angerufen und ihm gesagt: "Ich habe mich dazu entschieden, eine CD zu machen." Seine Reaktion war: "Cool, ich helfe dir." Er hat dann diese Musiker wahnsinnig billig organisiert, und ich habe beschlossen: Wenn ich schon die Möglichkeit habe, mit denen etwas zu machen, dann mache ich es einfach. Daß es so namhafte Musiker waren, war dabei erst einmal zweitrangig. Und Thilo Berg von Mons Records habe ich die Aufnahmen erst hinterher geschickt. Er hat sofort die Veröffentlichung zugesagt.

Jazzzeitung: Die CD bietet ja nicht gerade etwas musikalisch aufregend Neues. Wo siehst du deine Stellung in der Entwicklung des Jazz?

Häfner: Wenn ich meine Musik so spiele, wie ich es mir vorstelle, dann ist es neu genug. Ob es jedem gefällt, ist mir egal.

Jazzzeitung: Auch mit dem Sunday Night Orchestra macht ihr eher konservative Mainstream-Musik.

Häfner: Nicht mehr so sehr. In der Anfangszeit natürlich schon, da haben wir Bill Holman, Thad Jones und was weiß ich was gespielt. Das lag vor allem daran, daß nicht genügend Material da war. Jetzt kommt immer mehr neues Material von deutschen Arrangeuren, zum Beispiel Jürgen Friedrich schreibt für die Band, Marco Lackner, Peter Fulda. Im Juli wollen wir eine neue CD aufnehmen, die wird nur mit Stücken von deutschen Komponisten und Arrangeuren sein. Ich finde, daß das alles sehr gute Arrangements sind. Ob die jetzt innovativ sind oder nicht — ich weiß nicht. Das spielt für mich keine Rolle.

Jazzzeitung: Stichwort Bigbands. Mit dem "Sunday Night" bist du zum ersten Mal auch überregional bekannt geworden, aber vorher gab es natürlich das BuJazzO, die First Bavarian Herd, das bayerische Landes-Jugendjazzorchester, dann Maria Schneider, die RIAS-Bigband — also alles, vielleicht mit Ausnahme von Maria Schneider und dem Deutsch-französischen JazzEnsemble, klassische MainstreamBands. Wie stehst du zum Bigband-Spielen?

Häfner: Ich könnte tagelang in der Bigband spielen. Wenn man da einen Saxophonsatz hat, der tight spielt, dann brauche ich den ganzen Abend lang kein Solo spielen.

Jazzzeitung: Du bist derzeit mit der jungen kanadischen Trompeterin Ingrid Jensen auf Tournee, die auch heute nacht als Gast mit deinem Quartett auftritt. Auf ihrer zweiten Enja-CD "Here on Earth" spielt sie oft eher verhalten, so wie du auf deiner Platte. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

Häfner: Wir haben ja mit dem Sunday Night Orchestra schon mehrmals mit Maria Schneider gespielt, und als ich zu meiner CD-Aufnahme in New York war, hat mich Maria eingeladen, in ihrem Orchester mitzuspielen. Da habe ich dann Ingrid getroffen, das war's erst einmal. Walter Schätzlein hat mir daraufhin angeboten, hier bei "Jazz Ost West" zu spielen und auch etwas mehr Geld zu zahlen, damit ich mir vielleicht noch jemanden dazu holen könnte, mit dem ich gerne zusammen spielen würde. Und da kam ich auf Ingrid. Ich wollte nicht irgend jemanden einladen, sondern jemanden, auf den ich stehe, menschlich und musikalisch.

Carola Grey erste Preisträgerin des Jazzpreises Burghausen

Die Schlagzeugerin Carola Grey ist erste Preisträgerin des von der oberbayerischen Kleinstadt Burghausen an der Salzach zusammen mit einem Sponsor gestifteten "Jazzpreis Burghausen" im Gesamtwert von 20.000 DM. Der Preis, eine kleine Bronzestatue eines Jazztrios und ein Scheck über 8.000 DM, wurden der jungen Schlagzeugerin aus München im Rahmen der 29. Jazzwoche Burghausen überreicht.

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